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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Kategorie:Genealogie&amp;diff=12218</id>
		<title>Kategorie:Genealogie</title>
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		<updated>2012-07-24T15:14:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: Die Seite wurde neu angelegt: „ In dieser Kategorie werden Genealogien sowie Artikel zu besonderen genealogischen Verbindungen gesammelt.“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
In dieser Kategorie werden Genealogien sowie Artikel zu besonderen genealogischen Verbindungen gesammelt.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12216</id>
		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T15:13:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Quellenangaben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene Figuren. Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die große Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut sehr auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar. Sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse wichtige Funktionen im Leben des Einzelnen. Pflichten, Aufgaben sowie Verbote sind vorhanden um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach außen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Verwandtschaft und Vorfahren war äußerst wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wurde stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Fraktionen, wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörenden Personen,[Goetz 2009: S. 15-17] sowie in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische], [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) affine Verwandtschaft].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie von einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen geborenen Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr eng und sie sind zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten, die man für den anderen einzuhalten hat. Darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen: wenn ein Verwandter Hilfe braucht, so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz- und Rache-Gebot, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss gegen sie kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen, so hat die Verwandtschaft die Pflicht, dieses zu rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen. Dies gilt als Ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein, seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel indem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt, welche man verteilen kann. Diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991. Regest 1591.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend, um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]], zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14). Nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt, ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, erst [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen. Als die Verwandtschaft bemerkt wird, brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes Eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das &amp;quot;nicht Erkennen&amp;quot; das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten war auch eine Heirat zwischen zu nah verwandten Personen verboten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit außerhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] noch unterschiedlich gewesen, sie variieren je nach Zeit: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003. Regest 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die Verhinderung der Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006. Regest 1286.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben. Gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983. Regest 8664.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Bretonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampf gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genealogie|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Historischer Kontext|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12215</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T15:11:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: der [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott erworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierarchie und eine stärkere Vermischung der beiden Sphären stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse noch einmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles Ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder. Dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern, welche den Gral beschützen und Damen, welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hat, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Gralsgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist ebenfalls die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleuchtet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden die des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet, das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird. Um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser außer jene der Einsiedler (225,19-22). Dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied: König Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch andere Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verbindungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat beruft er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen auch gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz &amp;quot;chaotisch&amp;quot;[Bumke 2004: S. 62] wirkender Passagen des Zögerns, der Passivität und mangelnder Durchsetzungskraft ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f). Befehle, die denen des Grals widersprechen, wie zum Beispiel der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen. Er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet, dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, dass alles auf den Gral fixiert ist, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Utependragun|Linie]] gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Artus|Nachfolge Artus]] nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5) gab, muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gralsk.C3.B6nig|vererbt]]. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal, welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits tot, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie aber nicht mehr fortbesteht, muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival|Nachfolge Parzivals]] gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Gemeinsamkeiten zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königsheils des Gralshüters bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge. Jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt, als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung. Zwar leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erleidet kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Gralshof und Artushof auf diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet sich auch das Artuskönigtum unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und Ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel, die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vor allem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), desweiteren für die Verteidung seiner Gebiete, sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch aufrecht und die Damen sind Bestandteil des rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16). In diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie, wie die Ritter ebenso, in die Welt entsandt um über Reiche zu herrschen, die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30). Dort ist es ihnen auch erlaubt zu heiraten und Kinder zu bekommen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von außen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, Einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von außerhalb. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten, sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als einschränkendste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), außer für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweitertes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot]: solange man Teil der Gralsgesellschaft ist, darf man nicht heiraten. Erst wenn man in die Welt entsandt wird, darf man eine Person, die nicht zur Gralsgesellschaft gehört, heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist, kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft und wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörend. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweist der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt, ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt, ist für beide der Begriff der [[Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen der Minne immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das Zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten, welche ihnen beiden zur Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt, desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er, indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit vollbringt. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minnebegriffs fundamental. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vor allem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheil zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbergen auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offensichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle. Der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz&#039; Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artuswelt als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen,welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird, während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot; hinterher und erreicht es schlussendlich, durch seine Abstammung und Gott, auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch argumentieren, dass dieser Kampf keine derartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese Annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche Vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung des Herrschers betont Delabar die Vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das Erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äußert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vor allem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Einstellung zur Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön, die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sind auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter. Die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfach die Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
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		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T15:11:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene Figuren. Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die große Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut sehr auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar. Sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse wichtige Funktionen im Leben des Einzelnen. Pflichten, Aufgaben sowie Verbote sind vorhanden um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach außen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Verwandtschaft und Vorfahren war äußerst wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wurde stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Fraktionen, wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörenden Personen,[Goetz 2009: S. 15-17] sowie in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische], [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) affine Verwandtschaft].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie von einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen geborenen Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr eng und sie sind zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten, die man für den anderen einzuhalten hat. Darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen: wenn ein Verwandter Hilfe braucht, so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz- und Rache-Gebot, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss gegen sie kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen, so hat die Verwandtschaft die Pflicht, dieses zu rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen. Dies gilt als Ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein, seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel indem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt, welche man verteilen kann. Diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991. Regest 1591.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend, um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]], zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14). Nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt, ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, erst [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen. Als die Verwandtschaft bemerkt wird, brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes Eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das &amp;quot;nicht Erkennen&amp;quot; das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten war auch eine Heirat zwischen zu nah verwandten Personen verboten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit außerhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] noch unterschiedlich gewesen, sie variieren je nach Zeit: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003. Regest 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die Verhinderung der Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006. Regest 1286.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben. Gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983. Regest 8664.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Bretonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampf gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genealogie|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Historischer Kontext|Kategorie]]  &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
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		<title>Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T15:09:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Isenhart von Azangouc ist ein Ritter, welcher unter anderem bei [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] im 1. Buch eine Rolle spielt. Er kommt bei Wolfram nie lebendig vor, denn sein Tod ermöglicht die Haupthandlung  des ersten Buches: die Belagerung der Burg Pâtelamunt im Königreich Zazamanc. Isenhart war im Dienste der Königin von Zazamanc, [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], gefallen, er hatte um jeden Preis versucht ihre Liebe zu erringen und dafür mit dem Leben gezahlt. Seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandten]] hatten dabei Verrat durch Belacane vermutet, weil sie Isenhart dazu gebracht hatte, seine Rüstung abzulegen und da sein Mörder Prothisilas ihr Vasall gewesen war. Deswegen waren sie gegen Belacane in den Krieg gezogen und hatten ihre Hauptstadt belagert. Durch [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Auftreten wird diese Belagerung beendet und es kommt zu einer Aussöhnung, nach der Gahmuret die Rollen des Isenhart übernimmt; sowohl als [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram vosn Eschenbach, Parzival)|Ehemann]] der Belacane als auch als Herrscher über das Königreich Azagouc. Desweiteren werden ihm Teile von Isenharts besonderer Ausrüstung sowie seine ehemaligen Lehensleute und Vasallen übergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Isenhart=&lt;br /&gt;
== Beschreibung bei Wolfram==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenhart wird als ein Ritter von Adel mit prächtigem Leib, großer Stärke und herausragender Klugheit beschrieben. Charakterlich soll er feinste [[Courtoisie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sitten]], Keuschheit sowie Stolz gehabt haben. Dazu war er großzügig und nicht mit Schlechtigkeiten zu verunsichern. Sein Vater war der Königs Tankanîs. Wie Belacane selbst war Isenhart dunkelhäutig und kein Christ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane sagt bei V. 26, 11-25 folgendes über Isenhart:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || Sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der triwe ein reht beklibeniu früht: || ein Edelreis der Treue, das so recht angegangen ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn zuht wac für alle zuht. || Seine Sitten waren noch feiner als die Courtoisie selber.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was noch kiuscher denne ein wîp: || Noch keuscher als eine Frau war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vrecheit und ellen truoc sîn lîp, || doch wachen Stolz und Stärke trug sein Leib.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sone gewuohs an ritter milter hant || Es wuchs nie eine Hand an einem Ritter, die so bereit zu schenken war wie seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor im nie über elliu lant || so weit man auch schaut in der Welt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(ine weiz waz nâch uns süle geschehen: || ich weiß naürlich nicht, was nach uns noch geschehen wird,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des lazen ander liute jehen): || davon mögen dann andere reden -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was gein valscher fuore ein tôr, || und er war taub auf jenem Ohr, in das man ihn zu Schlechtigkeiten rief,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in swarzer varwe als ich ein Môr. || und schwarz wie ich, ein Mohr.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn vater hiez Tankanîs, || Sein Vater hieß Tankanîs,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein künec: der het och hôhen prîz. || ein König, der war auch ein großer Held.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Mîn friunt der hiez Isenhart. || Mein Geliebter, der hieß Isenhart.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beziehung zu Belacane ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenhart hatte um Belacane [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|geworben]] und war an diesem Streben zu Grunde gegangen. Belacane hatte ebenso viel für Isenhart empfunden und war durch seinen Tod in große Trauer geraten (28,10ff). Jedoch wollte sie seinen Werbungen in mädchenhafter Scham nicht nachgeben und hatte ihm deswegen immer weitere [[Heldentum im Parzival|Prüfungen]] auferlegt (27,9-10). Schlussendlich hatte er seine Ausrüstung weggegeben um ihr seine Hingabe zu beweisen. Durch diesen Mangel an Rüstungsschutz war es Prothisilas, einem Fürsten der Belacane, gelungen Isenhart im Wald von Azagouc in einer Tjost zu töten (27,13ff/28,1-7) wobei er auch sein eigenes Leben verloren hatte.&lt;br /&gt;
An seiner Liebe und dem Minnestreben zu Belacane war Isenhart also zu Grunde gegangen. In diesem Sinne kann er als Beispiel dafür gewählt werden, auf welche Art ein Ritter zu Tode kommen kann, wenn er sich der Minne zu einer Frau zu sehr hingibt. Isenhart hatte sein Leben geradezu weggeworfen, indem er ohne Rüstung [[Das Tjostieren im Parzival|tjostierte]], allerdings schien dies für ihn die einzige Möglichkeit zu sein, Belacane zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwandtschaftliche Beziehungen und Verbündete ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Tod wird von einer durchmischten Gruppe an Kriegern gerächt: Einerseits sind seine eigenen Leute aus Azagouc unter dem mit Isenhart blutsverwandten Mohrenkönig Razalîc (41,9) anwesend, also heidnische Ritter. Andererseits sind Kämpen auf Geheiß des Schottenkönigs Vridebrant sowie dessen christliche, europäische Verbündete anwesend (48,18-49,7).&lt;br /&gt;
Vridebrant ist der Cousin von Isenhart und ihm daher verbunden. Schiltunc ist Vridebrants Schwiegervater und unterstützt wegen dieser [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehung]] dessen Krieg. Weitere Unterstützung erhalten sie durch den Herzog Huitigêr (25,9), den Spanier [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet von Hoskurast]] (25,17) sowie Gaschier aus der Normandie (25,14) und den Neffen der beiden Letztgenannten, Killirjacac (46,25). Zuvor war  Vridebrant noch persönlich anwesend gewesen, da er in der Heimat durch die Verwandten des Königs Hernant angegriffen worden war, musste er sich jedoch zurückziehen (25,2-6).&lt;br /&gt;
Isenhart hatte also gute Verbindungen in die [[Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|heidnische]] und auch in die christliche Welt gehabt. Er stellt eines der Beispiele für einen glorreichen und ruhmvollen heidnischen Helden dar, welcher sich gut mit seinen europäischen Äquivalenten messen kann. Sein eigenes Königreich Azagouc, mit verschiedenen Fürsten und Mächtigen, scheint den europäischen Reichen auch durchaus ebenbürtig und ähnlich zu sein, und beweist seine Gleichwertigkeit spätestens darin, dass Razalîc mit seinen Männern Seite an Seite mit den Schotten kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Rache für Isenhart ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Verwandte hatten Belacane beschuldigt, sie habe den Tod des Isenharts geplant und als Intrige eingefädelt, indem sie ihn zu solch selbstmörderischen Kämpfen ohne Rüstung gebracht hatte. Als Verwandte ist es deshalb ihre Pflicht, Isenhart zu rächen und seinen Tod zu sühnen, auch wenn ihr eigenes Interesse an diesem Kampf keine weiteren Motivationen hat (48,18-49,7) so können sie sich dem Kampf aus Gründen der Verwandtschaft gar nicht entziehen.[Althoff 1990: S. 78][Delabar 1990: 133] Aus diesem Grund griffen sie Belacane in ihrer Burg an und belagerten sie. Dabei gibt es 16 offene Stadttore an denen zu Tag und Nacht gekämpft worden war. Acht davon werden durch Krieger aus Azagouc, unter dem Mohrenkönig Razalîc angeführt. An den anderen acht Toren stehen die Schotten und ihre oben genannten Verbündeten. Gerade der Herzog Huitigêr sowie Razalîc tun sich als starke Kämpen hervor und fügen den Rittern Belacanes schwere Verluste bei. Bis zu Gahmurets eintreffen ist der Kampf noch nicht entschieden, jedoch sind die Verteidiger in einer großen Notlage.&lt;br /&gt;
Gahmurets Erscheinen wendet das Blatt binnen eines Tages. Er kann sowohl Huitigêr (38,1-7), Gaschier (38,26-30) als auch Razalîc (41,16-17) und weitere im Tjost besiegen und ihnen ihr Ehrenwort abzwingen. Mit seinem Verwandten [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verbrüdert er sich zügig und so sind alle wichtigen Männer um ihn versammelt und ihm verbunden. Gahmuret kann mit Kaylet nicht kämpfen, da sie verwandt sind (39,11-14) und er ihn rechtzeitig erkennt.[Delabar 1990: S. 142] Dadurch kann ein umfassender Friede geschaffen sowie die Belagerung beendet werden. Gahmuret Siege über den einen und seine Verwandtschaft mit den anderen ermöglichen ihm eine zügige Konfliktlösung.[Delabar 1990: S. 153] Gahmuret erhält dafür sowohl das Königreich des Isenhart, Azagouc (51,9-12), als auch Belakane, als Ehefrau und somit Zazamanc (45,26-28). Der Isenhart Handlungsstrang wird mit einer Erwähnung seiner königlichen Bestattung vollständig beendet und im Roman nicht weiter behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V. 53, 26-29&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ine hân mirs selbe nieht erdâht: || Ich habe es mir nicht selber ausgedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man sagete mir daz Isenhart || man hat es mir gesagt, dass Isenhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|küneclîche bestatet wart. || bestattet wurde wie ein König;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dat tâten dien erkanden. || das taten seine Freunde.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmuret als Erbe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch diese Wendungen nimmt Gahmuret weitgehend das Erbe des Isenhart an. Razalîc bittet ihn, der neue Herr von Azagouc zu werden (51,9-12), da durch Isenharts Tod diese Stellung verwaist ist. Belacane erfüllt ihr Versprechen und ziert sich bei Gahmuret nicht weiter ihn zum Mann zu nehmen (45,26-18). Durch die Bitten der anwesenden Herrscher erhält er desweiteren das prächtige Zelt des Isenharts zugesprochen (52,23-26), sowie das Versprechen des Herzogs Huitiger ihm den Helm Isenharts, Adamas, zu besorgen (53,3-13). Somit beerbt Gahmuret Isenhart sowohl in der Liebe bei Belacane, als Herrscher von Azagouc und auch als berühmter Krieger. Im Vergleich zu Isenhart vereint Gahmuret den Westen und Orient aber stärker, Isenhart ist lediglich durch Verwandtschaft mit christlichen Rittern aus Schottland verwandt, Gahmuret hat jedoch sowohl eine christliche, königliche Geburt und somit sehr hohen Adel als auch großes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ansehen]] im Orient. Er hatte ja bereits für den Baruc in vielen Schlachten im Orient gekämpft gehabt. Auch dadurch, dass er Belacanes Liebe gewinnen kann, übertrifft er Isenhart. Gahmuret beerbt Isenhart also weniger im Sinne einer Nachfolgerschaft sondern er übernimmt eher Isenharts Aspekte und übertrifft sie durch seine eigenen noch weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren|Kategorie]] [[Kategorie:Orient|Kategorie]] [[Kategorie:Ritter|Kategorie]] [[Kategorie:Parzival I. Buch|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival]] [[Kategorie:Herrscher|Kategorie]] [[Kategorie:Rache|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12209</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T15:08:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolfram von Eschenbachs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zu Erbgängen und Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Beispiel genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt: entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehend, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem weil hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karls des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt. Dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen. Sollte kein Sohn vorhanden sein, geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen, welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange gegeneinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Krisen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen Raum verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war, wenn die Familie über keine Söhne verfügte. Dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen], die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten Frauen zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Handlung beginnt im 1. Buch mit dem Erbfall des Königs Gandin von Anschouwe, welcher in einem Kampf getötet worden war (5,28). Nach dessen Tod soll sein erstgeborener Sohn Galoes alles erben, der zweitgeborene wird nicht bedacht (5,4-8). Die Fürsten von Anschouwe kehren wegen des [http://de.wikipedia.org/wiki/Mannfall#Rechtsbeziehung_zwischen_Lehnsherren_und_Vasallen Mannfalles] bei Gandin ein und erhalten ihre Lehen zugesprochen (6,2-9). Dabei sprechen sie die Bitte aus, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] möge doch von seinem Bruder auch Ländereien erhalten, um seinem Stand gerecht zu werden (6,11-21), Gandin befürwortet die Bitte und bietet seinem Bruder an, wie sein eigener Sohn am Hofe zu leben (7,3-5). Gahmuret jedoch lehnt dies ab, da er dadurch keine Ehre gewinnen kann. Er bittet statt dessen um Gefolge und Austattung um auf eine ritterliche Fahrt zu gehen (7,19-30/8,1-21). Diese Bitte wird ihm von Bruder und Mutter unter Zögern gewährt (8,27-12,26) und er zieht in die Ferne um [[Heldentum_im_Parzival|Heldentaten]] zu vollbringen.&lt;br /&gt;
Hierbei handelt es sich also um den klassischen Fall einer Primogenitur, der ältere Sohn bietet dem jüngeren an sein Gefolgsmann zu werden, um aber selbst zu Ehre und Ruhm zu gelangen lehnt der jüngere Sohn ab und geht auf Ritterfahrt.[Noltze 1995: S. 217] Somit existiert für Gahmuret eine doppelte Motivation auf Aventurie zu gehen, einerseits um der puren Ritterlichkeit willen, andererseits da er zuhause nur im Schatten seines größeren Bruders leben könnte und davon seine Ehre bedroht sieht.[Noltze 1995: S. 220]&lt;br /&gt;
Bemerkenswert an dieser Einführung sind die Kommentare [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] zur Primogenitur. Er beschreibt sie einerseits als im französischen Recht üblich, in deutschen Gebieten auch teilweise vorhanden, sowie den Lesern bekannt (4,27-30), andererseits nennt er sie eine &amp;quot;fremdiu zeche&amp;quot; (5,21) und drückt damit die Fremdheit dieser Ordnung für sich selbst und den Leser aus. Genauso bezeichnet er sie einerseits als von einem weisen Mann geschaffene Ordnung (5,11), andererseits kritisert er ihre Ungerechtigkeit da sie den jüngeren in Not bringt und ihm seinen Erbteil vorenthält (5,4-6). Diese ambivalente Haltung Wolframs zur Primogenitur spiegelt den Zustand seiner Zeit wieder, wo diese Erbfolgeordnung sich mancherorts durchgesetzt hatte aber sicherlich noch kein allgemeiner Brauch war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Erbfolge wird bereits bei seiner Ernennung zum Gralskönig geplant. Sein erster Sohn Loherangrin wird direkt als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Da Parzival selbst als Gralskönig nicht über seine weiteren Reiche herrschen kann, wird Kardeiz bereits als Kind zum König gekrönt (803,21), Parzival spricht ihm die Herrschaft über Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe zu (803,5-10) und fordert seine Vasallen auf ihm damit zu helfen wenn er ein Mann geworden ist (803,9-16). [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] greift sogar soweit vor, dass er Kardeiz für die Zukunft zusagt das Erbe des Parzival und des [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] erobern zu könnnen (803,22-23). Parzivals Erbfolge, sowohl betreff des Grals, als auch seiner übrigen Königreiche, ist also für die Zukunft geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bretane== &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
Das erste Mal als Teil der Handlung werden Utependragun,[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] , Lot und [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] im II. Buch beim [[Das_Turnier_von_Kanvoleis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Turnier von Kanvoleis]] erwähnt. Utependragun ist anwesend (65,29-30), sein Sohn Artus ist auf der Suche nach seiner Mutter, welche [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] mit einem Zauber entführt hatte (66,4-8). Desweiteren sind Lot von Norwaege (66,11), der Schwiegersohn des Utependragun und dessen Sohn Gawan, der noch eine Knabe ist (66,15-17) beschrieben.&lt;br /&gt;
Im Übergang zum III. Buch findet ein Generationenwechsel statt, die Handlung geht einige Jahre in die Zukunft und handelt nun vom Kind des Protagonisten der ersten 2 Bücher, Parzival. Auch Utependraguns Sohn Artus hat mittlerweile die Herrschaft über Bretane angetreten (273,4). Artus war bereits beim Turnier von Kaleis alt genug um selbst Clinschor zu jagen, ist jetzt also deutlich älter als Parzival oder Gawan. Dieser Generationenwechsel wird mit keinem Wort genauer beschrieben. Der Erbfall des Utependragun und Artus als dessen Erbe, scheinen bis zu [[Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Ithers_Ansprüche|Ithers]] auftreten völlig unangefochten zu sein.&lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damen des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind, gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot. Dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]] wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die am weitesten verbreitete Forschungsmeinung dazu, sieht einen von Artus Schwestersnöhnen als kommenden Erben. Also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Historischer Kontext|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11795</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-22T17:17:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: der [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott erworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierarchie und eine stärkere Vermischung der beiden Sphären stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse noch einmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles Ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder. Dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern, welche den Gral beschützen und Damen, welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hat, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Gralsgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist ebenfalls die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleuchtet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden die des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet, das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird. Um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser außer jene der Einsiedler (225,19-22). Dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied: König Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch andere Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verbindungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat beruft er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen auch gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz &amp;quot;chaotisch&amp;quot;[Bumke 2004: S. 62] wirkender Passagen des Zögerns, der Passivität und mangelnder Durchsetzungskraft ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f). Befehle, die denen des Grals widersprechen, wie zum Beispiel der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen. Er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet, dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, dass alles auf den Gral fixiert ist, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Utependragun|Linie]] gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Artus|Nachfolge Artus]] nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5) gab, muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gralsk.C3.B6nig|vererbt]]. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal, welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits tot, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie aber nicht mehr fortbesteht, muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival|Nachfolge Parzivals]] gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Gemeinsamkeiten zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königsheils des Gralshüters bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge. Jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt, als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung. Zwar leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erleidet kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Gralshof und Artushof auf diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet sich auch das Artuskönigtum unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und Ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel, die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vor allem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), desweiteren für die Verteidung seiner Gebiete, sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch aufrecht und die Damen sind Bestandteil des rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16). In diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie, wie die Ritter ebenso, in die Welt entsandt um über Reiche zu herrschen, die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30). Dort ist es ihnen auch erlaubt zu heiraten und Kinder zu bekommen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von außen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, Einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von außerhalb. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten, sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als einschränkendste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), außer für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweitertes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot]: solange man Teil der Gralsgesellschaft ist, darf man nicht heiraten. Erst wenn man in die Welt entsandt wird, darf man eine Person, die nicht zur Gralsgesellschaft gehört, heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist, kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft und wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörend. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweist der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt, ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt, ist für beide der Begriff der [[Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen der Minne immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das Zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten, welche ihnen beiden zur Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt, desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er, indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit vollbringt. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minnebegriffs fundamental. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vor allem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheil zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbergen auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offensichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle. Der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz&#039; Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artuswelt als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen,welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird, während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot; hinterher und erreicht es schlussendlich, durch seine Abstammung und Gott, auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch argumentieren, dass dieser Kampf keine derartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese Annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche Vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung des Herrschers betont Delabar die Vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das Erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äußert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vor allem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Einstellung zur Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön, die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sind auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter. Die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfach die Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
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		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-21T21:32:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: der [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott erworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierarchie und eine stärkere Vermischung der beiden Sphären stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse noch einmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles Ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder. Dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern, welche den Gral beschützen und Damen, welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hat, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Gralsgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist ebenfalls die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleuchtet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden die des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet, das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird. Um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser außer jene der Einsiedler (225,19-22). Dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied: König Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch andere Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verbindungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat beruft er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen auch gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz &amp;quot;chaotisch&amp;quot;[Bumke 2004: S. 62] wirkender Passagen des Zögerns, der Passivität und mangelnder Durchsetzungskraft ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f). Befehle, die denen des Grals widersprechen, wie zum Beispiel der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen. Er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet, dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, dass alles auf den Gral fixiert ist, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Utependragun|Linie]] gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Artus|Nachfolge Artus]] nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5) gab, muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gralsk.C3.B6nig|vererbt]]. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal, welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits tot, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie aber nicht mehr fortbesteht, muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival|Nachfolge Parzivals]] gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Gemeinsamkeiten zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königsheils des Gralshüters bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge. Jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt, als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung. Zwar leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erleidet kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Gralshof und Artushof auf diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet sich auch das Artuskönigtum unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und Ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel, die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vor allem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), desweiteren für die Verteidung seiner Gebiete, sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch aufrecht und die Damen sind Bestandteil des rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16). In diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie, wie die Ritter ebenso, in die Welt entsandt um über Reiche zu herrschen, die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30). Dort ist es ihnen auch erlaubt zu heiraten und Kinder zu bekommen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von außen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, Einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von außerhalb. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten, sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als einschränkenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), außer für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweitertes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft ist darf man nicht heiraten. Erst wenn man in die Welt entsandt wird, darf man eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt, ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt, ist für beide der Begriff der [[Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das Zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten, welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt, desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er, indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vor allem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheil zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbergt auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offensichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird, während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es schlussendlich, durch seine Abstammung und Gott, auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine derartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese Annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die Vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äußert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vor allem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sind auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
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		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-21T21:11:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Inzest */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene Figuren.[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]] Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die große Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut sehr auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar. Sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse wichtige Funktionen im Leben des Einzelnen. Pflichten, Aufgaben sowie Verbote sind vorhanden um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach außen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Verwandtschaft und Vorfahren war äußerst wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wurde stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Fraktionen, wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörenden Personen,[Goetz 2009: S. 15-17] sowie in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische], [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) affine Verwandtschaft].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie von einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen geborenen Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr eng und sie sind zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten, die man für den anderen einzuhalten hat. Darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen: wenn ein Verwandter Hilfe braucht, so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz- und Rache-Gebot, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss gegen sie kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen, so hat die Verwandtschaft die Pflicht, dieses zu rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen. Dies gilt als Ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein, seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel indem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt, welche man verteilen kann. Diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991. Regest 1591.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend, um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]], zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14). Nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt, ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, erst [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen. Als die Verwandtschaft bemerkt wird, brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes Eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das &amp;quot;nicht Erkennen&amp;quot; das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten war auch eine Heirat zwischen zu nah verwandten Personen verboten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit außerhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] noch unterschiedlich gewesen, sie variieren je nach Zeit: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003. Regest 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die Verhinderung der Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006. Regest 1286.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben. Gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983. Regest 8664.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Bretonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampf gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11710</id>
		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-21T21:09:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Verbote */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene Figuren.[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]] Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die große Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut sehr auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar. Sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse wichtige Funktionen im Leben des Einzelnen. Pflichten, Aufgaben sowie Verbote sind vorhanden um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach außen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Verwandtschaft und Vorfahren war äußerst wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wurde stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Fraktionen, wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörenden Personen,[Goetz 2009: S. 15-17] sowie in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische], [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) affine Verwandtschaft].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie von einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen geborenen Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr eng und sie sind zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten, die man für den anderen einzuhalten hat. Darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen: wenn ein Verwandter Hilfe braucht, so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz- und Rache-Gebot, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss gegen sie kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen, so hat die Verwandtschaft die Pflicht, dieses zu rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen. Dies gilt als Ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein, seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel indem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt, welche man verteilen kann. Diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991. Regest 1591.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend, um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]], zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14). Nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt, ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, erst [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen. Als die Verwandtschaft bemerkt wird, brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes Eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das &amp;quot;nicht Erkennen&amp;quot; das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten durften zu nah verwandte Personen auch nicht heiraten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit außerhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] noch unterschiedlich gewesen, sie variieren je nach Zeit: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003. Regest 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die verhinderte Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006. Regest 1286.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben, gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983. Regest 8664.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Bretonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampf gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11709</id>
		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-21T21:04:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Aufgaben und Pflichten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene Figuren.[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]] Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die große Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut sehr auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar. Sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse wichtige Funktionen im Leben des Einzelnen. Pflichten, Aufgaben sowie Verbote sind vorhanden um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach außen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Verwandtschaft und Vorfahren war äußerst wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wurde stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Fraktionen, wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörenden Personen,[Goetz 2009: S. 15-17] sowie in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische], [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) affine Verwandtschaft].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie von einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen geborenen Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr eng und sie sind zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten, die man für den anderen einzuhalten hat. Darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen: wenn ein Verwandter Hilfe braucht, so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz- und Rache-Gebot, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss gegen sie kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen, so hat die Verwandtschaft die Pflicht, dieses zu rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen. Dies gilt als Ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein, seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel indem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt, welche man verteilen kann. Diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991. Regest 1591.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend, um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]], zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14). Nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen, als die Verwandtschaft bemerkt wird brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das nicht erkennen das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten durften zu nah verwandte Personen auch nicht heiraten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit außerhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] noch unterschiedlich gewesen, sie variieren je nach Zeit: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003. Regest 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die verhinderte Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006. Regest 1286.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben, gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983. Regest 8664.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Bretonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampf gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11708</id>
		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11708"/>
		<updated>2012-07-21T21:01:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Familie und Verwandtschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene Figuren.[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]] Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die große Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut sehr auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar. Sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse wichtige Funktionen im Leben des Einzelnen. Pflichten, Aufgaben sowie Verbote sind vorhanden um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach außen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Verwandtschaft und Vorfahren war äußerst wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wurde stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Fraktionen, wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörenden Personen,[Goetz 2009: S. 15-17] sowie in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische], [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) affine Verwandtschaft].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie von einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen geborenen Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr eng und sie sind zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten die man für den anderen Einzuhalten hat, darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen: wenn ein Verwandter Hilfe braucht so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz und Rache, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss mit gegen sie Kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen so hat die Verwandtschaft die Pflicht dieses zu Rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen, dies gilt als Ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein, seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel indem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt, welche man verteilen kann, diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991. Regest 1591.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder Aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend, um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]], zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14). Nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen, als die Verwandtschaft bemerkt wird brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das nicht erkennen das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten durften zu nah verwandte Personen auch nicht heiraten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit außerhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] noch unterschiedlich gewesen, sie variieren je nach Zeit: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003. Regest 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die verhinderte Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006. Regest 1286.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben, gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983. Regest 8664.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Bretonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampf gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11707</id>
		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-21T21:00:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene Figuren.[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]] Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die große Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut sehr auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar. Sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse wichtige Funktionen im Leben des Einzelnen. Pflichten, Aufgaben sowie Verbote sind vorhanden um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach außen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der Verwandtschaft und Vorfahren war äußerst wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wurde stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Fraktionen, wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörenden Personen,[Goetz 2009: S. 15-17] sowie in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische], [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] Verwandtschaft und [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) affine Verwandtschaft].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen geborenen Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr eng und sie sind zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten die man für den anderen Einzuhalten hat, darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen: wenn ein Verwandter Hilfe braucht so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz und Rache, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss mit gegen sie Kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen so hat die Verwandtschaft die Pflicht dieses zu Rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen, dies gilt als Ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein, seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel indem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt, welche man verteilen kann, diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991. Regest 1591.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder Aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend, um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]], zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14). Nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen, als die Verwandtschaft bemerkt wird brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das nicht erkennen das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten durften zu nah verwandte Personen auch nicht heiraten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit außerhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] noch unterschiedlich gewesen, sie variieren je nach Zeit: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003. Regest 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die verhinderte Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006. Regest 1286.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben, gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983. Regest 8664.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Bretonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampf gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Isenhart_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11706</id>
		<title>Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Isenhart_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11706"/>
		<updated>2012-07-21T20:51:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Isenhart von Azangouc ist ein Ritter, welcher unter anderem bei [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] im 1. Buch eine Rolle spielt. Er kommt bei Wolfram nie lebendig vor, denn sein Tod ermöglicht die Haupthandlung  des ersten Buches: die Belagerung der Burg Pâtelamunt im Königreich Zazamanc. Isenhart war im Dienste der Königin von Zazamanc, [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], gefallen, er hatte um jeden Preis versucht ihre Liebe zu erringen und dafür mit dem Leben gezahlt. Seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandten]] hatten dabei Verrat durch Belacane vermutet, weil sie Isenhart dazu gebracht hatte, seine Rüstung abzulegen und da sein Mörder Prothisilas ihr Vasall gewesen war. Deswegen waren sie gegen Belacane in den Krieg gezogen und hatten ihre Hauptstadt belagert. Durch [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Auftreten wird diese Belagerung beendet und es kommt zu einer Aussöhnung, nach der Gahmuret die Rollen des Isenhart übernimmt; sowohl als [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram vosn Eschenbach, Parzival)|Ehemann]] der Belacane als auch als Herrscher über das Königreich Azagouc. Desweiteren werden ihm Teile von Isenharts besonderer Ausrüstung sowie seine ehemaligen Lehensleute und Vasallen übergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Isenhart=&lt;br /&gt;
== Beschreibung bei Wolfram==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenhart wird als ein Ritter von Adel mit prächtigem Leib, großer Stärke und herausragender Klugheit beschrieben. Charakterlich soll er feinste [[Courtoisie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sitten]], Keuschheit sowie Stolz gehabt haben. Dazu war er großzügig und nicht mit Schlechtigkeiten zu verunsichern. Sein Vater war der Königs Tankanîs. Wie Belacane selbst war Isenhart dunkelhäutig und kein Christ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane sagt bei V. 26, 11-25 folgendes über Isenhart:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || Sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der triwe ein reht beklibeniu früht: || ein Edelreis der Treue, das so recht angegangen ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn zuht wac für alle zuht. || Seine Sitten waren noch feiner als die Courtoisie selber.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was noch kiuscher denne ein wîp: || Noch keuscher als eine Frau war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vrecheit und ellen truoc sîn lîp, || doch wachen Stolz und Stärke trug sein Leib.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sone gewuohs an ritter milter hant || Es wuchs nie eine Hand an einem Ritter, die so bereit zu schenken war wie seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor im nie über elliu lant || so weit man auch schaut in der Welt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(ine weiz waz nâch uns süle geschehen: || ich weiß naürlich nicht, was nach uns noch geschehen wird,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des lazen ander liute jehen): || davon mögen dann andere reden -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was gein valscher fuore ein tôr, || und er war taub auf jenem Ohr, in das man ihn zu Schlechtigkeiten rief,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in swarzer varwe als ich ein Môr. || und schwarz wie ich, ein Mohr.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn vater hiez Tankanîs, || Sein Vater hieß Tankanîs,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein künec: der het och hôhen prîz. || ein König, der war auch ein großer Held.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Mîn friunt der hiez Isenhart. || Mein Geliebter, der hieß Isenhart.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beziehung zu Belacane ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenhart hatte um Belacane [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|geworben]] und war an diesem Streben zu Grunde gegangen. Belacane hatte ebenso viel für Isenhart empfunden und war durch seinen Tod in große Trauer geraten (28,10ff). Jedoch wollte sie seinen Werbungen in mädchenhafter Scham nicht nachgeben und hatte ihm deswegen immer weitere [[Heldentum im Parzival|Prüfungen]] auferlegt (27,9-10). Schlussendlich hatte er seine Ausrüstung weggegeben um ihr seine Hingabe zu beweisen. Durch diesen Mangel an Rüstungsschutz war es Prothisilas, einem Fürsten der Belacane, gelungen Isenhart im Wald von Azagouc in einer Tjost zu töten (27,13ff/28,1-7) wobei er auch sein eigenes Leben verloren hatte.&lt;br /&gt;
An seiner Liebe und dem Minnestreben zu Belacane war Isenhart also zu Grunde gegangen. In diesem Sinne kann er als Beispiel dafür gewählt werden, auf welche Art ein Ritter zu Tode kommen kann, wenn er sich der Minne zu einer Frau zu sehr hingibt. Isenhart hatte sein Leben geradezu weggeworfen, indem er ohne Rüstung [[Das Tjostieren im Parzival|tjostierte]], allerdings schien dies für ihn die einzige Möglichkeit zu sein, Belacane zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwandtschaftliche Beziehungen und Verbündete ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Tod wird von einer durchmischten Gruppe an Kriegern gerächt: Einerseits sind seine eigenen Leute aus Azagouc unter dem mit Isenhart blutsverwandten Mohrenkönig Razalîc (41,9) anwesend, also heidnische Ritter. Andererseits sind Kämpen auf Geheiß des Schottenkönigs Vridebrant sowie dessen christliche, europäische Verbündete anwesend (48,18-49,7).&lt;br /&gt;
Vridebrant ist der Cousin von Isenhart und ihm daher verbunden. Schiltunc ist Vridebrants Schwiegervater und unterstützt wegen dieser [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehung]] dessen Krieg. Weitere Unterstützung erhalten sie durch den Herzog Huitigêr (25,9), den Spanier [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet von Hoskurast]] (25,17) sowie Gaschier aus der Normandie (25,14) und den Neffen der beiden Letztgenannten, Killirjacac (46,25). Zuvor war  Vridebrant noch persönlich anwesend gewesen, da er in der Heimat durch die Verwandten des Königs Hernant angegriffen worden war, musste er sich jedoch zurückziehen (25,2-6).&lt;br /&gt;
Isenhart hatte also gute Verbindungen in die [[Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|heidnische]] und auch in die christliche Welt gehabt. Er stellt eines der Beispiele für einen glorreichen und ruhmvollen heidnischen Helden dar, welcher sich gut mit seinen europäischen Äquivalenten messen kann. Sein eigenes Königreich Azagouc, mit verschiedenen Fürsten und Mächtigen, scheint den europäischen Reichen auch durchaus ebenbürtig und ähnlich zu sein, und beweist seine Gleichwertigkeit spätestens darin, dass Razalîc mit seinen Männern Seite an Seite mit den Schotten kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Rache für Isenhart ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Verwandte hatten Belacane beschuldigt, sie habe den Tod des Isenharts geplant und als Intrige eingefädelt, indem sie ihn zu solch selbstmörderischen Kämpfen ohne Rüstung gebracht hatte. Als Verwandte ist es deshalb ihre Pflicht, Isenhart zu rächen und seinen Tod zu sühnen, auch wenn ihr eigenes Interesse an diesem Kampf keine weiteren Motivationen hat (48,18-49,7) so können sie sich dem Kampf aus Gründen der Verwandtschaft gar nicht entziehen.[Althoff 1990: S. 78][Delabar 1990: 133] Aus diesem Grund griffen sie Belacane in ihrer Burg an und belagerten sie. Dabei gibt es 16 offene Stadttore an denen zu Tag und Nacht gekämpft worden war. Acht davon werden durch Krieger aus Azagouc, unter dem Mohrenkönig Razalîc angeführt. An den anderen acht Toren stehen die Schotten und ihre oben genannten Verbündeten. Gerade der Herzog Huitigêr sowie Razalîc tun sich als starke Kämpen hervor und fügen den Rittern Belacanes schwere Verluste bei. Bis zu Gahmurets eintreffen ist der Kampf noch nicht entschieden, jedoch sind die Verteidiger in einer großen Notlage.&lt;br /&gt;
Gahmurets Erscheinen wendet das Blatt binnen eines Tages. Er kann sowohl Huitigêr (38,1-7), Gaschier (38,26-30) als auch Razalîc (41,16-17) und weitere im Tjost besiegen und ihnen ihr Ehrenwort abzwingen. Mit seinem Verwandten [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verbrüdert er sich zügig und so sind alle wichtigen Männer um ihn versammelt und ihm verbunden. Gahmuret kann mit Kaylet nicht kämpfen, da sie verwandt sind (39,11-14) und er ihn rechtzeitig erkennt.[Delabar 1990: S. 142] Dadurch kann ein umfassender Friede geschaffen sowie die Belagerung beendet werden. Gahmuret Siege über den einen und seine Verwandtschaft mit den anderen ermöglichen ihm eine zügige Konfliktlösung.[Delabar 1990: S. 153] Gahmuret erhält dafür sowohl das Königreich des Isenhart, Azagouc (51,9-12), als auch Belakane, als Ehefrau und somit Zazamanc (45,26-28). Der Isenhart Handlungsstrang wird mit einer Erwähnung seiner königlichen Bestattung vollständig beendet und im Roman nicht weiter behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V. 53, 26-29&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ine hân mirs selbe nieht erdâht: || Ich habe es mir nicht selber ausgedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man sagete mir daz Isenhart || man hat es mir gesagt, dass Isenhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|küneclîche bestatet wart. || bestattet wurde wie ein König;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dat tâten dien erkanden. || das taten seine Freunde.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmuret als Erbe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch diese Wendungen nimmt Gahmuret weitgehend das Erbe des Isenhart an. Razalîc bittet ihn, der neue Herr von Azagouc zu werden (51,9-12), da durch Isenharts Tod diese Stellung verwaist ist. Belacane erfüllt ihr Versprechen und ziert sich bei Gahmuret nicht weiter ihn zum Mann zu nehmen (45,26-18). Durch die Bitten der anwesenden Herrscher erhält er desweiteren das prächtige Zelt des Isenharts zugesprochen (52,23-26), sowie das Versprechen des Herzogs Huitiger ihm den Helm Isenharts, Adamas, zu besorgen (53,3-13). Somit beerbt Gahmuret Isenhart sowohl in der Liebe bei Belacane, als Herrscher von Azagouc und auch als berühmter Krieger. Im Vergleich zu Isenhart vereint Gahmuret den Westen und Orient aber stärker, Isenhart ist lediglich durch Verwandtschaft mit christlichen Rittern aus Schottland verwandt, Gahmuret hat jedoch sowohl eine christliche, königliche Geburt und somit sehr hohen Adel als auch großes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ansehen]] im Orient. Er hatte ja bereits für den Baruc in vielen Schlachten im Orient gekämpft gehabt. Auch dadurch, dass er Belacanes Liebe gewinnen kann, übertrifft er Isenhart. Gahmuret beerbt Isenhart also weniger im Sinne einer Nachfolgerschaft sondern er übernimmt eher Isenharts Aspekte und übertrifft sie durch seine eigenen noch weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren|Kategorie]] [[Kategorie:Orient|Kategorie]] [[Kategorie:Ritter|Kategorie]] [[Kategorie:Parzival I. Buch|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival]] [[Kategorie:Herrscher|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11705</id>
		<title>Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-21T20:43:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die zentrale Frauenfigur des ersten Buches des [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;]] von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] ist die Mohrenkönigin Belacane von Zazamanc. Der Ritter [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] trifft durch einen Sturm geleitet in ihrer Stadt ein, während diese gerade schwer belagert wird. Das Motiv für die Belagerung ist Rache für den verstorbenen Helden [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenhart]], welcher angeblich durch die Schuld der Belacane getötet worden war. In ihrer Not engagiert sich die junge Königin sehr für die Hilfe des berühmten Ritters Gahmuret und durch seine unglaubliche Kampfesstärke können die wichtigsten ihrer Feinde geschlagen und die Belagerung somit beendet werden. Aus Dank dafür wird Gahmuret zum König von Zazamanc gekrönt und der Ehemann der heidnischen Belacane. Nach einer gewissen Zeit in ihrem Reich zieht es ihn jedoch wieder hinaus in die Ferne, um [[Âventiure und Ehe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abenteuern]] und Kämpfen entgegenzutreten und so verlässt er Belacane heimlich. In einem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] schiebt er ihre heidnische Herkunft und Religion, die ihn bis dahin jedoch nicht gestört hatten, als Gründe vor. Belacane war zu diesen Zeitpunkt bereits schwanger und erwartete ihr gemeinsames Kind, den elsterngleichen Halbbruder Parzivals, [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Beschreibung bei Wolfram=&lt;br /&gt;
==Auftreten und Aussehen==&lt;br /&gt;
Wolfram beschreibt die schwarze und heidnische Belacane, die sicherlich nicht dem Schönheitsideal der Zeit Wolframs entspricht, als sehr schön. Er hebt ihre Fremdheit positiv hervor und erhebt sie über viele andere Frauen (28,10-17).&lt;br /&gt;
Sie wird vom Auftreten her stets als &amp;quot;küneginne riche | große Königin&amp;quot; (23,22) beschrieben und ihre Handlungen sind zumindest am Anfang sehr zielgerichtet. Sie nutzt ihre Schönheit und Keuschheit um Gahmuret für ihre Zwecke zu gewinnen und hat damit auch Erfolg (24,16-20). Später verliert sie sich immer mehr in ihrer Zuneigung zu Gahmuret und büßt dadurch einen Teil ihrer Selbstsicherheit ein, bis sie schließlich voller Kummer über Gahmurets Abreise ist (56,28-57,14).[Noltze 1995: S. 112]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reaktionen der Umwelt==&lt;br /&gt;
Belacane selbst hat einerseits Zweifel, ob Gahmuret sie wegen ihrer Hautfarbe nicht abstoßend finden würde und andererseits, ob ihre Vasallen Gahmuret als möglichen neuen Herren akzeptieren würden (22,8-14). Dadurch zeigt sie auf, dass diverse Differenzen durchaus existent sind. Jedoch zerschlagen sich beide Bedenken sehr schnell, denn Gahmuret fühlt sich zugleich zu ihr hingezogen und auch ihre eigene Umgebung reagiert nicht negativ auf die unterschiedlichen Hautfarben, ganz im Gegenteil erwählen ihre Fürsten Gahmuret sogar schnell zu ihrem Hauptmann (24,29-25,1).&lt;br /&gt;
Auch im späteren Verlauf der Belagerung, als Gahmuret eine Aussöhnung herbeiführt, wird sie von den weißen, christlichen Königen und Fürsten genauso behandelt wie eine der ihrigen und küsst und versöhnt sich so mit ihren Angreifern (48,1-5).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Belacanes Beziehung zu Isenhart=&lt;br /&gt;
==Vorgeschichte==&lt;br /&gt;
Vor dem Eintreffen Gahmurets hat Belacane bereits eine bewegende Geschichte hinter sich, diese wird im 1. Buch des Romans durch Belacane und ihre Leute selbst erläutert. Sie berichtet von ihrem geliebten [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenhart]], dem König von Azagouc, der um sie geworben hatte und viele ritterliche Taten in ihrem Namen vollbracht hatte. Doch in ihrer mädchenhaften Scham wollte Belacane sich ihm nicht so bald hingeben und so hatte sie ihn vor immer weitere Questen gestellt, um seine Mühen, aber auch ihre Leiden der Sehnsucht weiter zu verlängern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu hât mîn schamndiu wîpheit || Nun hat meine mädchenhafte Scham&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn lôner erlenget und mîn leit. || die Zeit bis zur Belohnung immerfort gesteckt und auch meine Leiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(27,9-10)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In diese Questen hatte sich Isenhart immer weiter hineingesteigert, bis es ihn schlussendlich sein Leben gekostet hatte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem helde erwarp mîn magetuom || So brachte meine Jungfernschaft,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an rîterschefte manegen ruom. || dem Helden viel Ehre ein in Ritterkämpfen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do versuocht i&#039;n, ober kunde sîn || Da stellte ich ihn dann auf die Probe, ob er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein friunt. daz wart vil balde schîn. || mein Geliebter sein könne. Das wurde schnell offenbar:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er gap durh mich sîn harnas || Seine Rüstung schenkte er, um mir zu gefallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|enwec, daz als ein palas || weg, und alles Kriegsgerät, auch das, was &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dort stêt (daz ist ein hôch gezelt: || dort steht wie eine Burg, es ist ein hohes Zelt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz brâhten Schotten ûf diz velt). || Die Schotten brachten es auf dieses Feld.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô daz der helt âne wart, || Als der Held nun ohne Rüstung war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin lîp dô wênic wart gespart. || so wurde erst recht der Leib nicht viel geschont.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|das lebens in dâ nâch verdrôz, || Das Leben war ihm da fast widerwärtig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mange âventiure suohter blôz. || vielen Abenteuern bot er die bloße Brust.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô ditz alsô was, || Als dies so war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein fürste (Prôthizilas || da ritt einmal ein Fürst- Prothizilas&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der hiez) mîn massenîe, || hieß der, mein Lehensmann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor zageheit der vrîe, || er kannte keine Feigheit -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ûz durch âventiure reit, hinaus auf Abenteuer:  || hinaus auf Abenteuer:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dâ grôz schade in niht vermeit. || Da gab ein schlimmes Unglück,das verfehlte ihn nicht.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|zem fôrest in Azagouc || Im Wald von Azagouc &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein tjost im sterben niht erlouc, || log diese Tjost nicht, die ihm vom Sterben sprach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die er tet ûf einem küenen man, || Die zielte er auf einen kühnen Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der ouch sîn ende aldâ gewann. || Der auch an diesem Ort sein Ende fand,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was mîn friunt Isenhart. || das war mein Geliebter Isenhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ir ieweder innen wart || Jeder von den beiden musste &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eines spers durh schilt und durh den lîp. || ein Speereisen fühlen, das fuhr durch den Schild und durch den Leib.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(27,11-28,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Liebe zu Belacane war der König Isenhart also umgekommen und wegen ihrer indirekten Beteiligung an seinem Tod, hatten seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandten]] und Vasallen sie belagert. Belacane selbst hat ein sehr schlechtes Gewissen deshalb. Zwar streitet sie die Schuld an Isenharts Tod, im Sinne der Angreifer, ab (27,1-2), jedoch bereut sie ihre vermeintliche Dummheit, sein Werben überhaupt zugelassen zu haben (26,26-28).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schuldfrage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Rächer werfen Belacane vor, sie habe den Tod ihres Geliebten hervorgerufen und verdiene deswegen die Rache. Belacane selbst streitet ihre Schuld jedoch ab. Auch wenn im Roman gar nicht weiter danach gefragt wird, ob Belacane nun Schuld am [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Beziehung_zu_Belacane|Tod des Isenhart]] trägt oder nicht, scheint diese Frage doch interessant. &lt;br /&gt;
Einerseits muss klar gesehen werden, dass der konkrete Auslöser seines Todes das unberüstete Kämpfen in den Wäldern von Azagouc gewesen war. Diese Kämpfe hatte er als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] für seine Erwählte Belacane angetreten. Seine Rüstung hatte er dabei abgelegt, weil sie immer mehr und mehr Prüfungen von ihm gefordert hatte und ein normales [[Das Tjostieren im Parzival|Tjostieren]] deswegen nicht mehr genug war, um weitere Ehre zu gewinnen. Auch dieser Fakt ist demnach ausschließlich Belacane zuzuordnen. Den tödlichen Tjost hatte Prôthizilas, ein Vasall der Belacane, geführt, jedoch nicht in ihrem Auftrag oder Namen, sondern lediglich durch seine eigene Kampfeslust und seinen Drang nach Ruhm und Ehre. Der Kampf war also von beiden Kontrahenten hervorgerufen worden, auch wenn sie Isenhart dazu gebracht hatte die Kämpfe generell zu suchen. &lt;br /&gt;
Ihre Aktivitäten bei Isenharts Tod waren also das Zulassen seines Minnestrebens, auch wenn dies ihn in Gefahr gebracht hatte, und darüber hinaus die endlosen Prüfungen, die sie ihm auferlegt hatte. An seinem direkten Tod war sie nur durch diese beiden Fakten beteiligt gewesen, da sie Prôthizilas keinen Auftrag oder Ähnliches gegeben hatte. &lt;br /&gt;
Erläuternd muss aber hinzugefügt werden, dass das Kämpfen, um Minne zu gewinnen, auch mit dem möglichen eigenen Tod, in der Parzivalswelt durchaus nicht sehr ungewöhnlich sind. Die Ritter suchen dieses Risiko eigenständig, wenn sie sich den Konventionen der Werbung anschließen. Es gibt einige andere Ritter die ebenso im Dienste der Minne den Tod gefunden haben, wie [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ilinot]] (586,10), [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schianatulanders]] oder [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Ledigitmation|Frimutel]] (474,10-13). &lt;br /&gt;
Abschließend kann also gesagt werden, dass Isenhart seinen Tod selbst herbeigeführt hatte, in dem er sich diesen stets wachsenden Herausforderungen nicht entzog. Belacane hatte keine Intention ihn in den Tod zu schicken, wie sie es selbst schon gesagt hatte, war es wie ein Unfall. Sie war also an Isenharts Tod nur durch die Intensivierung ihrer Prüfungen beteiligt, hat ihn aber weder direkt herbeigeführt, noch gewollt. Die Anschuldigungen der Angreifer sind also nicht haltbar. Verantwortlich für den Tod des Isenharts sind viel mehr die Art und Weise des Minnewerbens, die ihm sein Stand vorgegeben hatte, seine eigene Ergebenheit bis in den Tod und Belacanes mädchenhafte Scham. Die Belagerung von Pâtelamunt ist aus Sicht der Angreifer aber auf jeden Fall notwendig, ihre [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|verwandtschaftliche]] Pflicht zwingt sie dazu Isenhart zu rächen und für sie ist Belacanes Unschuld nicht ersichtlich.[Althoff 1990: S. 78][Delabar 1990: S.133]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Belacanes Beziehung zu Gahmuret=&lt;br /&gt;
==Handlungsverlauf==&lt;br /&gt;
[[Datei:Belacane.jpg |thumb| Belacane bewirtet Gahmuret und dessen Gefolge (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Gahmures Handlungen in Zazamanc sind [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] hervorragend erläutert. Seine Beziehung zu Belacane nimmt während seiner Befreiung der Stadt einen starken und gefühlsintensiven Verlauf, der den beiden eine erfüllte, aber [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kurze Ehe]] verschafft.&lt;br /&gt;
Besonders gut werden Belacanes Gefühle bereits beschrieben, als sie Gahmuret das erste mal sieht:&lt;br /&gt;
(23,22-28)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der küneginne rîche || Der Königin, der großen Dame,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ir ougen fuogten hôhen pîn, || brachten ihre Augen hohen Schmerz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô si gesach den Anschevîn. || als sie den Anschevîn erblickte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der was sô minneclîche gevar, || Man musste ihn lieben, wenn man ihn sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz er entslôz ir herze gar, || und also schloss er ihr Herz ganz auf -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|es waere ir liep oder leit: || ob es ihr süß war oder weh, sie konnte nicht anders.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz beslôz dâ vor ir wîpheit. || Früher hatte mädchenhafte Schüchternheit es immer verschlossen gehalten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parallelen zu Isenhart==&lt;br /&gt;
Belacanes letzter Geliebter war der König Isenhart, wie Gahmuret war auch er ein herausragender Vertreter der Ritterschaft und ein großer Kämpfer. Da Gahmuret so aufällig alle Aspekte des Isenhart [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Gahmuret_als_Erbe|übernimmt]] und ihn so weit beerbt, könnte man nach Parallelen, im Verhältnis zu Belacane, zwischen den zwei Recken suchen. Jedoch zeigt hier bereits ein kurzer Blick, dass eine Vergleichbarkeit kaum besteht: Isenhart scheitert an den immensen Prüfungen der Belacane, wohl aufgrund dieser schlechten Erfahrungen lässt sie bei Gahmuret alles sehr schnell geschehen und verlangt nach ihrer Rettung keine weiteren Taten. Zwar scheint die emotionale Grundlage die selbe zu sein, sie hat beide Kämpen ausgesprochen gern, jedoch bestehen auch viele der weiteren Besonderheiten zu ihrer Beziehung mit Gahmuret bei Isenhart nicht, allen voran die unterschiedlichen Hautfarben und Religionen.&lt;br /&gt;
==Trennung==&lt;br /&gt;
Nach einer gewissen Zeit bei Belacane sehnt sich Gahmuret wieder so sehr nach Abenteuern, dass er kurzerhand heimlich flieht (54,17-55,16). Er hinterlässt seiner Frau einen Brief, in dem die Begründung angegeben ist, er könne nicht bei ihr bleiben, da sie keine Christin sei und käme möglicherweise zurück, wenn sie sich taufen ließe (56,25-26). Dieser Grund ist jedoch offensichtlich vorgeschoben und Gahmuret hält seine Sehnsucht nach Abenteuern nicht mehr aus (54,17-20). Eine genaue Analyse des Briefes und der Gründe dazu findet sich [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vergleichbarkeit mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine mögliche Vergleichbarkeit der Liebesbeziehungen ist [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] sehr gut dargestellt.&lt;br /&gt;
Das Fazit daraus jedoch ist, dass [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] und Belacane in ihrer Beziehung zu Gahmuret zwar grundsätzlich vergleichbar sind und auch einige offensichtliche Gemeinsamkeiten haben, die Beziehung selbst jedoch eine andere ist. Herzeloyde klagt sich Gahmurets Liebe und Ehe geradezu ein, obwohl er sie gar nicht wirklich möchte. Sie führen eine zwar als glücklich beschriebene Ehe, jedoch wird hierbei nicht viel weiter auf Liebe eingegangen (100,8-14). Mit Belacane hat Gahmuret jedoch eine geradezu romantische Beziehung, sie ist zwar nur von kurzer Dauer, in dieser Zeit wird sie jedoch als sehr intensiv beschrieben und auch nach Gahmurets fluchtartiger Abreise lässt ihn die Zeit mit Belacane nicht so schnell los (61,8-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Feirefiz=&lt;br /&gt;
==Das Erbe der Belacane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] ist der Sohn der Belacane und des Gahmuret. Gahmuret weiß bei seiner Flucht bereits von Belacanes Schwangerschaft und schreibt seinem Sohn einige Zeilen über seine Abstammung in den Abschiedsbrief an Belacane (55,28-56,24). Dieser Sohn, Feirefiz, wird sein Nachfolger als König von Zazamanc und Azagouc. Seine Existenz wird zuerst von [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrîe]] (317,3-10) und danach von Belacanes Tante Ekuba erwähnt (328,3-329,10), beide betonen seine große Macht als König von Azagouc und Zazamanc und seine große Ritterlichkeit. Feirefiz wird als Gegner, Freund und Bruder des Parzival eine wichtige Rolle im folgenden Roman spielen. Die Details dazu finden sich [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Interpretation_des_Feirefiz|hier]] und sein Verhältnis zu Parzival wird [[Parzival_und_Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|hier]] gut erklärt. Feirefiz Ehe mit [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] und ihr gemeinsamer Sohn Johan führen das Blut der Belacane von Zazamanc auch über den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hinaus weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren|Kategorie]] [[Kategorie:Orient|Kategorie]] [[Kategorie:Parzival I. Buch|Kategorie]] [[Kategorie:Herrscher|Kategorie]] [[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11704</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11704"/>
		<updated>2012-07-21T20:36:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolfram von Eschenbachs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zu Erbgängen und Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Beispiel genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt: entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehend, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem weil hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karls des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt. Dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen. Sollte kein Sohn vorhanden sein, geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen, welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange gegeneinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Krisen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen Raum verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war, wenn die Familie über keine Söhne verfügte. Dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen], die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten Frauen zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Handlung beginnt im 1. Buch mit dem Erbfall des Königs Gandin von Anschouwe, welcher in einem Kampf getötet worden war (5,28). Nach dessen Tod soll sein erstgeborener Sohn Galoes alles erben, der zweitgeborene wird nicht bedacht (5,4-8). Die Fürsten von Anschouwe kehren wegen des [http://de.wikipedia.org/wiki/Mannfall#Rechtsbeziehung_zwischen_Lehnsherren_und_Vasallen Mannfalles] bei Gandin ein und erhalten ihre Lehen zugesprochen (6,2-9). Dabei sprechen sie die Bitte aus, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] möge doch von seinem Bruder auch Ländereien erhalten, um seinem Stand gerecht zu werden (6,11-21), Gandin befürwortet die Bitte und bietet seinem Bruder an, wie sein eigener Sohn am Hofe zu leben (7,3-5). Gahmuret jedoch lehnt dies ab, da er dadurch keine Ehre gewinnen kann. Er bittet statt dessen um Gefolge und Austattung um auf eine ritterliche Fahrt zu gehen (7,19-30/8,1-21). Diese Bitte wird ihm von Bruder und Mutter unter Zögern gewährt (8,27-12,26) und er zieht in die Ferne um [[Heldentum_im_Parzival|Heldentaten]] zu vollbringen.&lt;br /&gt;
Hierbei handelt es sich also um den klassischen Fall einer Primogenitur, der ältere Sohn bietet dem jüngeren an sein Gefolgsmann zu werden, um aber selbst zu Ehre und Ruhm zu gelangen lehnt der jüngere Sohn ab und geht auf Ritterfahrt.[Noltze 1995: S. 217] Somit existiert für Gahmuret eine doppelte Motivation auf Aventurie zu gehen, einerseits um der puren Ritterlichkeit willen, andererseits da er zuhause nur im Schatten seines größeren Bruders leben könnte und davon seine Ehre bedroht sieht.[Noltze 1995: S. 220]&lt;br /&gt;
Bemerkenswert an dieser Einführung sind die Kommentare [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] zur Primogenitur. Er beschreibt sie einerseits als im französischen Recht üblich, in deutschen Gebieten auch teilweise vorhanden, sowie den Lesern bekannt (4,27-30), andererseits nennt er sie eine &amp;quot;fremdiu zeche&amp;quot; (5,21) und drückt damit die Fremdheit dieser Ordnung für sich selbst und den Leser aus. Genauso bezeichnet er sie einerseits als von einem weisen Mann geschaffene Ordnung (5,11), andererseits kritisert er ihre Ungerechtigkeit da sie den jüngeren in Not bringt und ihm seinen Erbteil vorenthält (5,4-6). Diese ambivalente Haltung Wolframs zur Primogenitur spiegelt den Zustand seiner Zeit wieder, wo diese Erbfolgeordnung sich mancherorts durchgesetzt hatte aber sicherlich noch kein allgemeiner Brauch war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Erbfolge wird bereits bei seiner Ernennung zum Gralskönig geplant. Sein erster Sohn Loherangrin wird direkt als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Da Parzival selbst als Gralskönig nicht über seine weiteren Reiche herrschen kann, wird Kardeiz bereits als Kind zum König gekrönt (803,21), Parzival spricht ihm die Herrschaft über Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe zu (803,5-10) und fordert seine Vasallen auf ihm damit zu helfen wenn er ein Mann geworden ist (803,9-16). [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] greift sogar soweit vor, dass er Kardeiz für die Zukunft zusagt das Erbe des Parzival und des [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] erobern zu könnnen (803,22-23). Parzivals Erbfolge, sowohl betreff des Grals, als auch seiner übrigen Königreiche, ist also für die Zukunft geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bretane== &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
Das erste Mal als Teil der Handlung werden Utependragun,[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] , Lot und [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] im II. Buch beim [[Das_Turnier_von_Kanvoleis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Turnier von Kanvoleis]] erwähnt. Utependragun ist anwesend (65,29-30), sein Sohn Artus ist auf der Suche nach seiner Mutter, welche [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] mit einem Zauber entführt hatte (66,4-8). Desweiteren sind Lot von Norwaege (66,11), der Schwiegersohn des Utependragun und dessen Sohn Gawan, der noch eine Knabe ist (66,15-17) beschrieben.&lt;br /&gt;
Im Übergang zum III. Buch findet ein Generationenwechsel statt, die Handlung geht einige Jahre in die Zukunft und handelt nun vom Kind des Protagonisten der ersten 2 Bücher, Parzival. Auch Utependraguns Sohn Artus hat mittlerweile die Herrschaft über Bretane angetreten (273,4). Artus war bereits beim Turnier von Kaleis alt genug um selbst Clinschor zu jagen, ist jetzt also deutlich älter als Parzival oder Gawan. Dieser Generationenwechsel wird mit keinem Wort genauer beschrieben. Der Erbfall des Utependragun und Artus als dessen Erbe, scheinen bis zu [[Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Ithers_Ansprüche|Ithers]] auftreten völlig unangefochten zu sein.&lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damen des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind, gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot. Dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]] wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die am weitesten verbreitete Forschungsmeinung dazu, sieht einen von Artus Schwestersnöhnen als kommenden Erben. Also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
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		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T20:04:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Auswertung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: der [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott erworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse noch einmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern, welche den Gral beschützen und Damen, welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Gralsgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser außer jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des Zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f). Befehle, die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet, dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Utependragun|Linie]] gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Artus|Nachfolge Artus]] nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5) gab, muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gralsk.C3.B6nig|vererbt]]. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss, auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival|Nachfolge Parzivals]] gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Gemeinsamkeiten zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt, als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erleidet kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und Ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vor allem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), desweiteren für die Verteidung seiner Gebiete, sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie, wie die Ritter ebenso, in die Welt entsandt um über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30). Dort ist es ihnen auch erlaubt zu heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von außen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von außen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als einschränkenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), außer für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweitertes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft ist darf man nicht heiraten. Erst wenn man in die Welt entsandt wird, darf man eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt, ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt, ist für beide der Begriff der [[Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das Zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten, welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt, desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er, indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vor allem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheil zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbergt auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offensichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird, während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es schlussendlich, durch seine Abstammung und Gott, auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine derartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese Annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die Vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äußert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vor allem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sind auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11540</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T20:02:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: der [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott erworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse noch einmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern, welche den Gral beschützen und Damen, welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Gralsgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser außer jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des Zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f). Befehle, die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet, dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Utependragun|Linie]] gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Artus|Nachfolge Artus]] nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5) gab, muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gralsk.C3.B6nig|vererbt]]. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss, auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival|Nachfolge Parzivals]] gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Gemeinsamkeiten zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt, als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erleidet kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und Ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vor allem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), desweiteren für die Verteidung seiner Gebiete, sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie, wie die Ritter ebenso, in die Welt entsandt um über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30). Dort ist es ihnen auch erlaubt zu heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von außen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von außen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als einschränkenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), außer für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweitertes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft ist darf man nicht heiraten. Erst wenn man in die Welt entsandt wird, darf man eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt, ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt, ist für beide der Begriff der [[Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das Zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten, welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt, desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er, indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vor allem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheil zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbergt auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offensichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird, während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es schlussendlich, durch seine Abstammung und Gott, auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine derartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese Annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11539</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T20:01:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Werte und Moralvorstellungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: der [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott erworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse noch einmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern, welche den Gral beschützen und Damen, welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Gralsgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser außer jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des Zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f). Befehle, die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet, dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Utependragun|Linie]] gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Artus|Nachfolge Artus]] nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5) gab, muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gralsk.C3.B6nig|vererbt]]. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss, auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival|Nachfolge Parzivals]] gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Gemeinsamkeiten zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt, als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erleidet kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und Ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vor allem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), desweiteren für die Verteidung seiner Gebiete, sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie, wie die Ritter ebenso, in die Welt entsandt um über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30). Dort ist es ihnen auch erlaubt zu heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von außen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von außen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als einschränkenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), außer für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweitertes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft ist darf man nicht heiraten. Erst wenn man in die Welt entsandt wird, darf man eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt, ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt, ist für beide der Begriff der [[Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das Zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten, welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt, desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er, indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vor allem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheil zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbergt auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offensichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird, während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11538</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11538"/>
		<updated>2012-07-20T19:55:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Die Gesellschaften */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: der [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott erworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse noch einmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern, welche den Gral beschützen und Damen, welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Gralsgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser außer jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des Zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f). Befehle, die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet, dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Utependragun|Linie]] gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Artus|Nachfolge Artus]] nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5) gab, muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gralsk.C3.B6nig|vererbt]]. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss, auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival|Nachfolge Parzivals]] gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Gemeinsamkeiten zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt, als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erleidet kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und Ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vor allem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), desweiteren für die Verteidung seiner Gebiete, sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie, wie die Ritter ebenso, in die Welt entsandt um über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30). Dort ist es ihnen auch erlaubt zu heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von außen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von außen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als einschränkenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), außer für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweitertes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft ist darf man nicht heiraten. Erst wenn man in die Welt entsandt wird, darf man eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
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		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T19:06:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: der [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott erworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mittlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse noch einmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern, welche den Gral beschützen und Damen, welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Gralsgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser außer jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des Zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f). Befehle, die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet, dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Utependragun|Linie]] gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Artus|Nachfolge Artus]] nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5) gab, muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gralsk.C3.B6nig|vererbt]]. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss, auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die [[Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival|Nachfolge Parzivals]] gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Gemeinsamkeiten zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt, als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erleidet kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und Ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vor allem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), im Äusseren für die Verteidung seiner Gebiete sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie wie die Ritter ebenso, in die Welt entsand und über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30), dort ist es ihnen auch erlaubt zu Heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von aussen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von aussen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als kennzeichnenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), ausser für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweiteretes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft darf man nicht Heiraten, wenn man in die Welt entsand wird dann darf man jedoch eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T18:50:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene Figuren.[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]] Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die starke Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut stark auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar, sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse, wichtige, Funktionen im Leben des Einzelnen. Die Pflichten und Aufgaben sowie Verbote sind um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach außen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der eigenen Verwandtschaft und Vorfahren war äußerst wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wurde stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Faktoren wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörigen Personen. Die Familie stellt eine Art Kerneinheit dar und ist an und für sich in sich geschlossen.[Goetz 2009: S. 15-17] &lt;br /&gt;
Die Verwandschaft teilt sich in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] Verwandtschaft sowie [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) Affine].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen gezeugten Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr Eng und zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten die man für den anderen Einzuhalten hat, darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen: wenn ein Verwandter Hilfe braucht so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz und Rache, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss mit gegen sie Kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen so hat die Verwandtschaft die Pflicht dieses zu Rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen, dies gilt als Ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein, seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel indem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt, welche man verteilen kann, diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991. Regest 1591.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder Aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend, um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]], zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14). Nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen, als die Verwandtschaft bemerkt wird brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das nicht erkennen das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten durften zu nah verwandte Personen auch nicht heiraten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit außerhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] noch unterschiedlich gewesen, sie variieren je nach Zeit: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003. Regest 336.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die verhinderte Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006. Regest 1286.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben, gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983. Regest 8664.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Britonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampft gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Isenhart_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11521</id>
		<title>Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Isenhart_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11521"/>
		<updated>2012-07-20T18:40:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Isenhart von Azangouc ist ein Ritter, welcher unter anderem bei [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] im 1. Buch eine Rolle spielt. Er kommt bei Wolfram nie lebendig vor, denn sein Tod ermöglicht die Haupthandlung  des ersten Buches: die Belagerung der Burg Pâtelamunt im Königreich Zazamanc. Isenhart war im Dienste der Königin von Zazamanc, [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], gefallen, er hatte um jeden Preis versucht ihre Liebe zu erringen und dafür mit dem Leben gezahlt. Seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandten]] hatten dabei Verrat durch Belacne vermutet, da sie Isenhart dazu gebracht hatte, seine Rüstung abzulegen und da sein Mörder Prothisilas ihr Vasall gewesen war. Deswegen waren sie gegen Belacane in den Krieg gezogen und hatten ihre Hauptstadt belagert. Durch [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Auftreten wird diese Belagerung beendet und es kommt zu einer Aussöhnung, nach der Gahmuret die Rollen des Isenhart übernimmt; sowohl als [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram vosn Eschenbach, Parzival)|Ehemann]] der Belacane als auch als Herrscher über das Königreich Azagouc. Desweiteren werden ihm Teile von Isenharts besonderer Ausrüstung sowie seine ehemaligen Lehensleute und Vasallen übergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Isenhart=&lt;br /&gt;
== Beschreibung bei Wolfram==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenhart wird als ein Ritter von Adel mit prächtigem Leib, großer Stärke und herausragender Klugheit beschrieben. Charakterlich soll er feinste [[Courtoisie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sitten]], Keuschheit sowie Stolz gehabt haben. Dazu war er großzügig und nicht mit Schlechtigkeiten zu verunsichern. Sein Vater war der Königs Tankanîs. Wie Belacane selbst war Isenhart dunkelhäutig und kein Christ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane sagt bei V. 26, 11-25 folgendes über Isenhart:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || Sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der triwe ein reht beklibeniu früht: || ein Edelreis der Treue, das so recht angegangen ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn zuht wac für alle zuht. || Seine Sitten waren noch feiner als die Courtoisie selber.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was noch kiuscher denne ein wîp: || Noch keuscher als eine Frau war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vrecheit und ellen truoc sîn lîp, || doch wachen Stolz und Stärke trug sein Leib.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sone gewuohs an ritter milter hant || Es wuchs nie eine Hand an einem Ritter, die so bereit zu schenken war wie seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor im nie über elliu lant || so weit man auch schaut in der Welt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(ine weiz waz nâch uns süle geschehen: || ich weiß naürlich nicht, was nach uns noch geschehen wird,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des lazen ander liute jehen): || davon mögen dann andere reden -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was gein valscher fuore ein tôr, || und er war taub auf jenem Ohr, in das man ihn zu Schlechtigkeiten rief,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in swarzer varwe als ich ein Môr. || und schwarz wie ich, ein Mohr.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn vater hiez Tankanîs, || Sein Vater hieß Tankanîs,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein künec: der het och hôhen prîz. || ein König, der war auch ein großer Held.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Mîn friunt der hiez Isenhart. || Mein Geliebter, der hieß Isenhart.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beziehung zu Belacane ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenhart hatte um Belacane [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|geworben]] und war an diesem Streben zu Grunde gegangen. Belacane hatte ebenso viel für Isenhart empfunden und war durch seinen Tod in große Trauer geraten (28,10ff). Jedoch wollte sie seinen Werbungen in mädchenhafter Scham nicht nachgegeben und hatte ihm deswegen immer weitere [[Heldentum im Parzival|Prüfungen]] auferlegt (27,9-10). Schlussendlich hatte er seine Ausrüstung weggeben um ihr seine Hingabe zu beweisen. Durch diesen Mangel an Rüstungsschutz war es Prothisilas, einem Fürst der Belacane, gelungen Isenhart im Wald von Azagouc in einer Tjost zu töten (27,13ff/28,1-7) Wobei er auch sein eigenes Leben verloren hatte.&lt;br /&gt;
An seiner Liebe und dem Minnestreben zu Belacane war Isenhart also zu Grunde gegangen. In diesem Sinne kann er als Beispiel dafür gewählt werden, auf welche Art ein Ritter zu Tode kommen kann, wenn er sich der Minne zu einer Frau zu sehr hingibt. Isenhart hatte sein Leben geradezu weggeworfen, indem er ohne Rüstung [[Das Tjostieren im Parzival|tjostierte]], allerdings schien dies für ihn die einzige Möglichkeit zu sein, Belacane zu gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwandtschaftliche Beziehungen und Verbündete ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Tod wird von einer durchmischten Gruppe an Kriegern gerächt: Einerseits sind seine eigenen Leute aus Azagouc unter dem mit Isenhart blutsverwandten Mohrenkönig Razalîc (41,9) anwesend, also heidnische Ritter. Andererseits sind Kämpen auf Geheiß des Schottenkönigs Vridebrant sowie dessen christliche, europäische Verbündete anwesend (48,18-49,7).&lt;br /&gt;
Vridebrant ist der Cousin von Isenhart und ihm daher verbunden. Schiltunc ist Vridebrants Schwiegervater und unterstützt wegen dieser [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehung]] dessen Krieg. Weitere Unterstützung erhalten sie durch den Herzog Huitigêr (25,9), den Spanier [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet von Hoskurast]] (25,17) sowie Gaschier aus der Normandie (25,14) und den Neffen der beiden Letztgenannten, Killirjacac (46,25). Zuvor war  Vridebrant noch persönlich anwesend gewesen, da er in der Heimat durch die Verwandten des Königs Hernant angegriffen worden war, musste er sich jedoch zurückziehen (25,2-6).&lt;br /&gt;
Isenhart hatte also gute Verbindungen in die [[Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|heidnische]] und auch in die christliche Welt gehabt. Er stellt eines der Beispiele für einen glorreichen und ruhmvollen heidnischen Helden dar, welcher sich gut mit seinen europäischen Äquivalenten messen kann. Sein eigenes Königreich Azagouc, mit verschiedenen Fürsten und Mächtigen, scheint den europäischen Reichen auch durchaus ebenbürtig und ähnlich zu sein, und beweist seine Gleichwertigkeit spätestens darin, dass Razalîc mit seinen Männern Seite an Seite mit den Schotten kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Rache für Isenhart ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Verwandte hatten Belacane beschuldigt, sie habe den Tod des Isenharts geplant und als Intrige eingefädelt, in dem sie ihn zu solch selbstmörderischen Kämpfen ohne Rüstung gebracht hatte. Als Verwandte ist es deshalb ihre Pflicht, Isenhart zu rächen und seinen Tod zu sühnen, auch wenn ihr eigenes Interesse an diesem Kampf keine weiteren Motivationen hat (48,18-49,7) so können sie sich dem Kampf aus Gründen der Verwandtschaft gar nicht entziehen.[Althoff 1990: S. 78][Delabar 1990: 133] Aus diesem Grund griffen sie Belacane in ihrer Burg an und belagern sie. Dabei gibt es 16 offene Stadttore an denen zu Tag und Nacht gekämpft worden war. Acht davon werden durch Krieger aus Azagouc, unter dem Mohrenkönig Razalîc angeführt. An den anderen acht Toren stehen die Schotten und ihre oben genannten Verbündeten. Gerade der Herzog Huitigêr sowie Razalîc tun sich als starke Kämpen hervor und fügen den Rittern Belacanes schwere Verluste bei. Bis zu Gahmurets eintreffen ist der Kampf noch nicht entschieden, jedoch sind die Verteidiger in einer großen Notlage.&lt;br /&gt;
Gahmurets Erscheinen wendet das Blatt binnen eines Tages. Er kann sowohl Huitigêr (38,1-7), Gaschier (38,26-30) als auch Razalîc (41,16-17) und weitere im Tjost besiegen und ihnen ihr Ehrenwort abzwingen. Mit seinem Verwandten [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verbrüdert er sich zügig und so sind alle wichtigen Männer um ihn versammelt und ihm verbunden. Gahmuret kann mit Kaylet nicht kämpfen, da sie Verwandt sind (39,11-14) und er ihn rechtzeitig erkennt.[Delabar 1990: S. 142] Dadurch kann ein umfassender Friede geschaffen, sowie die Belagerung beendet werden, Gahmuret Siege gegenüber den einen und seine Verwandtschaft gegenüber den anderen ermöglichen ihm eine zügige Konfliktlösung.[Delabar 1990: S. 153] Gahmuret erhält dafür sowohl das Königreich des Isenhart, Azagouc (51,9-12), als auch Belakane, als Ehefrau und somit Zazamanc (45,26-28). Der Isenhart Handlungsstrang wird mit einer Erwähnung seiner königlichen Bestattung vollständig beendet und im Roman nicht weiter behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V. 53, 26-29&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ine hân mirs selbe nieht erdâht: || Ich habe es mir nicht selber ausgedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man sagete mir daz Isenhart || man hat es mir gesagt, dass Isenhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|küneclîche bestatet wart. || bestattet wurde wie ein König;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dat tâten dien erkanden. || das taten seine Freunde.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmuret als Erbe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch diese Wendungen nimmt Gahmuret weitgehend das Erbe des Isenhart an. Razalîc bittet ihn, der neue Herr von Azagouc zu werden (51,9-12), da durch Isenharts Tod diese Stellung verwaist ist. Belacane erfüllt ihr Versprechen und zierte sich bei Gahmuret nicht weiter ihn zum Mann zu nehmen (45,26-18). Durch die Bitten der anwesenden Herrscher erhält er desweiteren das prächtige Zelt des Isenharts zugesprochen (52,23-26), sowie das Versprechen des Herzogs Huitiger ihm den Helm Isenharts, Adamas, zu besorgen (53,3-13). Somit beerbt Gahmuret Isenhart sowohl in der Liebe bei Belacane, als Herrscher von Azagouc und auch als berühmter Krieger. Im Vergleich zu Isenhart vereint Gahmuret den Westen und Orient aber stärker, Isenhart ist lediglich durch Verwandtschaft mit christlichen Rittern aus Schottland verwandt, Gahmuret hat jedoch sowohl eine christliche, königliche Geburt und somit sehr hohen Adel als auch großes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ansehen]] im Orient. Er hatte ja bereits für den Baruc in vielen Schlachten im Orient gekämpft gehabt. Auch dadurch, dass er Belacanes Liebe gewinnen kann, übertrifft er Isenhart. Gahmuret beerbt Isenhart also weniger im Sinne einer Nachfolgerschaft sondern er übernimmt eher Isenharts Aspekte und übertrifft sie durch seine eigenen noch weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren|Kategorie]] [[Kategorie:Orient|Kategorie]] [[Kategorie:Ritter|Kategorie]] [[Kategorie:Parzival I. Buch|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival]] [[Kategorie:Herrscher|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11517</id>
		<title>Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11517"/>
		<updated>2012-07-20T18:37:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Literaturangaben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die zentrale Frauenfigur des ersten Buches des [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;]] von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] ist die Mohrenkönigin Belacane von Zazamanc. Der Ritter [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] trifft durch einen Sturm geleitet in ihrer Stadt ein, während diese gerade schwer belagert wird. Das Motiv für die Belagerung ist Rache für den verstorbenen Helden [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenhart]], welcher angeblich durch die Schuld der Belacane getötet worden war. In ihrer Not engagiert sich die junge Königin sehr für die Hilfe des berühmten Ritters Gahmuret und durch seine unglaubliche Kampfesstärke können die wichtigsten ihrer Feinde geschlagen und die Belagerung somit beendet werden. Aus Dank dafür wird Gahmuret zum König von Zazamanc gekrönt und der Ehemann der heidnischen Belacane. Nach einer gewissen Zeit in ihrem Reich zieht es ihn jedoch wieder hinaus in die Ferne, um [[Âventiure und Ehe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abenteuern]] und Kämpfen entgegenzutreten und so verlässt er Belacane heimlich. In einem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] schiebt er ihre heidnische Herkunft und Religion, die ihn bis dahin jedoch nicht gestört hatten, als Gründe vor. Belacane war zu diesen Zeitpunkt bereits schwanger und erwartete ihr gemeinsames Kind, den elsterngleichen Halbbruder Parzivals, [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Beschreibung bei Wolfram=&lt;br /&gt;
==Auftreten und Aussehen==&lt;br /&gt;
Wolfram beschreibt die schwarze und heidnische Belacane, die sicherlich nicht dem Schönheitsideal der Zeit Wolframs entspricht, als sehr schön. Er hebt ihre Fremdheit positiv hervor und erhebt sie über viele andere Frauen (28,10-17).&lt;br /&gt;
Sie wird vom Auftreten her stets als &amp;quot;küneginne riche | große Königin&amp;quot; (23,22) beschrieben und ihre Handlungen sind zumindest am Anfang sehr zielgerichtet. Sie nutzt ihre Schönheit und Keuschheit um Gahmuret für ihre Zwecke zu gewinnen und hat damit auch Erfolg (24,16-20). Später verliert sie sich immer mehr in ihrer Zuneigung zu Gahmuret und büßt dadurch einen Teil ihrer Selbstsicherheit ein, bis sie schließlich voller Kummer über Gahmurets Abreise ist (56,28-57,14).[Noltze 1995: S. 112]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reaktionen der Umwelt==&lt;br /&gt;
Belacane selbst hat einerseits Zweifel, ob Gahmuret sie wegen ihrer Hautfarbe nicht abstoßend finden würde und andererseits, ob ihre Vasallen Gahmuret als möglichen neuen Herren akzeptieren würden (22,8-14). Dadurch zeigt sie auf, dass diverse Differenzen durchaus existent sind. Jedoch zerschlagen sich beide Bedenken sehr schnell, denn Gahmuret fühlt sich zugleich zu ihr hingezogen und auch ihre eigene Umgebung reagiert nicht negativ auf die unterschiedlichen Hautfarben, ganz im Gegenteil erwählen ihre Fürsten Gahmuret sogar schnell zu ihrem Hauptmann (24,29-25,1).&lt;br /&gt;
Auch im späteren Verlauf der Belagerung, als Gahmuret eine Aussöhnung herbeiführt, wird sie von den weißen, christlichen Königen und Fürsten genauso behandelt wie eine der ihrigen und küsst und versöhnt sich so mit ihren Angreifern (48,1-5).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Belacanes Beziehung zu Isenhart=&lt;br /&gt;
==Vorgeschichte==&lt;br /&gt;
Vor dem Eintreffen Gahmurets hat Belacane bereits eine bewegende Geschichte hinter sich, diese wird im 1. Buch des Romans durch Belacane und ihre Leute selbst erläutert. Sie berichtet von ihrem geliebten [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenhart]], dem König von Azagouc, der um sie geworben hatte und viele ritterliche Taten in ihrem Namen vollbracht hatte. Doch in ihrem mädchenhaften Scham wollte Belacane sich ihm nicht so bald hingeben und so hatte sie ihn vor immer weitere Questen gestellt, um seine Mühen, aber auch ihre Leiden der Sehnsucht weiter zu verlängern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu hât mîn schamndiu wîpheit || Nun hat meine mädchenhafte Scham&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn lôner erlenget und mîn leit. || die Zeit bis zur Belohnung immerfort gesteckt und auch meine Leiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(27,9-10)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In diese Questen hatte sich Isenhart immer weiter hineingesteigert, bis es ihn schlussendlich sein Leben gekostet hatte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem helde erwarp mîn magetuom || So brachte meine Jungfernschaft,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an rîterschefte manegen ruom. || dem Helden viel Ehre ein in Ritterkämpfen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do versuocht i&#039;n, ober kunde sîn || Da stellte ich ihn dann auf die Probe, ob er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein friunt. daz wart vil balde schîn. || mein Geliebter sein könne. Das wurde schnell offenbar:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er gap durh mich sîn harnas || Seine Rüstung schenkte er, um mir zu gefallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|enwec, daz als ein palas || weg, und alles Kriegsgerät, auch das, was &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dort stêt (daz ist ein hôch gezelt: || dort steht wie eine Burg, es ist ein hohes Zelt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz brâhten Schotten ûf diz velt). || Die Schotten brachten es auf dieses Feld.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô daz der helt âne wart, || Als der Held nun ohne Rüstung war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin lîp dô wênic wart gespart. || so wurde erst recht der Leib nicht viel geschont.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|das lebens in dâ nâch verdrôz, || Das Leben war ihm da fast widerwärtig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mange âventiure suohter blôz. || vielen Abenteuern bot er die bloße Brust.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô ditz alsô was, || Als dies so war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein fürste (Prôthizilas || da ritt einmal ein Fürst- Prothizilas&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der hiez) mîn massenîe, || hieß der, mein Lehensmann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor zageheit der vrîe, || er kannte keine Feigheit -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ûz durch âventiure reit, hinaus auf Abenteuer:  || hinaus auf Abenteuer:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dâ grôz schade in niht vermeit. || Da gab ein schlimmes Unglück,das verfehlte ihn nicht.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|zem fôrest in Azagouc || Im Wald von Azagouc &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein tjost im sterben niht erlouc, || log diese Tjost nicht, die ihm vom Sterben sprach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die er tet ûf einem küenen man, || Die zielte er auf einen kühnen Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der ouch sîn ende aldâ gewann. || Der auch an diesem Ort sein Ende fand,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was mîn friunt Isenhart. || das war mein Geliebter Isenhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ir ieweder innen wart || Jeder von den beiden musste &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eines spers durh schilt und durh den lîp. || ein Speereisen fühlen, das fuhr durch den Schild und durch den Leib.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(27,11-28,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Liebe zu Belacane war der König Isenhart also umgekommen und wegen ihrer indirekten Beteiligung an seinem Tod, hatten seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandten]] und Vasallen sie belagert. Belacane selbst hat ein sehr schlechtes Gewissen deshalb. Zwar streitet sie die Schuld an Isenharts Tod, im Sinne der Angreifer, ab (27,1-2), jedoch bereut sie ihre vermeintliche Dummheit, sein Werben überhaupt zugelassen zu haben (26,26-28).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schuldfrage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Rächer werfen Belacane vor, sie habe den Tod ihres Geliebten hervorgerufen und verdiene deswegen die Rache. Belacane selbst streitet ihre Schuld jedoch ab. Auch wenn im Roman gar nicht weiter danach gefragt wird, ob Belacane nun Schuld am [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Beziehung_zu_Belacane|Tod des Isenhart]] trägt oder nicht, scheint diese Frage doch interessant. &lt;br /&gt;
Einerseits muss klar gesehen werden, dass der konkrete Auslöser seines Todes das unberüstete Kämpfen in den Wäldern von Azagouc gewesen war. Diese Kämpfe hatte er als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] für seine Erwählte Belacane angetreten. Seine Rüstung hatte er dabei abgelegt, weil sie immer mehr und mehr Prüfungen von ihm gefordert hatte und ein normales [[Das Tjostieren im Parzival|Tjostieren]] deswegen nicht mehr genug war, um weitere Ehre zu gewinnen. Auch dieser Fakt ist demnach ausschließlich Belacane zuzuordnen. Den tödlichen Tjost hatte Prôthizilas, ein Vasall der Belacane, geführt, jedoch nicht in ihrem Auftrag oder Namen, sondern lediglich durch seine eigene Kampfeslust und seinen Drang nach Ruhm und Ehre. Der Kampf war also von beiden Kontrahenten hervorgerufen worden, auch wenn sie Isenhart dazu gebracht hatte die Kämpfe generell zu suchen. &lt;br /&gt;
Ihre Aktivitäten bei Isenharts Tod waren also das Zulassen seines Minnestrebens, auch wenn dies ihn in Gefahr gebracht hatte, und darüber hinaus die endlosen Prüfungen, die sie ihm auferlegt hatte. An seinem direkten Tod war sie nur durch diese beiden Fakten beteiligt gewesen, da sie Prôthizilas keinen Auftrag oder Ähnliches gegeben hatte. &lt;br /&gt;
Erläuternd muss aber hinzugefügt werden, dass das Kämpfen, um Minne zu gewinnen, auch mit dem möglichen eigenen Tod, in der Parzivalswelt durchaus nicht sehr ungewöhnlich sind. Die Ritter suchen dieses Risiko eigenständig, wenn sie sich den Konventionen der Werbung anschließen. Es gibt einige andere Ritter die ebenso im Dienste der Minne den Tod gefunden haben, wie [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ilinot]] (586,10), [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schianatulanders]] oder [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Ledigitmation|Frimutel]] (474,10-13). &lt;br /&gt;
Abschließend kann also gesagt werden, dass Isenhart seinen Tod selbst herbeigeführt hatte, in dem er sich diesen stets wachsenden Herausforderungen nicht entzog. Belacane hatte keine Intention ihn in den Tod zu schicken, wie sie es selbst schon gesagt hatte, war es wie ein Unfall. Sie war also an Isenharts Tod nur durch die Intensivierung ihrer Prüfungen beteiligt, hat ihn aber weder direkt herbeigeführt, noch gewollt. Die Anschuldigungen der Angreifer sind also nicht haltbar. Verantwortlich für den Tod des Isenharts sind viel mehr die Art und Weise des Minnewerbens, die ihm sein Stand vorgegeben hatte, seine eigene Ergebenheit bis in den Tod und Belacanes mädchenhafte Scham. Die Belagerung von Pâtelamunt ist aus Sicht der Angreifer aber auf jeden Fall notwendig, ihre [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|verwandtschaftliche]] Pflicht zwingt sie dazu Isenhart zu rächen und für sie ist Belacanes Unschuld nicht ersichtlich.[Althoff 1990: S. 78][Delabar 1990: S.133]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Belacanes Beziehung zu Gahmuret=&lt;br /&gt;
==Handlungsverlauf==&lt;br /&gt;
[[Datei:Belacane.jpg |thumb| Belacane bewirtet Gahmuret und dessen Gefolge (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Gahmures Handlungen in Zazamanc sind [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]], hervorragend erläutert. Seine Beziehung zu Belacane nimmt während seiner Befreiung der Stadt einen starken und gefühlsintensiven Verlauf, der den beiden eine erfüllte, aber [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kurze Ehe]] verschafft.&lt;br /&gt;
Besonders gut werden Belacanes Gefühle bereits beschrieben, als sie Gahmuret das erste mal sieht:&lt;br /&gt;
(23,22-28)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der küneginne rîche || Der Königin, der großen Dame,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ir ougen fuogten hôhen pîn, || brachten ihre Augen hohen Schmerz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô si gesach den Anschevîn. || als sie den Anschevîn erblickte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der was sô minneclîche gevar, || Man musste ihn lieben, wenn man ihn sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz er entslôz ir herze gar, || und also schloss er ihr Herz ganz auf -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|es waere ir liep oder leit: || ob es ihr süß war oder weh, sie konnte nicht anders.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz beslôz dâ vor ir wîpheit. || Früher hatte mädchenhafte Schüchternheit es immer verschlossen gehalten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parallelen zu Isenhart==&lt;br /&gt;
Belacanes letzter Geliebter war der König Isenhart, wie Gahmuret war auch er ein herausragender Vertreter der Ritterschaft und ein großer Kämpfer. Da Gahmuret so aufällig alle Aspekte des Isenhart [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Gahmuret_als_Erbe|übernimmt]] und ihn so weit beerbt, könnte man nach Parallelen, im Verhältnis zu Belacane, zwischen den zwei Recken suchen. Jedoch zeigt hier bereits ein kurzer Blick, dass eine Vergleichbarkeit kaum besteht: Isenhart scheitert an den immensen Prüfungen der Belacane, wohl aufgrund dieser schlechten Erfahrungen lässt sie bei Gahmuret alles sehr schnell geschehen und verlangt nach ihrer Rettung keine weiteren Taten. Zwar scheint die emotionale Grundlage die selbe zu sein, sie hat beide Kämpen ausgesprochen gern, jedoch bestehen auch viele der weiteren Besonderheiten zu ihrer Beziehung mit Gahmuret bei Isenhart nicht, allen voran die unterschiedlichen Hautfarben und Religionen.&lt;br /&gt;
==Trennung==&lt;br /&gt;
Nach einer gewissen Zeit bei Belacane sehnt sich Gahmuret wieder so sehr nach Abenteuern, dass er kurzerhand heimlich flieht (54,17-55,16). Er hinterlässt seiner Frau einen Brief, in dem die Begründung angegeben ist, er könne nicht bei ihr bleiben, da sie keine Christin sei und käme möglicherweise zurück, wenn sie sich Taufen ließe (56,25-26). Dieser Grund ist jedoch offensichtlich vorgeschoben und Gahmuret hält seine Sehnsucht nach Abenteuern nicht mehr aus (54,17-20). Eine genaue Analyse des Briefes und der Gründe dazu findet sich [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vergleichbarkeit mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine mögliche Vergleichbarkeit der Liebesbeziehungen ist [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] sehr gut dargestellt.&lt;br /&gt;
Das Fazit daraus jedoch ist, dass [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] und Belacane in ihrer Beziehung zu Gahmuret zwar grundsätzlich Vergleichbar sind und auch einige offensichtliche Gemeinsamkeiten haben, die Beziehung selbst jedoch eine andere ist. Herzeloyde klagt sich Gahmurets Liebe und Ehe geradezu ein, obwohl er sie gar nicht wirklich möchte. Sie führen eine zwar als glücklich beschriebene Ehe, jedoch wird hierbei nicht viel weiter auf Liebe eingegangen (100,8-14). Mit Belacane hat Gahmuret jedoch eine geradezu romantische Beziehung, sie ist zwar nur von kurzer Dauer, in dieser Zeit wird sie jedoch als sehr intensiv beschrieben und auch nach Gahmurets fluchtartiger Abreise lässt ihn die Zeit mit Belacane nicht so schnell los (61,8-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Feirefiz=&lt;br /&gt;
==Das Erbe der Belacane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] ist der Sohn der Belacane und des Gahmuret. Gahmuret weiß bei seiner Flucht bereits von Belacanes Schwangerschaft und schreibt seinem Sohn einige Zeilen über seine Abstammung in den Abschiedsbrief an Belacane (55,28-56,24). Dieser Sohn, Feirefiz, wird sein Nachfolger als König von Zazamanc und Azagouc. Seine Existenz wird zuerst von [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrîe]] (317,3-10) und danach von Belacanes Tante Ekuba erwähnt (328,3-329,10), beide betonen seine große Macht als König von Azagouc und Zazamanc und seine große Ritterlichkeit. Feirefiz wird als Gegner, Freund und Bruder des Parzival eine wichtige Rolle im folgenden Roman spielen. Die Details dazu finden sich [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Interpretation_des_Feirefiz|hier]] und sein Verhältnis zu Parzival wird [[Parzival_und_Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|hier]] gut erklärt. Feirefiz Ehe mit [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] und ihr gemeinsamer Sohn Johan führen das Blut der Belacane von Zazamanc auch über den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hinaus weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren|Kategorie]] [[Kategorie:Orient|Kategorie]] [[Kategorie:Parzival I. Buch|Kategorie]] [[Kategorie:Herrscher|Kategorie]] [[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11516</id>
		<title>Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11516"/>
		<updated>2012-07-20T18:36:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die zentrale Frauenfigur des ersten Buches des [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;]] von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] ist die Mohrenkönigin Belacane von Zazamanc. Der Ritter [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] trifft durch einen Sturm geleitet in ihrer Stadt ein, während diese gerade schwer belagert wird. Das Motiv für die Belagerung ist Rache für den verstorbenen Helden [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenhart]], welcher angeblich durch die Schuld der Belacane getötet worden war. In ihrer Not engagiert sich die junge Königin sehr für die Hilfe des berühmten Ritters Gahmuret und durch seine unglaubliche Kampfesstärke können die wichtigsten ihrer Feinde geschlagen und die Belagerung somit beendet werden. Aus Dank dafür wird Gahmuret zum König von Zazamanc gekrönt und der Ehemann der heidnischen Belacane. Nach einer gewissen Zeit in ihrem Reich zieht es ihn jedoch wieder hinaus in die Ferne, um [[Âventiure und Ehe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abenteuern]] und Kämpfen entgegenzutreten und so verlässt er Belacane heimlich. In einem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] schiebt er ihre heidnische Herkunft und Religion, die ihn bis dahin jedoch nicht gestört hatten, als Gründe vor. Belacane war zu diesen Zeitpunkt bereits schwanger und erwartete ihr gemeinsames Kind, den elsterngleichen Halbbruder Parzivals, [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Beschreibung bei Wolfram=&lt;br /&gt;
==Auftreten und Aussehen==&lt;br /&gt;
Wolfram beschreibt die schwarze und heidnische Belacane, die sicherlich nicht dem Schönheitsideal der Zeit Wolframs entspricht, als sehr schön. Er hebt ihre Fremdheit positiv hervor und erhebt sie über viele andere Frauen (28,10-17).&lt;br /&gt;
Sie wird vom Auftreten her stets als &amp;quot;küneginne riche | große Königin&amp;quot; (23,22) beschrieben und ihre Handlungen sind zumindest am Anfang sehr zielgerichtet. Sie nutzt ihre Schönheit und Keuschheit um Gahmuret für ihre Zwecke zu gewinnen und hat damit auch Erfolg (24,16-20). Später verliert sie sich immer mehr in ihrer Zuneigung zu Gahmuret und büßt dadurch einen Teil ihrer Selbstsicherheit ein, bis sie schließlich voller Kummer über Gahmurets Abreise ist (56,28-57,14).[Noltze 1995: S. 112]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reaktionen der Umwelt==&lt;br /&gt;
Belacane selbst hat einerseits Zweifel, ob Gahmuret sie wegen ihrer Hautfarbe nicht abstoßend finden würde und andererseits, ob ihre Vasallen Gahmuret als möglichen neuen Herren akzeptieren würden (22,8-14). Dadurch zeigt sie auf, dass diverse Differenzen durchaus existent sind. Jedoch zerschlagen sich beide Bedenken sehr schnell, denn Gahmuret fühlt sich zugleich zu ihr hingezogen und auch ihre eigene Umgebung reagiert nicht negativ auf die unterschiedlichen Hautfarben, ganz im Gegenteil erwählen ihre Fürsten Gahmuret sogar schnell zu ihrem Hauptmann (24,29-25,1).&lt;br /&gt;
Auch im späteren Verlauf der Belagerung, als Gahmuret eine Aussöhnung herbeiführt, wird sie von den weißen, christlichen Königen und Fürsten genauso behandelt wie eine der ihrigen und küsst und versöhnt sich so mit ihren Angreifern (48,1-5).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Belacanes Beziehung zu Isenhart=&lt;br /&gt;
==Vorgeschichte==&lt;br /&gt;
Vor dem Eintreffen Gahmurets hat Belacane bereits eine bewegende Geschichte hinter sich, diese wird im 1. Buch des Romans durch Belacane und ihre Leute selbst erläutert. Sie berichtet von ihrem geliebten [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenhart]], dem König von Azagouc, der um sie geworben hatte und viele ritterliche Taten in ihrem Namen vollbracht hatte. Doch in ihrem mädchenhaften Scham wollte Belacane sich ihm nicht so bald hingeben und so hatte sie ihn vor immer weitere Questen gestellt, um seine Mühen, aber auch ihre Leiden der Sehnsucht weiter zu verlängern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu hât mîn schamndiu wîpheit || Nun hat meine mädchenhafte Scham&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sîn lôner erlenget und mîn leit. || die Zeit bis zur Belohnung immerfort gesteckt und auch meine Leiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(27,9-10)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In diese Questen hatte sich Isenhart immer weiter hineingesteigert, bis es ihn schlussendlich sein Leben gekostet hatte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem helde erwarp mîn magetuom || So brachte meine Jungfernschaft,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an rîterschefte manegen ruom. || dem Helden viel Ehre ein in Ritterkämpfen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do versuocht i&#039;n, ober kunde sîn || Da stellte ich ihn dann auf die Probe, ob er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein friunt. daz wart vil balde schîn. || mein Geliebter sein könne. Das wurde schnell offenbar:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er gap durh mich sîn harnas || Seine Rüstung schenkte er, um mir zu gefallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|enwec, daz als ein palas || weg, und alles Kriegsgerät, auch das, was &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dort stêt (daz ist ein hôch gezelt: || dort steht wie eine Burg, es ist ein hohes Zelt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz brâhten Schotten ûf diz velt). || Die Schotten brachten es auf dieses Feld.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô daz der helt âne wart, || Als der Held nun ohne Rüstung war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin lîp dô wênic wart gespart. || so wurde erst recht der Leib nicht viel geschont.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|das lebens in dâ nâch verdrôz, || Das Leben war ihm da fast widerwärtig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mange âventiure suohter blôz. || vielen Abenteuern bot er die bloße Brust.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô ditz alsô was, || Als dies so war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein fürste (Prôthizilas || da ritt einmal ein Fürst- Prothizilas&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der hiez) mîn massenîe, || hieß der, mein Lehensmann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor zageheit der vrîe, || er kannte keine Feigheit -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ûz durch âventiure reit, hinaus auf Abenteuer:  || hinaus auf Abenteuer:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dâ grôz schade in niht vermeit. || Da gab ein schlimmes Unglück,das verfehlte ihn nicht.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|zem fôrest in Azagouc || Im Wald von Azagouc &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein tjost im sterben niht erlouc, || log diese Tjost nicht, die ihm vom Sterben sprach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die er tet ûf einem küenen man, || Die zielte er auf einen kühnen Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der ouch sîn ende aldâ gewann. || Der auch an diesem Ort sein Ende fand,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was mîn friunt Isenhart. || das war mein Geliebter Isenhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ir ieweder innen wart || Jeder von den beiden musste &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eines spers durh schilt und durh den lîp. || ein Speereisen fühlen, das fuhr durch den Schild und durch den Leib.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(27,11-28,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Liebe zu Belacane war der König Isenhart also umgekommen und wegen ihrer indirekten Beteiligung an seinem Tod, hatten seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandten]] und Vasallen sie belagert. Belacane selbst hat ein sehr schlechtes Gewissen deshalb. Zwar streitet sie die Schuld an Isenharts Tod, im Sinne der Angreifer, ab (27,1-2), jedoch bereut sie ihre vermeintliche Dummheit, sein Werben überhaupt zugelassen zu haben (26,26-28).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schuldfrage==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isenharts Rächer werfen Belacane vor, sie habe den Tod ihres Geliebten hervorgerufen und verdiene deswegen die Rache. Belacane selbst streitet ihre Schuld jedoch ab. Auch wenn im Roman gar nicht weiter danach gefragt wird, ob Belacane nun Schuld am [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Beziehung_zu_Belacane|Tod des Isenhart]] trägt oder nicht, scheint diese Frage doch interessant. &lt;br /&gt;
Einerseits muss klar gesehen werden, dass der konkrete Auslöser seines Todes das unberüstete Kämpfen in den Wäldern von Azagouc gewesen war. Diese Kämpfe hatte er als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] für seine Erwählte Belacane angetreten. Seine Rüstung hatte er dabei abgelegt, weil sie immer mehr und mehr Prüfungen von ihm gefordert hatte und ein normales [[Das Tjostieren im Parzival|Tjostieren]] deswegen nicht mehr genug war, um weitere Ehre zu gewinnen. Auch dieser Fakt ist demnach ausschließlich Belacane zuzuordnen. Den tödlichen Tjost hatte Prôthizilas, ein Vasall der Belacane, geführt, jedoch nicht in ihrem Auftrag oder Namen, sondern lediglich durch seine eigene Kampfeslust und seinen Drang nach Ruhm und Ehre. Der Kampf war also von beiden Kontrahenten hervorgerufen worden, auch wenn sie Isenhart dazu gebracht hatte die Kämpfe generell zu suchen. &lt;br /&gt;
Ihre Aktivitäten bei Isenharts Tod waren also das Zulassen seines Minnestrebens, auch wenn dies ihn in Gefahr gebracht hatte, und darüber hinaus die endlosen Prüfungen, die sie ihm auferlegt hatte. An seinem direkten Tod war sie nur durch diese beiden Fakten beteiligt gewesen, da sie Prôthizilas keinen Auftrag oder Ähnliches gegeben hatte. &lt;br /&gt;
Erläuternd muss aber hinzugefügt werden, dass das Kämpfen, um Minne zu gewinnen, auch mit dem möglichen eigenen Tod, in der Parzivalswelt durchaus nicht sehr ungewöhnlich sind. Die Ritter suchen dieses Risiko eigenständig, wenn sie sich den Konventionen der Werbung anschließen. Es gibt einige andere Ritter die ebenso im Dienste der Minne den Tod gefunden haben, wie [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ilinot]] (586,10), [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schianatulanders]] oder [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Ledigitmation|Frimutel]] (474,10-13). &lt;br /&gt;
Abschließend kann also gesagt werden, dass Isenhart seinen Tod selbst herbeigeführt hatte, in dem er sich diesen stets wachsenden Herausforderungen nicht entzog. Belacane hatte keine Intention ihn in den Tod zu schicken, wie sie es selbst schon gesagt hatte, war es wie ein Unfall. Sie war also an Isenharts Tod nur durch die Intensivierung ihrer Prüfungen beteiligt, hat ihn aber weder direkt herbeigeführt, noch gewollt. Die Anschuldigungen der Angreifer sind also nicht haltbar. Verantwortlich für den Tod des Isenharts sind viel mehr die Art und Weise des Minnewerbens, die ihm sein Stand vorgegeben hatte, seine eigene Ergebenheit bis in den Tod und Belacanes mädchenhafte Scham. Die Belagerung von Pâtelamunt ist aus Sicht der Angreifer aber auf jeden Fall notwendig, ihre [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|verwandtschaftliche]] Pflicht zwingt sie dazu Isenhart zu rächen und für sie ist Belacanes Unschuld nicht ersichtlich.[Althoff 1990: S. 78][Delabar 1990: S.133]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Belacanes Beziehung zu Gahmuret=&lt;br /&gt;
==Handlungsverlauf==&lt;br /&gt;
[[Datei:Belacane.jpg |thumb| Belacane bewirtet Gahmuret und dessen Gefolge (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Gahmures Handlungen in Zazamanc sind [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]], hervorragend erläutert. Seine Beziehung zu Belacane nimmt während seiner Befreiung der Stadt einen starken und gefühlsintensiven Verlauf, der den beiden eine erfüllte, aber [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kurze Ehe]] verschafft.&lt;br /&gt;
Besonders gut werden Belacanes Gefühle bereits beschrieben, als sie Gahmuret das erste mal sieht:&lt;br /&gt;
(23,22-28)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der küneginne rîche || Der Königin, der großen Dame,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ir ougen fuogten hôhen pîn, || brachten ihre Augen hohen Schmerz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dô si gesach den Anschevîn. || als sie den Anschevîn erblickte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der was sô minneclîche gevar, || Man musste ihn lieben, wenn man ihn sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz er entslôz ir herze gar, || und also schloss er ihr Herz ganz auf -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|es waere ir liep oder leit: || ob es ihr süß war oder weh, sie konnte nicht anders.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz beslôz dâ vor ir wîpheit. || Früher hatte mädchenhafte Schüchternheit es immer verschlossen gehalten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parallelen zu Isenhart==&lt;br /&gt;
Belacanes letzter Geliebter war der König Isenhart, wie Gahmuret war auch er ein herausragender Vertreter der Ritterschaft und ein großer Kämpfer. Da Gahmuret so aufällig alle Aspekte des Isenhart [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Gahmuret_als_Erbe|übernimmt]] und ihn so weit beerbt, könnte man nach Parallelen, im Verhältnis zu Belacane, zwischen den zwei Recken suchen. Jedoch zeigt hier bereits ein kurzer Blick, dass eine Vergleichbarkeit kaum besteht: Isenhart scheitert an den immensen Prüfungen der Belacane, wohl aufgrund dieser schlechten Erfahrungen lässt sie bei Gahmuret alles sehr schnell geschehen und verlangt nach ihrer Rettung keine weiteren Taten. Zwar scheint die emotionale Grundlage die selbe zu sein, sie hat beide Kämpen ausgesprochen gern, jedoch bestehen auch viele der weiteren Besonderheiten zu ihrer Beziehung mit Gahmuret bei Isenhart nicht, allen voran die unterschiedlichen Hautfarben und Religionen.&lt;br /&gt;
==Trennung==&lt;br /&gt;
Nach einer gewissen Zeit bei Belacane sehnt sich Gahmuret wieder so sehr nach Abenteuern, dass er kurzerhand heimlich flieht (54,17-55,16). Er hinterlässt seiner Frau einen Brief, in dem die Begründung angegeben ist, er könne nicht bei ihr bleiben, da sie keine Christin sei und käme möglicherweise zurück, wenn sie sich Taufen ließe (56,25-26). Dieser Grund ist jedoch offensichtlich vorgeschoben und Gahmuret hält seine Sehnsucht nach Abenteuern nicht mehr aus (54,17-20). Eine genaue Analyse des Briefes und der Gründe dazu findet sich [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vergleichbarkeit mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine mögliche Vergleichbarkeit der Liebesbeziehungen ist [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] sehr gut dargestellt.&lt;br /&gt;
Das Fazit daraus jedoch ist, dass [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] und Belacane in ihrer Beziehung zu Gahmuret zwar grundsätzlich Vergleichbar sind und auch einige offensichtliche Gemeinsamkeiten haben, die Beziehung selbst jedoch eine andere ist. Herzeloyde klagt sich Gahmurets Liebe und Ehe geradezu ein, obwohl er sie gar nicht wirklich möchte. Sie führen eine zwar als glücklich beschriebene Ehe, jedoch wird hierbei nicht viel weiter auf Liebe eingegangen (100,8-14). Mit Belacane hat Gahmuret jedoch eine geradezu romantische Beziehung, sie ist zwar nur von kurzer Dauer, in dieser Zeit wird sie jedoch als sehr intensiv beschrieben und auch nach Gahmurets fluchtartiger Abreise lässt ihn die Zeit mit Belacane nicht so schnell los (61,8-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Feirefiz=&lt;br /&gt;
==Das Erbe der Belacane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] ist der Sohn der Belacane und des Gahmuret. Gahmuret weiß bei seiner Flucht bereits von Belacanes Schwangerschaft und schreibt seinem Sohn einige Zeilen über seine Abstammung in den Abschiedsbrief an Belacane (55,28-56,24). Dieser Sohn, Feirefiz, wird sein Nachfolger als König von Zazamanc und Azagouc. Seine Existenz wird zuerst von [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrîe]] (317,3-10) und danach von Belacanes Tante Ekuba erwähnt (328,3-329,10), beide betonen seine große Macht als König von Azagouc und Zazamanc und seine große Ritterlichkeit. Feirefiz wird als Gegner, Freund und Bruder des Parzival eine wichtige Rolle im folgenden Roman spielen. Die Details dazu finden sich [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Interpretation_des_Feirefiz|hier]] und sein Verhältnis zu Parzival wird [[Parzival_und_Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|hier]] gut erklärt. Feirefiz Ehe mit [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] und ihr gemeinsamer Sohn Johan führen das Blut der Belacane von Zazamanc auch über den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hinaus weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren|Kategorie]] [[Kategorie:Orient|Kategorie]] [[Kategorie:Parzival I. Buch|Kategorie]] [[Kategorie:Herrscher|Kategorie]] [[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11458</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11458"/>
		<updated>2012-07-20T16:41:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Handlung beginnt im 1. Buch mit dem Erbfall des Königs Gandin von Anschouwe, welcher in einem Kampf getötet worden war (5,28). Nach dessen Tod soll sein erstgeborener Sohn Galoes alles erben, der zweitgeborene wird nicht bedacht (5,4-8). Die Fürsten von Anschouwe kehren wegen des [http://de.wikipedia.org/wiki/Mannfall#Rechtsbeziehung_zwischen_Lehnsherren_und_Vasallen Mannfalles] bei Gandin ein und erhalten ihre Lehen zugesprochen (6,2-9), dabei sprechen sie die Bitte aus [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] möge doch von seinem Bruder auch Ländereien erhalten um seinem Stand gerecht zu werden (6,11-21), Gandin befürwortet die Bitte und bietet seinem Bruder an wie sein eigener Sohn am Hofe zu leben (7,3-5). Gahmuret jedoch lehnt dies ab, da er dadurch keine Ehre gewinnen kann, er bittet um Gefolge und Austattung um auf eine ritterliche Fahrt zu gehen (7,19-30/8,1-21). Diese Bitte wird ihm von Bruder und Mutter unter zögern gewährt (8,27-12,26) und er zieht in die Ferne um Heldentaten* zu vollbringen.&lt;br /&gt;
Hierbei handelt es sich also um den klassischen Fall einer Primogenitur, der ältere Sohn bietet dem jüngeren an sein Gefolgsmann zu werden, um aber selbst zu Ehre und Ruhm zu gelangen lehnt der jüngere Sohn ab und geht auf Ritterfahrt.[Noltze 1995: S. 217] Somit existiert für Gahmuret eine doppelte Motivation auf Aventurie* zu gehen, einerseits um der puren Ritterlichkeit willen, andererseits da er zuhause nur im Schatten seines größeren Bruders leben könnte und davon seine Ehre bedroht sieht.[Noltze 1995: S. 220]&lt;br /&gt;
Bemerkenswert an dieser Einführung sind die Kommentare [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] zur Primogenitur. Er beschreibt sie einerseits als im französischen Recht üblich, in deutschen Gebieten auch teilweise vorhanden, sowie den Lesern bekannt (4,27-30) andererseits nennt er sie eine &amp;quot;fremdiu zeche&amp;quot; (5,21) und drückt damit die Fremdheit dieser Ordnung für sich selbst und den Leser aus. Genauso bezeichnet er sie einerseitsa als von einem weisen Mann geschaffene Ordnung (5,11), andererseits kritisert er ihre Ungerechtigkeit da sie den jüngeren in Not bringt und ihm seinen Erbteil vorenthält (5,4-6). Diese ambivalente Haltung Wolframs zur Primogenitur spiegelt den Zustand seiner Zeit wieder, wo diese Erbfolgeordnung sich mancherorts durchgesetzt hatte aber sicherlich noch kein allgemeiner Brauch war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Erbfolge wird bereits bei seiner Ernennung zum Gralskönig geplant. Sein erster Sohn Loherangrin wird direkt als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Da Parzival selbst als Gralskönig nicht über seine weiteren Reiche herrschen kann, wird Kardeiz bereits als Kind zum König gekrönt (803,21), Parzival spricht ihm die Herrschaft über Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe zu (803,5-10) und fordert seine Vasallen auf ihm damit zu helfen wenn er ein Mann geworden ist (803,9-16). [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] greift sogar soweit vor, dass er Kardeiz für die Zukunft zusagt das Erbe des Parzival und des [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] erobern zu könnnen (803,22-23). Parzivals Erbfolge, sowohl betreff des Grals als auch seiner übrigen Königreiche ist also herausragend für die Zukunft geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bretane== &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
Das erste mal als Teil der Handlung werden Utependragun,[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] , Lot und [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] im II. Buch beim [[Das_Turnier_von_Kanvoleis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Turnier von Kanvoleis]] erwähnt. Utependragun ist anwesend (65,29-30), sein Sohn Artus ist auf der Suche nach seiner Mutter, welche [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] mit einem Zauber entführt hatte (66,4-8). Desweiteren sind Lot von Norwaege (66,11), der Schwiegersohn des Utependragun und dessen Sohn Gawan, der noch eine Knabe ist (66,15-17) beschrieben.&lt;br /&gt;
Im Übergang zum III. Buch findet ein Generationenwechsel statt, die Handlung geht einige Jahre in die Zukunft und handelt nun vom Kind des Protagonisten der ersten 2 Bücher, Parzival. Auch Utependraguns Sohn Artus hat mittlerweile die Herrschaft über Bretane angetreten (273,4). Artus war bereits beim Turnier von Kaleis alt genug um selbst Clinschor zu jagen, ist jetzt also deutlich älter als Parzival oder Gawan. Dieser Generationenwechsel wird mit keinem Wort genauer beschrieben, der Erbfall des Utependragun und Artus als dessen Erbe scheinen bis zu [[Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Ithers_Ansprüche|Ithers]] auftreten völlig unangefochten zu sein.&lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11456</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11456"/>
		<updated>2012-07-20T16:03:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Gandin */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Handlung beginnt im 1. Buch mit dem Erbfall des Königs Gandin von Anschouwe, welcher in einem Kampf getötet worden war (5,28). Nach dessen Tod soll sein erstgeborener Sohn Galoes alles erben, der zweitgeborene wird nicht bedacht (5,4-8). Die Fürsten von Anschouwe kehren wegen des [http://de.wikipedia.org/wiki/Mannfall#Rechtsbeziehung_zwischen_Lehnsherren_und_Vasallen Mannfalles] bei Gandin ein und erhalten ihre Lehen zugesprochen (6,2-9), dabei sprechen sie die Bitte aus [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] möge doch von seinem Bruder auch Ländereien erhalten um seinem Stand gerecht zu werden (6,11-21), Gandin befürwortet die Bitte und bietet seinem Bruder an wie sein eigener Sohn am Hofe zu leben (7,3-5). Gahmuret jedoch lehnt dies ab, da er dadurch keine Ehre gewinnen kann, er bittet um Gefolge und Austattung um auf eine ritterliche Fahrt zu gehen (7,19-30/8,1-21). Diese Bitte wird ihm von Bruder und Mutter unter zögern gewährt (8,27-12,26) und er zieht in die Ferne um Heldentaten* zu vollbringen.&lt;br /&gt;
Hierbei handelt es sich also um den klassischen Fall einer Primogenitur, der ältere Sohn bietet dem jüngeren an sein Gefolgsmann zu werden, um aber selbst zu Ehre und Ruhm zu gelangen lehnt der jüngere Sohn ab und geht auf Ritterfahrt.[Noltze 1995: S. 217] Somit existiert für Gahmuret eine doppelte Motivation auf Aventurie* zu gehen, einerseits um der puren Ritterlichkeit willen, andererseits da er zuhause nur im Schatten seines größeren Bruders leben könnte und davon seine Ehre bedroht sieht.[Noltze 1995: S. 220]&lt;br /&gt;
Bemerkenswert an dieser Einführung sind die Kommentare [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] zur Primogenitur. Er beschreibt sie einerseits als im französischen Recht üblich, in deutschen Gebieten auch teilweise vorhanden, sowie den Lesern bekannt (4,27-30) andererseits nennt er sie eine &amp;quot;fremdiu zeche&amp;quot; (5,21) und drückt damit die Fremdheit dieser Ordnung für sich selbst und den Leser aus. Genauso bezeichnet er sie einerseitsa als von einem weisen Mann geschaffene Ordnung (5,11), andererseits kritisert er ihre Ungerechtigkeit da sie den jüngeren in Not bringt und ihm seinen Erbteil vorenthält (5,4-6). Diese ambivalente Haltung Wolframs zur Primogenitur spiegelt den Zustand seiner Zeit wieder, wo diese Erbfolgeordnung sich mancherorts durchgesetzt hatte aber sicherlich noch kein allgemeiner Brauch war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Erbfolge wird bereits bei seiner Ernennung zum Gralskönig geplant. Sein erster Sohn Loherangrin wird direkt als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Da Parzival selbst als Gralskönig nicht über seine weiteren Reiche herrschen kann, wird Kardeiz bereits als Kind zum König gekrönt (803,21), Parzival spricht ihm die Herrschaft über Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe zu (803,5-10) und fordert seine Vasallen auf ihm damit zu helfen wenn er ein Mann geworden ist (803,9-16). [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] greift sogar soweit vor, dass er Kardeiz für die Zukunft zusagt das Erbe des Parzival und des [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] erobern zu könnnen (803,22-23). Parzivals Erbfolge, sowohl betreff des Grals als auch seiner übrigen Königreiche ist also herausragend für die Zukunft geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11455</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11455"/>
		<updated>2012-07-20T16:03:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Gandin */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Handlung beginnt im 1. Buch mit dem Erbfall des Königs Gandin von Anschouwe, welcher in einem Kampf getötet worden war (5,28). Nach dessen Tod soll sein erstgeborener Sohn Galoes alles erben, der zweitgeborene wird nicht bedacht (5,4-8). Die Fürsten von Anschouwe kehren wegen des [http://de.wikipedia.org/wiki/Mannfall#Rechtsbeziehung_zwischen_Lehnsherren_und_Vasallen Mannfalles] bei Gandin ein und erhalten ihre Lehen zugesprochen (6,2-9), dabei sprechen sie die Bitte aus [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] möge doch von seinem Bruder auch Ländereien erhalten um seinem Stand gerecht zu werden (6,11-21), Gandin befürwortet die Bitte und bietet seinem Bruder an wie sein eigener Sohn am Hofe zu leben (7,3-5). Gahmuret jedoch lehnt dies ab, da er dadurch keine Ehre gewinnen kann, er bittet um Gefolge und Austattung um auf eine ritterliche Fahrt zu gehen (7,19-30/8,1-21). Diese Bitte wird ihm von Bruder und Mutter unter zögern gewährt (8,27-12,26) und er zieht in die Ferne um Heldentaten* zu vollbringen.&lt;br /&gt;
Hierbei handelt es sich also um den klassischen Fall einer Primogenitur, der ältere Sohn bietet dem jüngeren an sein Gefolgsmann zu werden, um aber selbst zu Ehre und Ruhm zu gelangen lehnt der jüngere Sohn ab und geht auf Ritterfahrt.[Noltze : S. 217] Somit existiert für Gahmuret eine doppelte Motivation auf Aventurie* zu gehen, einerseits um der puren Ritterlichkeit willen, andererseits da er zuhause nur im Schatten seines größeren Bruders leben könnte und davon seine Ehre bedroht sieht.[Noltze : S. 220]&lt;br /&gt;
Bemerkenswert an dieser Einführung sind die Kommentare [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] zur Primogenitur. Er beschreibt sie einerseits als im französischen Recht üblich, in deutschen Gebieten auch teilweise vorhanden, sowie den Lesern bekannt (4,27-30) andererseits nennt er sie eine &amp;quot;fremdiu zeche&amp;quot; (5,21) und drückt damit die Fremdheit dieser Ordnung für sich selbst und den Leser aus. Genauso bezeichnet er sie einerseitsa als von einem weisen Mann geschaffene Ordnung (5,11), andererseits kritisert er ihre Ungerechtigkeit da sie den jüngeren in Not bringt und ihm seinen Erbteil vorenthält (5,4-6). Diese ambivalente Haltung Wolframs zur Primogenitur spiegelt den Zustand seiner Zeit wieder, wo diese Erbfolgeordnung sich mancherorts durchgesetzt hatte aber sicherlich noch kein allgemeiner Brauch war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Erbfolge wird bereits bei seiner Ernennung zum Gralskönig geplant. Sein erster Sohn Loherangrin wird direkt als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Da Parzival selbst als Gralskönig nicht über seine weiteren Reiche herrschen kann, wird Kardeiz bereits als Kind zum König gekrönt (803,21), Parzival spricht ihm die Herrschaft über Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe zu (803,5-10) und fordert seine Vasallen auf ihm damit zu helfen wenn er ein Mann geworden ist (803,9-16). [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] greift sogar soweit vor, dass er Kardeiz für die Zukunft zusagt das Erbe des Parzival und des [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] erobern zu könnnen (803,22-23). Parzivals Erbfolge, sowohl betreff des Grals als auch seiner übrigen Königreiche ist also herausragend für die Zukunft geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11454</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T16:01:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Gandin */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Handlung beginnt im 1. Buch mit dem Erbfall des Königs Gandin von Anschouwe, welcher in einem kampf getötet wurde (5,28). Nach dessen Tod soll sein erstgeborener Sohn Galoes alles erben, der zweitgeborene wird nicht bedacht (5,4-8). Die Fürsten von Anschouwe kehren wegen des Mannfalles* bei Gandin ein und erhalten ihre Lehen zugesprochen (6,2-9), dabei sprechen sie die Bitte aus Gahmuret möge doch von seinem Bruder auch Ländereien erhalten um seinem Stand gerecht zu werden (6,11-21), Gandin befürwortet die Bitte und bietet seinem Bruder an wie sein eigener Sohn am Hofe zu leben (7,3-5). Gahmuret jedoch lehnt dies ab, da er dadurch keine Ehre gewinnen kann, er bittet um Gefolge und Austattung um auf eine ritterliche Fahrt zu gehen (7,19-30/8,1-21). Diese Bitte wird ihm von Bruder und Mutter unter zögern gewährt (8,27-12,26) und er zieht in die Ferne um Heldentaten* zu vollbringen.&lt;br /&gt;
Hierbei handelt es sich also um den klassischen Fall einer Primogenitur, der ältere Sohn bietet dem jüngeren an sein Gefolgsmann zu werden, um aber selbst zu Ehre und Ruhm zu gelangen lehnt der jüngere Sohn ab und geht auf Ritterfahrt.[Noltze : S. 217] Somit existiert für Gahmuret eine doppelte Motivation auf Aventurie* zu gehen, einerseits um der puren Ritterlichkeit willen, andererseits da er zuhause nur im Schatten seines größeren Bruders leben könnte und davon seine Ehre bedroht sieht.[Noltze : S. 220]&lt;br /&gt;
Bemerkenswert an dieser Einführung sind die Kommentare Wolframs* zur Primogenitur. Er beschreibt sie einerseits als im französischen Recht üblich, in deutschen Gebieten auch teilweise vorhanden, sowie den Lesern bekannt (4,27-30) andererseits nennt er sie eine &amp;quot;fremdiu zeche&amp;quot; (5,21) und drückt damit die Fremdheit dieser Ordnung für sich selbst und den Leser aus. Genauso bezeichnet er sie einerseitsa als von einem weisen Mann geschaffene Ordnung (5,11), andererseits kritisert er ihre Ungerechtigkeit da sie den jüngeren in Not bringt und ihm seinen Erbteil vorenthält (5,4-6). Diese ambivalente Haltung Wolframs zur Primogenitur spiegelt den Zustand seiner Zeit wieder, wo diese Erbfolgeordnung sich mancherorts durchgesetzt hatte aber sicherlich noch kein allgemeiner Brauch war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Erbfolge wird bereits bei seiner Ernennung zum Gralskönig geplant. Sein erster Sohn Loherangrin wird direkt als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Da Parzival selbst als Gralskönig nicht über seine weiteren Reiche herrschen kann, wird Kardeiz bereits als Kind zum König gekrönt (803,21), Parzival spricht ihm die Herrschaft über Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe zu (803,5-10) und fordert seine Vasallen auf ihm damit zu helfen wenn er ein Mann geworden ist (803,9-16). [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] greift sogar soweit vor, dass er Kardeiz für die Zukunft zusagt das Erbe des Parzival und des [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] erobern zu könnnen (803,22-23). Parzivals Erbfolge, sowohl betreff des Grals als auch seiner übrigen Königreiche ist also herausragend für die Zukunft geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11451</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11451"/>
		<updated>2012-07-20T14:33:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Der Gralskönig */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Erbfolge wird bereits bei seiner Ernennung zum Gralskönig geplant. Sein erster Sohn Loherangrin wird direkt als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Da Parzival selbst als Gralskönig nicht über seine weiteren Reiche herrschen kann, wird Kardeiz bereits als Kind zum König gekrönt (803,21), Parzival spricht ihm die Herrschaft über Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe zu (803,5-10) und fordert seine Vasallen auf ihm damit zu helfen wenn er ein Mann geworden ist (803,9-16). [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] greift sogar soweit vor, dass er Kardeiz für die Zukunft zusagt das Erbe des Parzival und des [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] erobern zu könnnen (803,22-23). Parzivals Erbfolge, sowohl betreff des Grals als auch seiner übrigen Königreiche ist also herausragend für die Zukunft geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11450</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11450"/>
		<updated>2012-07-20T14:32:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]]==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Erbfolge wird bereits bei seiner Ernennung zum Gralskönig geplant. Sein erster Sohn Loherangrin wird direkt als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Da Parzival selbst als Gralskönig nicht über seine weiteren Reiche herrschen kann, wird Kardeiz bereits als Kind zum König gekrönt (803,21), Parzival spricht ihm die Herrschaft über Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe zu (803,5-10) und fordert seine Vasallen auf ihm damit zu helfen wenn er ein Mann geworden ist (803,9-16). [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] greift sogar soweit vor, dass er Kardeiz für die Zukunft zusagt das Erbe des Parzival und  erobern zu könnnen (803,22-23). Parzivals Erbfolge, sowohl betreff des Grals als auch seiner übrigen Königreiche ist also herausragend für die Zukunft geregelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11449</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T14:29:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Schuld */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: dem [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott enworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan im IX. Buch verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auuch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mitlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse nocheinmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern welche den Gral beschützen und Damen welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Graslgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser ausser jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er Befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f), Befehle die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und Regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus Linie gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die Nachfolge Artus nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5), gab muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach vererbt. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu Regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die Nachfolge Parzivals gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Parallen zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erlebt kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vorallem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), im Äusseren für die Verteidung seiner Gebiete sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie wie die Ritter ebenso, in die Welt entsand und über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30), dort ist es ihnen auch erlaubt zu Heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von aussen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von aussen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als kennzeichnenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), ausser für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweiteretes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft darf man nicht Heiraten, wenn man in die Welt entsand wird dann darf man jedoch eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit [[Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11448</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11448"/>
		<updated>2012-07-20T14:27:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11447</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11447"/>
		<updated>2012-07-20T14:26:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11446</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11446"/>
		<updated>2012-07-20T14:23:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: dem [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott enworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan im IX. Buch verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auuch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mitlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse nocheinmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern welche den Gral beschützen und Damen welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Graslgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser ausser jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er Befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f), Befehle die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und Regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus Linie gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die Nachfolge Artus nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5), gab muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach vererbt. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu Regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die Nachfolge Parzivals gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Parallen zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erlebt kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vorallem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), im Äusseren für die Verteidung seiner Gebiete sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie wie die Ritter ebenso, in die Welt entsand und über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30), dort ist es ihnen auch erlaubt zu Heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von aussen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von aussen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als kennzeichnenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), ausser für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweiteretes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft darf man nicht Heiraten, wenn man in die Welt entsand wird dann darf man jedoch eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit Schuld beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals, Kanvoleiz, Kyngrivals, Bealzenan und Anschouwe an (803,5-10), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11445</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11445"/>
		<updated>2012-07-20T14:08:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Der Gralskönig */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsherrschaft geht auf Titurel zurück, da dieser den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heilige Gral]] erhalten hatte. Die Erbfolge ist hier etwas umständlicher als üblicherweise und an mehrere Faktoren gebunden. Diese bestehen daraus, dass Gott den Träger auswählen muss (468,12-24/471,26-29) und die Gralsgesellschaft ihm zustimmen muss (796,17-21). Gott bestimmt jedoch nur Personen mit dem Blute Titurels (455,12-22) und die Gralsgesellschaft stimmt Entscheidungen des Grals immer zu. Also ist die Abstammung von Titurel das ausschlaggebende. &lt;br /&gt;
Nach Titurel war dessen Sohn Frimutel Gralskönig, dieser starb jedoch im Kampf (586,8-11). Daraufhin wurde dessen erstgeborener Sohn  [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Gralskönig, dieser ist jedoch nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und kann, wegen einer Verletzung am Gemächt, keine Nachfahren zeugen (616,11-26). Frimutels zweiter Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist deswegen aus der Erbfolge ausgeschlossen (480,19-24). Ein agnatischer Nachfolger ist also nicht mehr vorhanden. &lt;br /&gt;
Deswegen erwählt der Gral Parzival als [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Nachfolger]]. Dessen Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist eine Tochter des Frimutel, somit hat Parzival das nötige Blut des Titurel in seinen Adern. Als letzter geeigneter Erbe wird die Gralskönigswürde Parzival nach langen Bestrebungen und Mühen verliehen (827,7f).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den [[Kategorie:Literarische_Figuren|Personen]] im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11444</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11444"/>
		<updated>2012-07-20T13:55:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Erbfolge und Legitimation */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: dem [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott enworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan im IX. Buch verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auuch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mitlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse nocheinmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern welche den Gral beschützen und Damen welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Graslgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser ausser jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er Befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f), Befehle die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und Regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus Linie gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die Nachfolge Artus nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5), gab muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach vererbt. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu Regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die Nachfolge Parzivals gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Parallen zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erlebt kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vorallem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), im Äusseren für die Verteidung seiner Gebiete sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie wie die Ritter ebenso, in die Welt entsand und über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30), dort ist es ihnen auch erlaubt zu Heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von aussen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von aussen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als kennzeichnenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), ausser für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweiteretes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft darf man nicht Heiraten, wenn man in die Welt entsand wird dann darf man jedoch eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit Schuld beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals und Anschouwe an (803,2-23/803,30,805,13), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11442</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T13:53:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Artus */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf (586,10) weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Erbfolge_und_Legitimation|Artus Nachfolge]]wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt. Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[Pratelidis 1994: S. 53] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den [[Kategorie:Literarische_Figuren|Personen]] im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[Pratelidis 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11435</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11435"/>
		<updated>2012-07-20T13:46:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: dem [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott enworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan im IX. Buch verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auuch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mitlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse nocheinmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern welche den Gral beschützen und Damen welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Graslgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser ausser jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er Befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f), Befehle die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und Regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus Linie gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die Nachfolge Artus nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5), gab muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach vererbt. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu Regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die Nachfolge Parzivals gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Parallen zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erlebt kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vorallem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), im Äusseren für die Verteidung seiner Gebiete sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie wie die Ritter ebenso, in die Welt entsand und über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30), dort ist es ihnen auch erlaubt zu Heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von aussen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von aussen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als kennzeichnenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), ausser für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweiteretes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft darf man nicht Heiraten, wenn man in die Welt entsand wird dann darf man jedoch eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit Schuld beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals und Anschouwe an (803,2-23/803,30,805,13), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11434</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T13:46:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: dem [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott enworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan im IX. Buch verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auuch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mitlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse nocheinmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern welche den Gral beschützen und Damen welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Graslgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser ausser jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er Befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f), Befehle die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und Regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus Linie gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die Nachfolge Artus nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5), gab muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach vererbt. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu Regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die Nachfolge Parzivals gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Parallen zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erlebt kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vorallem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), im Äusseren für die Verteidung seiner Gebiete sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie wie die Ritter ebenso, in die Welt entsand und über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30), dort ist es ihnen auch erlaubt zu Heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von aussen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von aussen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als kennzeichnenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), ausser für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweiteretes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft darf man nicht Heiraten, wenn man in die Welt entsand wird dann darf man jedoch eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit Schuld beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals und Anschouwe an (803,2-23/803,30,805,13), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11433</id>
		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T13:45:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Literaturangaben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene [[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]. Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die starke Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut stark auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar, sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse, wichtige, Funktionen im Leben des Einzelnen. Die Pflichten und Aufgaben sowie Verbote sind um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach aussen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der eigenen Verwandtschaft und Vorfahren war äussert wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wird stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Faktoren wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörigen Personen. Die Familie stellt eine art Kerneinheit dar und ist an und für sich in sich geschlossen.[Goetz 2009: S. 15-17] &lt;br /&gt;
Die Verwandschaft teilt sich in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] Verwandtschaft sowie [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) Affine].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen gezeugten Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr Eng und zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten die man für den anderen Einzuhalten hat, darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen, wenn ein Verwandter Hilfe braucht so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz und Rache, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss mit gegen sie Kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen so hat die Verwandtschaft die Pflicht dieses zu Rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen, dies gilt als ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel in dem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt welche man Verteilen kann, diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu Beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder Aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14), nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen, als die Verwandtschaft bemerkt wird brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das nicht erkennen das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten durften zu nah verwandte Personen auch nicht heiraten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit ausserhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] nocht unterschiedlich gewesen, sie varieren je nach Zeit, ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die verhinderte Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben, gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Britonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampft gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11431</id>
		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11431"/>
		<updated>2012-07-20T13:45:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Literaturangaben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene [[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]. Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die starke Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut stark auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar, sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse, wichtige, Funktionen im Leben des Einzelnen. Die Pflichten und Aufgaben sowie Verbote sind um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach aussen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der eigenen Verwandtschaft und Vorfahren war äussert wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wird stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Faktoren wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörigen Personen. Die Familie stellt eine art Kerneinheit dar und ist an und für sich in sich geschlossen.[Goetz 2009: S. 15-17] &lt;br /&gt;
Die Verwandschaft teilt sich in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] Verwandtschaft sowie [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) Affine].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen gezeugten Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr Eng und zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten die man für den anderen Einzuhalten hat, darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen, wenn ein Verwandter Hilfe braucht so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz und Rache, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss mit gegen sie Kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen so hat die Verwandtschaft die Pflicht dieses zu Rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen, dies gilt als ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel in dem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt welche man Verteilen kann, diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu Beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder Aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14), nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen, als die Verwandtschaft bemerkt wird brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das nicht erkennen das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten durften zu nah verwandte Personen auch nicht heiraten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit ausserhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] nocht unterschiedlich gewesen, sie varieren je nach Zeit, ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die verhinderte Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben, gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Britonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampft gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004. [*Bumke 2004]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11430</id>
		<title>Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11430"/>
		<updated>2012-07-20T13:45:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Familie und Verwandtschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] dutzende verschiedene [[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]. Diese Figuren sind zum Großteil mit einer über mehrere Generationen zurückreichenden Ahnenlinie ausgestattet. Die wichtige Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen im Werk Wolframs wird durch die starke Präsenz von [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogie] deutlich. Jede für die Handlung relevante Figur erhält einen Namen und die meisten sind in Beziehungen zu anderen festgelegt. Dies ist ein Merkmal in welchem sich Wolfram stark von seinen Vorgängern wie [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] oder [http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue Hartmann von Aue] unterscheidet.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Verwandtschaft im Hochmittelalter=&lt;br /&gt;
Die starke Bedeutung der Familie und Verwandtschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; entspringt dem Vorbild der starken Bedeutung der Verwandtschaft im [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter]. Das Konzept des [http://de.wikipedia.org/wiki/Adel Adels] baut stark auf einer Verbundenheit zwischen verschiedenen Adelsgruppen auf und ist zentral für die [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Literatur_des_hohen_Mittelalters höfische Literatur].  &lt;br /&gt;
Im Hochmittelalter stellte die Familie eine Art Institution dar, sie besteht aus verschiedenen Rollen mit verschiedenen Nähegraden und hat gewisse, wichtige, Funktionen im Leben des Einzelnen. Die Pflichten und Aufgaben sowie Verbote sind um ein gutes Miteinander und gute Beziehungen nach aussen zu pflegen und somit das Leben einer Adelsfamilie im Hochmittelalter zu sichern.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
Die Bedeutung der eigenen Verwandtschaft und Vorfahren war äussert wichtig zur Bestimmung des eigenen sozialen Status in der Gesellschaft, eine königliche Abstammung oder besonderer Adel wird stets lobend hervorgehoben.[Althoff 1990: S. 67]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Familie und Verwandtschaft==&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft unterteilt sich in Faktoren wie die direkte [http://de.wikipedia.org/wiki/Familie#Ursprung_des_Wortes Familie], bestehend aus der Hausgemeinschaft eines Herren, also seiner Frau, den gemeinsamen Kindern sowie (in einem gewissen Maße) den weiteren zum Haushalt gehörigen Personen. Die Familie stellt eine art Kerneinheit dar und ist an und für sich in sich geschlossen.[Goetz 2009: S. 15-17] &lt;br /&gt;
Die Verwandschaft teilt sich in [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Blutsverwandtschaft consanguine] Verwandtschaft sowie [http://de.wikipedia.org/wiki/Affinit%C3%A4t_(Anthropologie) Affine].[Goetz 2009: S. 15-17] Agnaten sind eine Gruppe von Personen die in direkter Linie einer anderen Person abstammen und sich im Idealfall auch der Oberherrschaft dieses Einzelnen unterstellen. Laut dem &#039;&#039;Lex Salica&#039;&#039; geht ein Erbe im fränkischen Reich üblicherweise zuerst an die Agnaten, also direkte Söhne oder Abkommen, bevor andere Verwandte berücksichtigt werden.[Goetz 2009: S. 24] Zu den Agnaten konnten auch Frauen gehören, die von ihnen gezeugten Kinder jedoch nicht mehr, sie gehören der agnatischen Linie ihres Vaters an. Die Consanguini sind allgemein Blutsverwandte, also eben jene Kinder von Agnatinnen. Die Verbundenheit und Wichtigkeit der Consanguini ist aber gerade im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder betont, die Haupthandlungen des Parzivals betreffen oft seine Consanguini (er erlöst seinen Mutterbruder [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] (796,2-4) und beerbt den Großvater seiner Mutter, Titurel (827,7f).[Bumke 2004: S. 94] Eine weitere wichtige Rolle spielte im Hochmittelalter die gemachte Verwandtschaft, dabei handelt es sich nicht um Blutsverwandtschaft sondern um Adoption und Taufpatenschaft sowie sehr enge Bündnisse. [Althoff 1990: S.82] All diese Verwandten gehören zwar in gewissem Maß zueinander, sind jedoch nicht Teil des selben Haushaltes und agieren demnach eigenständig, sie unterhalten also [http://de.wikipedia.org/wiki/Bilateral bilaterale] Beziehungen zueinander, dank ihrer Verwandtschaft sind diese jedoch von Anfang an sehr Eng und zumeist gute Verbündete.[Delabar 1990: S. 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufgaben und Pflichten==&lt;br /&gt;
Zwischen diesen Verwandten gibt es eine Reihe von Aufgaben und Pflichten die man für den anderen Einzuhalten hat, darunter ist eine Art Helfe-Gebot in Notsituationen, wenn ein Verwandter Hilfe braucht so muss man sie ihm gewähren.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren ein Schutz und Rache, kurz ein Kampfbündnis. Die Feinde der Verwandten sind auch die eigenen Feinde und man muss mit gegen sie Kämpfen. Sollte einem Verwandten ein Unrecht geschehen so hat die Verwandtschaft die Pflicht dieses zu Rächen und ihm so Gerechtigkeit zu verschaffen, dies gilt als ersatz für eine Exekutivmacht und führte unter anderem zu vielen [http://de.wikipedia.org/wiki/Fehde Fehden].[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Desweiteren soll man stets bestrebt sein seinen Verwandten Vorteile zu verschaffen, zum Beispiel in dem man ihnen Ämter und Lehen zuspielt welche man Verteilen kann, diese Art der [http://de.wikipedia.org/wiki/Nepotismus Vetternwirtschaft] ist im Hochmittelalter völlig üblich und gehört zu den verwandtschaftlichen Pflichten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78] Als Beispiel existiert ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Regest Regest] in welchem [http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._(HRR) Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)] seinen Verwandten, Graf Heinrich von Arnsberg, durch seinen politischen Einfluss vor dem Vollzug einer Landesverweisung durch den [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Herzog von Sachsen] schützt.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Regesta Imperii IV/2. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil:  Die Regesten des Kaisserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) - 1190, Lieferung: 1158-1168, erarb. v. Opll, Ferdinand/Mayr, Hubert, Wien 1991.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zuletzt gibt es noch das Gebot für seine Verwandten zu Beten und ihnen somit einen besseren Stand bei Gott zu verschaffen. [Althoff 1990: S. 78]  &lt;br /&gt;
===Verwandtenhilfe im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Einige dieser Pflichten werden auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; immer wieder Aufgegriffen. Die Rachepflicht ist bereits Thema des 1. Buches: die Verwandtschaft des [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] belagert die Mohrenkönigin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] um den Tod ihres Verwandten, den sie ihr zuschreiben, zu rächen. Dabei sind über Isenharts Cousin Vridebrant viele von dessen Verwandten anwesend, die selbst nicht in näherer Beziehung zu Isenhart standen. Das Band des Blutes ist hier also sehr weit greifend um Gerechtigkeit zu bringen. Auch Gawan kämpft für die Befreiung seiner Sippe aus der Gefangenschaft des [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] im [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel Marveile]] und Befreit sie dort schlussendlich (672,1-21).[Pratelidis 1994: S. 134]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Verbote== &lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram Parz Feirefiz cpg339 540v.jpg |thumb| Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden Feirefiz (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Wolfram von Eschenbach, Parzival, Band 2, Seite 540v.)]]&lt;br /&gt;
Die Verwandtschaft gibt aber neben den Geboten auch ein Verbot auf, so ist es für Verwandte nicht statthaft miteinander zu konkurrieren oder gegeneinander zu kämpfen und es ist sogar eine große Sünde sich gegenseitig zu töten.[Delabar 1990: S. 133][Althoff 1990: S. 78]&lt;br /&gt;
===Der Verwandtenkampf im ‘‘Parzival‘‘===&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es immer wieder zu Verwandtenkämpfen: im 1. Buch vermeidet es [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] gegen den Mann seiner Tante, [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] zu kämpfen. Er erkennt ihn rechtzeitig und kann so diesen Kampf verhindern (39,11-14), nachdem Kaylet von ihrer Verwandtschaft erfährt ist er sehr froh darüber und versichert nicht gegen Gahmuret kämpfen zu wollen (40,11-15).&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] wird im 3. Buch von Parzival getötet (155,7-11), dieser weiß nichts von ihrer Verwandtschaft, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] eröffnet ihm die große Sünde die er durch diesen Verwandtenmord begangen hat (475,21).&lt;br /&gt;
Auf [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] kommt es zwischen [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und Parzival ebenfalls zum Kampf, weil diese sich nicht erkennen, als die Verwandtschaft bemerkt wird brechen sie den Kampf ab (689,22-24) und es gibt keinen weiteren Streit zwischen Parzival und Gawan (694,26-28).&lt;br /&gt;
Parzival hat noch einen weiteren Verwandtenkampf, nämlich gegen seinen Halbbruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] (737,19-745,1). Durch Gottes eingreifen wird Parzivals Schwert in diesem Kampf zerstört (744,10-13) und anschließend erkennen sich die zwei Halbbrüder und versöhnen sich zugleich (748,4-12).&lt;br /&gt;
Das Motiv des verbotenen Kampfes zwischen Verwandten wird von Wolfram also immer wieder aufgebracht, dabei ist das nicht erkennen das größte Problem, wodurch die Bedeutung von Zeichen und [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wappen]] betont wird.[Delabar 1990: S. 136] Ausser bei Ither gehen all diese Kämpfe ohne Tote aus. Der Verwandtenmord an Ither ist ein eigenes Thema  Wolframs, im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; des [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes] kommt es nicht vor.[Pratelidis 1994: S.134-139]&lt;br /&gt;
==Inzest==&lt;br /&gt;
Neben dem Kämpfen mit Verwandten durften zu nah verwandte Personen auch nicht heiraten. Die Adelsgesellschaft war in diesem Sinne [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie exogamisch] und bestand auf eine Hochzeit ausserhalb des direkten Familienumfeldes um politische und körperliche Probleme zu vermeiden.[Delabar 1990: S. 25] Allerdings sind die hochmittelalterlichen Definitionen von [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Inzest Inzest] nocht unterschiedlich gewesen, sie varieren je nach Zeit, ab der Mitte des 13. Jahrhunderts ist eine Verbindung mit mindestens 4 Graden Unterschied akzeptabel, im endenden 12. Jahrhundert, zur Zeit Wolframs, dürften jedoch 6 bis 7 Grade erforderlich gewesen sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 1: 1181-1184, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Als historisches Beispiele für Eheverbote durch die Kirche kann die verhinderte Ehe zwischen [http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland) Wilhelm I. von Schottland] und [http://www.manfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/welfen/welfen_juengere_saechsische_linie/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_1209/mathilde_von_sachsen_graefin_von_perche_+_1209.html Mathilde von Sachsen], der Tochter von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_L%C3%B6we Heinrich dem Löwen] durch Papst [http://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_III Lucius III.] gesehen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Regesta Imperii IV/4. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 4. Teil: Papstregesten 1124-1198, Lieferung 2: 1184-1185, erarb. v. Baaken, Katrin/Schmidt, Ulrich, Köln 2006.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt; Andererseits gab es auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Dispens kirchliche Dispense] um eine zu nahe Ehe zu erlauben, gerade unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Papst Innozenz IV.] in der Mitte des 13. Jahrhunderts gab es diese Dispense bis zum 4. Grad der Verwandtschaft häufiger, so dass sich diese Wandlung vollziehen konnte. &amp;lt;ref&amp;gt; Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, erarb. v. Zinsmaier, Paul/Heinig, Paul-Joachim, Köln 1983.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verwandtschaftsbeziehungen im Detail =&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Im Parzival gibt es zwei große Ahnherren - Titurel und Mazadan. Daraus entspringen die drei wichtigsten Linien für den Text. Auf Titurel geht die Linie der Gralshüter zurück, Mazadans Söhne Lazaliez und Brickus gründen die Linien der Könige von Anschouwe und der Britonen. Durch das große Geflecht an Verwandtschaften vereinen sich diese Linien im Text in Parzival, wodurch er als Zentrum des Textes mit allen drei wichtigen Blutslinien verwandt ist und von den beiden großen Ahnherren abstammt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Titurel ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Alle [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönige]] müssen vom Blute Titurels sein (455,12-22). Dieser hat eine Tochter namens Rischoyde, welche mit [[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] verheiratet war, sowie einen Sohn namens Frimutel. &lt;br /&gt;
Jener Frimutel wiederum hat zwei Söhne, den Grakskönig [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und den Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]],  sowie drei Töchter. Die erste Tochter heißt Schoysiane, welche mit Kyot verheiratet ist und Sigune als Tochter hat. [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] ist Frimutels zweite Tocher, sie ist die Gralsträgerin und spätere Gemahlin des Feirefiz und Mutter des Johan.  &lt;br /&gt;
Die dritte Tochter ist [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die 2. Ehefrau [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] und Mutter Parzivals. Durch diese Verbindung stammt Parzival mütterlicherseits aus der Linie Titurels und hat somit das nötige Blut in sich, um Gralskönig werden zu können, wenn die agnatische Erbfolge durchbrochen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mazadan ==&lt;br /&gt;
Mazadan ist der legendäre Stammvater der Könige von Anschouwe und der Britonen, er hat mit der Fee Terdalaschoye die zwei Söhne Lazaliez und Brickus gezeugt (56,18-19).[Pratelidis 1994: S. 162]&lt;br /&gt;
=== Lazaliez ===&lt;br /&gt;
Lazaliez war der Sohn Mazadans. Sein Sohn hieß Addanz und dessen Sohn war König Gandin gewesen. Der Tod Gandins wird zu Beginn des 1. Buches erklärt und sorgt für den Erbfall in Anschouwe (5,1-5). Gandin hatte zusammen mit Schoete die Kinder Galoes, [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], Lammire und Flurdamurs.&lt;br /&gt;
Galoes stirbt kinderlos im Kampf, Lammire heirate [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither den roten Ritter]]. Gahmuret zeugt mit der Mohrenkönigin Belacane den elsterngleichen [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], welcher später Repanse de Schoye heiratet und mit ihr Johan zeugt. Mit seiner zweiten Frau [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] zeugt Gahmuret Parzival, die Titelfigur des Textes. &lt;br /&gt;
Aus dessen Verbindung mit Conduviramurs entstehen Loherangrin und Kardeiz, welche die Linie noch weiter führen auch wenn ihre Kinder unbenannt bleiben.&lt;br /&gt;
Flurdamurs, die zweite Tochter des Gandin, heiratet Kingrisin, welcher der Cousin von Kingrimursel ist. Mit Kingrisin zeugt Flurdamurs Antikonie und Vergulaht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brickus ===&lt;br /&gt;
Brickus war der Sohn Mazadans. Dieser hatte einen Sohn und eine Tochter gehabt. Diese war die Mutter von Ither dem Roten Ritter, welcher vom unwissenden Parzival erschlagen wurde. Ither war also sowohl der Mann von Parzivals Tante Lammire als auch über Mazadan direkt mit ihm blutsverwandt. Der Sohn des Brickus war Utepandragun, jener zeugte mit Arnive [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], sowie Sangive und die Mutter von Gaherjet. &lt;br /&gt;
Artus hat mit seiner Frau Ginover den Sohn Ilinot gehabt welcher jedoch im Kampft gefallen war (586,10). Sangive war zweimal verheiratet, mit ihrem zweiten Ehemann Florant hatte sie keine Kinder, mit ihrem ersten Ehemann Lot hingegen zeugt sie [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]], die Frau von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]], den Sohn Beacurs sowie [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Mann von [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] und Hauptfigur in einigen Büchern des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Desweiteren zeugt sie Cundrie, die Ehefrau von Loschoys und Surdamurs, die Frau von Alexander.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Linien ohne Ahnherren ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die Linien des Titurel, des Lazaliez und des Brickus können auf je einen Namen zurückverfolgt werden, die weiteren im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommenden Familien jedoch nicht. Diese werden also im Folgenden bei ihren bekanntesten Vertretern benannt. Ihre Bedeutung liegt zumeist darin, dass sie in die Hauptlinien einheiraten und dadurch damit vernetzt sind.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Gurnemanz  ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ohne Ahnherren ist die Linie des lehrenden [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]]. Er hat die Tochter Liaze sowie drei Söhne. Der erste war Lascoit, der zweite Schenteflurs und der dritte Gurzgri, welcher Mahaute ehelichte und mit ihr Gandiluz und Schinotalander, den Geliebten der Sigune, zeugte, diese Söhne starben jedoch alle im Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Condwimarus ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Gurnemanz Schwester heiratet Tampunteire, den Bruder von Manpfilyot und des Kyot. Kyot ist der Ehemann von Schoysiane und der Vater der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]. Tampunteire zeugt mit Gurnemanz&#039; unbenannter Schwester Kardeiz und Condwimarus - die spätere Ehefrau des Parzival.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die Mutter des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] und Großmutter des Johan. Sie hatte eine unbenannte Mutter, deren ebenso unbenannte Schwester eine Tochter namens Ekuba hat, welche am Hofe König Artus weilt und von Feirefiz Reich erzählt. Diese ist somit Belacanes Cousine.  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Schoette ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von unbenannten Stammeltern stammten Ehkunat sowie Schoette, die Frau des Gandin. Deren Schwester Mahaute, die Frau des Gurzgri, hat mit diesem Gandiluz und Schionatulander, den Geliebten der [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], gezeugt. Eine dritte, unbenannte, Schwester heiratet Hoskurast, den Bruder des Schiltunc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Isenhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tochter Schiltuncs ist mit Vridebrant verheiratet, welcher der Neffe der ungenannten Frau des Tankanis ist. Tankanis war [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Isenharts]] Vater. Durch diese Verflechtung ist das Eingreifen der Männer um Vridebrant gegen Belancane zu erklären, da sie ihre Cousin rächen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kaylet === &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
[[Kaylet (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kaylet]] ist mit Rischoyde, der Tochter Titurels verheiratet. Er hat desweiteren eine Schwester, welche die Mutter von Killirjacac ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gaschier === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaschier der Normanne ist der Onkel von Killirjacac.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Ahnentafel=&lt;br /&gt;
Diese übersichtlichere Darstellung enthält die 3 Hauptlinien in Wolframs &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Eine geht auf Titurel zurück, zwei auf Mazadan. Beide Söhne des Letztgenannten sind wiederum selbst Stammväter einer eigenen Linie.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
=Quellenangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11429</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11429"/>
		<updated>2012-07-20T13:42:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Herrscher */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: dem [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott enworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan im IX. Buch verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auuch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mitlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse nocheinmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern welche den Gral beschützen und Damen welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Graslgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser ausser jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Im Kampf ist Artus bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft und obwohl sein Hof manchmal &amp;quot;chaotisch&amp;quot; wirkt,[Bumke 2004: S. 62] dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er Befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f), Befehle die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und Regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus Linie gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die Nachfolge Artus nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5), gab muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach vererbt. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu Regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die Nachfolge Parzivals gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Parallen zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erlebt kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vorallem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), im Äusseren für die Verteidung seiner Gebiete sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie wie die Ritter ebenso, in die Welt entsand und über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30), dort ist es ihnen auch erlaubt zu Heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von aussen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von aussen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als kennzeichnenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), ausser für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweiteretes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft darf man nicht Heiraten, wenn man in die Welt entsand wird dann darf man jedoch eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit Schuld beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals und Anschouwe an (803,2-23/803,30,805,13), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11428</id>
		<title>Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T13:36:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Erbfolge und Legitimation */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Eines der zentralen Themen im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] ist der Unterschied zwischen zwei bedeutenden Gruppierungen: dem [[Kategorie:Artushof|Artushof]] um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] einerseits und der [[Kategorie:Gralsgesellschaft|Gralsgesellschaft]] um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|heiligen Gral]] mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und später Parzival als Gralskönigen andererseits. &lt;br /&gt;
Diese zwei Gruppierungen sind verschiedene Königreiche unter den genannten Herrschern in der Welt von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, aber auch deutlich unterschiedliche Darstellungen von ritterlichen Gesellschaften in eben jener. &lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die zwei Gesellschaften einander im Vergleich gegenübergestellt und analysiert. Durch den Vergleich ausgewählter Aspekte sollen Gemeinsamkeiten, Differenzen und Übergänge zwischen ihnen herausgearbeitet, anschaulich dargestellt und interpretiert werden.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Forschungsansätze=&lt;br /&gt;
==Dualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Als Modelle sind vor allem ein dualistisches und ein gradualistisches verbreitet.[Pratelidis 1994: S. 32] Die ältere, dualistische Deutung stellt die zwei Gesellschaften als Gegensätze gegenüber: die Tafelrunde stelle das Bild der höfischen auf [http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Ehre Ehre] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Minne Minne] fokussierten Rittergesellschaft dar, das Artuskönigstum sei weltgewandt und politisch aktiv. Dagegen sei die Gralssphäre auf Religiösität fokussiert, sie stelle eine Art kirchliches Rittertum dar, ihre Kämpfe seien auf die Verteidigung ihres Gebietes beschränkt, Kämpfe für Ehre und Frauen gäbe es nicht, auch an politischem Machtgewinn sei das Gralsreich nicht interessiert. In dieser Deutung handelt es sich um zwei Gegenpole die sich in keiner Weise auf einander zubewegen oder von einander beeinflusst würden. Die Gralsgesellschaft wurde dabei oft durch ihre scheinbare Nähe zu Gott als überlegen und übergeordnet zum weltlich Artushof betrachtet. [Pratelidis 1994: S. 14]&lt;br /&gt;
==Gradualistisches Modell==&lt;br /&gt;
Die zweite Deutung ist gradualistisch,[Pratelidis 1994: S. 43] dabei wird zwar auch von zwei weitgehend gegensätzlichen Gesellschaftsmodellen ausgegangen, jedoch bestehe ein Wandel und Wechsel zwischen ihnen. In der Regel gilt hier die Artussphäre als Vorstufe zur Gralssphäre, eine weltliche, ritterliche Gesellschaft, die sich weiterentwickeln könnte in eine spirituelle, christliche Rittergesellschaft. Dabei würden vor allem die egoistischen Motive des Artushofs (Ehrstreben und Minne) zu den [http://de.wikipedia.org/wiki/Altruismus altruistischen] der Gralsgesellschaft (Selbstaufgabe für die Gemeinschaft, Zurückhaltung und Enthaltsamkeit) weiterentwickelt und dadurch eine größere Nähe zu Gott enworben. Parzivals Übergang vom Ritter der Tafelrunde zum Gralskönig und sein Sieg über Gawan im IX. Buch verdeutlichen in dieser Interpretation die Beziehung zwischen den zwei Sphären und auuch die Überlegenheit der Gralssphäre gegenüber der Artussphäre.&lt;br /&gt;
==Neuere Forschungsansätze==&lt;br /&gt;
Mitlerweile ist die Forschung wieder offener für andere Modelle: gerade ein gleiches Nebeneinander ohne Hierachrie und eine stärkere Vermischung der beiden Spähren stehen stärker im Fokus.[Pratelidis 1994: S. 36] Die religiös beeinflusste Betrachtungsweise schwindet und eröffnet damit einen unbefangeneren Blick auf die Gesellschaftsformen als zwei verschiedene und dennoch miteinander agierende, verschmelzende Konzepte des [http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Miteinander.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Die unterschiedlichen Sphären=&lt;br /&gt;
Die zwei unterschiedlichen Sphären sind vor der Detailanalyse nocheinmal kurz zusammengefasst und anschaulich dargestellt.&lt;br /&gt;
==Der Artushof==&lt;br /&gt;
[[Datei:Tafelrunde.jpg |thumb| Artus und die Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist das namensgebende und zentrale Element des Artushofs, einer weltlich, ritterlichen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus Artus als König samt seiner Frau Ginover und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Tafelrunde Tafelrunde]: einer Gruppe von Männern und Frauen welche den König beraten, teilweise für ihn Kämpfen und mit ihm die Bedeutung des Hofes darstellen. In der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt der Artushof als das Zentrum alles ritterlichen(123,7-11) und stellt eine große politische Macht dar. Die Tafelrunde ist mehr eine freie Verbindung denn klassisches [http://de.wikipedia.org/wiki/Vasall Vasallentum] (sie werden als &amp;quot;messnîe&amp;quot; also &amp;quot;Anhang&amp;quot; beschrieben (216,13)) und der König hat keine [http://de.wikipedia.org/wiki/Absolute_Monarchie#Absolute_Monarchie absolute Macht] über die Mitglieder, dies entspricht weitgehend der Position eines [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nig Königs] im hochmittelalterlichen Westeuropa. Der zentrale Aspekt des Hofes ist die [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit#Hochmittelalter Ritterlichkeit], aufbauend auf Ehre, Kampf und Minne. Wolframs Artushof unterscheidet sich massiv von älteren Darstellungen, wie durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétin de Troyes], Artus und seine ganze Gesellschaft werden &amp;quot;entzaubert&amp;quot;, er ist kein glorreicher Friedenskönig und keine mysteriöse Figur mehr.[Pratelidis 1994: S. 30] Wolfram stellt den Artushof aber nicht einfach negativ dar, vielmehr zieht er ihn aus dem Reich der Märchen und Sagen in eine realitätsnähere und glaubwürdigere Umgebung. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dient der Artushof als Zentrum der Ritterlichkeit sowie als Gemeinsamkeit und Treffpunkt zwischen Parzival und Gawan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gralshof==&lt;br /&gt;
[[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Der heilige Gral]] ist das namensgebende zentrale Element des Gralshofs, einer geistlichen, kämpferischen Gesellschaft im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Hof besteht aus dem Gral und seinen durch Gott erwählten Amtsleuten, dem König und der Gralsträgerin, sowie der Gralsgesellschaft, einem Bund aus erwählten Rittern welche den Gral beschützen und Damen welche politisch agieren und für den Gralsaufzug wichtig sind. Große Teile des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; über ist [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] der Gralskönig, da er aber gegen das Minneverbot der Gralswelt verstoßen hatte, ist er stetigem Leid ausgesetzt und die Graslgesellschaft erwartet einen neuen König. Dieser wird schlussendlich in Parzival gefunden (827,7f). Die Sippe des Titurels, des ersten Gralskönigs, welcher den Gral durch &amp;quot;neutrale Engel&amp;quot; (471,15-21) erhalten hat, spielt eine zentrale Rolle in der Gralsgesellschaft. Alle Könige sind mit Titurel direkt [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Titurel|verwandt]]. Die Gralsgesellschaft hat andere Wertvorstellungen und Zugänge zu Begriffen wie Ehre oder Minne und ist stark auf ihre [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Aufgaben|Aufgabe]] fokussiert. Der heilige Gral ist ein wichtiges Element der Welt im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und das Ziel vieler Suchen. Auch die zentrale Tätigkeit des Romanprotagonisten Parzival ist die Suche nach dem heiligen Gral, welche im letzten Buch mit seiner Ernennung zum Gralskönig ihre Vollendung findet (827,7f).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
=Zentrale Vergleichsaspekte=&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zwischen den zwei Sphären lässt sich am besten dadurch darstellen, dass einzelne zentrale Aspekte beleutet und ausgewertet werden. Dabei wird bei jedem Aspekt zuerst die Position des Artushofs und anschließenden des Gralshofs aufgeführt, anschließend werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgearbeitet.&lt;br /&gt;
==Die Königreiche==&lt;br /&gt;
===Ländereien===&lt;br /&gt;
Artus hat die Königreiche Bretane (273,5), Engellant (735,16) und Löver (216,3ff) in Besitz. In diesen Reichen reist er mit seinem Hof von einem Ort zum Nächsten. Diese Länder verfügen über Städte und Burgen, sind belebt und bewohnt und demnach nicht viel weiter beschrieben.&lt;br /&gt;
Der Gralskönig hingegen ist nur der König von Terre Salvaesche, einem Gebiet das wie eine Wüste aus Wald beschrieben wird, um die Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] herum seien 30 Meilen weit keine Häuser ausser jene der Einsiedler (225,19-22), dieses Reich wirkt ohne Leibeigene, Landwirtschaft oder ähnliches wenig realitätsnah. &lt;br /&gt;
Die Realitätsnähe ist der bedeutende Unterschied, Artus Reich wirkt weitgehend passend und in der Welt verankert, das Gralsreich hingegen ist definitiv kein Beispiel eines hochmittelalterlichen Königreiches sondern wirkt andersartig. Da es allerdings durch die Gefahr anderer Ritter bedroht ist, wirkt es nicht [http://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung entrückt]. Weder der Artushof kann mit Terre Salvaesche interagieren noch ist die Gralsgesellschaft an den Ländereien des Artus interessiert, hier besteht also kein Verknüpfungspunkt.&lt;br /&gt;
===Herrscher===&lt;br /&gt;
Artus ist der König des Artushofs, der Hof ist so eng um ihn zentriert, dass er sogar seinen Namen trägt. Artus hat die Reiche von seinem Vater Utependragun geerbt, jedoch hat er seine Zeit so sehr beeinflusst, dass dies in den Hintergrund rückt und seine Rolle als Herrscher einer ganzen Generation der Ritterlichkeit überwiegt.[Pratelidis 1994: S. 80] Er wird sehr ambivalent beschrieben, einerseits verfügt er über große Macht und Durchsetzungskraft (280,1-4/290,22/680,1-8/651,1-3/755,5-8), aber andererseits kann er auch nicht absolut regieren, sondern ist sehr auf seinen Rat und die Zustimmung seiner Mitglieder angewiesen, diesen Rat holt er stets vor wichtigen Entscheidungen ein (280,1-4/652,1-3/730,11-13). Mehrfach werden seine Entscheidungen sogar gebeugt, er kann sie nicht immer durchsetzen oder muss sie sogar zurücknehmen (150,11ff/787,1-788,16).[Pratelidis 1994: S. 86] Auch im Kampf ist er bei seinen Männern und wird als guter Tjoster dargestellt (664,10-665,24). Zusammengefasst ist er also trotz Passagen des zögerns, der Passivität und mangelnden Durchsetzungskraft dennoch ein funktionierender und für sein Reich ausreichender Herrscher. &lt;br /&gt;
Der Gralskönig ist durch den Gral direkt als Herrscher der Gralssphäre berufen, er Befehligt die Templeisen und genießt viel Respekt (793,21-30/798,9f)[Pratelidis 1994: S. 68f] aber untersteht doch deutlich Gott (und dadurch dem Gral) selbst (455,2-8/493,23f), Befehle die denen des Grals wiedersprechen, wie der Todeswunsch des Anfortas, führen die Templeisen nicht durch (787,1-788,16). Desweiteren übernimmt der Gral klassische Rollen eines Herrschers im Bezug auf die Ernährung seiner Untertanen, er steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und Regelt die Nachfolge.[Delabar 1990: S. 187] Demnach ist der Gralskönig also ein integraler Bestandteil der Gralsgesellschaft, aber dem Gral so weit untergeordnet dass dieser (und damit Gott) der wahre Herrscher der Gralsgesellschaft ist. Der Name deutet ebenso darauf hin, alles ist auf den Gral fixiert, nicht den Gralskönig. &lt;br /&gt;
Demnach ist das wirkliche Vergleichsstück zu Artus eher der heilige Gral selbst und nicht der Gralskönig als dessen Diener.[Delabar 1990: S.190] In diesem Gebiet besteht also keine wirkliche Ähnlichkeit, das [http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesgnadentum Gottesgnadentum] des Gralskönigs ist einerseits deutlicher zu sehen, andererseits ist die Herrschaft des Artus doch nennenswert stärker als die des Gralkönigs, weswegen eine Hierarchisierung nicht ersichtlich ist.&lt;br /&gt;
===Erbfolge und Legitimation===&lt;br /&gt;
Artus ist der Sohn des Utependragun, dieser war der Sohn des Brickus und jener der des Mazadan. Mazadan hatte zwei Söhne, beide konnten ihre Geschlechter zu wichtigen Königreichen ausbauen. Aus dem Zweig des Lazalies entsprang die Königsfamilie von Anschouwe aus dem des Brickus die von Bretane. In der Brickus Linie gab es sowohl mit Utependragun als auch mit Artus jeweils nur einen Sohn der offensichtlich das Reich geerbt hat. Mit Artus ist diese [http://de.wikipedia.org/wiki/Agnat agnatische Linie] nun unterbrochen, da sein einziger Sohn Ilinot im Kampf gefallen ist (586,10). Die Frage seiner [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erbfolge]] wird von Wolfram nicht weiter behandelt, ergibt jedoch Platz für Spekulationen wer die Nachfolge Artus nach dessen Tod antreten wird. Die Söhne seiner Schwester Sangive, Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet, der Sohn von Artus zweiter Schwester, scheinen am besten geeignet, jedoch ist diese Frage nicht endgültig zu beantworten. Auch die Frage ob unter Mazadan das Erbe noch gleichteilig unter den Brüdern geteilt wurde oder es bereits ein [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitursrecht], wie zu Beginnd es 1. Buches in Anschouwe (5,1-5), gab muss unbeantwortet bleiben.&lt;br /&gt;
Der Gral wurde an Titurel gegeben, in dessen Blutslinie wurde die Gralsherrschaft danach vererbt. Der Gral schreibt eine komplizierte Weitergabebestimmung vor: der Träger muss von Gott erwählt sein (468,12-24/471,26-29), aus der Linie des Titurel entspringen (455,12-22) und durch die Gralsgesellschaft, zumindest [http://de.wikipedia.org/wiki/Akklamation#Akklamation_im_R.C3.B6mischen_Reich akklamatorisch], gewählt werden (796,17-21). Im Grunde jedoch ist die Abstammung von Titurel das Merkmal welches die Erfüllung der anderen zur Folge hat und demnach ausschlaggebend ist. Titurels Sohn Frimutel ist jedoch bereits Tod, er starb im Kampf (586,8-11), dessen erster Sohn Anfortas ist durch sein verbotenes Minnestreben nicht mehr würdig Gralskönig zu sein und nicht fähig Kinder zu zeugen (616,11-26), der zweite Sohn [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] hat dem Rittertum abgeschworen und ist daher nicht geeignet (480,19-24). Wie dem Artushof fehlt dem Gralshof also ein Nachfolger, anders als bei Artus jedoch ist Anfortas nicht mehr fähig sein Reich ausreichend zu Regieren, weswegen ein Nachfolger dringend gebraucht wird. Da die agnatische Linie jedoch nicht mehr fortbesteht muss auf die weibliche Verwandtschaft ausgeweitet werden. Parzivals Mutter Herzeloyde war eine Tochter des Frimutel, dadurch ist Titurel Parzivals Urgroßvater und sie teilen das selbe Blut. Schlussendlich erhält Parzival als letzter rechtmäßiger Erbe die Gralskönigswürde (827,7f), mit ihm wird zugleich sein Sohn Loherangrin zum nächsten Gralskönig berufen (781,17-19), dadurch ist die Nachfolge Parzivals gesichert. &lt;br /&gt;
Im Blick auf die Erbfolge bestehen also starke Parallen zwischen dem Artushof und dem Gralshof, beide wurden nun über 3 Generationen aus einer direkten Linie regiert und können diesen Standard nicht mehr erreichen. Mit Parzival wird Anfortas [http://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsbeziehung#Neffe_und_Nichte Schwesternsohn] zum neuen Gralskönig, bei Artus ist es ebenso wahrscheinlich, dass einer seiner Schwestersöhne ihn beerben wird. Zwar ist die Legitimation durch die Massivität des Königheils des Gralshüter bei diesem deutlich stärker, jedoch ist die Erbfolge an und für sich sehr ähnlich und gut vergleichbar. Dadurch, dass möglicherweise Gawan Artus Erbe sein wird geht die [[Gawan_und_Parzival_im_Vergleich_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Vergleichbarkeit]] zwischen diesen beiden Charakteren sogar weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebendigkeit===&lt;br /&gt;
Der Hof des Artus wird von Beginn bis zum Ende als lebendig beschrieben. Wolfram verwendet dafür das negativ klingende &amp;quot;gedranc&amp;quot; (153,19) also Gedränge, jedoch zeigt dieses Gedränge und weitere Beschreibungen (147,15/148,19-21/150,30/216,9-19/273,2-11), dass der Hof stets gut besucht und somit von großer Wichtigkeit und Bewegung erfüllt ist.&lt;br /&gt;
Beim Gralshof ist dies zuerst anders, die Burg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] wirkt als ob es dort lange keine Feierlichkeiten oder Turniere gegeben habe (227,7-16) und ist kein Ort großer Bewegung, zwar Leben hier auch viele Menschen (229,28-230,2), lebendig wirkt sie dadurch jedoch nicht. Der Grund dafür liegt in den Leiden des Anfortas, solang er Qualen erlebt kann auf der Gralsburg keine Freude und keine Lebendigkeit herrschen. Mit der Gralsherrschaft Parzivals ändert sich dieser Zustand jedoch und das Leben kehrt in die Gralsburg zurück (807,25-26).[Pratelidis 1994: S. 97]&lt;br /&gt;
Während der Herrschaft Anfortas klaffen zwischen Grals und Artushof in diesem Gebiet große Unterschiede auf, wieder wirkt das Gralsreich nicht sehr menschlich aber auch nicht sehr fröhlich. Durch den ehemaligen Artusritter Parzival kommt die Lebendigkeit aber zurück und somit passt sich dieser Sachverhalt stärker an die Artuswelt an.&lt;br /&gt;
===Pracht und Repräsentation===&lt;br /&gt;
Wie jedes Königtum begründet auch das Artuskönigtum sich unter anderem darauf, sich selbst herrschaftlich zu repräsentieren. Pracht, Reichtum und damit Macht wird vor allem in Form von großen Prozessionen, Umzügen und Auftritten (661,20/718,3-9/764,24) und ähnlichem dargestellt. Bemerkenswert ist das Artus and er Tafelrunde keinen Thron besitzt (309,24-25) und damit auf eine Machtrepräsentationsmöglichkeit zugunsten der Gleichheitsvorstellung der Tafelrunde verzichtet. Pracht ist also ein allseits vorhandenes und offenes Mittel die eigene Legitimität zu betonen.[Pratelidis 1994: S. 89-90]&lt;br /&gt;
Am Gralshof gibt es vergleichbare [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Pracht_und_Reichtum|Pracht]] zu bestaunen, vorallem der Gralsaufzug wird von Wolfram mehrfach und in größter Ausführlichkeit beschrieben (229,28-230,2/233,2-3). Da der Gral aber die Macht des Gralskönigs legitimiert, handelt es sich hier neben dem Ritual an sich auch um eine Form von Herrschaftsrepräsentation, der Glanz des Grals macht auch den Glanz seiner Gemeinschaft aus. Der Thron des Gralskönigs wird als hervorstechend und besonders Prunkvoll beschrieben (808,17) und betont die hohe Stellung des Gralskönigs gegenüber der restlichen Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
Die Mittel und Wege Pracht darzustellen sind in beiden Gemeinschaften weitgehend gleich, die Gralsgemeinschaft tritt seltener offen auf und hat ihre Pracht deswegen verstärkt in den eigenen Räumen während der reisende Artushof primär strahlende Umzüge veranstaltet. Beim Gral ist die rituelle Komponente nicht zu vernachlässigen, jedoch ist das Hauptziel beider Parteien die Herrschaftsrepräsentation, demnach sind sie in diesem Feld weitgehend gleich.&lt;br /&gt;
==Die Gesellschaften==&lt;br /&gt;
===Aufgaben===&lt;br /&gt;
Die Aufgaben des König Artus sind vielfältig, er ist in seinem Königreich für den inneren Frieden und die Rechtswahrung zuständig (526,10-15), im Äusseren für die Verteidung seiner Gebiete sowie politische Aktivität durch Krieg, Diplomatie und Hochzeiten (729,27-730,22). Die Aufgaben der Tafelrunde sind dabei mit den traditionellen Begriffen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehnspflicht &amp;quot;Heer und Hoffahrt&amp;quot;] zu beschreiben. Die Mitglieder haben eine beratende Funktion für Artus &amp;quot;Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte. des was mit râte vor erdâht| Artus teilte Damen aus mit generöser Hand, zum Schenken war ihm nichts zu teuer. Er hatte es aber vorher mit den Seinen im Rat besprochen&amp;quot; (730,11-13)(weitere [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herrscher|Belege]]). Andererseits ist sie auch sein ausführendes Organ, ohne die Kraft seiner &amp;quot;messîne&amp;quot; wäre er militärisch selbstverständlich nicht so durchsetzungsstark wie im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dargestellt (664,18-665,24). &lt;br /&gt;
Die Aufgabe der Gralsburg sowie all ihrer Bewohner ist der Schutz des Grals, der König leitet diesen Schutz, die Ritter halten ihn militärisch Aufrecht und die Damen sind Bestandteil das rituellen Lebens sowie der politischen Aktivitäten der Burg. Die Templeisen der Gralsburg haben als oberstes Ziel ihre Feste und den heiligen Gral selbst zu beschützen (286,10-14/473,5-11/802,13-16) in diesen Kämpfen verlieren sie immer wieder Ritter und zahlen für ihre Aufgabe einen hohen Blutzoll (177,25). Die Damen haben eine herausragende Rolle im Ritual des Gralsaufzugs (232,11-235,30), desweiteren werden sie wie die Ritter ebenso, in die Welt entsand und über Reiche zu herrschen die herrscherlos geworden sind (495,1-6/494,7-107/818,24-30), dort ist es ihnen auch erlaubt zu Heiraten und Kinder zu zeugen, jene werden dann wieder Teil der Gralsgesellschaft, wodurch diese sich von aussen regenerieren kann (471,1-9/468,12-16).&lt;br /&gt;
Die Aufgaben der Artusgesellschaft sind also ihrem König mit Rat und Kampfkraft zu helfen, einfluss auf die Politik zu nehmen und desweiteren durch [[Heldentum_im_Parzival|Heldentum]] die ritterliche Ehre des Artushofs zu verstärken. Die der Gralsgesellschaft beschränkt sich dagegen aber pur auf die Verteidigung des Grals, seine Rituale und das Weiterbestehen der Gralsgesellschaft durch Kinder von aussen. Die Rolle als Berater fällt in der Gralsgesellschaft völlig weg, auch im Kampf agieren die Ritter nicht durch besondere Heldentaten sondern verteidigen einfach ihre Feste und die Wälder darum. Demnach sind die Handlungen der zwei Sphären zwar im Endeffekt auf Repräsentation, Kampf und Diplomatie ausgelegt, die Ziele dahinter und die Art und Weise diese zu erreichen unterscheiden sich aber massiv von einander. &lt;br /&gt;
===Regeln und Gebote===&lt;br /&gt;
In der Arutswelt gibt es vor allem die Regeln der [[Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Courtoisie]] und der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ritterlichkeit Ritterlichkeit], dazu ein Kampfverbot zwischen Mitgliedern der Tafelrunde. [Pratelidis 1994: S. 201] &lt;br /&gt;
Die Gralswelt hat als kennzeichnenste Regel den Verzicht auf Minne (495,7-9), ausser für ihren König, welcher eine von Gott bestimmte Gemahlin zur Seite gestellt bekommt (495,9-12). Dabei handelt es sich um ein erweiteretes [http://de.wikipedia.org/wiki/Exogamie Exogamiegebot], solang man Teil der Gralsgesellschaft darf man nicht Heiraten, wenn man in die Welt entsand wird dann darf man jedoch eine Person die nicht zur Gralsgesellschaft gehört heiraten. Der Grund für die Leiden des Anfortas ist eine Strafe Gottes für den Übertritt dieses Minneverbots (616,11-26), das Gebot wird also sehr ernst genommen. &lt;br /&gt;
Was die Regeln und Gebote angeht ist der Unterschied zwischen Artus und Gralsgesellschaft unverkennbar, die Regeln der Artuswelt haben in der Gralswelt nur eine sehr untergeordnete Rolle, der Verbot der Minne stellt sogar ein Hindernis für eines der zentralen Aspekte der Artuswelt dar. Durch dieses Verbot haben die Mitglieder der Artus und Gralsgesellschaft so unterschiedliche Ehrbegriffe und Ziele, solange das Minneverbot so erhalten ist kann hier auch kein Austausch stattfinden. Erst indem ein Mitglied der Gralsburg die Festung verlässt kann es Teilhaben an der Lebenswelt der Arutsgesellschaft, wird damit aber auch ein Teil von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werte und Moralvorstellungen==&lt;br /&gt;
===Minne===&lt;br /&gt;
Ritterlichkeit und [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sind am Artushof unzertrennlich zusammengehörig. Das Streben nach Ehre richtet sich nach der Minne aus, sie ist das Ziel jeder Werbung um eine Dame und von dieser Dame als Belohnung für Rittertaten und Treue versprochen (216,23-25/767,20-30/776,17-21). In schönen Worten beschreibt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz ]] Parzival im III. Buch die Bedeutung der Minne (173,1-5). Desweiteren beweisen der Tod vieler Ritter in ihrem Namen ihren zentralen Stellenwert in der Artuswelt (586,10). Das Geschlecht des Mazadan, aus dem Artus, Gawan aber auch Parzival entspringen, sei durch Mazadans Ehe mit der Fee Terdelaschoye (56,18-19) schon von je her der Minne sehr nah gewesen.[Pratelidis 1994: S. 162] Die einvernehmende und auch ablenkende Wirkung der Minne wird in der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich gemacht.&lt;br /&gt;
Am Gralshof ist die Minne ein komplett anderes Thema, sie ist für die Gralsgesellschaft mit wenigen Ausnahmen verboten (495,7-9). Nur im Auftrag des Grals dürfen die Gralsleute in fernen Ländern heiraten und der Minne nachgehen, wie Herzeloyde es im 2. Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tut (60,15-17). Dann geht aber auch der Bezug zur Gralswelt verloren und der Kontakt bricht ab.[Pratelidis 1994: S. 124f]&lt;br /&gt;
Wie bei den Regeln und Geboten schon dargestellt ist das Herangehen an die Idee der Minne in Artus und Gralsgesellschaft komplett unterschiedlich. Einzelne können nur durch [http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Soziologie) Assimilation] der Ansichten der anderen Sphäre an deren Lebenswelt teilhaben. Eine weitere Vereinbarkeit ist nicht vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ehrbegriff und Geschlechterrollen===&lt;br /&gt;
====Ritter====&lt;br /&gt;
Die Artusritter gewinnen ihre Ehre im Kampf, sie [[Das_Tjostieren_im_Parzival|Tjostieren]] auf ritterliche Art und Weise mit anderen Rittern, um damit als &amp;quot;prîs&amp;quot; Damen und deren Zuneigung zu gewinnen (767,20-30). Wenn ein Ritter für eine einzelne Dame Rittertaten vollbringt ist für beide der Begriff der &amp;quot;triuwe&amp;quot; ausschlaggebend (474,14-19), sie mehren gemeinsam und gegenseitig ihre Ehre und ihr Ansehen. Die ritterliche Ehre ist in der Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; so bedeutend, dass in ihrem und dem Namen immer wieder Ritter im Kampf fallen, wie [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]].&lt;br /&gt;
Für die Gralsritter ist der Kampf das zentrum der Ehre, in aufopferungsvollen (177,25) Kämpfen verteidigen sie den heiligen Gral und beweisen damit ihren Wert für die Gralsgesellschaft.[Pratelidis 1994: S. 121f] Einen so festen und auf Wachstum bedachten Ehrbegriff wie am Artushof haben die Gralsritter allerdings nicht, die Erfüllung ihrer Aufgaben ist Sinn und Ziel zugleich, kein einfaches Mittel zum Zweck des Ehrgewinns.&lt;br /&gt;
Der Ehrbegriff der Artus und Gralswelt misst sich also zwar an Kämpfen, hat jedoch einen anderen Aufbau und eine unterschiedliche Gewichtung. Gerade der Ehrbegriff der Artuswelt hat in der Gralswelt keinen Stellenwert, da die Minne, welche für den Ehrbegriff der Artuswelt unverzichtbar ist, in der Gralswelt eine gänzlich andere Rolle spielt.&lt;br /&gt;
====Damen====&lt;br /&gt;
In der Artusgesellschaft spielen die Damen eine bemerkenswerte Rolle, sie werden oft erwähnt (151,7-10/216,15-22/273,7/644,16-19/671,18f/753,25-754,4) wirken manchmal aber auch als seien sie nur schmückendes Beiwerk oder klatschende Statistinnen (777,20-24/610,6-8). Ihre Ehre erhalten sie durch den Minnedienst ihrer Ritter, sie suchen sich einen Ritter aus und jener tut in ihrem Namen Taten welche ihnen beiden zu Ehre gereichen (216,23-25/776,17-24). Wenn ein Ritter in ihren Diensten große Taten vollbracht hat, sollen sie ihm seine Anstrengung und Treue vergelten und als eine Art Belohnung fungieren (767,20-30). Je mehr Erfolge ihr Ritter also in ihrem Namen erzielt desto mehr Ansehen und Ehre erreichen sie durch ihn und desto mehr Ehre erreicht er indem er diese Taten in ihrem Namen und für ihre Treue und Schönheit tut. Dadurch sind die Damen der Artuswelt fest in das Verhältnis zwischen Ehre und Minne eingebunden und haben einen unverzichtbaren Teil daran.&lt;br /&gt;
In der Gralsspähre sind die Damen ebenso unverzichtbar wie in der Artussphäre (806,8-26/493,19-21/808,23-809,14), ihre [[Tafelrunde_und_Gralsgesellschaft_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Aufgaben|rituellen Aufgaben]] sind von großer Bedeutung. Ihre Ehre jedoch gewinnen die Damen durch Keuschheit und Gralsdienst (806,17/235,15-30), die Reinste und Keuscheste unter ihnen hat die Ehre die Gralsträgerin zu sein, im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dies [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]].&lt;br /&gt;
Wie bei den Rittern schon unterscheiden sich die Ehrbegriffe der Damen zwischen den zwei Sphären durch die unterschiedliche Bewertung des Minne Begriffs grundliegend. Auch wenn in beiden Gesellschaften die Damen eine wichtige Rolle spielen so erlangen sie ihre Ehre durch ganz andere Konzepte. Die Konzepte der zwei Sphären sind dabei aber nicht mit einander in Einklang zu bringen, Keuschheit und Minne unterscheiden sich zu Grundliegend. Nur der Begriff der &amp;quot;triuwe|Treue&amp;quot; (474,17) bleibt für beide Seiten von gleicher Bedeutung.&lt;br /&gt;
===Religion und Gott===&lt;br /&gt;
Für das [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter Hochmittelalter] an sich ist Religion und Religiösität ein sehr bedeutendes Themenfeld, vorallem durch die Institution Kirche und ihre weltliche Macht. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt die Religion und Religiösität zwar eine große Rolle, die Kirche jedoch wird bewusst soweit es geht ausgespart.[Pratelidis 1994: S. 175] Die Artuswelt ist jedoch dennoch gläubig, Artus besucht mehrfach die Messe (307,12/705,1-8/776,25), auch Parzival geht zusammen mit Gurnemanz in die Messe (169,15-16) und auch Gawan geht vor dem Kampf zum Priester um für sein Seelenheilt zu beten (705,1-8/378,21-25). Gerade bei [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]], dem Artusritter schlechthin, sind viele Textstellen die sich mit Glaube und Religion beschäftigen vorhanden (331,25-30/350,14f/431,7/514,21/558,4f/562,11-14/568,1-14). Andererseits reagieren Gawan und die Artuswelt nur sehr wenig auf [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Gotteszweifel]] (332,1-8) und beherbert auch Heiden (wie zum Beispiel Ekuba, die Cousine der [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]].)&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist offesichtlich sehr auf Gott fixiert,[Pratelidis 1994: S. 99] jedoch spielt hier die Kirche auch keine bemerkenswerte Rolle, der Gral, Gottes Wirken direkt und die Gralsrituale stehen hier im religiösen Zentrum. Messen gibt es jedoch auch (802,23) und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz Taufe]] (817,8-10) ist eine wichtige Szene in der Gralsburg. Die Gralswelt ignoriert auch den Gotteshass Parzivals nicht (461,3-16), in seinem langen [[Parzivals_Gottesbild#Phase_3:_Trevrizent_.E2.80.93_Parzivals_religi.C3.B6ses_Gewissen|Gespräch mit Trevrizent]] kann Parzival ihn sogar schließlich überwinden. Die Taufe des Feirefiz, durch welche er die schöne [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann, geht jedoch verwunderlich schnell und wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck (siehe dazu [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]] und hier [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Feirefiz_auf_der_Gralsburg_.28793.2C4-823.2C30.29|hier]]).&lt;br /&gt;
Religiösität ist also in beiden Sphären wichtig, für die Gralswelt steht sie durch den heiligen Gral noch stärker im Fokus, aber auch in der Artuswelt hat sie ihren Platz. Die schwache Beachtung der Institution Kirche betrifft beide Sphären und ist daher kein Hindernis für einen Austausch. Sowohl Artus als auch Gralswelt bieten für eine gewisse Zeit Platz für Heiden und sind nicht agressiv-religiös, verleugnen den Glauben jedoch auch nicht. In diesem integralen Vergleichsaspekt, der für viele Literaturforscher der Scheidepunkt schlechthin war,[Pratelidis 1994: S. 15f] sind die zwei Sphären zwar nicht gleich, jedoch durchaus vergleichbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Leid===&lt;br /&gt;
Der Artushof ist grundsätzlich eine lebendige Gesellschaft, jedoch ist auch hier [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] nicht unbekannt. Der Tod vieler guter Ritter in Kämpfen bringt oft Schmerz über die Gesellschaft, Ilinot (586,10) oder Ither(155,12-14) als Beispiele dafür.&lt;br /&gt;
Auch am Gralshof ist Leid vorhanden, neben dem offensichtlichen Leiden des Anfortas(480,27-29) ist auch hier der Tod ein steter Begleiter, die Templeisen haben einen hohen Blutzoll in ihren Aufgaben zu bezahlen (177,25) und auch wichtige Personen können im Kampf den Tod finden, wie der zweite Gralskönig Frimutel (586,8-11).&lt;br /&gt;
Das Verhältnis zum Tod und dem damit einhergehenden Leid ist also beiden Gesellschaften eigen. In diesem nur allzu menschlichem Aspekt unterscheiden sie sich überhaupt nicht.&lt;br /&gt;
===Schuld===&lt;br /&gt;
Am Tod des [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] hat der Artushof eine große Beteiligung, zwar hat man wohl nicht mit dem Sieg Parzivals gerechnet, jedoch wurde der unbeholfene Recke gezielt eingesetzt um sich eines Problemes zu entledigen. Ithers Herrschaftsansprüche (150,9f) und sein Betragen vor der Tafelrunde hatten ihn zum Problem für die Gemeinschaft gemacht, von sich aus war sie jedoch, wegen des Kampfverbotes innerhalb der Tafelrunde,[Pratelidis 1994: S. 201] nicht in der Lage dieses Problem zu beheben. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keies]] Unterstützung der Kampfeslust Parzivals (150,11-22) und Artus mangelnder Wille ihn aufzuhalten (150,23-28) bringen den Artushof nah mit Ithers Tod in Verbindung.[Pratelidis 1994: S. 197-199] Auch die [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bestrafung_Cunnewares|Bestrafung der Cunneware de Lalant]] durch Keie kann als klares Unrecht (152,18) identifiziert werden.&lt;br /&gt;
Am Gralshof kann man Anfortas Verstoß gegen das Minneverbot (616,11-26) als schuldbringende Tat sehen. Er hat sich gegen die von Gott bestimmten Regeln der Gralsgesellschaft aufgelehnt und dadurch sehr viel Leid über sie gebracht. Sein Vergehen wird von Gott direkt bestraft und ist durch seine [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Heilung]] (796,3-4) und Ablösung durch Parzival vergeben.&lt;br /&gt;
Die Artuswelt ist also deutlich stärker vom Konflikt zwischen Recht und Unrecht betroffen, in ihr passieren immer wieder ungerechte Handlungen welche sie mit Schuld beladen. Der Gralshof ist hierbei deutlich zurückhaltender, seine größte Schuld liegt in einem verstoß gegen die eigenen Regeln. Die Art und Weise der Buße ist auch stark unterschiedlich, Anfortas leidet bis er erlöst wird während die Ither Schuldfrage nie ganz geklärt wird, Cunneware hingegen wird von Parzival gerächt (295,24). In dieser moralischen Kategorie unterscheiden sich die beiden Sphären also stark voneinander und man kann die Gralssphäre sogar als moralischer, weniger durch Schuld belastet, einstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival und Gawan.jpg |thumb| Kampf zwischen Gawan und Parzival in Joflanze (Diebold Lauber, HeidIcon Universität Heidelberg)]]&lt;br /&gt;
Parzivals Anfangsziel ist es Artusritter zu werden (126,9-14). In seiner Zeit als Artusritter vollendet er diese Art des Rittertums, er erringt die höchste Ehre und wird zum Besten der Besten, er kämpft für die Minne und gewinnt seine Frau [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Parzival_und_Condwiramurs|Condwiramurs]] dabei (223,1-7) und er verinnerlicht die Kampfesart der Artusritter, geschlagene Gegner werden nach dem Rat des Gurnemanz gegen das Ehrenwort geschont und nicht einfach getötet (213,29-214,2).&lt;br /&gt;
Sein zweites großes Ziel jedoch ist es den Gral zu erhalten, diesem Ziel jagt er in der Art eines Artusritters, mit &amp;quot;Âventiuren&amp;quot;, hinterher und erreicht es Schlussendlich durch seine Abstammung und Gott auch (827,7f). Dabei verlässt er den Artushof und wird der neue Gralskönig, geht also in der Gralswelt auf und wird wichtiger Bestandsteil von ihr.&lt;br /&gt;
In Parzivals [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_erste_Kampf:_Gawan_gegen_Parzival|Sieg]] über Gawan, der als für alle(auch Gawan) erfreulich beschrieben wird, (694,26-28) könnte man eine Überlegenheit der Gralswelt gegenüber der Artuswelt identifizieren, jedoch kann man auch Argumentieren, dass dieser Kampf keine deartige Bedeutung hat, da Parzival direkt danach wieder in die Tafelrunde aufgenommen werden möchte und auch wird (700,15-24) somit also in diesem Moment gar nicht als Vertreter der Gralswelt agiert.&lt;br /&gt;
In ihrem Verhältnis zu Parzival unterscheiden sich die beiden Sphären teilweise von einander. Die Artuswelt ist Parzivals erstes Zuhause, nach seinem Ausschluss sucht er zum Ende hin wieder einen Platz in diesem Kreis (700,15-24). Die Gralswelt wird zuerst enttäuscht und schlussendlich von ihm gerettet. Durch seine [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abstammung]] sowohl von Mazadan, als auch Titurel, bildet Parzival auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie genealogisch] einen Schnittpunkt zwischen den zwei Welten. Hier kann eine Berührung und ein starker Austausch (der des Parzivals) nicht mehr geleugnet werden. Parzival fungiert demnach als Vermittler und Verbindung zugleich und bringt die zwei Sphären näher zueinander ohne, dass dabei eine von beiden in der anderen aufgehen muss. In seinen Söhnen zeigt sich diese annäherung zwischen normaler, weltlicher Königsherrschaft und Gralskönigtum noch einmal. Kardeiz tritt das Erbe als König von Waleis, Norgals und Anschouwe an (803,2-23/803,30,805,13), der erstgeborene Loherangrin hingegen wird bereits als nachfolgender Gralskönig festgelegt (781,17-19). Parzival ordnet also keine Lebensweise der anderen klar über, er lässt sie nebeneinander bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertung=&lt;br /&gt;
==Die vermiedene Konkurrenz==&lt;br /&gt;
Ein interessanter Ansatz zur Interpretation des Verhältnisses zwischen den Sphären bietet Walter Delabar in &#039;&#039;Erkantiu Sippe unt hoch Geselleschaft&#039;&#039;, er verweist auf eine absichtliche vermeidung aller Konkurrenzfälle zwischen Artus und Gralswelt durch Wolfram von Eschenbach. Die zwei Reiche kommen genauso wenig wie ihre Herrscher jemals in deutliche Konkurrenz, durch die Unterschiede agieren die Sphären zwar nicht unabhängig von einander, jedoch geraten sie nicht in Konflikt und deshalb setzt sich auch keine durch. Gerade in Betrachtung auf den Herrscher betont Delabar die vermeidung der Konkurrenz: Anfortas stellt keine Konkurrenz zu Artus da, Artus Gegenstück ist der Gral, die Gesellschaften sind so sehr auf diese zwei unterschiedlichen Faktoren (Artus und Gral) fixiert, dass es zu keinen großen Reibungsflächen kommt. [Delabar 1990: S. 187ff]&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Detailbetrachtung der Einzelaspekte ergibt einige sich wiederholende Faktoren. In manchen der Aspekten waren die Gesellschaften weitgehend gleich, dazu gehörte das erfahren von Leid und die Herrschaftsrepräsentation sowie die äussert wichtige Erbfolge und Legitimation. Zwar gibt es selbstverständlich unterschiedliche Rituale und Aufzüge für die jeweiligen Aspekte, im Grunde genommen sind sie sich aber sehr ähnlich. Einige andere Aspekte hingegen sind völlig unvereinbar und sich entgegengesetzt, dabei ist vorallem der Ehrbegriff für Ritter und Damen gemeint sowie als Ursache für diesen Unterschied, die Minne. An der Rolle der Minne scheiden sich Artus und Gralswelt erheblich, in beiden gilt sie als besonders wichtig und schön. Die Artussphäre ist mit ihrem Ehrstreben komplett auf sie ausgerichtet, die Gralswelt hingegen erlaubt die Minne nur unter besonderen Umständen und verbietet sie ansonsten. Daraus erwächst der andere Ehrenkodex für die Damen der beiden Welten, die Damen der Gralswelt sin auf den Gral und Gott ausgerichtet und nicht auf die Minne. Hieraus wiederum erwächst der Unterschied der Lebensweise, Aufgaben und des Ehrbegriffs der Ritter, die Artusritter streben nach Kampf um Ehre zu gewinne um Minne zu verdienen, die Gralsritter kämpfen nur für den Gral und ohne die rituell anmutenden Vorgaben und Ziele der Artuswelt. In der ritterlichen Welt des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist dieser Unterschied ausschlaggebend und kaum überwindbar. &lt;br /&gt;
Einige weitere Aspekte haben keine klaren Ergebnisse hervorgebracht und laden daher zu tieferen Untersuchungen ein, sie ermöglichen allerdings in der Regel einen gewissen Austausch zwischen den beiden Sphären. Dabei ist speziell das Verhältnis zu Religion und Gott im Zentrum, bemerkenswerterweise ist nicht einfachdie Gralsgesellschaft die transzendent und Gott nahe wirkende, sondern auch der Artushof ist in einem gewissen Maß religiös. In Parzival treffen sich die beiden Sphären wieder, er hat viel von einem Artusritter und lebte lange nach den Wertvorstellungen und Idealen dieser Gesellschaft. Dennoch wird er zum Gralskönig erhoben und tritt sein Amt an, er befolgt die Regeln und kann ohne Probleme so seine Vergangenheit und Zukunft vereinen, zumindest für ihn als Gralskönig scheint der Übergang von der Artus in die Gralswelt gut möglich zu sein.&lt;br /&gt;
Durch ihn ist auch der Einfluss der beiden Welten aufeinander zu sehen, in der Gralsburg wird Geheiratet und die Feste und Turniere kehren zurück. Die Aufgabe der Templeise löst sich deswegen jedoch nicht auf und sie bleiben ihren alten Wegen treu.&lt;br /&gt;
Eine gleichberechtigte Stellung der zwei Sphären, möglicherweise im Sinne der &amp;quot;vermiedenen Konkurrenz&amp;quot; scheint dadurch durchaus Glaubwürdig zu sein. Beide Welten existieren nebeneinander und beeinflussen sich manchmal auch gegenseitig, jedoch benötigt man keine Hierarchie zwischen ihnen, beide stellen bei Wolfram einen unverzichtbaren Teil der Welt des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11423</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T13:26:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Artus */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artus und Ginover hatten einen Sohn, Ilinot, dieser starb jedoch im Kampf () weswegen das Reich des Artus nun auch von einer [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Familie_und_Verwandtschaft|agnatischen]] Erblinie abrücken muss um einen Nachfolger zu finden. Artus Nachfolge wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht weiter behandelt, hat in der Forschungsliteratur aber zu einigen Spekulationen geführt.[] Die verbreitetesten davon sehen einen von Artus Schwestersöhnen als kommenden Erben, also entweder Beacurs, [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] oder Gaherjet.[] Damit würde parallel zum Gralshof auch die Herrschaft des Gralshofes an einen Schwesternsohn des Artus weitergehen. Weitere Ansprüche sind nach den klassischen Erbfolgeregelungen bei den [[Kategorie:Literarische_Figuren|Personen]] im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht auszumachen, eindeutig entschieden werden kann die Frage jedoch nicht.[]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11422</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11422"/>
		<updated>2012-07-20T13:18:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Literaturangaben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11421</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11421"/>
		<updated>2012-07-20T13:18:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Literaturangaben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.[*Brüggen 2011] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11420</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11420"/>
		<updated>2012-07-20T13:17:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Ithers Ansprüche */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Ither wird schlussendlich von Parzival getötet (155,7-11) und die Damne des Hofes geraten darüber in große Trauer. [Brüggen 2011: S. 888] &lt;br /&gt;
Ithers Erbanspruch ist schwer nachzuverfolgen, wahrscheinlich bezieht er sich auf seine Mutter, die Schwester Utependraguns und ficht damit die Primogenitur des Artushofes an. Er verlangt also einen Teil des Erbes welches seine Mutter bereits nicht erhalten hat. Artus ist jedenfalls von seinen Ansprüchen nicht überzeugt und gewährt sie auch nicht (150,4-10). Ithers Ansprüche sind nicht weit genug erklärt um wirklich beurteilt werden zu können. Belege dafür, dass sie überzeugend und gerechtfertigt sind gibt es jedoch nicht[Pratelidis 1994: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brüggen 2011] Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Erbfolgen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11419</id>
		<title>Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-20T13:09:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Rabenmund: /* Frauen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wolframs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]] beginnt im ersten Buch direkt mit dem Erbfall von Anschouwe. Im weiteren Verlauf des Romans kommen einige Erbstreitigkeiten, Erbfälle und allgemeine Probleme mit der Erbfolge vor und bilden ein prägendes Motiv der Handlung. Das Erben ganzer Königreiche war in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter#Hochmittelalter hochmittelalterlichen] Adelsgesellschaft ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftslegitimation und ist unverzichtbar für unsere Vorstellung dieser, vom Adel dominierten, Welt. In diesem Artikel sollen die historischen Hintergründe zum Erben und zu Erbfällen zur Zeit [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] erläutert und die im ‘‘Parzival‘‘ vorhandenen Erbfälle und Erbfolgen genauer analysiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Historischer Hintergrund=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Arten der Erbfolge==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hochmittelalter kennt mehrere Erbfolgeregelungen, diese waren nicht einheitlich und ein Konsens musste sich im Lauf der Jahrhunderte erst herausbilden.[Delabar 1990: S. 21] Zur Zeit Wolframs wurde üblicherweise eine der drei folgenden Erbfolgeregelungen benutzt, entweder die Primogenitur, die Realteilung oder die Ganerbschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Primogenitur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Primogenitur Primogenitur] handelt es sich um eine Erbfolgeregelung, bei welcher der erstgeborene Sohn der Haupterbe ist und die Nachgeborenen leer ausgehen oder mit weit weniger ausgezahlt werden. Der Sinn dieser Regelung besteht darin, den Besitz nicht durch Aufteilung zu schmälern und dadurch das Ansehen und den Wohlstand des Hauses zu bewahren.[Althoff 1990: S. 60] Als sich die Erblichkeit von [http://de.wikipedia.org/wiki/Lehen Lehen] immer weiter etablierte, bestand auch die Notwendigkeit diese vereinigt zu halten, ein Lehen sollte unteilbar sein.[Noltze 1995: S. 221] Die Nachgeborenen standen in diesem Fall vor der Wahl sich dem Erstgeborenen unterzuordnen, also seine Vasallen zu werden und von ihm dafür Land zu Empfangen, sowie möglicherweise eine Nebenlinie zu gründen oder auf Reisen und Abenteuer zu gehen und ihr Glück (in Form einer erbenden Tochter oder Belohnungen durch Herrscher) in der Ferne zu finden.[Althoff 1990: S. 60] Gerade im Frankreich des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Primogenitur wegen der Bedeutung des Lehenwesens zusehens, im deutschen Reich war es hingegen nicht so durchgreifend, vor allem da hier die Lehensstruktur noch eine andere war und die Herrscher stärker auf die eigene Hausmacht aufbauten und deswegen nicht so sehr auf die militärische Unterstützung ihrer Lehensnehmer angewiesen waren.[Noltze 1995: S. 221] Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliges_R%C3%B6misches_Reich Heiligen Römischen Reich] wurde die Primogenitur für Kurfürsten 1356 in der [http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle_von_Karl_IV.#Unmittelbare_Wirkungen_und_langfristige_Folgen Goldenen Bulle Karl des IV.] verpflichtend. Im so genannten [http://de.wikipedia.org/wiki/Privilegium_Minus Privilegium Minus] ist die Erbfolge des neu entstandenen [http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich#Frankenreich_und_Heiliges_R.C3.B6misches_Reich_700.E2.80.931806 Herzogtums Österreich] geregelt, dabei ist eine primogene Erbteilung vorgesehen, sollte kein Sohn vorhanden sein geht das Erbrecht auf Töchter über, sollte es davon ebenso keine geben dürfte der Herzog einen Nachfolger bestimmen welcher vom Kaiser belehnt würde.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii IV. Lothar III. und ältere Staufer 1125-1197, 2. Teil: Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152 (1122) – 1190, Lieferung 1: 1152 – 1158. erarbeitet von Opll, Ferdinand/ Mayr, Hubert, Wien 1980. Regest 417.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Teilung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aufteilung oder gar [http://de.wikipedia.org/wiki/Realteilung Realteilung] des Erbes ist eine andere Herangehensweise. Dabei wird das Erbe unter allen Erbberechtigten aufgeteilt, entweder möglichst gleich und gerecht(Realteilung) oder mit merklichen Unterschieden, aber immer noch so, dass jeder Erbberechtigte einen Teil erhält. Die Realteilung war gerade im Frühmittelalter sehr verbreitet, die [http://de.wikipedia.org/wiki/Merowinger#Herrscher Merowinger] teilten ihre Königreiche unter allen Söhnen auf. Die Söhne des [http://de.wikipedia.org/wiki/Karolinger Karolingers], [http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_der_Fromme#Der_Weg_in_die_Krise:_die_820er_Jahre Ludwig der Fromme], kämpften so lange miteinander bis sie das Frankenreich schließlich am 10. August 843 im [http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Verdun Vertrag von Verdun] aufteilten. Auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_II._(England) Heinrich II.], der König von England und Graf von Anjou wollte sein Erbe unter seinen Söhnen aufteilen. Je früher die Söhne geboren waren, desto größer waren die zugeteilten Ländereien, seinem Erstgeborenen versprach er die Königsherrschaft. Unter den Söhnen und auch gegenüber dem Vater, der diese Herrschaften erst nach seinem Tod abgeben wollte, kam es zu mehreren Kriegen und Kämpfen. Schlussendlich setzte sich [http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_I._(England) Richard I. (Löwenherz)] durch und wurde zum neuen König von England ernannt, sein Bruder [http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ohneland Johann] wurde sein Stellvertreter und trotz interner Kriesen, mangels eigener Nachkommen, sein Nachfolger. Die Aufteilung eines Reiches hat demnach in der Geschichte oftmals zu Familienkriegen geführt, bis eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gefallen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ganerbschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der [http://de.wikipedia.org/wiki/Ganerbschaft#Geschichte Ganerbschaft] handelt es sich um ein, vorallem im germanischen verbreitetes Erbfolgeprinzip.[Noltze 1995: S. 221] Dabei wird die Erbschaft nicht auf einen Einzelnen gelegt, aber auch nicht in mehrere Teile zersplittert, sondern ungeteilt an eine Gruppe von Erbberechtigten vererbt. Diese haben gemeinsam die Herrschaft und Verantwortung über das Erbgut und können nur gemeinsam regieren. Dadurch sollen Erbkonflikte vermieden werden, eine mögliche Handlungsunfähigkeit durch Uneinigkeit der gleichberechtigten Erben ist jedoch die Gefahr.[Noltze 1995: S. 221] Ein Beispiel für eine Ganerbschaft stellen die Markgrafen von Baden [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Baden-Hachberg) Heinrich I.] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_V._(Baden) Hermann V.] dar, welche ihre Erlasse und Entscheidungen stets gemeinsam belegten. Allerdings teilten auch die ihr Erbe später unter sich auf und wollten nicht mehr gemeinsam regieren.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, herausgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10977.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Frauen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen waren im Hochmittelalter üblicherweise selten herrschend und erbten auch nur in Ausnahmefällen den Besitz.[Goetz 2009: S. 24] Einer dieser Ausnahmefälle war wenn die Familie über keine Söhne verfügte, dann war die Tochter eine sogenannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Erbtochter Erbtochter], die den ganzen Besitz der Eltern nach deren Erbfall in die Ehe brachte. Ein bekanntes Beispiel dafür ist [http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrud_von_Sachsen Gertrud von Sachsen] die Erbtochter [http://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_III._(HRR) Kaiser Lothars III.]. Sie wurde die Frau des Herzogs von Bayern, [http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_der_Stolze Heinrich dem Stolzen], nach dem Tod ihres Vaters Lothar III. ging dessen Herzogtum Sachsen an Heinrich über, welcher dadurch eine Zeit lang im Besitz zweier Herzogtümer war. &lt;br /&gt;
Ansonsten herrschten sie zumeist, wenn der Ehemann in einer noch kinderlosen Ehe verstarb, regierungsunfähig wurde, die Erben noch zu jung waren, um das Erbe anzutreten, oder das Erbe nach dem Tod eines unverheirateten aber regierenden Sohnes an die Mutter zurückfiel. Ein Fall von Frauenherrschaft ist die Regentschaft der [http://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Flandern) Gräfin Johanna I. von Flandern], die ihre Grafschaft lange Zeit selbst verwaltete, während ihr Mann in Gefangenschaft war.&amp;lt;ref&amp;gt;Regesta Imperii V. Jüngere Staufer 1198-1272, Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV, Friedrich II, Heinrich (VII), Conrad IV, Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198-1272, hersgegeben von Böhmer, Johann/ Ficker, Julius / Winckelmann, Eduard, Innsbrüch 1881-1901. Regest 10780.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Ausnahmeerscheinung aber doch vorhanden waren so genannte [http://de.wikipedia.org/wiki/Kunkellehen Kunkellehen], Lehen welche generell in [http://de.wikipedia.org/wiki/Matrilinearit%C3%A4t matrilinearer Linie] oder gemischt vererbt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Erbfälle im ‘‘Parzival‘‘=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Anschouwe==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gandin===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Der Gralskönig==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Bretane==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Utependragun===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
====Ithers Ansprüche====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither von Gaheviez]] ist der König von Kukumerland und wird auch der &amp;quot;Rote Ritter&amp;quot; genannt. Er ist Mitglied der Tafelrunde um [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]]. Er gerät in Streit mit König Artus als er Erbansprüche auf das Land Bertane stellt und Artus diese Ansprüche ablehnt. Ither gerät darüber in Zorn und entwendet einen goldenen Becher voller Wein von der Tafel, dabei beschmutzt er die Königin und Ehefrau von Artus, Ginover. Ither reitet nun mit dem geraubten Pokal auf das Feld vor der Burg und wartet darauf, dass ein Mitglied der Tafelrunde mit ihm um diesen kämpft. Der Raub des Bechers ist &amp;quot;offenbar ein Herausforderungsritual&amp;quot;. [Brüggen 2011: S. 888] Ither selbst nennt ein weiteres mögliches Ritual, um die Landnahme, das empfangen von geerbtem Land zu symbolisch und rechtlich zu vollziehen: Das Ergreifen und Anzünden eines nach unten gehaltenen Strohwisches (vgl. 146, 26-27). Der Pokal symbolisiert also die Herrschaftsansprüche Ithers. Der Kampf um den Pokal bedeutet somit auch den Kampf um sein angestrebtes Erbe, das Land Bertane. Trotz der Streitigkeiten mit dem Artushof trauern gerade die Frauen des Hofes, besonders Ginover, lange und intensiv um den schließlich von Parzival getöteten Ither (vgl. 155,7-11). [Brüggen 2011: S. 888] Bevor es zwischen Parzival und Ither zum Zweikampf kommt, fordert Parzival Ither auf, nicht nur seine Rüstung an ihn abzutreten, sondern auch (im Sinne Artus&#039;) die Herrschaftsansprüche auf Bertane fallen zu lassen. Bei der Erbschaft Ithers handelt es sich offenbar um eine Primogenitur, es gibt keinerlei Hinweise auf weitere Erben oder Ansprucherhebende. Allerdings stellt sich die Frage, warum Artus den Ansprüchen Ithers nicht nachgibt und seine Legitimation verweigert, wenn diese gerechtfertigt sind. Dies könnte darauf hinweisen, dass Ither möglicherweise versucht die Herrschaft über ein Land zu ergreifen, die ihm eigentlich nicht zusteht. In diesem Sinne würde sich auch die anklagende Aussage Artus&#039; verstehen lassen (vgl. 150, 4-10).&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturangaben=&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue: zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im früheren Mittelalter, Darmstadt 1990. [*Althoff 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch geselleschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, Göppingen 1990. [*Delabar 1990]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Goetz, Hans-Werner: Verwandtschaft im frühen Mittelalter (I): Terminologie und Funktionen, in: Gerhard, Krieger: Verwandtschaft, Freundschaft, Bruderschaft: soziale Lebens- und Kommunikationsformen im Mittelalter, Berlin 2009. [*Goetz 2009]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. [*Noltze 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brüggen 2011] Brüggen,Elke/Bumke, Joachim:  Figuren-Lexikon, Art.  &amp;quot;Gramoflanz&amp;quot;, in: Heinzle, Joachim (Hrsg.):  Wolfram von Eschenbach. Ein  Handbuch, Band II, Berlin/Boston 2011.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach, Würzburg 1994. [*Pratelidis 1994] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach   der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellen=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Rabenmund</name></author>
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