<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Sarah4</id>
	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Sarah4"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php/Spezial:Beitr%C3%A4ge/Sarah4"/>
	<updated>2026-04-18T00:59:48Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Narrenkleid_und_R%C3%BCstung:_Standesidentit%C3%A4t_im_Parzival&amp;diff=23941</id>
		<title>Narrenkleid und Rüstung: Standesidentität im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Narrenkleid_und_R%C3%BCstung:_Standesidentit%C3%A4t_im_Parzival&amp;diff=23941"/>
		<updated>2015-07-15T11:15:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Verbindende Charaktereigenschaften und höfische Tugenden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird deshalb noch häufig überarbeitet werden.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ritterstand im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt; ist schwer zu fassen und eine übergreifende Standesidentität nicht leicht zu finden. Was macht einen Ritter zum Ritter? Besonders am Beispiel [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] selbst steht die Erziehung als zentrales Kriterium im Raum, denn gerade durch sein gezielt [[Erziehung fernab jeder Zivilisation| antihöfisches Aufwachsen im Wald]] soll Gahmurets Sohn von einem ritterlichen Leben ferngehalten werden. Dies gelingt jedoch nicht, da die höfische Erziehung, wie sich an der Entwicklung Parzivals zeigt, nachgeholt werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem gegenüber stehen diverse Textpassagen in denen der ritterliche Prunk und die profane Zurschaustellung von Luxus als äußeres Merkmal von Ritterlichkeit und Adel festgehalten werden. Parzival vertritt, dazu passend, anfangs die Meinung, dass eine Rüstung genüge, um ihn zum Ritter zu machen. Dies führt zur gewaltsamen Auseinandersetzung mit seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither]], die mit dessen Tod endet. Demnach spielt der Kampf ebenfalls eine Hauptrolle bei der Bildung einer Standesidentität. Hierbei ist hervorzuheben, dass es sich bei Parzival zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht um einen Ritter handelt. Der ritterliche Kampf umfasst einerseits feste Normen und andererseits die Nutzung bestimmter Waffen, nämlich Lanze und Schwert. Indem Parzival Ither also mit einem Wurfspieß tötet, gibt er sich gleich doppelt als „Nichtritter“ zu erkennen. Das unterschwellige Gebot zur Schonung von Besiegten setzt klar eine moralische Komponente in der Standesidentität voraus.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Problematisch wird es jedoch, als Parzival die Rüstung des Toten an sich nimmt und dadurch trotzdem zum [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|Ritter]] wird. Der Knappe Iwânet bringt ihm zwar vor seinem Aufbruch vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] die Grundbegriffe des ritterlichen Kampfes bei, Parzival durchläuft aber weder eine Knappenphase noch wird er durch die Schwertleite förmlich zum Ritter gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Religionszugehörigkeit und Erziehung als Kriterium einer übergeordneten Standesidentität? =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion scheint in Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kein Teil der ritterlichen Standesidentität zu sein. Als Parzival und dessen Bruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Feirefiz]] aufeinandertreffen, finden sich bei dem Heiden dieselben Zuschreibungen von Ehre, Mut und Stärke wie bei christlichen Rittern. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzival und Feirefiz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst die Art zu kämpfen ist über die Religionsgrenze hinweg gleich. Zudem wird Feirefiz im Text explizit als Ritter bezeichnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;[…] daz nie von &#039;&#039;&#039;rîters&#039;&#039;&#039; hand geschach&#039;&#039; || dass mich aber niemals eines Ritters Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mir groezer nôt, für wâr ichz weiz,&#039;&#039; || so arg in Bedrängnis brachte wie Eure,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dan von iu,‘ sprach der von Kanvoleiz.&#039;&#039; || das weiß ich ganz gewiss. So sprach der aus Kanvoleiz (749,12 – 14)&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies trifft auch auf andere heidnische Vertreter zu, wie beispielsweise auf den König von Alexandria, der für Gahmurets Tod verantwortlich ist und vom Erzähler ebenfalls als Ritter betitelt wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine Erklärung warum Orient und Okzident ein, auf gleichen Werten basierendes, &amp;quot;Rittertum&amp;quot; wiederspiegeln, bietet der Artikel &#039;&#039;[[Die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival]]&#039;&#039;. Er definiert dabei das höfisch-ritterliche Wertesystem als ein Integrationsmodell, als überreligiöses bindendes Konzept zur Annäherung von Orient und Okzident.&amp;lt;/ref&amp;gt; Religion scheint nur dann ein Problem darzustellen, wenn es sich um die Gralsgesellschaft handelt. Als Heide ist es Feirefiz dort bis zu seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival |Taufe]] nicht möglich den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gral]] zu sehen.&lt;br /&gt;
Was die eingangs erwähnte Erziehung anbelangt, so hat diese im Gegensatz zur Religionszugehörigkeit zwar eine durchaus wichtige Funktion, kann aber auch nachgeholt werden. Gerade bei Parzival fällt dies auf, der von seiner Mutter in ein Narrenkleid gesteckt und mit schlechter Etikette, als das Negativabbild eines Ritters, in die Welt entlassen wird. Während diese Grundkonstellation anfangs zu einigen schweren Verfehlungen führt, erlernt Parzival Schritt für Schritt die Tugenden und Verhaltensweisen, die am Ende seiner &#039;&#039;âventiuren&#039;&#039; Voraussetzung für einen Ritter und Gralskönig sind.&lt;br /&gt;
Egal ob es sich um die Unterweisung im ritterlichen Kampf durch den Knappen Iwanet handelt oder das Erlernen des höfischen Benehmens von Gurnemanz, die Erziehung verknüpft alle wesentlichen Eckpfeiler des Ritterstandes miteinander. Sie stellt also weniger ein Standesmerkmal im engeren Sinne dar, sondern dient zur Vermittlung der allgemeinen Standesidentität. Wann sich die Erziehung abspielt, scheint zunächst unwichtig.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei Parzival ist sie sogar als fortlaufender Prozess parallel zu seiner Gralssuche konzipiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im optimalen Fall jedoch findet sie in jungen Jahren statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders verhält es sich mit der Abstammung. Die engen verwandtschaftlichen Beziehungen &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; der Figuren untereinander schaffen einen großen Sippenkomplex, der maßgeblich zur [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Identitäsbildung]] beiträgt. Gerade der umfangreiche genealogische Verweis auf Parzivals Abstammungslinie, bis zu seinem Großvater väterlicherseits und darüber hinaus, macht deutlich, wie essentiell der adelige Familienhintergrund als Grundvoraussetzung für einen ritterlichen Werdegang ist. [Schmid 1986: vgl. S. 171] Dies ist aus historischer Perspektive nicht verwunderlich und Wolframs Parzival bildet hierbei keine Ausnahme. &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zur Religionszugehörigkeit [[ Parzivals Glaubensverlauf]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verbindende Charaktereigenschaften und höfische Tugenden =&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch:[[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ritterliche Tugendsystem wurde in der Forschung von Gustav Ehrismann geprägt, der sich als Erster damit auseinandersetzte. [Eifler 1970: vgl. S. VII] Der Gegenstandsbereich wurde seit 1919 mehrfach aufgegriffen und angepasst. Es handelt sich um eine Rekonstruktion der Forschung, die sich auf verschiedene literarische Texte beruft, ganzheitlich aber nie festgehalten wurde. Grob zusammengefasst handelt es sich beim ritterlichen Tugendkatalog um eine Morallehre, die eine enge Verbindung zu den Kardinaltugenden der Antike aufweist, jedoch keine bloße Kopie ist. [Eifler 1970: vgl. S. 296 - 297] Die sittlichen Erscheinungsformen der ritterlichen Lebenslehre sind dabei stark christlich gefärbt. Betrachtet man die Tatsache, dass Christen und Heiden im Parzival gleichermaßen die Tugenden leben, stellt sich die Frage, wie eine religiöse Einflussnahme zu erklären ist. Die Antwort liegt im Rückbezug auf die Antike. Im Willehalm beispielsweise werden die Heiden in eine Ahnenlinie eingesponnen, die direkt in die römische Antike reicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Stammlinie der Heiden wird hier mit Pompeius verbunden, dem Rivalen Caesars, der in der Ahnenreihe der Christen zu verorten ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tauchen solche Verbindungen ebenfalls auf,&amp;lt;ref&amp;gt;Auch Cundrîe und ihr Bruder Malreatiure, Figuren aus dem Orient, enthalten einen folgenschwere Verbindung in ihrer Ahnenreihe. Die beiden Geschwister sind Angehörige eines Stammes, der seine signifikanten Missbildungen durch eine Verfehlung zu Zeiten Adams erhalten hat (V. 518,1-24). Da Cundrîes Genealogie in einen biblischen Ursprung eingebettet ist, wird offenkundig, dass Wolfram ihre Fremdartigkeit mit christlichen Vorstellungen verbindet. So Inkludiert er sie und ihre Sippe durch eine Einbettung in den göttlichen Schöpfungsplan und den christlichen Horizont.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Pantheon der heidnischen Götter befindet sich unter anderem auch Jupiter. Durch den gemeinsamen Rückbezug ist auch der Zugriff auf die gleichen Urtugenden möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Konstrukt des Tugendsystems wird von Hans Naumann in drei übergeordnete Wertgebiete unterteilt. Das Erste bezeichnet er als &#039;&#039;gotes hulde&#039;&#039; und ordnet dieser als Tugend die &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; unter. [Eifler 1970: vgl. S. 94] Die Treue zu Gott wird dabei ins feudale Lehnssystem eingeordnet und die Verbindung zwischen Ritter und Gott als transzendentes Verhältnis von Herrscher zu Vasall gedacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Lehre von Trevrizent.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zweite Wertgebiet wird als &#039;&#039;honestum&#039;&#039; bezeichnet. Darunter ist die &#039;&#039;staete&#039;&#039; einzuordnen, die eine sittliche Festigkeit der Person ausdrückt. Auch der &#039;&#039;hohe muot&#039;&#039; spielt eine zentrale Rolle im höfischen Kontext, besonders in Verbindung mit der &#039;&#039;fröude&#039;&#039;. Traurigkeit wäre laut Naumann der Untergang des höfischen Lebens, weshalb Freude und hoher Mut erhöhende Güter der höfischen Kultur darstellen. Voraussetzungen für höfisches Zusammenleben stellt auch die &#039;&#039;zuht&#039;&#039; dar. Sie beinhaltet allgemeines höfisches Benehmen, aber auch die Zügelung der Triebe.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zuht&#039;&#039; kann auch die gute Erziehung meinen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Charaktereigenschaft des idealen Ritters ist die &#039;&#039;milte&#039;&#039; dh. die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Um die verschiedenen Tugenden des zweiten Wertebereichs zusammen zu halten, tritt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039; als regulierender Faktor auf. [Eifler 1970: vgl. S. 94 - 95] Der dritte und letzte Wertebereich setzt sich weniger aus Tugenden, als vielmehr aus idealen charakterlichen und körperlichen Vorzügen zusammen. Adel, Schönheit, Kraft, Gesundheit und Ruhm (&#039;&#039;êre&#039;&#039;) sind Schlüsselmerkmale. Auch Reichtum spielt eine Rolle, darf jedoch nicht sinnlos zur Schau gestellt werden oder die beiden höheren Wertegebiete schädigen. Antrieb zur Ausübung der Tugenden ist dabei immer die hohe Minne, sie bedingt und verfeinert die höfischen Ideale und führt in letzter Konsequenz zur Erlangung der &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039;. [Eifler 1970: vgl. S. 96]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser Groben Zusammenfassung des Tugensystems, das im Forschungsdiskurs für die historische Standesidentität konstruiert wurde, stellt sich die Frage nach Übereinstimmungen in Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. In diesem taucht die Vermittlung der Tugenden hauptsächlich an einer Stelle auf. Sie steht im Zusammenhang mit der höfischen Erziehung, die Parzival von Gurnemanz erhält.&amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel thematisiert Gurnemanz Lehre ausführlicher. [[ Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Teil der Erziehung kann davon ausgegangen werden, dass die von Gurnemanz vermittelten, ritterlichen Ideale auch standesübergreifend und damit identitätsbildend zu verstehen sind. Die Reglementierung des höfischen Verhaltens durch Tugenden (und deren Fehlinterpretation) ist besonders auf der Gralsburg von zentraler Bedeutung. Die Tugendhaftigkeit eines Ritters wird in Ehre gemessen. Gurnemanz greift bei seiner Belehrung unterschiedliche Tugenden auf: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; und &#039;&#039;scham&#039;&#039; (170,16 - 20)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; (171,13 - 21)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. &#039;&#039;mitle&#039;&#039;, &#039;&#039;guete&#039;&#039; und &#039;&#039;diemüete&#039;&#039;  (170, 23 - 28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. Mitleid bzw. &#039;&#039;(d)erbärme&#039;&#039; (171,25 - 30)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In wenigen Versen wird hier ein Cluster aus höfischen Tugenden gebildet, der stets anhand von praktischen Beispielen erläutert wird. Im Gegensatz zum klassischen Tugendsystem der Forschung spielt bei Wolfram auch die Scham eine tragende Rolle. Sie erfüllt ähnlich wie die &#039;&#039;mâze&#039;&#039; eine regulierende Funktion. Das ritterliche Leben ohne Schamgefühl wird bildlich mit einem Habicht in der Mauser verglichen, der nichtmehr fähig ist zu fliegen. Besonders im Bezug auf Parzivals Verfehlung beim Kampf gegen Ither zielen die zentralen Tugenden dieses Abschnittes auf den höfischen Umgang mit Standesgenossen ab. Mitleid und Erbarmen im Kampf sind dabei genauso wichtig, wie die allgemeine Güte und Demut. Die Szene ist zudem gleich doppelt identitätsbildend. Parzival lernt nicht nur die Grundlagen des höfischen Benehmens, die jeder Ritter kennen muss, ihm wird von Gurnemanz auch die Identität des [[Der Rote Ritter |roten Ritters]] übertragen: &amp;quot;&#039;&#039;sînen gast des namn er niht erliez/ den rôten ritter er in hiez&#039;&#039;&amp;quot; (170,5 - 6).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kampf und Gewalt als Zentrales Merkmal einer Kriegerkaste =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]], [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival]] und [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits eingangs betrachtet, gehört auch der Kampf zur ritterlichen Standesidentität. Erfolg oder Misslingen in Auseinandersetzungen sind maßgeblich für das Prestige und die soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge der Feudalaristokratie. Damit definiert sich der Kampf als dynamische Prämisse, ein Instrument um soziale und politische Erfolg zu erlangen. [Kellner 2004: vgl. S. 81] Das &amp;quot;Prinzip der Konkurrenz&amp;quot; fungiert als vorrangiges Element der Statuszuschreibung, sowohl für Individuen als auch für einen gesamten dynastischen Verband.&lt;br /&gt;
Kämpfe finden in Wolframs Parzival ausschließlich unter Standesgenossen statt. Konkret handelt es sich dabei um den [[Das Tjostieren im Parzival |Tjost]], das Lanzenstechen in voller Rüstung zu Pferd. Vereinzelt geht der Kampf nach dem Zerbrechen der Lanzen mit dem Schwert weiter oder, falls beide Kontrahenten aus dem Sattel geworfen wurden, zu Fuß. Jene Art zu Kämpfen ist sowohl bei Christen, als auch Heiden gleich. Pferd, Lanze, Schwert und Rüstung grenzen den Ritter hierbei von der, im Parzival nicht zu findenden, nichtadeligen Art zu kämpfen ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Einziger Hinweis auf die unritterliche Kampfesweise ist Parzivals Gebrauch des &#039;&#039;Gabylot&#039;&#039; während des Kampfes mit Ither.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Für den Ritterstand scheint der Kampf und die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gewalt]] jedoch nicht nur Notwendigkeit im kriegerischen Alltag zu sein, sondern wird auch als Teil von Machtkommunikation genutzt.  Wann immer zwei Parteien aufeinandertreffen, stellt der Kampf einen Lösungsprozess von Interessenskonflikten dar. Im Sinne Luhmanns äußert sich die Macht innerhalb der adeligen Gesellschaft  als ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, dessen symbiotisches Symbol der Kampf bzw. die Gewalt ist. [Horster 2005: vgl S. 141]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei einem symbolisch generalisierten Kommunikationsmedium handelt es sich um eine allgemein anerkannte Form der Kommunikation und dient zum Austausch oder der Überbrückung von Differenzen. [Horster 2005: vgl. S. 134] Da der Kampf Ausdruck von Machtkommunikation darstellt, ist es aus der daraus resultierenden Häufigkeit nötig, eine Form der Reglementierung zu finden, damit der Ritterstand nicht Gefahr läuft sich selbst zu vernichten. Aus diesem Grund beinhaltet der ritterliche Kampf eine moralische Komponente, die sich ebenfalls abgrenzend zum „gemeinen“ Soldaten oder Mörder verhält. Diese wird Parzival von Gurnemanz vermittelt und beinhaltet ein Gebot der Schonung des Besiegten nach Beendigung eines bewaffneten Konfliktes (V. 171,25 - 30). Natürlich stellt der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Tod]] auch weiterhin eine reale Gefahr dar, die der Roman an verschiedener Stelle auch aufgreift, allerdings handelt es sich dabei eher um Unfälle oder es wird mit unritterlichem Verhalten begründet. Dieser Verweis auf unritterliches Verhalten, das als erstes in der Gahmuret-Handlung auftritt, belegt die Existenz und Wichtigkeit des genannten Gebots zur Schonung des Unterlegenen. [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gahmuret]] stirbt zwar durch einen Standesgenossen, dieser handelt jedoch durch eine List und bösen Zauber entgegen den höfischen Erwartungen, was zu einer insgesamt negativen Konnotation führt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;gunêrtiu heidensch witze&#039;&#039; || Verfluchte heidnische List&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hât uns verstoln den helt guot.&#039;&#039; || hat uns den edlen Helden gestohlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;ein ritter hete bockes bluot&#039;&#039; || Ein Ritter hatte nämlich das Blut eines Bocks&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;genomen in ein langez glas:&#039;&#039; || in ein langes Glas getan,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz sluoger ûf deb adamas&#039;&#039; || das schlug er auf dem Adamas [Gahmurets Helm] entzwei:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dô wart er weicher danne ein swamp.&#039;&#039; || Da wurde er noch weicher als ein Schwamm. (105,16 - 21)&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge dieser unritterlichen List wird der nachfolgende Todesstoß gegen Parzivals Vater erst ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Regelfall endet der Kampf jedoch wieder in einer Machtkommunikation, bei der die Macht des Siegers zusammen mit den Wahlmöglichkeiten des Unterlegenen steigt. [Luhmann 2003: vgl. S. 8] Konkret am Text zeigt sich mehrfach, dass Parzival seine besiegten Kontrahenten als Boten an den Artushof schickt, um eine Nachricht zu überbringen. Diese haben trotz des Versprechens, welches sie Parzival geben in der Theorie die Wahlmöglichkeit, ob sie dem nachkommen oder nicht. Maßgeblich an der Entscheidung beteiligt sind dabei die ritterliche &#039;&#039;êre&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;, sodass alle ihr Versprechen erfüllen und Parzivals Macht dadurch bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie die Darstellung des Körpers verbindet auch der Kampf verschiedene Elemente der Standesidentität miteinander. Auslöser für Kämpfe sind nicht selten Minneszenarien und der Kampf selbst wird in seinem formalen Ablauf durch das ritterliche Tugendsystem bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Der ritterliche Körper als Ausdruck ständischer Vollkommenheit? =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ritterliche Körper wird im Parzival sehr allgemein beschrieben und weist aus heutiger Sicht kaum Merkmale auf, die zur Identifikation einer Figur dienen könnten. Vielmehr handelt es sich um eine Aufzählung verschiedener Körperteile und der Beschreibung ihrer Vorzüge. [Holland 2005: vgl. S. 59] Als Beispiel kann hier wieder Gahmuret herangezogen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;sîn munt als ein rubîn schein&#039;&#039; || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;von roete als ober brünne:&#039;&#039; || von Röte, als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;der was dicke und niht ze dünne.&#039;&#039; || Volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;sîn lîp was allenthalben clâr.&#039;&#039; || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;lieht reideloht was im sîn hâr,&#039;&#039; || Hell und lockig war sein Haar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;swâ manz vor dem huote sach:&#039;&#039; || wo es unter dem Hut hervorsah (63,16 – 21)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
		&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meist wird explizit die Stärke sowie die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit eines ritterlichen Körpers in den Vordergrund gerückt. Die zugeschriebenen Attribute sind dabei für den gesamten Ritterstand homogen, das heißt sie haben eine wiederkehrende Form und finden sich auch bei Gawan usw. wieder. [Holland 2005: vgl. S. 61] Parzival selbst stellt hierbei einen Sonderfall dar, der die Beschreibung der Norm übertrifft, damit ein engelhaftes Erscheinungsbild erzeugt wird. Ein Schritt der nötig ist, um ihn auf körperlicher Ebene sowohl mit der Artus-, wie auch der Gralswelt zu verbinden. Parzival stellt also als Schnittstelle zweier getrennter Systeme die Superlative seines Standes dar. [Holland 2005: vgl. S. 62] Obwohl Gralswelt und Artushof voneinander getrennt sind bildet der Ritterstand jedoch ein verbindendes Element.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Körper des Mittelalters und allgemein der des höfischen Romans dient zusätzlich als äußeres Zeichen der inneren, moralischen Überlegenheit bzw. Vollkommenheit. Er macht in gewisser Weise die Tugendhaftigkeit nach außen sichtbar. Als Gegensatz zum Typus des schönen, jugendlichen Ritterkörpers, dient der kranke oder versehrte Körper, [Holland 2005: vgl. S. 62] wie sich im Falle des [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Anfortas]] zeigt. Oft geht die Verschiebung zum Gegenpol dieser Dialektik mit einer größeren, charakterlichen Verfehlung einher. Anfortas, zuvor ein Ritter mit den klassischen körperlichen Zuschreibungen, macht sich als Gralskönig durch eine, von Gott nicht autorisierte, Liebe zu [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Orgeluse]] schuldig. Die Strafe folgt in Form einer vergifteten Lanze, die den Gralskönig in den Hoden trifft und so nicht nur seine Zeugungsfähigkeit zerstört, sondern auch seinen ganzen ritterlichen Körper zum Leiden auf unbestimmte Zeit verdammt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körperbeschreibungen weisen des Weiteren eine starke [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] auf. Mit Farbe ist hier der Unterschied zwischen weißer und dunkler Haut gemeint. Dieser dient einerseits dazu den christlichen Ritter des Okzidents von seinem Gegenstück im Orient zu unterscheiden, andererseits zieht er, aus historischer Sicht, eine klare Trennlinie zum „einfachen Volk“. [Holland 2005: vgl S. 63] Farbe dient hier in Form der vornehmen Blässe zumindest auf christlicher Seite als abgrenzendes Standesmerkmal nach unten. Bei den heidnischen Rittern stellt dies zugegebenermaßen ein Problem dar, denn diese werden, was das höfische Verhalten usw. angeht, trotz dunkler Haut als Ritter dargestellt. Die Farbe scheint also eine eher untergeordnete Rolle innerhalb der ritterlichen Standesidentität zu spielen. Zu erklären ist dies unter anderem mit der religiösen Konnotation, die die Farbe Weiß zusätzlich noch beinhaltet. Diese ist, zusammen mit der [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Schönheit]], Zeichen der göttlichen Gnade, Zuwendung und steht für Reinheit und Unschuld. Da Religionszugehörigkeit aber nicht die Mitgliedschaft im Ritterstand ausschließt, manifestiert sich der Unterschied auf Ebene der Hautfarbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bei der Körperbeschreibung, handelt es sich bei den verschiedenen Merkmalen, die die ritterliche Standesidentität bilden um Einzelfaktoren die stark miteinander verknüpft sind und ein größeres Ganzes bilden. Es ist schwer sie losgelöst voneinander zu betrachten. So wie körperliche Schönheit den reinen Charakter einer Figur nach außen trägt, weist die Beschreibung von starken Gliedmaßen auf den kämpferischen Aspekt hin und der etwas befremdlich wirkende Fokus auf die, meist roten, Lippen der Ritter schlägt eine Brücke zur mînne, welche ebenfalls zentraler Aspekt der Standesidentität darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einfluss der &#039;&#039;mînne&#039;&#039; auf die ritterliche Standesidentität =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch: [[Minnedienst (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Historischen Kontext dient die Ehe als Mittel der Eroberungs- oder Instrument der Familien- und Bündnispolitik. [Wiegand 1972] Minne bzw. Zuneigung spielt eine eher untergeordnete Rolle. Die Literatur verfährt mit dem Thema anders. Die Minne wird zum tragenden Motiv bei der Eheschließung. Politische Allianzen sind eher sekundär. Trotzdem taucht die Verbindung auch im Parzival auf. Gahmuret wird durch seine Ehe mit Belacane zum &#039;&#039;künec von Zazamanc&#039;&#039; (V. 65,19) und Gleiches geschieht bei Parzivals Vermählung mit Condwiramurs, die ihn zum König von Pelrapeire macht (202,26 und 268,4). [Wiegand 1972: vgl. S. 14 - 15] Die übergeordnete Rolle der Minne wird auch an ihrer Personifikation deutlich, die in Wolframs Minneexkursen auftaucht und verschiedene Facetten aufweist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Damit spielt die [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Minne]] bzw. der Frauendienst auch eine Hauptrolle bei der Generierung einer ritterlichen Standesidentität. Es gibt in Wolframs Parzival keinen einzigen Ritter, der nicht auf die ein oder andere Weise mit der Minne in Berührung kommt. Dabei ist wiederum nicht ausschlaggebend ob er dem Christen- oder Heidentum angehört. Es ist zu beobachten, dass es sich bei der Minne, wie zuvor schon bei den anderen Kriterien, um ein verbindendes Element handelt. Es gibt Figuren im Roman, deren einzige Motivation der Frauendienst ist. Für diese Minneritter, zu denen auch Ither von Gaheviez und Feirefiz gezählt werden können ist der Kampf, ebenso wie die höfischen Tugenden, Mittel und Voraussetzung ihr Ziel zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Fazit =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, wird die ritterliche Standesidentität durch eine beachtliche Anzahl verschiedener Faktoren gebildet. Keines der Merkmale steht dabei für sich alleine, sondern ist in irgendeiner Form auch mit den anderen Kriterien verwoben. Sie können jedoch in primäre und sekundäre Merkmale unterteilt werden. Zu den Primären, dh. den Wichtigsten gehören Kampf, Minne sowie Kenntnisse der höfischen Tugenden, während Religionszugehörigkeit und Teile der Körperbeschreibung eher sekundär sind. Die weit weniger wichtigen Identitätsmerkmale Hautfarbe und Religion dienen eher dazu, Kategorien innerhalb des Standes zu bilden. Das Rittertum vereint demnach christliche, die wiederum in den Grals- und Artushof unterteilt sind, und heidnische Ritter in sich. Als gemeinsame Grundlage dient die adelige Abstammung: Standes und Herrschaftsansprüche werden in Wolframs Parzival konstant durch genealogische Verweise legitimiert. [Schmid 1986: vgl. S. 171] Der ritterliche Körper als zentrales Werkzeug ist so konzipiert, dass sich von ihm auf die übrigen Standesmerkmale schließen lässt. Vermittelt wird die Standesidentität dabei durch die höfische Erziehung, welche den allgemeinen Rahmen bildet. Aus der Figur Parzival lässt sich schließen, dass Versäumnisse in der Erziehung auch nachgeholt werden können.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweis =&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Parzival]Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok. 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Eifler 1970]Eifler, Günter (Hg.): Ritterliches Tugendsystem. Darmstadt 1970.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Holland 2005]Holland, Brent J.: From &#039;&#039;antlütze&#039;&#039; to &#039;&#039;Angesicht&#039;&#039;. Identity and Difference in Wolfram&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; and Grimmelshausen&#039;s &#039;&#039;Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch&#039;&#039;. Frankfurt am Main 2005.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Horster 2005]Horster, Detlef: Niklas Luhmann. 2. Aufl., München 2005. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2004] Kellner, Beamte: Zur Kodierung von Gewalt in der mittelalterlichen Literatur am Beispiel von Konrads von Würzburg Heinrich von Kempten, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004, S. 75-103.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Luhmann 2003]Luhmann, Niklas: Macht. 3. Aufl., Stuttgart 2003.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schmid 1986]Schmid, Elisabeth: Familiengeschichte und Heilsmythologie. Die Verwandtschaftsstrukturen in den französischen und deutschen Gralromanen des 12. und 13. Jahrhunderts. Tübingen 1986.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972]Wiegant, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin/New York 1972.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Narrenkleid_und_R%C3%BCstung:_Standesidentit%C3%A4t_im_Parzival&amp;diff=23932</id>
		<title>Narrenkleid und Rüstung: Standesidentität im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Narrenkleid_und_R%C3%BCstung:_Standesidentit%C3%A4t_im_Parzival&amp;diff=23932"/>
		<updated>2015-07-15T11:11:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Religionszugehörigkeit und Erziehung als Kriterium einer übergeordneten Standesidentität? */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird deshalb noch häufig überarbeitet werden.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ritterstand im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt; ist schwer zu fassen und eine übergreifende Standesidentität nicht leicht zu finden. Was macht einen Ritter zum Ritter? Besonders am Beispiel [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] selbst steht die Erziehung als zentrales Kriterium im Raum, denn gerade durch sein gezielt [[Erziehung fernab jeder Zivilisation| antihöfisches Aufwachsen im Wald]] soll Gahmurets Sohn von einem ritterlichen Leben ferngehalten werden. Dies gelingt jedoch nicht, da die höfische Erziehung, wie sich an der Entwicklung Parzivals zeigt, nachgeholt werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem gegenüber stehen diverse Textpassagen in denen der ritterliche Prunk und die profane Zurschaustellung von Luxus als äußeres Merkmal von Ritterlichkeit und Adel festgehalten werden. Parzival vertritt, dazu passend, anfangs die Meinung, dass eine Rüstung genüge, um ihn zum Ritter zu machen. Dies führt zur gewaltsamen Auseinandersetzung mit seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither]], die mit dessen Tod endet. Demnach spielt der Kampf ebenfalls eine Hauptrolle bei der Bildung einer Standesidentität. Hierbei ist hervorzuheben, dass es sich bei Parzival zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht um einen Ritter handelt. Der ritterliche Kampf umfasst einerseits feste Normen und andererseits die Nutzung bestimmter Waffen, nämlich Lanze und Schwert. Indem Parzival Ither also mit einem Wurfspieß tötet, gibt er sich gleich doppelt als „Nichtritter“ zu erkennen. Das unterschwellige Gebot zur Schonung von Besiegten setzt klar eine moralische Komponente in der Standesidentität voraus.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Problematisch wird es jedoch, als Parzival die Rüstung des Toten an sich nimmt und dadurch trotzdem zum [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|Ritter]] wird. Der Knappe Iwânet bringt ihm zwar vor seinem Aufbruch vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] die Grundbegriffe des ritterlichen Kampfes bei, Parzival durchläuft aber weder eine Knappenphase noch wird er durch die Schwertleite förmlich zum Ritter gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Religionszugehörigkeit und Erziehung als Kriterium einer übergeordneten Standesidentität? =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion scheint in Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kein Teil der ritterlichen Standesidentität zu sein. Als Parzival und dessen Bruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Feirefiz]] aufeinandertreffen, finden sich bei dem Heiden dieselben Zuschreibungen von Ehre, Mut und Stärke wie bei christlichen Rittern. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzival und Feirefiz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst die Art zu kämpfen ist über die Religionsgrenze hinweg gleich. Zudem wird Feirefiz im Text explizit als Ritter bezeichnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;[…] daz nie von &#039;&#039;&#039;rîters&#039;&#039;&#039; hand geschach&#039;&#039; || dass mich aber niemals eines Ritters Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mir groezer nôt, für wâr ichz weiz,&#039;&#039; || so arg in Bedrängnis brachte wie Eure,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dan von iu,‘ sprach der von Kanvoleiz.&#039;&#039; || das weiß ich ganz gewiss. So sprach der aus Kanvoleiz (749,12 – 14)&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies trifft auch auf andere heidnische Vertreter zu, wie beispielsweise auf den König von Alexandria, der für Gahmurets Tod verantwortlich ist und vom Erzähler ebenfalls als Ritter betitelt wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine Erklärung warum Orient und Okzident ein, auf gleichen Werten basierendes, &amp;quot;Rittertum&amp;quot; wiederspiegeln, bietet der Artikel &#039;&#039;[[Die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival]]&#039;&#039;. Er definiert dabei das höfisch-ritterliche Wertesystem als ein Integrationsmodell, als überreligiöses bindendes Konzept zur Annäherung von Orient und Okzident.&amp;lt;/ref&amp;gt; Religion scheint nur dann ein Problem darzustellen, wenn es sich um die Gralsgesellschaft handelt. Als Heide ist es Feirefiz dort bis zu seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival |Taufe]] nicht möglich den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gral]] zu sehen.&lt;br /&gt;
Was die eingangs erwähnte Erziehung anbelangt, so hat diese im Gegensatz zur Religionszugehörigkeit zwar eine durchaus wichtige Funktion, kann aber auch nachgeholt werden. Gerade bei Parzival fällt dies auf, der von seiner Mutter in ein Narrenkleid gesteckt und mit schlechter Etikette, als das Negativabbild eines Ritters, in die Welt entlassen wird. Während diese Grundkonstellation anfangs zu einigen schweren Verfehlungen führt, erlernt Parzival Schritt für Schritt die Tugenden und Verhaltensweisen, die am Ende seiner &#039;&#039;âventiuren&#039;&#039; Voraussetzung für einen Ritter und Gralskönig sind.&lt;br /&gt;
Egal ob es sich um die Unterweisung im ritterlichen Kampf durch den Knappen Iwanet handelt oder das Erlernen des höfischen Benehmens von Gurnemanz, die Erziehung verknüpft alle wesentlichen Eckpfeiler des Ritterstandes miteinander. Sie stellt also weniger ein Standesmerkmal im engeren Sinne dar, sondern dient zur Vermittlung der allgemeinen Standesidentität. Wann sich die Erziehung abspielt, scheint zunächst unwichtig.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei Parzival ist sie sogar als fortlaufender Prozess parallel zu seiner Gralssuche konzipiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im optimalen Fall jedoch findet sie in jungen Jahren statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders verhält es sich mit der Abstammung. Die engen verwandtschaftlichen Beziehungen &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; der Figuren untereinander schaffen einen großen Sippenkomplex, der maßgeblich zur [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Identitäsbildung]] beiträgt. Gerade der umfangreiche genealogische Verweis auf Parzivals Abstammungslinie, bis zu seinem Großvater väterlicherseits und darüber hinaus, macht deutlich, wie essentiell der adelige Familienhintergrund als Grundvoraussetzung für einen ritterlichen Werdegang ist. [Schmid 1986: vgl. S. 171] Dies ist aus historischer Perspektive nicht verwunderlich und Wolframs Parzival bildet hierbei keine Ausnahme. &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zur Religionszugehörigkeit [[ Parzivals Glaubensverlauf]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verbindende Charaktereigenschaften und höfische Tugenden =&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch:[[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ritterliche Tugendsystem wurde in der Forschung von Gustav Ehrismann geprägt, der sich als Erster damit auseinandersetzte. [Eifler 1970: vgl. S. VII] Der Gegenstandsbereich wurde seit 1919 mehrfach aufgegriffen und angepasst. Es handelt sich um eine Rekonstruktion der Forschung, die sich auf verschiedene literarische Texte beruft, ganzheitlich aber nie festgehalten wurde. Grob zusammengefasst handelt es sich beim ritterlichen Tugendkatalog um eine Morallehre, die eine enge Verbindung zu den Kardinaltugenden der Antike aufweist, jedoch keine bloße Kopie ist. [Eifler 1970: vgl. S. 296 - 297] Die sittlichen Erscheinungsformen der ritterlichen Lebenslehre sind dabei stark christlich gefärbt. Betrachtet man die Tatsache, dass Christen und Heiden im Parzival gleichermaßen die Tugenden leben, stellt sich die Frage, wie eine religiöse Einflussnahme zu erklären ist. Die Antwort liegt im Rückbezug auf die Antike. Im Willehalm beispielsweise werden die Heiden in eine Ahnenlinie eingesponnen, die direkt in die römische Antike reicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Stammlinie der Heiden wird hier mit Pompeius verbunden, dem Rivalen Caesars, der in der Ahnenreihe der Christen zu verorten ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tauchen solche Verbindungen ebenfalls auf,&amp;lt;ref&amp;gt;Auch Cundrîe und ihr Bruder Malreatiure, Figuren aus dem Orient, enthalten einen folgenschwere Verbindung in ihrer Ahnenreihe. Die beiden Geschwister sind Angehörige eines Stammes, der seine signifikanten Missbildungen durch eine Verfehlung zu Zeiten Adams erhalten hat (V. 518,1-24). Da Cundrîes Genealogie in einen biblischen Ursprung eingebettet ist, wird offenkundig, dass Wolfram ihre Fremdartigkeit mit christlichen Vorstellungen verbindet. So Inkludiert er sie und ihre Sippe durch eine Einbettung in den göttlichen Schöpfungsplan und den christlichen Horizont.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Pantheon der heidnischen Götter befindet sich unter anderem auch Jupiter. Durch den gemeinsamen Rückbezug ist auch der Zugriff auf die gleichen Urtugenden möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Konstrukt des Tugendsystems wird von Hans Naumann in drei übergeordnete Wertgebiete unterteilt. Das Erste bezeichnet er als &#039;&#039;gotes hulde&#039;&#039; und ordnet dieser als Tugend die &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; unter. [Eifler 1970: vgl. S. 94] Die Treue zu Gott wird dabei ins feudale Lehnssystem eingeordnet und die Verbindung zwischen Ritter und Gott als transzendentes Verhältnis von Herrscher zu Vasall gedacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Lehre von Trevrizent.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zweite Wertgebiet wird als &#039;&#039;honestum&#039;&#039; bezeichnet. Darunter ist die &#039;&#039;staete&#039;&#039; einzuordnen, die eine sittliche Festigkeit der Person ausdrückt. Auch der &#039;&#039;hohe muot&#039;&#039; spielt eine zentrale Rolle im höfischen Kontext, besonders in Verbindung mit der &#039;&#039;fröude&#039;&#039;. Traurigkeit wäre laut Naumann der Untergang des höfischen Lebens, weshalb Freude und hoher Mut erhöhende Güter der höfischen Kultur darstellen. Voraussetzungen für höfisches Zusammenleben stellt auch die &#039;&#039;zuht&#039;&#039; dar. Sie beinhaltet allgemeines höfisches Benehmen, aber auch die Zügelung der Triebe.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zuht&#039;&#039; kann auch die gute Erziehung meinen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Charaktereigenschaft des idealen Ritters ist die &#039;&#039;milte&#039;&#039; dh. die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Um die verschiedenen Tugenden des zweiten Wertebereichs zusammen zu halten, tritt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039; als regulierender Faktor auf. [Eifler 1970: vgl. S. 94 - 95] Der dritte und letzte Wertebereich setzt sich weniger aus Tugenden, als vielmehr aus idealen charakterlichen und körperlichen Vorzügen zusammen. Adel, Schönheit, Kraft, Gesundheit und Ruhm (&#039;&#039;êre&#039;&#039;) sind Schlüsselmerkmale. Auch Reichtum spielt eine Rolle, darf jedoch nicht sinnlos zur Schau gestellt werden oder die beiden höheren Wertegebiete schädigen. Antrieb zur Ausübung der Tugenden ist dabei immer die hohe Minne, sie bedingt und verfeinert die höfischen Ideale und führt in letzter Konsequenz zur Erlangung der &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039;. [Eifler 1970: vgl. S. 96]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser Groben Zusammenfassung des Tugensystems, das im Forschungsdiskurs für die historische Standesidentität konstruiert wurde, stellt sich die Frage nach Übereinstimmungen in Wolframs Parzival. In diesem taucht die Vermittlung der Tugenden hauptsächlich an einer Stelle auf. Sie steht im Zusammenhang mit der höfischen Erziehung, die Parzival von Gurnemanz erhält.&amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel thematisiert Gurnemanz Lehre ausführlicher. [[ Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Teil der Erziehung kann davon ausgegangen werden, dass die von Gurnemanz vermittelten, ritterlichen Ideale auch standesübergreifend und damit identitätsbildend zu verstehen sind. Die Reglementierung des höfischen Verhaltens durch Tugenden (und deren Fehlinterpretation) ist besonders auf der Gralsburg von zentraler Bedeutung. Die Tugendhaftigkeit eines Ritters wird in Ehre gemessen. Gurnemanz greift bei seiner Belehrung unterschiedliche Tugenden auf: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; und &#039;&#039;scham&#039;&#039; (170,16 - 20)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; (171,13 - 21)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. &#039;&#039;mitle&#039;&#039;, &#039;&#039;guete&#039;&#039; und &#039;&#039;diemüete&#039;&#039;  (170, 23 - 28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. Mitleid bzw. &#039;&#039;(d)erbärme&#039;&#039; (171,25 - 30)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In wenigen Versen wird hier ein Cluster aus höfischen Tugenden gebildet, der stets anhand von praktischen Beispielen erläutert wird. Im Gegensatz zum klassischen Tugendsystem der Forschung spielt bei Wolfram auch die Scham eine tragende Rolle. Sie erfüllt ähnlich wie die &#039;&#039;mâze&#039;&#039; eine regulierende Funktion. Das ritterliche Leben ohne Schamgefühl wird bildlich mit einem Habicht in der Mauser verglichen, der nichtmehr fähig ist zu fliegen. Besonders im Bezug auf Parzivals Verfehlung beim Kampf gegen Ither zielen die zentralen Tugenden dieses Abschnittes auf den höfischen Umgang mit Standesgenossen ab. Mitleid und Erbarmen im Kampf sind dabei genauso wichtig, wie die allgemeine Güte und Demut. Die Szene ist zudem gleich doppelt identitätsbildend. Parzival lernt nicht nur die Grundlagen des höfischen Benehmens, die jeder Ritter kennen muss, ihm wird von Gurnemanz auch die Identität des [[Der Rote Ritter |roten Ritters]] übertragen: &amp;quot;&#039;&#039;sînen gast des namn er niht erliez/ den rôten ritter er in hiez&#039;&#039;&amp;quot; (170,5 - 6).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kampf und Gewalt als Zentrales Merkmal einer Kriegerkaste =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]], [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival]] und [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits eingangs betrachtet, gehört auch der Kampf zur ritterlichen Standesidentität. Erfolg oder Misslingen in Auseinandersetzungen sind maßgeblich für das Prestige und die soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge der Feudalaristokratie. Damit definiert sich der Kampf als dynamische Prämisse, ein Instrument um soziale und politische Erfolg zu erlangen. [Kellner 2004: vgl. S. 81] Das &amp;quot;Prinzip der Konkurrenz&amp;quot; fungiert als vorrangiges Element der Statuszuschreibung, sowohl für Individuen als auch für einen gesamten dynastischen Verband.&lt;br /&gt;
Kämpfe finden in Wolframs Parzival ausschließlich unter Standesgenossen statt. Konkret handelt es sich dabei um den [[Das Tjostieren im Parzival |Tjost]], das Lanzenstechen in voller Rüstung zu Pferd. Vereinzelt geht der Kampf nach dem Zerbrechen der Lanzen mit dem Schwert weiter oder, falls beide Kontrahenten aus dem Sattel geworfen wurden, zu Fuß. Jene Art zu Kämpfen ist sowohl bei Christen, als auch Heiden gleich. Pferd, Lanze, Schwert und Rüstung grenzen den Ritter hierbei von der, im Parzival nicht zu findenden, nichtadeligen Art zu kämpfen ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Einziger Hinweis auf die unritterliche Kampfesweise ist Parzivals Gebrauch des &#039;&#039;Gabylot&#039;&#039; während des Kampfes mit Ither.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Für den Ritterstand scheint der Kampf und die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gewalt]] jedoch nicht nur Notwendigkeit im kriegerischen Alltag zu sein, sondern wird auch als Teil von Machtkommunikation genutzt.  Wann immer zwei Parteien aufeinandertreffen, stellt der Kampf einen Lösungsprozess von Interessenskonflikten dar. Im Sinne Luhmanns äußert sich die Macht innerhalb der adeligen Gesellschaft  als ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, dessen symbiotisches Symbol der Kampf bzw. die Gewalt ist. [Horster 2005: vgl S. 141]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei einem symbolisch generalisierten Kommunikationsmedium handelt es sich um eine allgemein anerkannte Form der Kommunikation und dient zum Austausch oder der Überbrückung von Differenzen. [Horster 2005: vgl. S. 134] Da der Kampf Ausdruck von Machtkommunikation darstellt, ist es aus der daraus resultierenden Häufigkeit nötig, eine Form der Reglementierung zu finden, damit der Ritterstand nicht Gefahr läuft sich selbst zu vernichten. Aus diesem Grund beinhaltet der ritterliche Kampf eine moralische Komponente, die sich ebenfalls abgrenzend zum „gemeinen“ Soldaten oder Mörder verhält. Diese wird Parzival von Gurnemanz vermittelt und beinhaltet ein Gebot der Schonung des Besiegten nach Beendigung eines bewaffneten Konfliktes (V. 171,25 - 30). Natürlich stellt der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Tod]] auch weiterhin eine reale Gefahr dar, die der Roman an verschiedener Stelle auch aufgreift, allerdings handelt es sich dabei eher um Unfälle oder es wird mit unritterlichem Verhalten begründet. Dieser Verweis auf unritterliches Verhalten, das als erstes in der Gahmuret-Handlung auftritt, belegt die Existenz und Wichtigkeit des genannten Gebots zur Schonung des Unterlegenen. [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gahmuret]] stirbt zwar durch einen Standesgenossen, dieser handelt jedoch durch eine List und bösen Zauber entgegen den höfischen Erwartungen, was zu einer insgesamt negativen Konnotation führt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;gunêrtiu heidensch witze&#039;&#039; || Verfluchte heidnische List&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hât uns verstoln den helt guot.&#039;&#039; || hat uns den edlen Helden gestohlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;ein ritter hete bockes bluot&#039;&#039; || Ein Ritter hatte nämlich das Blut eines Bocks&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;genomen in ein langez glas:&#039;&#039; || in ein langes Glas getan,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz sluoger ûf deb adamas&#039;&#039; || das schlug er auf dem Adamas [Gahmurets Helm] entzwei:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dô wart er weicher danne ein swamp.&#039;&#039; || Da wurde er noch weicher als ein Schwamm. (105,16 - 21)&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge dieser unritterlichen List wird der nachfolgende Todesstoß gegen Parzivals Vater erst ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Regelfall endet der Kampf jedoch wieder in einer Machtkommunikation, bei der die Macht des Siegers zusammen mit den Wahlmöglichkeiten des Unterlegenen steigt. [Luhmann 2003: vgl. S. 8] Konkret am Text zeigt sich mehrfach, dass Parzival seine besiegten Kontrahenten als Boten an den Artushof schickt, um eine Nachricht zu überbringen. Diese haben trotz des Versprechens, welches sie Parzival geben in der Theorie die Wahlmöglichkeit, ob sie dem nachkommen oder nicht. Maßgeblich an der Entscheidung beteiligt sind dabei die ritterliche &#039;&#039;êre&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;, sodass alle ihr Versprechen erfüllen und Parzivals Macht dadurch bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie die Darstellung des Körpers verbindet auch der Kampf verschiedene Elemente der Standesidentität miteinander. Auslöser für Kämpfe sind nicht selten Minneszenarien und der Kampf selbst wird in seinem formalen Ablauf durch das ritterliche Tugendsystem bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Der ritterliche Körper als Ausdruck ständischer Vollkommenheit? =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ritterliche Körper wird im Parzival sehr allgemein beschrieben und weist aus heutiger Sicht kaum Merkmale auf, die zur Identifikation einer Figur dienen könnten. Vielmehr handelt es sich um eine Aufzählung verschiedener Körperteile und der Beschreibung ihrer Vorzüge. [Holland 2005: vgl. S. 59] Als Beispiel kann hier wieder Gahmuret herangezogen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;sîn munt als ein rubîn schein&#039;&#039; || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;von roete als ober brünne:&#039;&#039; || von Röte, als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;der was dicke und niht ze dünne.&#039;&#039; || Volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;sîn lîp was allenthalben clâr.&#039;&#039; || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;lieht reideloht was im sîn hâr,&#039;&#039; || Hell und lockig war sein Haar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;swâ manz vor dem huote sach:&#039;&#039; || wo es unter dem Hut hervorsah (63,16 – 21)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
		&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meist wird explizit die Stärke sowie die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit eines ritterlichen Körpers in den Vordergrund gerückt. Die zugeschriebenen Attribute sind dabei für den gesamten Ritterstand homogen, das heißt sie haben eine wiederkehrende Form und finden sich auch bei Gawan usw. wieder. [Holland 2005: vgl. S. 61] Parzival selbst stellt hierbei einen Sonderfall dar, der die Beschreibung der Norm übertrifft, damit ein engelhaftes Erscheinungsbild erzeugt wird. Ein Schritt der nötig ist, um ihn auf körperlicher Ebene sowohl mit der Artus-, wie auch der Gralswelt zu verbinden. Parzival stellt also als Schnittstelle zweier getrennter Systeme die Superlative seines Standes dar. [Holland 2005: vgl. S. 62] Obwohl Gralswelt und Artushof voneinander getrennt sind bildet der Ritterstand jedoch ein verbindendes Element.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Körper des Mittelalters und allgemein der des höfischen Romans dient zusätzlich als äußeres Zeichen der inneren, moralischen Überlegenheit bzw. Vollkommenheit. Er macht in gewisser Weise die Tugendhaftigkeit nach außen sichtbar. Als Gegensatz zum Typus des schönen, jugendlichen Ritterkörpers, dient der kranke oder versehrte Körper, [Holland 2005: vgl. S. 62] wie sich im Falle des [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Anfortas]] zeigt. Oft geht die Verschiebung zum Gegenpol dieser Dialektik mit einer größeren, charakterlichen Verfehlung einher. Anfortas, zuvor ein Ritter mit den klassischen körperlichen Zuschreibungen, macht sich als Gralskönig durch eine, von Gott nicht autorisierte, Liebe zu [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Orgeluse]] schuldig. Die Strafe folgt in Form einer vergifteten Lanze, die den Gralskönig in den Hoden trifft und so nicht nur seine Zeugungsfähigkeit zerstört, sondern auch seinen ganzen ritterlichen Körper zum Leiden auf unbestimmte Zeit verdammt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körperbeschreibungen weisen des Weiteren eine starke [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] auf. Mit Farbe ist hier der Unterschied zwischen weißer und dunkler Haut gemeint. Dieser dient einerseits dazu den christlichen Ritter des Okzidents von seinem Gegenstück im Orient zu unterscheiden, andererseits zieht er, aus historischer Sicht, eine klare Trennlinie zum „einfachen Volk“. [Holland 2005: vgl S. 63] Farbe dient hier in Form der vornehmen Blässe zumindest auf christlicher Seite als abgrenzendes Standesmerkmal nach unten. Bei den heidnischen Rittern stellt dies zugegebenermaßen ein Problem dar, denn diese werden, was das höfische Verhalten usw. angeht, trotz dunkler Haut als Ritter dargestellt. Die Farbe scheint also eine eher untergeordnete Rolle innerhalb der ritterlichen Standesidentität zu spielen. Zu erklären ist dies unter anderem mit der religiösen Konnotation, die die Farbe Weiß zusätzlich noch beinhaltet. Diese ist, zusammen mit der [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Schönheit]], Zeichen der göttlichen Gnade, Zuwendung und steht für Reinheit und Unschuld. Da Religionszugehörigkeit aber nicht die Mitgliedschaft im Ritterstand ausschließt, manifestiert sich der Unterschied auf Ebene der Hautfarbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bei der Körperbeschreibung, handelt es sich bei den verschiedenen Merkmalen, die die ritterliche Standesidentität bilden um Einzelfaktoren die stark miteinander verknüpft sind und ein größeres Ganzes bilden. Es ist schwer sie losgelöst voneinander zu betrachten. So wie körperliche Schönheit den reinen Charakter einer Figur nach außen trägt, weist die Beschreibung von starken Gliedmaßen auf den kämpferischen Aspekt hin und der etwas befremdlich wirkende Fokus auf die, meist roten, Lippen der Ritter schlägt eine Brücke zur mînne, welche ebenfalls zentraler Aspekt der Standesidentität darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einfluss der &#039;&#039;mînne&#039;&#039; auf die ritterliche Standesidentität =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch: [[Minnedienst (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Historischen Kontext dient die Ehe als Mittel der Eroberungs- oder Instrument der Familien- und Bündnispolitik. [Wiegand 1972] Minne bzw. Zuneigung spielt eine eher untergeordnete Rolle. Die Literatur verfährt mit dem Thema anders. Die Minne wird zum tragenden Motiv bei der Eheschließung. Politische Allianzen sind eher sekundär. Trotzdem taucht die Verbindung auch im Parzival auf. Gahmuret wird durch seine Ehe mit Belacane zum &#039;&#039;künec von Zazamanc&#039;&#039; (V. 65,19) und Gleiches geschieht bei Parzivals Vermählung mit Condwiramurs, die ihn zum König von Pelrapeire macht (202,26 und 268,4). [Wiegand 1972: vgl. S. 14 - 15] Die übergeordnete Rolle der Minne wird auch an ihrer Personifikation deutlich, die in Wolframs Minneexkursen auftaucht und verschiedene Facetten aufweist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Damit spielt die [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Minne]] bzw. der Frauendienst auch eine Hauptrolle bei der Generierung einer ritterlichen Standesidentität. Es gibt in Wolframs Parzival keinen einzigen Ritter, der nicht auf die ein oder andere Weise mit der Minne in Berührung kommt. Dabei ist wiederum nicht ausschlaggebend ob er dem Christen- oder Heidentum angehört. Es ist zu beobachten, dass es sich bei der Minne, wie zuvor schon bei den anderen Kriterien, um ein verbindendes Element handelt. Es gibt Figuren im Roman, deren einzige Motivation der Frauendienst ist. Für diese Minneritter, zu denen auch Ither von Gaheviez und Feirefiz gezählt werden können ist der Kampf, ebenso wie die höfischen Tugenden, Mittel und Voraussetzung ihr Ziel zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Fazit =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, wird die ritterliche Standesidentität durch eine beachtliche Anzahl verschiedener Faktoren gebildet. Keines der Merkmale steht dabei für sich alleine, sondern ist in irgendeiner Form auch mit den anderen Kriterien verwoben. Sie können jedoch in primäre und sekundäre Merkmale unterteilt werden. Zu den Primären, dh. den Wichtigsten gehören Kampf, Minne sowie Kenntnisse der höfischen Tugenden, während Religionszugehörigkeit und Teile der Körperbeschreibung eher sekundär sind. Die weit weniger wichtigen Identitätsmerkmale Hautfarbe und Religion dienen eher dazu, Kategorien innerhalb des Standes zu bilden. Das Rittertum vereint demnach christliche, die wiederum in den Grals- und Artushof unterteilt sind, und heidnische Ritter in sich. Als gemeinsame Grundlage dient die adelige Abstammung: Standes und Herrschaftsansprüche werden in Wolframs Parzival konstant durch genealogische Verweise legitimiert. [Schmid 1986: vgl. S. 171] Der ritterliche Körper als zentrales Werkzeug ist so konzipiert, dass sich von ihm auf die übrigen Standesmerkmale schließen lässt. Vermittelt wird die Standesidentität dabei durch die höfische Erziehung, welche den allgemeinen Rahmen bildet. Aus der Figur Parzival lässt sich schließen, dass Versäumnisse in der Erziehung auch nachgeholt werden können.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweis =&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Parzival]Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok. 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Eifler 1970]Eifler, Günter (Hg.): Ritterliches Tugendsystem. Darmstadt 1970.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Holland 2005]Holland, Brent J.: From &#039;&#039;antlütze&#039;&#039; to &#039;&#039;Angesicht&#039;&#039;. Identity and Difference in Wolfram&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; and Grimmelshausen&#039;s &#039;&#039;Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch&#039;&#039;. Frankfurt am Main 2005.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Horster 2005]Horster, Detlef: Niklas Luhmann. 2. Aufl., München 2005. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2004] Kellner, Beamte: Zur Kodierung von Gewalt in der mittelalterlichen Literatur am Beispiel von Konrads von Würzburg Heinrich von Kempten, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004, S. 75-103.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Luhmann 2003]Luhmann, Niklas: Macht. 3. Aufl., Stuttgart 2003.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schmid 1986]Schmid, Elisabeth: Familiengeschichte und Heilsmythologie. Die Verwandtschaftsstrukturen in den französischen und deutschen Gralromanen des 12. und 13. Jahrhunderts. Tübingen 1986.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972]Wiegant, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin/New York 1972.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Narrenkleid_und_R%C3%BCstung:_Standesidentit%C3%A4t_im_Parzival&amp;diff=23928</id>
		<title>Narrenkleid und Rüstung: Standesidentität im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Narrenkleid_und_R%C3%BCstung:_Standesidentit%C3%A4t_im_Parzival&amp;diff=23928"/>
		<updated>2015-07-15T11:09:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird deshalb noch häufig überarbeitet werden.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ritterstand im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt; ist schwer zu fassen und eine übergreifende Standesidentität nicht leicht zu finden. Was macht einen Ritter zum Ritter? Besonders am Beispiel [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] selbst steht die Erziehung als zentrales Kriterium im Raum, denn gerade durch sein gezielt [[Erziehung fernab jeder Zivilisation| antihöfisches Aufwachsen im Wald]] soll Gahmurets Sohn von einem ritterlichen Leben ferngehalten werden. Dies gelingt jedoch nicht, da die höfische Erziehung, wie sich an der Entwicklung Parzivals zeigt, nachgeholt werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem gegenüber stehen diverse Textpassagen in denen der ritterliche Prunk und die profane Zurschaustellung von Luxus als äußeres Merkmal von Ritterlichkeit und Adel festgehalten werden. Parzival vertritt, dazu passend, anfangs die Meinung, dass eine Rüstung genüge, um ihn zum Ritter zu machen. Dies führt zur gewaltsamen Auseinandersetzung mit seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither]], die mit dessen Tod endet. Demnach spielt der Kampf ebenfalls eine Hauptrolle bei der Bildung einer Standesidentität. Hierbei ist hervorzuheben, dass es sich bei Parzival zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht um einen Ritter handelt. Der ritterliche Kampf umfasst einerseits feste Normen und andererseits die Nutzung bestimmter Waffen, nämlich Lanze und Schwert. Indem Parzival Ither also mit einem Wurfspieß tötet, gibt er sich gleich doppelt als „Nichtritter“ zu erkennen. Das unterschwellige Gebot zur Schonung von Besiegten setzt klar eine moralische Komponente in der Standesidentität voraus.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Problematisch wird es jedoch, als Parzival die Rüstung des Toten an sich nimmt und dadurch trotzdem zum [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|Ritter]] wird. Der Knappe Iwânet bringt ihm zwar vor seinem Aufbruch vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] die Grundbegriffe des ritterlichen Kampfes bei, Parzival durchläuft aber weder eine Knappenphase noch wird er durch die Schwertleite förmlich zum Ritter gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Religionszugehörigkeit und Erziehung als Kriterium einer übergeordneten Standesidentität? =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion scheint in Wolframs Parzival kein Teil der ritterlichen Standesidentität zu sein. Als Parzival und dessen Bruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Feirefiz]] aufeinandertreffen, finden sich bei dem Heiden dieselben Zuschreibungen von Ehre, Mut und Stärke wie bei christlichen Rittern. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzival und Feirefiz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Selbst die Art zu kämpfen ist über die Religionsgrenze hinweg gleich. Zudem wird Feirefiz im Text explizit als Ritter bezeichnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;[…] daz nie von &#039;&#039;&#039;rîters&#039;&#039;&#039; hand geschach&#039;&#039; || dass mich aber niemals eines Ritters Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mir groezer nôt, für wâr ichz weiz,&#039;&#039; || so arg in Bedrängnis brachte wie Eure,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dan von iu,‘ sprach der von Kanvoleiz.&#039;&#039; || das weiß ich ganz gewiss. So sprach der aus Kanvoleiz (749,12 – 14)&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies trifft auch auf andere heidnische Vertreter zu, wie beispielsweise auf den König von Alexandria, der für Gahmurets Tod verantwortlich ist und vom Erzähler ebenfalls als Ritter betitelt wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine Erklärung warum Orient und Okzident ein, auf gleichen Werten basierendes, &amp;quot;Rittertum&amp;quot; wiederspiegeln, bietet der Artikel &#039;&#039;[[Die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival]]&#039;&#039;. Er definiert dabei das höfisch-ritterliche Wertesystem als ein Integrationsmodell, als überreligiöses bindendes Konzept zur Annäherung von Orient und Okzident.&amp;lt;/ref&amp;gt; Religion scheint nur dann ein Problem darzustellen, wenn es sich um die Gralsgesellschaft handelt. Als Heide ist es Feirefiz dort bis zu seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival |Taufe]] nicht möglich den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gral]] zu sehen.&lt;br /&gt;
Was die eingangs erwähnte Erziehung anbelangt, so hat diese im Gegensatz zur Religionszugehörigkeit zwar eine durchaus wichtige Funktion, kann aber auch nachgeholt werden. Gerade bei Parzival fällt dies auf, der von seiner Mutter in ein Narrenkleid gesteckt und mit schlechter Etikette, als das Negativabbild eines Ritters, in die Welt entlassen wird. Während diese Grundkonstellation anfangs zu einigen schweren Verfehlungen führt, erlernt Parzival Schritt für Schritt die Tugenden und Verhaltensweisen, die am Ende seiner &#039;&#039;âventiuren&#039;&#039; Voraussetzung für einen Ritter und Gralskönig sind.&lt;br /&gt;
Egal ob es sich um die Unterweisung im ritterlichen Kampf durch den Knappen Iwanet handelt oder das Erlernen des höfischen Benehmens von Gurnemanz, die Erziehung verknüpft alle wesentlichen Eckpfeiler des Ritterstandes miteinander. Sie stellt also weniger ein Standesmerkmal im engeren Sinne dar, sondern dient zur Vermittlung der allgemeinen Standesidentität. Wann sich die Erziehung abspielt, scheint zunächst unwichtig.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei Parzival ist sie sogar als fortlaufender Prozess parallel zu seiner Gralssuche konzipiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im optimalen Fall jedoch findet sie in jungen Jahren statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders verhält es sich mit der Abstammung. Die engen verwandtschaftlichen Beziehungen &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; der Figuren untereinander schaffen einen großen Sippenkomplex, der maßgeblich zur [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Identitäsbildung]] beiträgt. Gerade der umfangreiche genealogische Verweis auf Parzivals Abstammungslinie, bis zu seinem Großvater väterlicherseits und darüber hinaus, macht deutlich, wie essentiell der adelige Familienhintergrund als Grundvoraussetzung für einen ritterlichen Werdegang ist. [Schmid 1986: vgl. S. 171] Dies ist aus historischer Perspektive nicht verwunderlich und Wolframs Parzival bildet hierbei keine Ausnahme. &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zur Religionszugehörigkeit [[ Parzivals Glaubensverlauf]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verbindende Charaktereigenschaften und höfische Tugenden =&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch:[[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ritterliche Tugendsystem wurde in der Forschung von Gustav Ehrismann geprägt, der sich als Erster damit auseinandersetzte. [Eifler 1970: vgl. S. VII] Der Gegenstandsbereich wurde seit 1919 mehrfach aufgegriffen und angepasst. Es handelt sich um eine Rekonstruktion der Forschung, die sich auf verschiedene literarische Texte beruft, ganzheitlich aber nie festgehalten wurde. Grob zusammengefasst handelt es sich beim ritterlichen Tugendkatalog um eine Morallehre, die eine enge Verbindung zu den Kardinaltugenden der Antike aufweist, jedoch keine bloße Kopie ist. [Eifler 1970: vgl. S. 296 - 297] Die sittlichen Erscheinungsformen der ritterlichen Lebenslehre sind dabei stark christlich gefärbt. Betrachtet man die Tatsache, dass Christen und Heiden im Parzival gleichermaßen die Tugenden leben, stellt sich die Frage, wie eine religiöse Einflussnahme zu erklären ist. Die Antwort liegt im Rückbezug auf die Antike. Im Willehalm beispielsweise werden die Heiden in eine Ahnenlinie eingesponnen, die direkt in die römische Antike reicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Die Stammlinie der Heiden wird hier mit Pompeius verbunden, dem Rivalen Caesars, der in der Ahnenreihe der Christen zu verorten ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tauchen solche Verbindungen ebenfalls auf,&amp;lt;ref&amp;gt;Auch Cundrîe und ihr Bruder Malreatiure, Figuren aus dem Orient, enthalten einen folgenschwere Verbindung in ihrer Ahnenreihe. Die beiden Geschwister sind Angehörige eines Stammes, der seine signifikanten Missbildungen durch eine Verfehlung zu Zeiten Adams erhalten hat (V. 518,1-24). Da Cundrîes Genealogie in einen biblischen Ursprung eingebettet ist, wird offenkundig, dass Wolfram ihre Fremdartigkeit mit christlichen Vorstellungen verbindet. So Inkludiert er sie und ihre Sippe durch eine Einbettung in den göttlichen Schöpfungsplan und den christlichen Horizont.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Pantheon der heidnischen Götter befindet sich unter anderem auch Jupiter. Durch den gemeinsamen Rückbezug ist auch der Zugriff auf die gleichen Urtugenden möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Konstrukt des Tugendsystems wird von Hans Naumann in drei übergeordnete Wertgebiete unterteilt. Das Erste bezeichnet er als &#039;&#039;gotes hulde&#039;&#039; und ordnet dieser als Tugend die &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; unter. [Eifler 1970: vgl. S. 94] Die Treue zu Gott wird dabei ins feudale Lehnssystem eingeordnet und die Verbindung zwischen Ritter und Gott als transzendentes Verhältnis von Herrscher zu Vasall gedacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Lehre von Trevrizent.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zweite Wertgebiet wird als &#039;&#039;honestum&#039;&#039; bezeichnet. Darunter ist die &#039;&#039;staete&#039;&#039; einzuordnen, die eine sittliche Festigkeit der Person ausdrückt. Auch der &#039;&#039;hohe muot&#039;&#039; spielt eine zentrale Rolle im höfischen Kontext, besonders in Verbindung mit der &#039;&#039;fröude&#039;&#039;. Traurigkeit wäre laut Naumann der Untergang des höfischen Lebens, weshalb Freude und hoher Mut erhöhende Güter der höfischen Kultur darstellen. Voraussetzungen für höfisches Zusammenleben stellt auch die &#039;&#039;zuht&#039;&#039; dar. Sie beinhaltet allgemeines höfisches Benehmen, aber auch die Zügelung der Triebe.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zuht&#039;&#039; kann auch die gute Erziehung meinen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Charaktereigenschaft des idealen Ritters ist die &#039;&#039;milte&#039;&#039; dh. die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Um die verschiedenen Tugenden des zweiten Wertebereichs zusammen zu halten, tritt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039; als regulierender Faktor auf. [Eifler 1970: vgl. S. 94 - 95] Der dritte und letzte Wertebereich setzt sich weniger aus Tugenden, als vielmehr aus idealen charakterlichen und körperlichen Vorzügen zusammen. Adel, Schönheit, Kraft, Gesundheit und Ruhm (&#039;&#039;êre&#039;&#039;) sind Schlüsselmerkmale. Auch Reichtum spielt eine Rolle, darf jedoch nicht sinnlos zur Schau gestellt werden oder die beiden höheren Wertegebiete schädigen. Antrieb zur Ausübung der Tugenden ist dabei immer die hohe Minne, sie bedingt und verfeinert die höfischen Ideale und führt in letzter Konsequenz zur Erlangung der &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039;. [Eifler 1970: vgl. S. 96]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser Groben Zusammenfassung des Tugensystems, das im Forschungsdiskurs für die historische Standesidentität konstruiert wurde, stellt sich die Frage nach Übereinstimmungen in Wolframs Parzival. In diesem taucht die Vermittlung der Tugenden hauptsächlich an einer Stelle auf. Sie steht im Zusammenhang mit der höfischen Erziehung, die Parzival von Gurnemanz erhält.&amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel thematisiert Gurnemanz Lehre ausführlicher. [[ Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Teil der Erziehung kann davon ausgegangen werden, dass die von Gurnemanz vermittelten, ritterlichen Ideale auch standesübergreifend und damit identitätsbildend zu verstehen sind. Die Reglementierung des höfischen Verhaltens durch Tugenden (und deren Fehlinterpretation) ist besonders auf der Gralsburg von zentraler Bedeutung. Die Tugendhaftigkeit eines Ritters wird in Ehre gemessen. Gurnemanz greift bei seiner Belehrung unterschiedliche Tugenden auf: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; und &#039;&#039;scham&#039;&#039; (170,16 - 20)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; (171,13 - 21)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. &#039;&#039;mitle&#039;&#039;, &#039;&#039;guete&#039;&#039; und &#039;&#039;diemüete&#039;&#039;  (170, 23 - 28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. Mitleid bzw. &#039;&#039;(d)erbärme&#039;&#039; (171,25 - 30)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In wenigen Versen wird hier ein Cluster aus höfischen Tugenden gebildet, der stets anhand von praktischen Beispielen erläutert wird. Im Gegensatz zum klassischen Tugendsystem der Forschung spielt bei Wolfram auch die Scham eine tragende Rolle. Sie erfüllt ähnlich wie die &#039;&#039;mâze&#039;&#039; eine regulierende Funktion. Das ritterliche Leben ohne Schamgefühl wird bildlich mit einem Habicht in der Mauser verglichen, der nichtmehr fähig ist zu fliegen. Besonders im Bezug auf Parzivals Verfehlung beim Kampf gegen Ither zielen die zentralen Tugenden dieses Abschnittes auf den höfischen Umgang mit Standesgenossen ab. Mitleid und Erbarmen im Kampf sind dabei genauso wichtig, wie die allgemeine Güte und Demut. Die Szene ist zudem gleich doppelt identitätsbildend. Parzival lernt nicht nur die Grundlagen des höfischen Benehmens, die jeder Ritter kennen muss, ihm wird von Gurnemanz auch die Identität des [[Der Rote Ritter |roten Ritters]] übertragen: &amp;quot;&#039;&#039;sînen gast des namn er niht erliez/ den rôten ritter er in hiez&#039;&#039;&amp;quot; (170,5 - 6).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kampf und Gewalt als Zentrales Merkmal einer Kriegerkaste =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]], [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival]] und [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits eingangs betrachtet, gehört auch der Kampf zur ritterlichen Standesidentität. Erfolg oder Misslingen in Auseinandersetzungen sind maßgeblich für das Prestige und die soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge der Feudalaristokratie. Damit definiert sich der Kampf als dynamische Prämisse, ein Instrument um soziale und politische Erfolg zu erlangen. [Kellner 2004: vgl. S. 81] Das &amp;quot;Prinzip der Konkurrenz&amp;quot; fungiert als vorrangiges Element der Statuszuschreibung, sowohl für Individuen als auch für einen gesamten dynastischen Verband.&lt;br /&gt;
Kämpfe finden in Wolframs Parzival ausschließlich unter Standesgenossen statt. Konkret handelt es sich dabei um den [[Das Tjostieren im Parzival |Tjost]], das Lanzenstechen in voller Rüstung zu Pferd. Vereinzelt geht der Kampf nach dem Zerbrechen der Lanzen mit dem Schwert weiter oder, falls beide Kontrahenten aus dem Sattel geworfen wurden, zu Fuß. Jene Art zu Kämpfen ist sowohl bei Christen, als auch Heiden gleich. Pferd, Lanze, Schwert und Rüstung grenzen den Ritter hierbei von der, im Parzival nicht zu findenden, nichtadeligen Art zu kämpfen ab.&amp;lt;ref&amp;gt;Einziger Hinweis auf die unritterliche Kampfesweise ist Parzivals Gebrauch des &#039;&#039;Gabylot&#039;&#039; während des Kampfes mit Ither.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Für den Ritterstand scheint der Kampf und die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gewalt]] jedoch nicht nur Notwendigkeit im kriegerischen Alltag zu sein, sondern wird auch als Teil von Machtkommunikation genutzt.  Wann immer zwei Parteien aufeinandertreffen, stellt der Kampf einen Lösungsprozess von Interessenskonflikten dar. Im Sinne Luhmanns äußert sich die Macht innerhalb der adeligen Gesellschaft  als ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, dessen symbiotisches Symbol der Kampf bzw. die Gewalt ist. [Horster 2005: vgl S. 141]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei einem symbolisch generalisierten Kommunikationsmedium handelt es sich um eine allgemein anerkannte Form der Kommunikation und dient zum Austausch oder der Überbrückung von Differenzen. [Horster 2005: vgl. S. 134] Da der Kampf Ausdruck von Machtkommunikation darstellt, ist es aus der daraus resultierenden Häufigkeit nötig, eine Form der Reglementierung zu finden, damit der Ritterstand nicht Gefahr läuft sich selbst zu vernichten. Aus diesem Grund beinhaltet der ritterliche Kampf eine moralische Komponente, die sich ebenfalls abgrenzend zum „gemeinen“ Soldaten oder Mörder verhält. Diese wird Parzival von Gurnemanz vermittelt und beinhaltet ein Gebot der Schonung des Besiegten nach Beendigung eines bewaffneten Konfliktes (V. 171,25 - 30). Natürlich stellt der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Tod]] auch weiterhin eine reale Gefahr dar, die der Roman an verschiedener Stelle auch aufgreift, allerdings handelt es sich dabei eher um Unfälle oder es wird mit unritterlichem Verhalten begründet. Dieser Verweis auf unritterliches Verhalten, das als erstes in der Gahmuret-Handlung auftritt, belegt die Existenz und Wichtigkeit des genannten Gebots zur Schonung des Unterlegenen. [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gahmuret]] stirbt zwar durch einen Standesgenossen, dieser handelt jedoch durch eine List und bösen Zauber entgegen den höfischen Erwartungen, was zu einer insgesamt negativen Konnotation führt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;gunêrtiu heidensch witze&#039;&#039; || Verfluchte heidnische List&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hât uns verstoln den helt guot.&#039;&#039; || hat uns den edlen Helden gestohlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;ein ritter hete bockes bluot&#039;&#039; || Ein Ritter hatte nämlich das Blut eines Bocks&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;genomen in ein langez glas:&#039;&#039; || in ein langes Glas getan,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz sluoger ûf deb adamas&#039;&#039; || das schlug er auf dem Adamas [Gahmurets Helm] entzwei:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dô wart er weicher danne ein swamp.&#039;&#039; || Da wurde er noch weicher als ein Schwamm. (105,16 - 21)&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge dieser unritterlichen List wird der nachfolgende Todesstoß gegen Parzivals Vater erst ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Regelfall endet der Kampf jedoch wieder in einer Machtkommunikation, bei der die Macht des Siegers zusammen mit den Wahlmöglichkeiten des Unterlegenen steigt. [Luhmann 2003: vgl. S. 8] Konkret am Text zeigt sich mehrfach, dass Parzival seine besiegten Kontrahenten als Boten an den Artushof schickt, um eine Nachricht zu überbringen. Diese haben trotz des Versprechens, welches sie Parzival geben in der Theorie die Wahlmöglichkeit, ob sie dem nachkommen oder nicht. Maßgeblich an der Entscheidung beteiligt sind dabei die ritterliche &#039;&#039;êre&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;, sodass alle ihr Versprechen erfüllen und Parzivals Macht dadurch bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie die Darstellung des Körpers verbindet auch der Kampf verschiedene Elemente der Standesidentität miteinander. Auslöser für Kämpfe sind nicht selten Minneszenarien und der Kampf selbst wird in seinem formalen Ablauf durch das ritterliche Tugendsystem bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Der ritterliche Körper als Ausdruck ständischer Vollkommenheit? =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ritterliche Körper wird im Parzival sehr allgemein beschrieben und weist aus heutiger Sicht kaum Merkmale auf, die zur Identifikation einer Figur dienen könnten. Vielmehr handelt es sich um eine Aufzählung verschiedener Körperteile und der Beschreibung ihrer Vorzüge. [Holland 2005: vgl. S. 59] Als Beispiel kann hier wieder Gahmuret herangezogen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;sîn munt als ein rubîn schein&#039;&#039; || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;von roete als ober brünne:&#039;&#039; || von Röte, als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;der was dicke und niht ze dünne.&#039;&#039; || Volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;sîn lîp was allenthalben clâr.&#039;&#039; || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;lieht reideloht was im sîn hâr,&#039;&#039; || Hell und lockig war sein Haar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;swâ manz vor dem huote sach:&#039;&#039; || wo es unter dem Hut hervorsah (63,16 – 21)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
		&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meist wird explizit die Stärke sowie die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit eines ritterlichen Körpers in den Vordergrund gerückt. Die zugeschriebenen Attribute sind dabei für den gesamten Ritterstand homogen, das heißt sie haben eine wiederkehrende Form und finden sich auch bei Gawan usw. wieder. [Holland 2005: vgl. S. 61] Parzival selbst stellt hierbei einen Sonderfall dar, der die Beschreibung der Norm übertrifft, damit ein engelhaftes Erscheinungsbild erzeugt wird. Ein Schritt der nötig ist, um ihn auf körperlicher Ebene sowohl mit der Artus-, wie auch der Gralswelt zu verbinden. Parzival stellt also als Schnittstelle zweier getrennter Systeme die Superlative seines Standes dar. [Holland 2005: vgl. S. 62] Obwohl Gralswelt und Artushof voneinander getrennt sind bildet der Ritterstand jedoch ein verbindendes Element.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Körper des Mittelalters und allgemein der des höfischen Romans dient zusätzlich als äußeres Zeichen der inneren, moralischen Überlegenheit bzw. Vollkommenheit. Er macht in gewisser Weise die Tugendhaftigkeit nach außen sichtbar. Als Gegensatz zum Typus des schönen, jugendlichen Ritterkörpers, dient der kranke oder versehrte Körper, [Holland 2005: vgl. S. 62] wie sich im Falle des [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Anfortas]] zeigt. Oft geht die Verschiebung zum Gegenpol dieser Dialektik mit einer größeren, charakterlichen Verfehlung einher. Anfortas, zuvor ein Ritter mit den klassischen körperlichen Zuschreibungen, macht sich als Gralskönig durch eine, von Gott nicht autorisierte, Liebe zu [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Orgeluse]] schuldig. Die Strafe folgt in Form einer vergifteten Lanze, die den Gralskönig in den Hoden trifft und so nicht nur seine Zeugungsfähigkeit zerstört, sondern auch seinen ganzen ritterlichen Körper zum Leiden auf unbestimmte Zeit verdammt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körperbeschreibungen weisen des Weiteren eine starke [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] auf. Mit Farbe ist hier der Unterschied zwischen weißer und dunkler Haut gemeint. Dieser dient einerseits dazu den christlichen Ritter des Okzidents von seinem Gegenstück im Orient zu unterscheiden, andererseits zieht er, aus historischer Sicht, eine klare Trennlinie zum „einfachen Volk“. [Holland 2005: vgl S. 63] Farbe dient hier in Form der vornehmen Blässe zumindest auf christlicher Seite als abgrenzendes Standesmerkmal nach unten. Bei den heidnischen Rittern stellt dies zugegebenermaßen ein Problem dar, denn diese werden, was das höfische Verhalten usw. angeht, trotz dunkler Haut als Ritter dargestellt. Die Farbe scheint also eine eher untergeordnete Rolle innerhalb der ritterlichen Standesidentität zu spielen. Zu erklären ist dies unter anderem mit der religiösen Konnotation, die die Farbe Weiß zusätzlich noch beinhaltet. Diese ist, zusammen mit der [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Schönheit]], Zeichen der göttlichen Gnade, Zuwendung und steht für Reinheit und Unschuld. Da Religionszugehörigkeit aber nicht die Mitgliedschaft im Ritterstand ausschließt, manifestiert sich der Unterschied auf Ebene der Hautfarbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bei der Körperbeschreibung, handelt es sich bei den verschiedenen Merkmalen, die die ritterliche Standesidentität bilden um Einzelfaktoren die stark miteinander verknüpft sind und ein größeres Ganzes bilden. Es ist schwer sie losgelöst voneinander zu betrachten. So wie körperliche Schönheit den reinen Charakter einer Figur nach außen trägt, weist die Beschreibung von starken Gliedmaßen auf den kämpferischen Aspekt hin und der etwas befremdlich wirkende Fokus auf die, meist roten, Lippen der Ritter schlägt eine Brücke zur mînne, welche ebenfalls zentraler Aspekt der Standesidentität darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einfluss der &#039;&#039;mînne&#039;&#039; auf die ritterliche Standesidentität =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch: [[Minnedienst (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Historischen Kontext dient die Ehe als Mittel der Eroberungs- oder Instrument der Familien- und Bündnispolitik. [Wiegand 1972] Minne bzw. Zuneigung spielt eine eher untergeordnete Rolle. Die Literatur verfährt mit dem Thema anders. Die Minne wird zum tragenden Motiv bei der Eheschließung. Politische Allianzen sind eher sekundär. Trotzdem taucht die Verbindung auch im Parzival auf. Gahmuret wird durch seine Ehe mit Belacane zum &#039;&#039;künec von Zazamanc&#039;&#039; (V. 65,19) und Gleiches geschieht bei Parzivals Vermählung mit Condwiramurs, die ihn zum König von Pelrapeire macht (202,26 und 268,4). [Wiegand 1972: vgl. S. 14 - 15] Die übergeordnete Rolle der Minne wird auch an ihrer Personifikation deutlich, die in Wolframs Minneexkursen auftaucht und verschiedene Facetten aufweist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Damit spielt die [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Minne]] bzw. der Frauendienst auch eine Hauptrolle bei der Generierung einer ritterlichen Standesidentität. Es gibt in Wolframs Parzival keinen einzigen Ritter, der nicht auf die ein oder andere Weise mit der Minne in Berührung kommt. Dabei ist wiederum nicht ausschlaggebend ob er dem Christen- oder Heidentum angehört. Es ist zu beobachten, dass es sich bei der Minne, wie zuvor schon bei den anderen Kriterien, um ein verbindendes Element handelt. Es gibt Figuren im Roman, deren einzige Motivation der Frauendienst ist. Für diese Minneritter, zu denen auch Ither von Gaheviez und Feirefiz gezählt werden können ist der Kampf, ebenso wie die höfischen Tugenden, Mittel und Voraussetzung ihr Ziel zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Fazit =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, wird die ritterliche Standesidentität durch eine beachtliche Anzahl verschiedener Faktoren gebildet. Keines der Merkmale steht dabei für sich alleine, sondern ist in irgendeiner Form auch mit den anderen Kriterien verwoben. Sie können jedoch in primäre und sekundäre Merkmale unterteilt werden. Zu den Primären, dh. den Wichtigsten gehören Kampf, Minne sowie Kenntnisse der höfischen Tugenden, während Religionszugehörigkeit und Teile der Körperbeschreibung eher sekundär sind. Die weit weniger wichtigen Identitätsmerkmale Hautfarbe und Religion dienen eher dazu, Kategorien innerhalb des Standes zu bilden. Das Rittertum vereint demnach christliche, die wiederum in den Grals- und Artushof unterteilt sind, und heidnische Ritter in sich. Als gemeinsame Grundlage dient die adelige Abstammung: Standes und Herrschaftsansprüche werden in Wolframs Parzival konstant durch genealogische Verweise legitimiert. [Schmid 1986: vgl. S. 171] Der ritterliche Körper als zentrales Werkzeug ist so konzipiert, dass sich von ihm auf die übrigen Standesmerkmale schließen lässt. Vermittelt wird die Standesidentität dabei durch die höfische Erziehung, welche den allgemeinen Rahmen bildet. Aus der Figur Parzival lässt sich schließen, dass Versäumnisse in der Erziehung auch nachgeholt werden können.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweis =&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Parzival]Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok. 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Eifler 1970]Eifler, Günter (Hg.): Ritterliches Tugendsystem. Darmstadt 1970.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Holland 2005]Holland, Brent J.: From &#039;&#039;antlütze&#039;&#039; to &#039;&#039;Angesicht&#039;&#039;. Identity and Difference in Wolfram&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; and Grimmelshausen&#039;s &#039;&#039;Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch&#039;&#039;. Frankfurt am Main 2005.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Horster 2005]Horster, Detlef: Niklas Luhmann. 2. Aufl., München 2005. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2004] Kellner, Beamte: Zur Kodierung von Gewalt in der mittelalterlichen Literatur am Beispiel von Konrads von Würzburg Heinrich von Kempten, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004, S. 75-103.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Luhmann 2003]Luhmann, Niklas: Macht. 3. Aufl., Stuttgart 2003.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schmid 1986]Schmid, Elisabeth: Familiengeschichte und Heilsmythologie. Die Verwandtschaftsstrukturen in den französischen und deutschen Gralromanen des 12. und 13. Jahrhunderts. Tübingen 1986.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972]Wiegant, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin/New York 1972.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23920</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23920"/>
		<updated>2015-07-15T11:04:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Gotteslehre in Soltane */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem [[ Erziehung fernab jeder Zivilisation | isolierten Leben in Soltane]].&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die [[ Der Erzähler im Parzival | Erzählinstanz]] keineswegs als Herr über die Geschichte oder [[ Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Figurenwelt]] ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299] &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Unterpunkt &amp;quot; Ursprung des Bösen&amp;quot;. [[Die Konzeption des Bösen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Das Gottesbild Parzivals]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel zur Thematik Religion im Parzival ist folgender: [[Ein Vergleich: Parzival und Hiob]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Sehr interessant ist der biblische Vergleich von Kain und Abel mit den Halbbrüdern Parzival und Feirefizl. [[Kain und Abel vs. Parzival und Feireviz - ein intertextueller Vergleich]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23909</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23909"/>
		<updated>2015-07-15T11:01:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Gotteslehre in Soltane */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem [[ Erziehung fernab jeder Zivilisation | isolierten Leben in Soltane]].&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die [[ Der Erzähler im Parzival | Erzählinstanz]] keineswegs als Herr über die Geschichte oder Figurenwelt ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299] &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Unterpunkt &amp;quot; Ursprung des Bösen&amp;quot;. [[Die Konzeption des Bösen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Das Gottesbild Parzivals]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel zur Thematik Religion im Parzival ist folgender: [[Ein Vergleich: Parzival und Hiob]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Sehr interessant ist der biblische Vergleich von Kain und Abel mit den Halbbrüdern Parzival und Feirefizl. [[Kain und Abel vs. Parzival und Feireviz - ein intertextueller Vergleich]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23905</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23905"/>
		<updated>2015-07-15T11:00:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Gotteslehre in Soltane */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem [[ Erziehung fernab jeder Zivilisation | isolierten Leben in Soltane]].&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die Erzählinstanz keineswegs als Herr über die Geschichte oder Figurenwelt ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299] &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Unterpunkt &amp;quot; Ursprung des Bösen&amp;quot;. [[Die Konzeption des Bösen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Das Gottesbild Parzivals]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel zur Thematik Religion im Parzival ist folgender: [[Ein Vergleich: Parzival und Hiob]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Sehr interessant ist der biblische Vergleich von Kain und Abel mit den Halbbrüdern Parzival und Feirefizl. [[Kain und Abel vs. Parzival und Feireviz - ein intertextueller Vergleich]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23896</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23896"/>
		<updated>2015-07-15T10:53:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Rückkehr zum christlichen Glauben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem isolierten Leben in Soltane.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die Erzählinstanz keineswegs als Herr über die Geschichte oder Figurenwelt ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299] &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Unterpunkt &amp;quot; Ursprung des Bösen&amp;quot;. [[Die Konzeption des Bösen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Das Gottesbild Parzivals]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel zur Thematik Religion im Parzival ist folgender: [[Ein Vergleich: Parzival und Hiob]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Sehr interessant ist der biblische Vergleich von Kain und Abel mit den Halbbrüdern Parzival und Feirefizl. [[Kain und Abel vs. Parzival und Feireviz - ein intertextueller Vergleich]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23891</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23891"/>
		<updated>2015-07-15T10:51:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Rückkehr zum christlichen Glauben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem isolierten Leben in Soltane.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die Erzählinstanz keineswegs als Herr über die Geschichte oder Figurenwelt ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299] &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Unterpunkt &amp;quot; Ursprung des Bösen&amp;quot;. [[Die Konzeption des Bösen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Das Gottesbild Parzivals]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel zur Thematik Religion im Parzival ist folgender: [[Ein Vergleich: Parzival und Hiob]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23888</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23888"/>
		<updated>2015-07-15T10:50:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Rückkehr zum christlichen Glauben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem isolierten Leben in Soltane.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die Erzählinstanz keineswegs als Herr über die Geschichte oder Figurenwelt ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299] &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Unterpunkt &amp;quot; Ursprung des Bösen&amp;quot;. [[Die Konzeption des Bösen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[mediaewiki.org/wiki/Das_Gottesbild_Parzivals_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Das Gottesbild Parzivals]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel zur Thematik Religion im Parzival ist folgender: [[Ein Vergleich: Parzival und Hiob]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23884</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23884"/>
		<updated>2015-07-15T10:49:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem isolierten Leben in Soltane.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die Erzählinstanz keineswegs als Herr über die Geschichte oder Figurenwelt ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299] &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Unterpunkt &amp;quot; Ursprung des Bösen&amp;quot;. [[Die Konzeption des Bösen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23880</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23880"/>
		<updated>2015-07-15T10:45:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Wendepunkt durch Trevrizent */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem isolierten Leben in Soltane.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die Erzählinstanz keineswegs als Herr über die Geschichte oder Figurenwelt ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299] &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Unterpunkt &amp;quot; Ursprung des Bösen&amp;quot;. [[Die Konzeption des Bösen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[mediaewiki.org/wiki/Das_Gottesbild_Parzivals_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Das Gottesbild Parzivals]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23878</id>
		<title>Parzivals Glaubensverlauf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Glaubensverlauf&amp;diff=23878"/>
		<updated>2015-07-15T10:42:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Gründe für die Abwendung von Gott */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel thematisiert [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]] Glaubensverlauf im Geschehen des gesamten Epos. Als Ausgangspunkt dient die Gotteslehre von Parzivals Mutter, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] in Soltane. &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel dient zum besseren Verständnis von Parzivals Glaubensverlauf: [[Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Schwerpunkte des Artikels sind der Auslöser für die Lossagung von Gott, der Wendepunkt durch das Gespräch mit [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]], die Rückkehr zum christlichen Glauben und immer wieder die Analyse, inwiefern sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im &#039;&#039;Parival&#039;&#039; auswirken. &lt;br /&gt;
Im Folgende sollen die Gliederungspunkte und die Frage, inwiefern sich Herzeloydes Gotteslehre auf den Glaubensverlauf des Protagonisten auswirkt skizziert, interpretiert und kritisch hinterfragt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gotteslehre in Soltane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Soltane entsteht zwischen Parzival und seiner Mutter ein Gespräch über Gott. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.:  [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl.[[Erziehung fernab jeder Zivilisation]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 119, 17-24 &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; (vgl. Primärliteratur).&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ôwê muoter, waz ist got? || Ach Mutter, was ist das: Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sun, ich sage dirz âne spot. || Mein Sohn, es ist kein Spaß, was ich dir jetzt sage: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er ist noch liehter denne der tac, || Er ist noch heller als die Sonne,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der antlitzes sich bewac || der sich entschloss, Gestalt anzunehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch menschen antlitze. || nach des Menschen Bild.&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sun, merke eine witze, || Mein Sohn, merke dir die Lehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| und flêhe in umbe dîne not: || Zu ihm sollst du flehen;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| sîn triuwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
        &lt;br /&gt;
[[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] beschreibt Gott auf die Frage ihres Sohnes hin, was dieser sei, als etwas Strahlendes in menschlicher Gestalt, der niemals die Menschen, die ihm treu folgen, im Stich lässt. Sie fährt fort und erzählt von einem Mann, der schwarz ist. Hierbei geht es um den Teufel, der zur Hölle gehört. Die Mutter warnt ihren Sohn vor dieser Gestalt und rät Parzival sich niemals zu ihm hinziehen zu lassen. Herzeloydes Gotteslehre ist eine typische Lehre für das Mittelalter, denn damals war die Lehre von Gut und Böse bzw. von Gott und dem Teufel weit verbreitet. Die metaphorische Beschreibung Herzeloydes in eine Hell-dunkel-Charakterisierung unterlegt das mittelalterliche Glaubensbild [Haas 1964: vgl. 62] Sie vermittelt Parzival mit dieser einfachen Erklärung ein sehr kindliches und naives Bild von Gott, weshalb der junge Parzival den Eindruck erhält, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilfsbereit und treu zur Seite stehen wird. Peter Czerwinski beschreibt in seinem Buch die kontrastierende Darstellung Herzeloydes zwischen der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; (Untreue) des Teufels und der &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (Treue) Gottes als eine charakteristische Darstellung für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] und schreibt auch, dass die im weiteren Handlungsverlauf zu Missverständnissen führt. [Czerwinski 1989: vgl. 162] Dies zeigt sich bereits wenig später, wenn  Herzeloydes Sohn im Wald ist. Dort verknüpft er das aufkommende Hufgetrampel mit dem womöglich anreitenden Teufel. Als er jedoch drei Ritter erkennt, ist Parzival der Überzeugung, jeder von ihnen ist Gott. Aufgrund jener Annahme und der Tatsache, dass der Ritter Karnahkarnanz einen wunderschönen Waffenschmuck trägt, wirft sich der Junge vor den Männern auf den Boden. In dieser Situation trifft Herzeloydes Gotteslehre, dass der Schöpfer vom hellen Licht dargestellt wird, für Parzival zu. Natürlich ist seine kindliche und naive Schlussfolgerung, dass der Herrgott vor ihm stehe, falsch. Jedoch kann man Parzival keinen Vorwurf machen. Viel mehr liegt das Problem bei der missverständlichen Gotteslehre von Herzeloydes und dem isolierten Leben in Soltane.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass bei Textstellen in Eschenbachs Epos, die einen Gottesbezug thematisieren, sich die Erzählinstanz zurückzieht. Mit dieser Thematik beschäftigt sich Susanne Knaeble. Sie schreibt, dass sich in diesen Situationen die Erzählinstanz keineswegs als Herr über die Geschichte oder Figurenwelt ausgibt. Vielmehr tritt die Erzählinstanz personalisiert auf, wie in diesem Beispiel durch Herzeloyde. [Knaeble 2011: vgl. 298]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auslöser-Gralsburg == &lt;br /&gt;
=== Gründe für die Abwendung von Gott === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Suche nach dem Gral trifft Parzival auf der Burg Munsalvaesche ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass er in jenem Augenblick dem Gral so nahe ist, wie nie zuvor. Leider versäumt Parzival jedoch, aufgrund seiner Unwissenheit, Anfortas die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende Mitleidsfrage]] zu stellen, die ihn zum Gral führen würde. Sigune, Parzivals Cousine &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; klärt ihn später über sein Versäumnis auf. Der junge Mann ist verärgert und sieht die Schuld bei Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Zusätzliche Informationen über Gurnemanz [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;, welcher ihn nicht ausreichend gelehrt hat. Einige Zeit und viele Kämpfe später wird Parzival in die Artusgesellschaft aufgenommen. In einem Gespräch mit der Gralsbotin Cundrie erfährt Parzival seine Herkunft und dass er nun verflucht sei, weil er in der entscheidenden Situation auf Munsalvaesche versagt habe. &lt;br /&gt;
Der Protagonist ist nach diesem Misslingen mit sich selbst und der Welt höchst unzufrieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 332,1-7 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der Wâleis sprach ´wê waz ist got? || Da sprach der Wâleise: „ Weh, was ist Gott?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  wær der gewaldec, sölhen spot || Wäre er doch nur ein großer Herr!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns pêden niht gegebn, || Er hätte uns beide nicht so zum Gespött gemacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunde got mir kreften lebn. || wenn er mit Macht zu herrschen wüsste. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich was im diens undertân, || Ich habe ihm immer treu gedient,&lt;br /&gt;
|-                     &lt;br /&gt;
| sît ich genâden mich versan. || seit ich weiß, was das ist: die Huld des Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|| nu wil i´m dienst widersagn:|| Jetzt sage ich mich los von ihm. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verdrossenheit Parzivals kommt in dieser Textstelle deutlich zum Ausdruck. Er realisiert aufgrund der Darlegungen von Cundrie und [[ Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals | Sigune]] nun selbst, wie nahe er dem [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] war. Parzival fühlt sich, bezogen auf die Situation auf der Gralsburg von Gott alleine gelassen und sagt, dass er sich dadurch zum Gespött gemacht habe. Ihm ist Gottes Verhalten unerklärlich, weil er sich nie etwas ihm gegenüber zu Schulden habe kommen lassen. Die Summierung der geschilderten Gründe führt zu der Lossagung vom Schöpfer. Der Auslöser der Lossagung ist somit das Nicht-einschreiten Gottes in der beschriebenen Situation. Die Vorkommnisse auf der Gralsburg markieren erneut Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | tumpheit]] und sein einfaches Weltbild. Die obige Textstelle ist auch ein Rückbezug zu Parzivals Kindheit in Soltane und zur Gotteslehre seiner Mutter. Denn auf der Seite 332,1 fragt Parzival erneut: „ Weh, was ist Gott?“. Diese Frage stellte er auch als Kind seiner Mutter. Jene Fragestellung, die sich ausschließlich durch zwei unterschiedliche vorangestellte Ausrufe unterscheidet, verdeutlicht, dass Parzival aufgrund der Gotteslehre seiner Mutter noch immer nicht weiß, wer dieser Gott ist. Der Auszug 332,1-7 stellt den Protagonisten wie damals als ein Kind in Soltane unwissend, weltfremd und verloren dar. Seine Abwendung zeigt auch, dass er bis dato nicht versteht, was die Funktion Gottes ist. Allerdings kann man Parzival hierbei nur zum Teil Vorwürfe machen, da seine tumpheit zu großen Teilen seiner Mutter zu zuschreiben ist. &lt;br /&gt;
Einen interessanten Ansatz zur Gottesentfremdung führt auch Friedrich Ranke in seinem Werk auf.&lt;br /&gt;
Er schreibt, dass Wolfram von Eschenbach sich im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überwiegend mit dem Verhältnis des höfischen Ritters zu Gott beschäftigt. Das Versagen auf der Gralsburg veranschaulicht, welche fatalen Folgen die formale Erziehungskultur und „Höflichkeit“ für das Miteinanderleben haben kann. Denn in dieser Situation wird Parzival durch jenen Erziehungsstil aufgehalten. Dadurch wird laut Ranke: &#039;&#039;„ Seine Stimme im Herzen, dass Unmittelbare und Echte im Menschen zum Schweigen gebracht.&amp;quot;&#039;&#039; Das Befolgen dieser starren, erlernten Regeln führe ihn zum Schluss zum Sturz, zur Verzweiflung und zur Gottesentfremdung. [Ranke 1953: vgl. 29]&lt;br /&gt;
Die geschilderte Abwendung von Gott ist laut Susanne Knaeble ein typisches Beispiel, inwiefern sich religiöse Denkmuster im höfischen Erzählen festigen. Die inszenierte Beziehungslosigkeit der Helden von der höfischen Gesellschaft und ihre Reintegration seien dabei bezeichnend für die Schöpfung eines Helden. Parzival durchläuft durch seine Lossagung von Gott und zum Teil auch mit einhergehend von der Gesellschaft dieses theoretische beschriebene Erzählmuster. Dadurch thematisiert der Epos mit diesem Auszug, ein religiöses Verfahren, welches sich als ein Muster im Bezug auf die Kulturspezifika des mittelalterlichen Textes gibt. [Knaeble 2011: vgl. 300]  Aufgrund der geschilderten Situation wird den höfischen Rittern, in diesem Fall Parzival, eine paradoxe Identität zugewiesen. Zum einen wird ihm die providentielle Ordnung Gottes und zum anderen Kohärenz in den epischen Abläufen zugeteilt. Dadurch ist Parzival der Weg zum Heilbringer in seiner Bezugsgesellschaft und die Gewährung göttlicher Gnade als gegeben. [Knaeble 2011: vgl. 301] &amp;lt;ref&amp;gt; Folgender Artikel geht über die Thematik des Glaubensverlauf hinaus. [[Sünden und Vergebung im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Gottlosigkeit &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Gotteszweifel ]] &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Abwendung von Gott ist Parzival alleine unterwegs und weiterhin auf der Suche nach dem Gral. Er möchte sich den Gral erkämpfen und ohne Gottes Gnade sein Ziel erreichen. Antriebskraft sind sein Ehrgeiz und das Mitleid für Anfortas. Es ist auffällig, dass der Protagonist nach der Abwendung von Gott im Werk in den Hintergrund tritt. Der Grund könnte ein mittelalterliches Bußemotiv sein. Denn damals musste sich der Sündige so lange von seinem Herrn fernhalten, bis jener ihm verzeiht. Ob das von Eschenbach gezielt so geschrieben wurde oder ein Zufall ist bleibt offen. [Bumke 1991: vgl. 147 f.]&lt;br /&gt;
Tatsache ist jedoch, dass Parzival in der Zeit vor und nach der Lossagung von Gott gesündigt hat. Die erste Sünde ist der Tod seiner Mutter, die Zweite das Schweigen auf der Gralsburg, die Dritte die Tötung Ithers in seiner gottlosen Zeit und die Vierte die Abwendung von Gott. Ein Ansatz ist, dass die erste Sünde Parzival die Worte auf der Gralsburg abgeschnitten hat und dadurch kommt es zur Aufsummierung der Sünden. Angeblich hat Parzival fünf Jahre lang keine Kirche besucht und Gott in dieser Zeit auch vergessen. [Bumke 1991: vgl. 129] Nach einer längeren, intensiven Reise trifft Parzival erneut im Lager seiner Cousine Sigune ein und bekommt von ihr abermals den Weg zur Gralsburg erklärt. Schon nach kurzer Zeit verliert Parzival die Spur und ist sehr unglücklich darüber. Kurz darauf trifft er jedoch einen grauen Ritter und dessen Familie. Auch bei diesem beklagt er sich über Gott. Der [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | graue Ritter]] rät ihm mitzukommen, denn er sei auf dem Weg zu einem Einsiedler, um Buße zu tun. Da Parzival an einem Karfreitag mit Waffen unterwegs ist, empfiehlt der graue Ritter ihm mitzukommen. [Czerwinski 1989: vgl. 165] Trotz Parzivals Lossagung von Gott und der darauf resultierenden Bedeutungslosigkeit des Karfreitags, begleitet er den Ritter und seine Familie. Die Worte des Fremden bringen Parzival zum Nachdenken. Zum ersten Mal nach seiner Abwendung vom Herrn, denkt er wieder über den Glauben nach. (451,9 f.) Er sagt, dass heute vielleicht der Tag gekommen sei, an dem die Hilfe Gottes eintrete. Diese Aussage zeigt, dass Parzival nachdenklich wird, ob er mit seiner kompletten Lossagung und dem Alleingang richtig liegt. Eine innere Stimme sagt ihm, dass er Gott vielleicht noch mal eine Chance geben sollte, denn mit seiner Distanzierung in den vergangenen Jahren war er bis dato nicht erfolgreicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wendepunkt durch Trevrizent ==  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt aufgrund des grauen Ritters am [https://de.wikipedia.org/wiki/Karfreitag Karfreitag]  zu [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]], seinem Oheim. Der Empfang ist freundlich und Parzival berichtet von seinem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 456, 29-30 || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „ Her, nu gebt mir rât: || Mein Herr, jetzt helft mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  ich bin ein man der sünde hât.“ || ich bin ein Mann, der Sünden hat.“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das erste Mal, das Parzival selbst von einer Sünde spricht. Seine Aussage bzw. Einsicht ist von großer Bedeutung, denn es ist ein Anzeichen, dass er bemerkt, mit seiner Lossagung von Gott nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein. Dieser Punkt ist als Wende seiner Haltung gegenüber Gott zu werten. Parzival erzählt von seinem schweren Hass gegenüber Gott und sagt, dass er einen Krieg gegen ihn führe. (461, 9). In intensiven Gesprächen ergründet Trevrizent die Ursachen von Parzivals Distanzierung gegenüber dem Herrn und führt ihn auf den Weg der Buße und Reue. Er belehrt ihn über die Erbsünde, Gottes Barmherzigkeit, Treue und beschreibt Gott als Inbegriff der Liebe. Außerdem klärt Trevrizent Parzival über die Geheimnisse des Grals und die Geschichte seiner Hüter auf. Im gleichen Zug rät er Parzival nicht nach dem Gral zu suchen. Man könne ihn nicht suchen, sondern kann nur zu ihm berufen werden. Von Trevrizent erfährt Parzival auch, dass der leidende Anfortas sein leiblicher Mutterbruder ist. Zusätzlich öffnet der Oheim ihm die Augen für die Sünden, die er mit dem Tod der Mutter und Ithers auf sich genommen hat. Bei Parzivals Eintreffen bei Trevrizent führt ersterer Waffen mit sich. Daraufhin spricht der Oheim von Hochmut und trifft den zentralen Punkt. Trevrizent fordert Parzival zur Demut auf, aufgrund seines Hochmuts des Gotteshasses. &lt;br /&gt;
Vierzehn Tage lang teilt Parzival das asketische Leben Trevrizents. Durch das Empfangen des heiligen Abendmals am Ostersonntag wird Parzival frei von Sünden. Danach geht er von ihm als ein innerer Gewandelter. [Bumke 1991: vgl. 91f.] Dass sich ein Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf vollziehtt, unterstreicht zusätzlich die Textstelle, in der er sagt, dass er seit seinem Aufbruch bei Trevrizent, fest auf Gott vertraut (741, 25).&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival  kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl.  335r.)]]&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, inwieweit gewisse Handlungsschemata auf das höfische Erzählen von Gott zurückzuführen sind. Hierzu schreibt Knaeble von den Koinzidenzien, die &lt;br /&gt;
im Höfischen und Religiösen Augenblicke im Textverlauf sind, in denen ein Paradoxon als Thema erörtert wird. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, wie der Text mit dem Dilemma „Erzählinstanz oder Gott“ umgeht und wie die Beobachterposition besetzt wird. Knaeble beschreibt die Bewegungsposition folgendermaßen: &#039;&#039;„Dabei handelt es sich zum einen um die Nutzung der Möglichkeit zur Auslagerung an das religiöse System, bei welcher über religiöse Semantisierung ein Verweis auf Gott als dem besonderen, selbst paradoxen Beobachter geleistet wird, der in seiner Funktion als Kontingenzformel den Umgang mit der Paradoxie erlaubt.“&#039;&#039; [Knaeble 2011: 298]&lt;br /&gt;
Im Textabschnitt, indem Parzival bei Trevrizent ist und es viele religiöse Gespräche gibt, ist folgende Bewegungsrichtung des Erzählens auffällig: Die Erzählinstanz zieht sich zurück und überträgt diese Aufgabe auf die Figurenwelt. [Knaeble 2011:vgl. 298] Religiöse Äußerungen über den Schöpfer werden erkennbar und symptomatisch auf die Figurenebene verlagert. Ein sehr gutes Beispiel im Epos für dieses Erzählverhalten sind Trevrizents theologischen Äußerungen, Belehrungen und Deutungen. Im besagten Abschnitt werden die Figur des Trevrizent und seine religiösen Botschaften bewusst von der Erzählinstanz inszeniert und in den Vordergrund gestellt. [Knaeble 2011:vgl. 299]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rückkehr zum christlichen Glauben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor Parzival den Weg zurück zum Schöpfer findet, reist er lange Zeit auf ruhelosen Irrfahrten einsam durch die Länder. Ranke ist der Meinung, dass erst der ritterliche Einsiedler Trevrizent mit seiner gründlichen Lehrrede über das Wesen Gottes und den Sündenfall der Menschheit erheblich zu Parzivals Rückkehr zum christlichen Glauben beiträgt. [Ranke 1953: vgl. 29] Dieser erklärt ihm die Dimension der Verstricktheit des Individuums in Sünde und Schuld. Zusätzlich spricht er über die Größe der Liebestat des leidenden Heilands, der seinen Ritterhochmut zurechtweist und sein Mitleiden und zugleich den angespannten Willen des Gralssuchers aufsucht. &#039;&#039;„ Erst dadurch wird Parzival innerlich reif, durch die von Gottes Rat zugedachte Krönung seines Strebens. Nach langem Kämpfen erreicht Parzival endlich das Gralskönigtum.“&#039;&#039; [Ranke 1953: 30]&lt;br /&gt;
Die Rückkehr zum Glauben wird für Parzival mit der Berufung zum Gral gekrönt. Als Cundrie ein zweites Mal erscheint, verkündet sie ihm die freudige Botschaft: „ Wohl dir, Sohn des Gahmuret, Gott will dir jetzt gnädig werden.“ (781, 1-3) Dadurch wird Parzival von der Gier, die ihn auf der Suche nach dem Gral beherrschte, befreit und bekommt gleichzeitig seinen hart erkämpften Seelenfrieden. Parzival ist von dieser Nachricht sehr gerührt und sagt auch, dass sich Gott nun sehr wohl durch diese Berufung ihm offenbart hat. Bis zum Ende des Epos bleibt Parzival dem christlichen Glauben und Gott treu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Parzivals Glaubensverlauf in den unterschiedlichen Phasen des Epos, solle nun ein abschließendes Resümee gezogen werden. Parzival wird in Soltane von Herzeloyde über Gott belehrt. Die Beschreibung der Mutter, dass Gott heller ist als die Sonne, vermittelt dem Jungen ein sehr naives und einfaches Bild vom Schöpfer. Mit dieser Erklärung verlässt er kurz darauf seine Mutter. Im weiteren Verlauf der Handlung trifft Parzival auf der Gralsburg ein und ist dem Gral so nahe wie nie zuvor. Allerdings versäumt er es, die Frage zu stellen, die ihn zum Gral gebracht hätte. In dieser Situation ist Parzival zum ersten Mal in einem inneren Konflikt mit Gott. Aufgrund seines Gottesverständnisses ist ihm unerklärlich, weshalb dieser ihn auf der Gralsburg im Stich gelassen hat und so gleichzeitig zum Gespött gemacht hat. Diese Situation ist der Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott. Eschenbach schreibt im Epos, dass Parzival ungefähr fünf Jahre abgewendt von Gott lebt. In diesen Jahren betritt er kein einziges Mal eine Kirche, ist aber weiterhin auf der verbitterten Suche nach dem Gral. Durch Parzivals Treffen des grauen Ritters am Karfreitag begleitet er jenen zum Einsiedler Trevrizent. Der Einsiedler führt Parzival durch zahlreiche Gespräche wieder auf den Weg der Buße und Reue. Die Begegnung des grauen Ritters und die anschließenden Gespräche mit Trevrizent stellen den Wendepunkt in Parzivals Glaubensverlauf dar. Das Epos endet mit Parzivals Ernennung zum Gralskönig. Zu Beginn des Artikels wurde außerdem die Frage gestellt, inwieweit sich das göttliche Wirken und das höfische Erzählen von Gott im Parival auswirken. Es sollte kritisch hinterfragt werden, inwiefern der Inhalt des Epos gezielt an die Kriterien des höfischen Erzählens entspricht. Der Unterpunkt „ Abwendung von Gott“ thematisiert das religiöse Denkmuster im höfischen Erzähler. Demnach ist laut Knaeble Eschenbachs Erzählmuster bzw. Parzivals Glaubensverlauf ein typisches Beispiel für mittelalterliche Werke. Die Abwendung von Gott bzw. die Isolation Parzivals von der Gesellschaft und die spätere Reintegration durch die Ernennung zum Gralskönig sind gefestigte Bestandteile des höfischen Erzählens. Durch diesen Handlungsablauf wird die Schöpfung des Helden erst bezeichnend. Insgesamt kann im Werk Parzival von einer multiperspektivischen und polysemantisierenden Erzählkonzeption gesprochen werden, die das Verfolgen von Kunst und Religion mit ihrer transzendenten und immanenten Ausrichtung zulässt.[Knaeble 2011: vgl. 300]  Die Aussagen Trevrizents und Parzivals Erleben erhalten keinen auffälligen Wertungshorizont. Abschließend sollte festgehalten werden, dass durch das höfische Erzählen von Gott und dessen Wirken schon zu Beginn des Epos ein Erzählmuster des Protagonisten Parzivals im Handlungsverlauf vorgegeben wird. Durch dieses Muster lässt sich auch Herzeloydes Gotteslehre ein Stück weit erklären, denn ihre triviale Gotteslehre ist später mitunter ein Auslöser für Parzivals Abwendung von Gott und den daraus resultierenden Verlauf des Epos. &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[mediaewiki.org/wiki/Das_Gottesbild_Parzivals_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Das Gottesbild Parzivals]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991]&lt;br /&gt;
Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haas 1964]&lt;br /&gt;
Haas, Alois, M.: Parzivals Tumpheit bei Wolfram von Eschenbach, Berlin 1964 (Philologische Studien und Quellen 21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011]&lt;br /&gt;
Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs Parzival, Berlin/ New York: Walter de Gruyter 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ranke 1953]&lt;br /&gt;
Ranke, Friedrich: Gott Welt und Humanität. In der deutschen Dichtung des Mittelalters, Basel: Benno Schwabe und Co. 1953.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23519</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23519"/>
		<updated>2015-07-14T22:34:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Kampfarten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Armin Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn dieser wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist, denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012:  vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Geografische Orte im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt; zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von Artus seinen Boten unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen oftmals vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorismas ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:   83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine [[ Erziehung fernab jeder Zivilisation | isolierte Kindheit]] in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinem Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23516</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23516"/>
		<updated>2015-07-14T22:28:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012:  vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Geografische Orte im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt; zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von Artus seinen Boten unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen oftmals vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorismas ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:   83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine [[ Erziehung fernab jeder Zivilisation | isolierte Kindheit]] in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinem Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23515</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23515"/>
		<updated>2015-07-14T22:25:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Gnorisma */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012:  vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Geografische Orte im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt; zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von Artus seinen Boten unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen oftmals vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorismas ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:   83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine [[ Erziehung fernab jeder Zivilisation | isolierte Kindheit]] in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinem Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23514</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23514"/>
		<updated>2015-07-14T22:18:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Gnorisma */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012:  vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Geografische Orte im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt; zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von Artus seinen Boten unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen oftmals vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorismas ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:   83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinem Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23513</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23513"/>
		<updated>2015-07-14T22:11:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Ort des Kampfes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012:  vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Geografische Orte im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt; zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von Artus seinen Boten unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen oftmals vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:  83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23512</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23512"/>
		<updated>2015-07-14T22:11:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Ort des Kampfes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte &amp;lt;ref&amp;gt; vgl. [[ Geografische Orte im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt; zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von Artus seinen Boten unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen oftmals vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:  83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23510</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23510"/>
		<updated>2015-07-14T22:05:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Zeit des Kampfs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen oftmals vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:  83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23508</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23508"/>
		<updated>2015-07-14T21:57:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:  83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23504</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23504"/>
		<updated>2015-07-14T21:44:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Gnorisma */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: vgl. 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: &#039;&#039;„ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot;&#039;&#039; [Czerwinski 1989:  83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23503</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23503"/>
		<updated>2015-07-14T21:41:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: vgl. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: vgl. 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: vgl. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl. 47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: vgl. 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23494</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23494"/>
		<updated>2015-07-14T20:56:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Friedrich Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]]  ===&lt;br /&gt;
Nachdem [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Peter Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[ Parzivals Glaubensverlauf | Die Abkehr von Gott]] ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]] nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[ Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Cundrîe]] ===&lt;br /&gt;
Auch für [http://%5B%5B%20Die%20Gralsbotin%20Cundrîe%20(Wolfram%20von%20Eschenbach,%20Parzival)%20|%20Cundrîe%5D%5D Cundrîe] ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23493</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23493"/>
		<updated>2015-07-14T20:54:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Cundrîe */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Friedrich Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]]  ===&lt;br /&gt;
Nachdem [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Peter Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[ Parzivals Glaubensverlauf | Die Abkehr von Gott]] ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]] nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[ Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Cundrîe]] ===&lt;br /&gt;
Auch für [http://%5B%5B%20Die%20Gralsbotin%20Cundrîe%20(Wolfram%20von%20Eschenbach,%20Parzival)%20|%20Cundrîe%5D%5D Cundrîe] ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23491</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23491"/>
		<updated>2015-07-14T20:52:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Cundrîe */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Friedrich Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]]  ===&lt;br /&gt;
Nachdem [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Peter Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[ Parzivals Glaubensverlauf | Die Abkehr von Gott]] ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]] nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für [[ Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Cundrîe]] ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23488</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23488"/>
		<updated>2015-07-14T20:51:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Sigune */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Friedrich Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]]  ===&lt;br /&gt;
Nachdem [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Peter Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[ Parzivals Glaubensverlauf | Die Abkehr von Gott]] ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]] nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23486</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23486"/>
		<updated>2015-07-14T20:49:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Die Abkehr von Gott */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Friedrich Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]]  ===&lt;br /&gt;
Nachdem [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Peter Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[ Parzivals Glaubensverlauf | Die Abkehr von Gott]] ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt Sigune nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23485</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23485"/>
		<updated>2015-07-14T20:48:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Definition von &amp;#039;Sünde&amp;#039; */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Friedrich Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]]  ===&lt;br /&gt;
Nachdem [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Peter Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Abkehr von Gott ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt Sigune nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23484</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23484"/>
		<updated>2015-07-14T20:48:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /*  Tod von Herzeloyde */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]]  ===&lt;br /&gt;
Nachdem [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Peter Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Abkehr von Gott ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt Sigune nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23481</id>
		<title>Diskussion:Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23481"/>
		<updated>2015-07-14T20:37:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Verbesserungsvorschläge ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ordnung und Struktur:&#039;&#039;&#039; größere Überschriften (nur &#039;&#039;&#039;fett&#039;&#039;&#039; zeigt die Unterscheidung kaum) --[[Benutzer:Annikafroemel|Annikafroemel]] ([[Benutzer Diskussion:Annikafroemel|Diskussion]]) 16:33, 27. Mai 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &amp;lt;s&amp;gt;&amp;quot;Sünde&amp;quot;-Begriff problematisch (vgl. religiöse Konnotation); besser: Verfehlung (inkl. Begriffsdefinition)&amp;lt;/s&amp;gt; vgl. Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart 2004, S. 126f.&lt;br /&gt;
* Textbelege, Forschungsliteratur; Literaturverzeichnis anlegen&lt;br /&gt;
* Titel konkretisieren: nicht Sünden im Parzival, sondern die Sünden Verfehlungen der Parzival-Figur werden behandelt&lt;br /&gt;
* Kapitelüberschriften klarer abgrenzen &lt;br /&gt;
* stärkere Verlinkung mit anderen Artikeln (z.B. genannte Figuren)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruppe: --[[Benutzer:Nico Kunkel|Nico Kunkel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Verlinkungen innerhalb und außerhalb des Mediaewikis benutzen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkrankung von Anfortas auf den Unterpunkt Anfortas&#039; Leiden im Artikel Anfortas verlinken. siehe unten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kain und Abel auf die Wikipediaseite verlinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sekundärliteratur benutzen und in den Artikel einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:DieEnte|DieEnte]] ([[Benutzer Diskussion:DieEnte|Diskussion]]) 16:39, 27. Mai 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo, &lt;br /&gt;
hattest Du Dir schon überlegt, ob Du vielleicht die Bedeutung von Schuld und Vergebung für den Verlauf der Handlung oder Parzivals Entwicklung noch hinzufügen willst? &lt;br /&gt;
Viele Grüße&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Lucia Wunsch|Lucia Wunsch]] ([[Benutzer Diskussion:Lucia Wunsch|Diskussion]]) 14:06, 8. Jul. 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo,&lt;br /&gt;
ich habe einige Verlinkungen vorgenommen und inhaltlich im Unterpunkt 2.2 ergänzt. &lt;br /&gt;
Was ist mit der Bumke  und Schwietering Quelle? [[Benutzer:Sarah4|Sarah4]] ([[Benutzer Diskussion:Sarah4|Diskussion]])&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23480</id>
		<title>Diskussion:Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23480"/>
		<updated>2015-07-14T20:37:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Verbesserungsvorschläge ===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ordnung und Struktur:&#039;&#039;&#039; größere Überschriften (nur &#039;&#039;&#039;fett&#039;&#039;&#039; zeigt die Unterscheidung kaum) --[[Benutzer:Annikafroemel|Annikafroemel]] ([[Benutzer Diskussion:Annikafroemel|Diskussion]]) 16:33, 27. Mai 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &amp;lt;s&amp;gt;&amp;quot;Sünde&amp;quot;-Begriff problematisch (vgl. religiöse Konnotation); besser: Verfehlung (inkl. Begriffsdefinition)&amp;lt;/s&amp;gt; vgl. Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart 2004, S. 126f.&lt;br /&gt;
* Textbelege, Forschungsliteratur; Literaturverzeichnis anlegen&lt;br /&gt;
* Titel konkretisieren: nicht Sünden im Parzival, sondern die Sünden Verfehlungen der Parzival-Figur werden behandelt&lt;br /&gt;
* Kapitelüberschriften klarer abgrenzen &lt;br /&gt;
* stärkere Verlinkung mit anderen Artikeln (z.B. genannte Figuren)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gruppe: --[[Benutzer:Nico Kunkel|Nico Kunkel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr Verlinkungen innerhalb und außerhalb des Mediaewikis benutzen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erkrankung von Anfortas auf den Unterpunkt Anfortas&#039; Leiden im Artikel Anfortas verlinken. siehe unten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kain und Abel auf die Wikipediaseite verlinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sekundärliteratur benutzen und in den Artikel einfügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:DieEnte|DieEnte]] ([[Benutzer Diskussion:DieEnte|Diskussion]]) 16:39, 27. Mai 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo, &lt;br /&gt;
hattest Du Dir schon überlegt, ob Du vielleicht die Bedeutung von Schuld und Vergebung für den Verlauf der Handlung oder Parzivals Entwicklung noch hinzufügen willst? &lt;br /&gt;
Viele Grüße&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Lucia Wunsch|Lucia Wunsch]] ([[Benutzer Diskussion:Lucia Wunsch|Diskussion]]) 14:06, 8. Jul. 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo,&lt;br /&gt;
ich habe einige Verlinkungen vorgenommen und inhaltlich im Unterpunkt 2.2 ergänzt. &lt;br /&gt;
Was ist mit der Bumke Quelle? [[Benutzer:Sarah4|Sarah4]] ([[Benutzer Diskussion:Sarah4|Diskussion]])&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23478</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23478"/>
		<updated>2015-07-14T20:28:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /*  Tod von Herzeloyde */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von Herzeloyde  ===&lt;br /&gt;
Nachdem [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Abkehr von Gott ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt Sigune nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23477</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23477"/>
		<updated>2015-07-14T20:26:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Die Tötung Ithers */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von Herzeloyde  ===&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent ]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Abkehr von Gott ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt Sigune nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23475</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23475"/>
		<updated>2015-07-14T20:25:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Sekundärliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von Herzeloyde  ===&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent | Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Abkehr von Gott ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt Sigune nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23474</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23474"/>
		<updated>2015-07-14T20:24:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Sekundärliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von Herzeloyde  ===&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent | Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Abkehr von Gott ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt Sigune nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler, 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 [*Harms 1963] Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter, 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23473</id>
		<title>Sünden und Vergebung im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=S%C3%BCnden_und_Vergebung_im_Parzival&amp;diff=23473"/>
		<updated>2015-07-14T20:23:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Die Tötung Ithers */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Sünden und der anschließenden Vergebung in [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolframs Parzival]]. Zunächst werden die Sünden rein deskriptiv benannt. Danach wird herausgearbeitet, wie sie im Parzivals selbst verarbeitet werden und von wem sie erkannt werden, woraufhin untersucht wird, inwieweit Parzival seine Sünden wiedergutmacht. Danach wird der aktuelle Forschungsstand vertieft.&lt;br /&gt;
== Definition von &#039;Sünde&#039; ==&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang wird &#039;Sünde&#039; synonym zu &#039;Schuld&#039; verwendet, da es zu Zeiten Wolframs keine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen gab. Maurer bemerkt dazu: &amp;quot;Von einer Fragestellung nach Schuld und Sühne im modernen Sinn darf in dem Werk des 13. Jahrhunderts nicht ausgegangen werden. [...] &#039;Schuld&#039; meint auch Sünde. Wir müssen daran denken, daß für den Menschen jener Zeit jeder Verstoß gegen die gottgewollten Ordnungen des Lebens &#039;Sünde&#039; ist, und daß diese Verstöße &#039;Buße&#039; verlangen&amp;quot;. [Maurer 1950: 306]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Sünden ==&lt;br /&gt;
=== [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] von Herzeloyde  ===&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival auf die beiden Ritter trifft, beschließt er zum Missfallen seiner Mutter, Soltane zu verlassen. Daraufhin stirbt Herzeloyde aus Kummer um ihren Sohn, was dieser jedoch erst im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] erfährt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach || als sie den Sohn nicht länger sah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?), || (er ritt davon - Gewinn für wen?!)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da sank die Frau (ganz ohne Falsch)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit || auf den Boden, und der Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit. || so schneidend, daß sie sterben mußte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir vil getriulîcher tôt || Ihr Tod aus Liebe, starker Bindung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der frouwen wert die hellenôt. || schützt sie vor der Höllenqual.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(128,16-24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Wapnewski stellt diese Verfehlung Parzivals größste Sünde dar [Wapnewski 1982]. Laut ihm kann das Frageversäumnis nicht Parzivals Schuld sein, denn durch die Sünden, die er zuvor begangen hat, ist es ihm unmöglich, den Gral zu erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Tötung Ithers ===&lt;br /&gt;
Um an eine Rüstung, sowie an ein Pferd zu kommen, tötet Parzival den Ritter [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] vor dem [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] in Form eines Duellkampfs.  Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). [Harms 1963: vgl. 209] Für Parzival selbst bedeutet der Besitz der fremden Rüstung und des Pferdes, dass er sich nun als Ritter fühlt. Wie sich später herausstellt, ist [[ Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival | Ither ein Verwandter Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durchz ouge in sneit dez gabylôt  ||  durchs Auge drang mit scharfem Schnitt der Spieß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unt durch den nac, sô daz er tôt  ||  und kam beim Nacken heraus. So fiel er tot nieder, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|viel, der valscheit widersatz.    ||  der Falschheit Feind.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(155,7-11).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Mohr stellt die Tötug Ithers die größte Sünde dar [Mohr 1952]. Die Tatsache, dass [[ Trevrizent | Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] den Mord mit einem Brudermord gleichsetzt, ist für ihn entscheidend, denn Trevrizent sagt gleichzeitig, dass dies die Ursünde der Menschheit sei. Mehr dazu s.u.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Schweigen auf der Gralsburg ===&lt;br /&gt;
Als Parzival sich das erste Mal auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Munsalvaesche]] befindet, beobachtet er ein seltsames Ritual, sowie die [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Anfortas&#039; Leiden (472,21–483,18) | Erkrankung von Anfortas]]. Wie es [[Gurnemanz | Gurnemanz]] ihm als [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | gutes Benehmen]] beigebracht hat, stellt Parzival jedoch keine Fragen zu den Vorkommnissen. Dadurch verhindert er die Erlösung des Gralskönigs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Abkehr von Gott ===&lt;br /&gt;
Nach Parzivals erster Begegnung mit dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gral]] auf Munsalvaesche, macht er [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]] für sein Versagen verantwortlich und wendet sich daraufhin von ihm ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Benennung der Sünden ==&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gespräch mit [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wird Parzival erstmals auf seine Verfehlungen hingewiesen. Es wird deutlich, dass er Parzival die Schuld am Tod seiner Mutter gibt, obwohl Parzival erst durch dieses Gespräch überhaupt von Herzeloydes Tod erfährt. &lt;br /&gt;
Trotzdem bezeichnet Trevrizent Parzivals Verhalten als &#039;&#039;grôze sünde&#039;&#039; (große Sünde) (499,20). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem informiert Trevrizent Parzival darüber, dass Ither sein Cousin war und zieht somit den Vergleich zur [http://de.wikipedia.org/wiki/Kain Ermordung Abels durch Kain]. Das zeigt, dass dieser Vorfall Parzivals zweite und für Trevrizent Parzivals größte Sünde ist, da er als sein Cousin sein &#039;&#039;eigen verch&#039;&#039; (eigen Fleisch und Blut) (475,21) getötet hat.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kâins vater was Adâm:|| Adam war der Vater Kains, und der&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sluoc Abeln umb krankez guot. || schlug Abel tot – ein karger Raub&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô ûf die reinen erdenz bluot || das Blut, das auf die reine Erde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| viel, ir magetuom was vervarn: || lief, nahm ihr die Jungfernschaft;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den nam ir Adâmes barn. || dies geschah durch Adams Sohn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Und so entstand der Hass der Menschen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît. || und er dauert fort bis heute.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(464,16-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sieht diesen Mord als Anfang aller Sünde der Menschheit, weshalb er für ihn auch so schwer wiegt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô huop sich êrst der menschen nît: || Erst jetzt wurde die Bos-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alsô wert er immer sît || heit unter den Menschen groß, und sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || dauert immer seitdem fort.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(464,21f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Versäumnis auf der Gralsburg scheint Trevrizent nicht als große Sünde zu werten, sondern als eine weitere, die aber zu den anderen, schwereren Sünden dazu gezählt werden kann:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die sünde lâ bî dn andern stên|| Die Sünde laß jetzt bei den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || andern stehen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(501,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
Durch den Tod ihres geliebten Schianatulander führt Sigune nur noch ein trauriges Leben. Das einzige, das sie aufheitern könnte, ist die Erlösung von Anfortas durch die erhoffte Frage:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sol mich iht gevröun, || Wenn es noch ein Ding geben kann, das&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tuot ein dinc, ob ib sîn töun|| mir Freude macht, so ist es dies: Daß er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| laezet, den vil trûrgen man, || der so elend daliegt, erlöst wird von seinem Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(253,19-21)&lt;br /&gt;
Sigunes Mitleid für Anfortas ist größer, als ihr eigenes Leid.  Als sie erfährt, dass Parzival die Frage nicht gestellt hat, ist sie schockiert über sein fehlendes Mitleid:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê waz wolt ir zuo mir her?|| Was wollt Ihr von mir,&lt;br /&gt;
|-| gunêrter lîp, verluochet man!|| was habt Ihr hier zu suchen, ehrloser &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || Leib, verfluchter Mann!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(255,12f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem Grund ist für Sigune das Frageversäumnis Parzivals größte Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Cundrîe ===&lt;br /&gt;
Auch für Cundrîe ist das Versäumnis auf der Gralsburg Parzivals größte Sünde:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gunêrt sî iwer liehter schîn || Fluch und Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und iwer manlîchen lide. || über Euren lichten Schein und über Eure&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het ich suone oder vride, || starken Glieder! Hätte ich Versöhnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu waern iu beidio tiure. || oder Frieden mitgebracht, die wären für&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich dunke iuch ungehiure, || Euch unerschwinglich. Ich erscheine Euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und bin gehiurer doch dann ir. || als Monstrum und Ungeheuer und bin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Parzivâl || doch geheurer als Ihr, Herr Parzivâl!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]|| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst.|| warum habt Ihr ihn nicht er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || löst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(315,20-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der ‚Parzival’-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl. ed. 36 Vol. Weimar; Stuttgart: Metzler, 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Maurer 1950] Maurer, Friedrich. &amp;quot;Parzivals Sünden. Erwägungen Zur Frage Nach Parzivals Schuld.&amp;quot; Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 24 (1950): 304-246.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Mohr 1952] Mohr, Wolfgang. &amp;quot;Parzivals ritterliche Schuld&amp;quot;. Winkendes Wort II. (1952): 148-160.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1944] Schwietering, Julius. &amp;quot;Parzivals Schuld.&amp;quot; Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 81.1/2 (1944): 44-68.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1982] Wapnewski, Peter. Wolframs Parzival: Studien Zur Religiosität Und Form. 2., unveränd. Aufl. ed. Heidelberg: Winter, 1982.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23471</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23471"/>
		<updated>2015-07-14T20:20:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Kampfarten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Ither &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl.47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Feirefiz_-_ein_Vergleich&amp;diff=23456</id>
		<title>Gahmuret und Feirefiz - ein Vergleich</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Feirefiz_-_ein_Vergleich&amp;diff=23456"/>
		<updated>2015-07-14T19:46:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Wer sind Gahmuret und Feirefiz? */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel soll sich mit den Parallelen im Lebensweg von [[ Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gahmuret]] und seinem [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sohn Feirefiz]] beschäftigen, sowie Unterschiede herausstellen. Die Arbeitsthese ist folgende: Feirefiz ähnelt Gahmuret in vielen Bereichen, er stellt jedoch eine gesteigerte Version seines Vaters dar: er ist höfischer, er erlangt große Herrschaft im Heidenreich, die er auch noch lange lebend genießen kann, er überschreitet nicht nur Grenzen sondern vereint sie äußerlich und innerlich. &amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wer sind Gahmuret und Feirefiz? ==&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der jüngere von zwei Söhnen des Königs Gandîn. Sein älterer Bruder trägt den Namen Galoes. Gahmuret und seine Verwandten gehören dem Geschlecht der Anschouwe und der Mazadansippe an. Relativ zu Beginn der Handlung des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; stirbt Gahmurets Vater. In der Folge zieht [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret als Ritter]] in den Orient hinaus. „Der &#039;&#039;hoehsten hant&#039;&#039; zu dienen ist [hierbei] das erklärte Ziel des Helden“ (Müller 67), wodurch er sich Ruhm und Ehre verdienen möchte. Nach seinem Dienst bei der &#039;&#039;hoehsten hant&#039;&#039;, dem Barûc von Baldac, gelangt Gahmuret in das Königreich Zazamanc, wo er seine erste Ehe mit der heidnischen Königin dieses Reiches beschließt. Aus der [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Beziehung von Gahmuret und Belacane]] geht der gemeinsame Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] hervor. Gahmuret verlässt Belacane jedoch heimlich, bevor dieser geboren wird. Nach seiner Rückkehr ins Abendland, heiratet Gahmuret nun ein weiteres Mal. Die [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Beziehung von Gahmuret und Herzeloyde]], einer Christin, führt zur Geburt von Gahmurets zweitem Sohn, der [[Parzival]] getauft wird. Jedoch lernt Parzival, genau wie Feirefiz, seinen Vater niemals kennen, da Gahmuret ein weiteres Mal dem Ruf des Barûc folgt und in der Konsequenz bei einem Kampf im Orient ums Leben kommt  (vgl. 105, 14 - 17).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz nachdem sie von Gahmuret verlassen und ihren Sohn Feirefiz zur Welt gebracht hat, stirbt Belacane an gebrochenem Herzen (vgl. 750, 24 - 26). Feirefiz wächst dementsprechend als Waise im Heidenland auf. Außerdem hat Gott ihn - dem Erzähler zufolge - mit einem Wunder versehen und ihm einen zweifarbigen Körper mit schwarz-weiß-gefleckter Haut geschenkt, was direkt bei der Beschreibung von Feireiz&#039; Geburt als bezeichnendes Merkmal genannt wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
||   Als die rechte Zeit gekommen war, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da brachte die Dame einen Sohn zur Welt, der war von zweierlei Farbe;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an ihm wollte Gott ein Wunder wirken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiß schien seine Haut und schwarz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
57, 15 - 18&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz wird durch sein einzigartiges Aussehen also von seiner Geburt an als eine Figur mit besonderem Status dargestellt. Nach diesen Beschreibungen von Feirefiz im ersten Buch des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erfährt der Leser zunächst nichts mehr über ihn, bis er im  Buch VI in Erzählungen von [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrîe]] und [[Ekubâ]] als &amp;quot;mittlerweile mächtige[r] Minneritter und König des Orients&amp;quot; (Müller, 11) bezeichnet wird. Ein persönliches Auftauchen von Feirefiz als erwachsener Mann wird jedoch erst im Buch XV und XVI in die Handlung miteingeflochten. Feirefiz seine Rüstung und Kleidung wird als prachtvoll beschrieben und alleine durch sein äußeres Erscheinungsbild erlangt er große Aufmerksamkeit. Nach seinem Überschreiten der Grenze zum Abendland trifft [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz seinen Bruder Parzival]] und trägt einen Bruderkampf mit ihm aus, der letzten Endes friedlich ausgeht. Später konvertiert Feirefiz zum Christentum und heiratet Repanse de Schoye, die Trägerin des [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]. Mit ihr kehrt er nach Indien zurück. Die Feirefiz-Handlung endet mit der durch ihn und seine Nachkommen initiierten &amp;quot;Christianisierung des Orients und [der] Begründung [s]eines eigenen Geschlechts, dem der Priesterkönige [...]&amp;quot;. [Müller 2008:11]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gottesähnliche Anbetung ==&lt;br /&gt;
- Erwähnung von Feirefiz in Buch 6 bei Cundries Verfluchung von Parzival: Erwähnung von Feirefiz Reichtum in den Reichen Zazamanc und Azagouc, sowie &amp;quot;gottesähnliche Anbetung&amp;quot;  -&amp;gt; Parallel zur Gahmurets Begräbnis in Bagdad und seiner damit beginnenden Vererhrung als Gott der Heiden am Ende von Buch 2&lt;br /&gt;
-&amp;gt; &amp;quot;Ähnlich wie sein Vater Gahmuret in Baldac wird auch Feirefiz in Indien als eine Art Gott verehrt&amp;quot; [Noltze 1995:24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmuret, Feirefiz und die Frauen ==&lt;br /&gt;
Zu Beginn dieses Artikel findet sich ein kurzer Überblick zu [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets Liebesbeziehungen]] im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. In Bezug auf die Reihenfolge der Beziehungen mit Frauen verschiedenen Glaubens weist das Liebesleben von Feirefiz überraschende Übereinstimmungen mit Gahmurets Liebesleben auf. Vater wie Sohn führen zunächst eine Beziehung mit einer Heidenkönigin, brechen diese ab und ehelichen dann eine christliche Frau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Falle Gahmurets ist seine heidnische Frau die schon erwähnte Belacane, die Mutter von Feirefiz. Wie Gahmuret dient Feirefiz zunächst einer Heidin, nämlich der indischen Königin Secundille in &#039;&#039;minne&#039;&#039;, wie zum ersten Mal in Buch X erwähnt wird. Im Gegensatz zu Gahmuret ist Feirefiz weder mit Secundille verheiratet, noch hat er ein Kind mit ihr. Feirefiz&#039; Liebe zu Secundille scheint stark zu sein: als es zu einem Bruderkampf zwischen Parzival und Feirefiz kommt, verleiht ihm der Gedanke an Secundille Kraft und Zuversicht. Dies ändert sich jedoch geradezu schlagartig als seine Augen auf die Gralsträgerin Repanse fallen. Feirefiz löst nun seine &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; zu Secundille, sobald er Repanse begegnet und fällt in einen derartigen Liebestaumel, dass er sich sogar taufen lässt, um sie heiraten zu können (vgl. 817, 1f). Während Gahmuret seine Belacane &amp;quot;nun gar nicht nach höfischer Sitte schwanger zurück[ließ]&amp;quot; [Raucheisen 1997: 66], ist Feirefiz Secundille zwar auch nicht treu, macht sich jedoch ethisch-moralisch nicht im gleichen Sinne schuldig, da er keine schwangere Ehefrau verlässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend ist, dass Vater wie Sohn beide eine heidnische Frau verlassen und eine christliche Frau ehelichen, mit der sie bis zu ihrem Tod im ehelichen Bündnis bleiben. Im Fall von Feirefiz ist das Verlassen durch die neue Bekanntschaft mit Repanse motiviert. Feirefiz&#039; Liebe zu Repanse ist es auch, was seine Taufe und damit seine Konvertierung zum Christentum motiviert: Er &amp;quot;begehrt nicht die Taufe, sondern die schöne Repanse, die Taufe ist ihm nichts als ein Mittel zur Liebeserfüllung&amp;quot;. [Kellner 2009:37] Gahmuret hingegen wird nicht durch Herzeloyde veranlasst, Belacane zu verlassen, da er sie erst später kennenlernt. Stattdessen nennt er in einem Abschiedsbrief die Diskrepanz ihrer Konfessionen als Grund (vgl. 55, 25/26), während er sich dem Erzähler zufolge nach &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; und &#039;&#039;ritterschaft&#039;&#039; sehnt (vgl. 54, 17 - 20).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Grenzüberschreitung ==&lt;br /&gt;
[[Struktur des Raums in der Gahmuret-Handlung|Gahmurets Überschreiten der Grenze]] zwischen Orient und Okzident, sowie seine Beziehung mit der Heidin Belacane, machen die Existenz eines Sohnes, der den Orient und den Okzident in sich vereint, erst möglich. &amp;quot;[M]it Gahmuret greift die Mazadansippe [also] in den Orient aus, in Feirefiz verschränken sich Osten und Westen, Heidentum und Christentum genealogisch.&amp;quot; [Kellner 2009:35] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kellner fasst all die Weisen, auf die Gahmurets erster Sohn Grenzen vereint oder überschreitet wie folgt zusammen: &amp;quot;Feirefiz hat die Rolle als Grenzgänger zwischen Orient und Okzident im Blut, sie ist ihm in seiner Elsternfarbigkeit geradezu auf den Leib geschrieben, [...]. Jener bewegt sich nicht nur wie sein Vater in beiden Welten, im Orient und im Okzident, jener ist nicht nur wie sein Vater ein Liebling der Frauen, welcher zunächst eine schwarze (Secundille) und dann eine weiße Dame (Gralsträgerin Repanse de schoye) heiratet, sondern er wechselt auch seine religiöse Identität: Er lässt sich schließlich taufen [...]&amp;quot; [Kellner 2009:35] Dieses Zitat fasst zusammen, dass Feirefiz einerseits allein durch seine Geburt und seine schwarz-weiße Haut Elemente des Orients vereint und andererseits genauso wie sein Vater Grenzen überschreitet. Durch die Farben seiner Haut ist schon von außen erkennbar, dass Feirefiz Gegensätze wie den von schwarz und weiß in sich vereint. Feirefiz führt wie sein Vater Beziehungen mit Frauen, die verschiedenen Religionen und Ethnien angehören, doch er geht noch einen Schritt weiter und überschreitet durch die Taufe persönlich die Grenze von christlichem Unglauben zu christlichem Glauben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide, Vater und Sohn, sind Grenzgänger-Figuren, doch Feirefiz verkörpert die Grenzgänger-Figur auf eine noch extremere Weise, da er selbst den Glauben wechselt, anstatt nur Beziehungen mit Frauen verschiedenen Glaubens zu haben. Man kann folgern, dass Feirefiz&#039; Wechsel der Konfessionen die genealogische Konsequenz der &amp;quot;Nähe zum Christentum, die sich in der Tränentaufe und in den inneren Werten, der kiusche, seiner Mutter Belakane (28, 10 – 17) bereits gezeigt hatte [darstellt] [...]. Genealogisch gedacht, wird jener Mangel an Heil, in dem Belakane trotz ihrer inneren Vorbildlichkeit und ihrer äußerlichen Bereitschaft zur Taufe (56, 28 – 30) verharrte, eine Generation später, im Sohn Feirefiz ausgeglichen.&amp;quot; [Kellner 2009:35] Demzufolge wäre die Konvertierung zum Christentum als genealogisches Erbe Belacanes zu denken, nicht unbedingt als das Gahmurets.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Feirefiz&#039; Wechsel zwischen den Konfessionen tritt Feirefiz gleich zweimal in Gebiete über, die der jeweils anderen Religion zugeschrieben sind, der er in dem Moment des Übertrittes nicht angehört. Zurecht fragt Nicole Müller: &amp;quot;[W]ie schafft es ein Heide zum Gral und dann als Christ zurück in den Orient?&amp;quot; [Müller 2008:12] und fasst damit Feirefiz ungewöhnlichste Grenzüberschreitungen in einer Frage zusammen. Wäre Feirefiz Heide geblieben, wäre seine Rückkehr in den Orient nichts Besonderes, doch weil er seine Konfession wechselt, ist die Rückkehr der Beginn der Christianisierung des Orients. Spätestens im Schluss der Feirefiz-Handlung vermischen sich also durch die Figur Feirefiz Christen- und Heidentum, indem christliche Elemente in den Orient eingeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Integration in die jeweils fremde Welt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von einer wirklichen Integration Gahmurets in den Orient kann man zu seinen Lebzeiten nicht sprechen, obwohl er sich dem Orient und dem Barûc doch immerhin so verbunden fühlt, dass er nach seiner Rückkehr in die Heimat aufgrund einer Notlage des Barûcs noch einmal in den Orient aufbricht. Als er infolgedessen im Orient umkommt, wird er jedoch symbolisch in das Land integriert. Sein Begräbnis findet in Bagdad statt und beinhaltet sogar christliche Symbole wie das Kreuz, was bedeutet, dass Gahmuret wortwörtlich als Christ in heidnische Erde aufgenommen wird. Außerdem wird Gahmuret von nun an von den Heiden als Gott verehrt und so posthum in die heidnische Religion intergriert (vgl. 106, 29 - 107, 24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz: 2 Meinungen in der Forschung&lt;br /&gt;
„Mit dem Anlegen des Taufkleides wird nun auch Repanse dem Christen Feirefiz übergeben und endlich vermag er auch den Gral und damit das Medium der göttlichen Anwesenheit zu sehen. Feirefiz ist nun vollständig in die Gralswelt integriert: Über den Lehnseid an den obersten Lehnsherrn, über den Taufakt selbst ist er ein Mitglied der Sippe der Christen und über die Minnebeziehung zu Repanse ist er auch noch mit der Titurel-Sippe verwandt. &lt;br /&gt;
Hat sich bislang die Figur des Feirefiz dadurch ausgezeichnet, seine genealogische Einbindung und seine Heidenschaft ständig über seinen zweifarbigen lîp präsent zu halten, so ist dieser nun gänzlich aus der Handlung verschwunden.“ (Müller 303) &lt;br /&gt;
&amp;quot;In Feirefiz&#039; Art, in seinem Blut, in der Farbe seiner Haut und in der von ihm ausgehenden Genealogie bleibt die heterogene Herkunft aus der Verbindung eines Christen und einer Heidin, die Spannung zwischen Ost und West erhalten.&amp;quot; [Kellner 2009:37] -&amp;gt; ihre These also: &amp;quot;Es geht um die Verknüpfung des Heterogenen und Widersprüchlichen, nicht um deren Auflösung, nicht um deren Verschwinden.&amp;quot; [Kellner 2009:38]&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer interessanter Vergleich ist der zwischen Feirefiz seinem Halbbruder und ihrem gemeinsamen Vater.  [[Parzival und Gahmuret im Vergleich]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Wissenserweiterung der Figuren Feirefiz, Parzival und Gahmuret dient auch der Vergleich zwischen den beiden Halbbrüdern. [[Parzival und Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009] Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Wechselseitige Wahrnehmungen der Religionen im Spaetmittelalter und in der Fruehen Neuzeit. Ort, 2009. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Müller 2008] Müller, Nicole: Feirefiz - Das Schriftstück Gottes. Frankfurt am Main u.a., 2008. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Raucheisen 1997] Raucheisen, Alfred: Orient und Abendland: Ethisch-moralische Aspekte in Wolframs Epen Parzival und Willehalm. Frankfurt am Main u.a., 1997. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Gahmuret]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23452</id>
		<title>Parzival und Gahmuret im Vergleich</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23452"/>
		<updated>2015-07-14T19:32:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Ausgangspositionen und weitere Parallelen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Um den Versepos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu verstehen wird in vielen Forschungstexten auf die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Genealogie Genealogie] verwiesen. Eine Beziehung, die in diesem Werk nicht konkretisiert wird, ist jene zwischen [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] und seinem Vater Gahmuret, der vor der Geburt von Parzival verstarb. Dennoch scheint ein Vergleich zwischen dem Vater und seinem Sohn sinnvoll, da die Bücher über Gahmuret eine Erfindung von Wolfram vom Eschenbach sind. Die Vorlage von Chrétiens &#039;Li Contes del Graal ou Le roman de Perceval&#039; enthält keine elterliche Vorgeschichte. Daher sollen in diesem Artikel die Unterschiede zwischen Parzival und Gahmuret aufgezeigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit den [[http://mediaewiki.org/wiki/Biografische_Parallelen_zwischen_Gahmuret_und_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|biografischen Parallelen zwischen Gahmuret und Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst werden ihre äußeren Erscheinungsbild und die Art ihrer eigenen Inszenierung thematisiert. Wie ist ihre Ausgangsposition im Epos? Wer sind ihre Verwandten? Wie wurden sie erzogen? Durch den Vergleich sollen die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Kann von Gahmuret auf Parzivals Werdegang geschlossen werden? Bestimmt die Vorgeschichte Gahmurets den Handlungsrahmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erscheinungsbilder ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Gahmuret selbst wird kaum etwas gesagt, außer, dass er groß und hellhäutig ist. Es wird viel mehr das beschreiben, was er an hat: so z.B. sein Schild, dass viele Zobelbälge trägt und das Bild eines Ankers hat.&lt;br /&gt;
Beim Einzug in Zazamanc wird das Aussehen von Gahmuret kaum beschrieben, sondern seine Gefolgschaft. Allerdings sieht Gahmuret so gut aus, dass man ihn lieben muss.&lt;br /&gt;
In Afrika wird vor allem seine Kleidung oder seine Kampfausrüstung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wird bereits nach der Geburt als männlich beschrieben mit starken Gliedern (112, 27). Ebenso wie sein Vater ist er hellhäutig. Auch sein Aussehen bewirkt eine positive Reaktion der Damenwelt, wie bereits sein Vater. Allerdings wird nicht Parzivals Kleidung oder pompöse Einzüge betont, es ist viel mehr Parzival selbst, der als hübsch bezeichnet wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Aussehen her gibt es nicht sonderlich viele Auffälligkeiten. Beide sind hellhäutig und scheinen den Frauen zu gefallen. Wobei Gahmuret sein Auftreten und seine Kleidung und bei Parzival das Aussehen selbst im Vordergrund stehen. Allerdings gibt es keine Vergleiche zwischen Vater und Sohn. Die äußerliche Ähnlichkeit der beiden wird nicht betont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwandschaft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der zweite Sohn des Königs von Anschouwe und der Bruder von Galoes. (4,28-5,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief von Belacane wird der Stammbaum vom Gahmuret deutlich. Aus dem Brief geht hervor, dass Gahmuret der Sohn des Gadîn, der Urenkel des Mazadan ist. Denn Gadîn Vater ist Addanz. Addanz Bruder heißt Brickus und dessen Vater ist Mazadan. Jener Mazadan ist aber nicht nur Gahmurets Urgroßvater, sondern auch der von Artus. Der Vater von Artus &#039;Utepandragun&#039; ist demnach der Großonkel von Gahmuret und Artus sein Großcousin (56,1-28).&lt;br /&gt;
Über die Verhältnisse der mütterlichen Seite erfährt der Rezipient nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die chronologische Familienabfolge &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Verwandtschaftstafel im Artikel [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; besagt, dass Feirefiz Gahmurets erst geborener Sohn ist, den er mit seiner damaligen Frau [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Belacane]] bekommt, die aus dem Orient stammt. Parzival wird von Gahmurets zweiter Frau [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] geboren. &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über die beiden Söhne von Gahmuret. [[ Parzival und Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Verwandtschaftstafel.png|500px|thumb|right|Verwandtschaftstafel]]&lt;br /&gt;
Wie bereits oben deutlich wird, ist Parzival über seinen Vater mit der Artusfamilie verwandt. Artus ist demnach sein Großonkel. Parzival erfährt aber erst (140,17) von seinem Vater und somit von der Verwandtschaft. &lt;br /&gt;
Die [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehungen]] mütterlicherseits werden zu einem späteren Zeitpunkt im Epos bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(333,29-30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Von im den Herzeloyde bar. || Er, den Herzeloyde gebar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ouch generbe dar.  || war ja auch der rechtmäßige Erbe dort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genauere Auflösung von Parzivals verwandtschaftlichem Verhältnis mit der Gralsfamilie ist im Vers (455,15) zu finden. Der Gralskönig Anfortas ist der Bruder von Herzylode. Sie stammen von [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frimutel]] ab, der den Gral an [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] weiterreichte. Frimutel erhielt den Gral von seinem Vater Tyturel.&lt;br /&gt;
Parzival vereint also die beiden Familienlinien der Artus- und der Gralsfamilie miteinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide sind die zweiten Söhne ihres Vaters. Wobei Gahmuret und sein Bruder von derselben Mutter stammen. Parzival und Feirefiz stammen von unterschiedlichen Müttern. Sowohl Gamuret, als auch Parzival stammen vom hochadeligem Geschlecht ab. Die Vermischung der arthurischen und titurelschen Geschlechtslinien prädestiniert Parzival für die Wahl zum [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralskönig]] und verschafft ihm einen genealogisch Vorteil gegenüber seinem Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei seinem [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Versagen]] auf der Gralsburg wird durch das Überreichen des Mantels von der Gralsträgerin (228,15) und dem Geschenk des Königs der Gralsburg, ein Schwert (239,22), seine Bestimmung Gralskönig zu werden angedeutet. [Mertens 2007: 123] Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Gralsgesellschaft der Abstammung Parzivals bewusst ist. Deshalb vermuten sie wohl, dass Parzival wegen seiner Abstammung der Ritter aus der Prophezeiung (483,20) ist. Parzival selbst erfährt erst bei [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] im IX. Buch von seiner Abstammung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret kennt seine Eltern und es ist ihm möglich, einen ziemlich exakten Stammbaum seiner Familie zu skizzieren. Parzival hingegangen erfährt erst im Verlauf der Geschichte Stück für Stück von seiner Abstammung und seiner Bestimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspositionen und weitere Parallelen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmurets Vater wird in einem Kampf getötet, wie bereits der Vater von Gadîn zuvor, und deshalb würde er zunächst alles verlieren, da der älteste Sohn nach französischen Recht alles erbt (Primogeniturrecht) [Noltze 1993: vgl. 217]. Doch Gahmuret bittet seinen Bruder ihn ziehen zu lassen, um nach Ruhm und Ehre streben zu können. Sein Bruder und seiner Mutter beschenken ihn reichlich, so dass er gut gerüstet auf Aventüre gehen kann. [Mertens 2007: vgl. 107] So wird der Königssohn von sich selbst aus, zum &#039;chevalier errant&#039;[Hermann 2009: 81]. Der Auszug aus Anschouwe wird später genauer analysiert, aus der Analyse wird deutlich, dass Gahmuret eine vorzügliche Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wächst zunächst abgeschottet von der Außenwelt bei seiner Mutter auf, die auch für seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] zuständig ist. Weil Herzeloyde schon einmal einen geliebten Menschen, nämlich ihren Mann Gahmuret, im Kampf verloren hat, befürchtet sie, dass ihrem Sohn das gleiche Schicksal ereilen könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail mit den Vater/Sohn Strukturen im Parzival: [[Vater und Sohn im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Parzival verlässt seine Mutter um Ritter zu werden und Aventüren zu bestreiten. Die Mutter die ihn nur schmerzlich gehen lassen möchte, lässt ihn als ein Narr bekleidet ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Parallele von Gahmuret und Parzival besteht bei ihren Müttern. Denn die Mutter von Gahmuret verstirbt, als ihr Sohn Galoes stribt und Gahmuret ihr fern ist. Auch Herzeloyde stirbt, nachdem Parzival sie verlassen hat. Das Verlassen der Mutter wird später bei Trevrizent, als eine seiner Sünden vorgeworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret und Parzival ähneln sich objektiv in ihrer Ausgangsposition. Denn beide sind die zweitgeborenen und ihnen wird dadurch ein Erbe versagt. Bei Parzival ist die Situation jedoch etwas verschärft, da er keine höfische Erziehung hat. Er verlässt seine Mutter als Narr und nicht besonders ausgestattet, wohin gegen Gahmuret alles gestellt wird. Gahmuret lässt seine Mutter nicht alleine zurück, um nach Ruhm und Ehre sterben zu können. Sie bleibt bei seinem Bruder und König von Anschouwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auffälligkeit ist wohl das Sterben der Vater im ritterlichen Kampf. Es scheint wohl typisch für sie ihr Leben im Kampf zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmurets als Rahmenfigur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits oben erwähnt wird die Auszug aus Anschouwe und die Wahl zum &#039;chevalier errant&#039; näher untersucht. Denn bei Gespräch mit Galoes kann eine ganz andere Seite von Gahmuret, als die kämpferische, die ihm die Forschung meist zu weist, gesehen werden. So heißt es bei Herrmanns, in einem Zitat nach Brunner: Die vor-arthurische Ritterwelt wird vor allem an Gahmuret deutlich: Sie erscheint als weite, bunte Welt des Abendteuers, des Kampfes un der Minne. [Herrmann 2009: S.80]&lt;br /&gt;
Zum Auszug nach Becker: Der Text von Becker fasst zunächst Meinung der Forschung auf, die Gahmuret als defizitären Typus analysieren, so dass Parzival ihm überlegen sein kann. In diesen Texten wird er als, unreflektiert, impulsiv, &#039;man of action&#039;, &#039;der Mann der von seinem Tatendrang bestimmt&#039; wird oder gar als, &#039;one dimensional&#039;, der nur auf seine Ritterschaft bedacht ist, bezeichnet. Die ältere Forschung sieht ihn als Ritter vom alten Schlag, als vorhöfischen Typus. Er stamme aus der Chaonson de geste-Tradition, bei der das Leitmotto &#039;der Stärkste bekommt die Schönste&#039; ist. Allerdings verweist sie auf Texte bei denen Gahmuret vom Erzähler als vorbildlicher Ritter dargestellt wird. Sie möchte das vorbildliche Verhalten Gahmurets, an der ersten Szene in der Gahmuret Erscheines, analysieren. Es ist sein Auszug aus Anschouwe. Gahmuret wird also nicht bei einem ritterlichen Kampf eingeführt, sondern bei einem Gespräch in der Öffentlichkeit des Hofes. Nach Herrmann verhält sich Gahmuret in diesem Gespräch äußerst geschickt und sehr höfisch. Es ist Gahmuret möglich mit seinem Bruder über das Erbrecht zu sprechen, die Forderungen der Fürsten zurückzuweisen und sein eigen gewähltes Ziel, fahrender Ritter zu werden, zu erlangen. Er erlangt sein Ziel, obwohl sein Bruder ihm eine andere Position anbietet. Er schafft all dies, ohne das die anwesenden Fürsten davon es mitbekommen. Er redet so gewandt, dass er die Sorgen seines Bruders, dem er die Erbschaft streitig machen könnte, nicht schadet. Denn nach dem Tod des Vaters kann ein Zwist zwischen den Erbenden für Unruhe sorgen und der Regenschaft des Nachfolgers schaden. Gahmuret umschifft all diese Probleme und es gelingt ihm sogar noch, dem höfischen Sprechen gerecht zu werden. Das bedeutet, er schweigt, wenn er nicht angesprochen wird und setzt sich dadurch nicht selbst in Szene. Wenn er dann selbst spricht setzt er sich selbst herab, um seine Position zu verdeutlichen. Wegen seiner Redegewandtheit und seinen vorzüglichen höfischen Manieren kann Gahmuret sein eigenes Ziel erreichen und dabei seinem Bruder helfen, indem er durch sein Sprechen seine Regenschaft stärkt.[Becker 2002: vgl.] Gahmuret ist also nicht nur ein Ritter, der nach Minne und Rittertum strebt, sondern er vereint diese Ziele mit höfisch vorbildlichen Verhalten und einem vorzüglichen Intellekt, der in seiner Redegewandtheit liegt. Es kann davon ausgegangen werden, dass er eine höfische Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch sein selbst gewähltes Wappen den Anker trägt Gahmuret weitere Aspekte in den Roman. Das Wappen wird vom Erzähler negativ gesehen, da er für das ständige Aufbrechen in neue Räume steht, für eine Ziellosigkeit und eine Bürde.  Während der Anker sein Schild ziert, kämpft er für den Baruc von Baldac, also unter einem Heiden.[Herrmann 2009: S.82] Als Ritter des Baruc gelangt Gahmuret zu großen Ruhm und kann sogar die Hand eine Königin für sich gewinnen. Während eines Kampfes den er für Belacane führt, erkennt er seine Verwandten bei den Gegner und es kommt zu Verhandlungen statt zum Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Fahrt in den Orient, in dem er nicht heimisch wurde, kann er Herzelyode für sich erkämpfen. Doch in er handelt für seine Ehe aus, dass er noch zum ritterlich Kampf fahren kann. Was ihm zum Verhängnis wird. Denn wie sein Vater stirbt auch er im Kampf, auch wenn er durch eine List getötet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Höhepunkt ihrer Karrieren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret wird der König von Anschouwe und von seiner Beziehung mit Belacane und seiner Hochzeit mit Herzeloyde wird er der Herrscher ihrer Länder. Er wird als ein großer Herrscher, der über viele Länder regiert. Er ist fast aus dem nichts gestartet und steigt sehr weit auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival begibt sich als Narr auf den Weg in die Welt, um Ritter zu werden. Sein Weg führt in als Ritter der Tafelrunde bis hin zum König der Gralsburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgeschichte des Vater steckt bereits einen großen Rahmen ab. In den ersten zwei Büchern wird bereits auf eine Ziellosigkeit angespielt, die Parzival ebenso erfährt, als er 5 Jahre umhereist und versucht den Gral durch Kämpfen zu erlangen. Das dies nicht gelingen wird, kann schon aus der väterlichen Vorgeschichte entnommen werden, der wie seine Väter, bei einem Kampf getötet wird. Es scheint als führe der Kampf unweigerlich in den Tod. Zwar wird Gahmuret getötet, als er wieder das Wappen seines Vater führt, dennoch zieht es ihn in die Ferne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret stellt durch seine Orientfahrt eine Verbindung zu den Heiden dar. Auf das Verhältnis von Farben wurde im [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] angespielt und in der Orientfahrt wird das erstmals im Text das umgesetzt. Gahmuret begegnet dort Schwarzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wohl bemerkenswerteste an Gahmuret ist seine höfisches Verhalten. Vorallem bei dem Bruderkampf zwischen Parzival und Feirefiz wird deutlich, dass Parzival nach seiner &#039;Bildungsfahrt&#039;, die Regeln des höfischen Sprechens so verinnerlicht hat, wie einst sein Vater. Die Ausgangssituation des Gespräches zwischen Feirefiz und Parzival ist ähnlich der von Galoes und Gahmuret, denn theoretisch hat Feirefiz das Anrecht auf Anschouwe. In Gahmuret lässt sich zumindest der Zielpunkt Parzival höfischer Sozialisation ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso erstaunlich ist der Werdegang der beiden. Gahmuret wird als &#039;chevalier errant&#039; zum Herrescher über Zazamanc, Waleis, Norgals und Anschouwe.[Sutter 2000: S.193]&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Werdegang ist erstaunlich. Er wird der Herrescher von Anschouwe, Brobarz, Waleis, Norgals und Munsalvaesche. [Sutter 2000: S.194]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lassen sich durchaus Parallelen zwischen Parzival und Gahmuret finden. Beide legen einen gewaltigen Aufstieg zurück, wobei Parzival von seiner mütterlichen Seite her, wohl für eine größere Aufgabe bestimmt ist.&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellennachweis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mertens 2007] Mertens, Volker (2007): Der deutsche Artusroman, Stuttgart: Reclam 2007.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Becker 2002] Becker, Anja (2002):Parzivals redegewandter Vater. Zur Einschätzung Gahmurets und der Auszugsszene (4,27-13,8). In: Focus on German Studies 9 (2002), S.155-174.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Sutter 2000] Sutter, Rolf (2000): mit saelde ich gerbet han den gral : Genealogische Strukturanalyse zu Wolfram&#039;s von Eschenbach Parzival. Universität Tübingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1993] Holger, Noltze (1993): Gahmurtes Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &amp;quot;Parzival&amp;quot; (4,27-58,26), Würzburg: Königshausen und Neumann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genealogie|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23449</id>
		<title>Parzival und Gahmuret im Vergleich</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23449"/>
		<updated>2015-07-14T19:31:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Zwischenfazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Um den Versepos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu verstehen wird in vielen Forschungstexten auf die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Genealogie Genealogie] verwiesen. Eine Beziehung, die in diesem Werk nicht konkretisiert wird, ist jene zwischen [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] und seinem Vater Gahmuret, der vor der Geburt von Parzival verstarb. Dennoch scheint ein Vergleich zwischen dem Vater und seinem Sohn sinnvoll, da die Bücher über Gahmuret eine Erfindung von Wolfram vom Eschenbach sind. Die Vorlage von Chrétiens &#039;Li Contes del Graal ou Le roman de Perceval&#039; enthält keine elterliche Vorgeschichte. Daher sollen in diesem Artikel die Unterschiede zwischen Parzival und Gahmuret aufgezeigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit den [[http://mediaewiki.org/wiki/Biografische_Parallelen_zwischen_Gahmuret_und_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|biografischen Parallelen zwischen Gahmuret und Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst werden ihre äußeren Erscheinungsbild und die Art ihrer eigenen Inszenierung thematisiert. Wie ist ihre Ausgangsposition im Epos? Wer sind ihre Verwandten? Wie wurden sie erzogen? Durch den Vergleich sollen die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Kann von Gahmuret auf Parzivals Werdegang geschlossen werden? Bestimmt die Vorgeschichte Gahmurets den Handlungsrahmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erscheinungsbilder ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Gahmuret selbst wird kaum etwas gesagt, außer, dass er groß und hellhäutig ist. Es wird viel mehr das beschreiben, was er an hat: so z.B. sein Schild, dass viele Zobelbälge trägt und das Bild eines Ankers hat.&lt;br /&gt;
Beim Einzug in Zazamanc wird das Aussehen von Gahmuret kaum beschrieben, sondern seine Gefolgschaft. Allerdings sieht Gahmuret so gut aus, dass man ihn lieben muss.&lt;br /&gt;
In Afrika wird vor allem seine Kleidung oder seine Kampfausrüstung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wird bereits nach der Geburt als männlich beschrieben mit starken Gliedern (112, 27). Ebenso wie sein Vater ist er hellhäutig. Auch sein Aussehen bewirkt eine positive Reaktion der Damenwelt, wie bereits sein Vater. Allerdings wird nicht Parzivals Kleidung oder pompöse Einzüge betont, es ist viel mehr Parzival selbst, der als hübsch bezeichnet wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Aussehen her gibt es nicht sonderlich viele Auffälligkeiten. Beide sind hellhäutig und scheinen den Frauen zu gefallen. Wobei Gahmuret sein Auftreten und seine Kleidung und bei Parzival das Aussehen selbst im Vordergrund stehen. Allerdings gibt es keine Vergleiche zwischen Vater und Sohn. Die äußerliche Ähnlichkeit der beiden wird nicht betont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwandschaft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der zweite Sohn des Königs von Anschouwe und der Bruder von Galoes. (4,28-5,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief von Belacane wird der Stammbaum vom Gahmuret deutlich. Aus dem Brief geht hervor, dass Gahmuret der Sohn des Gadîn, der Urenkel des Mazadan ist. Denn Gadîn Vater ist Addanz. Addanz Bruder heißt Brickus und dessen Vater ist Mazadan. Jener Mazadan ist aber nicht nur Gahmurets Urgroßvater, sondern auch der von Artus. Der Vater von Artus &#039;Utepandragun&#039; ist demnach der Großonkel von Gahmuret und Artus sein Großcousin (56,1-28).&lt;br /&gt;
Über die Verhältnisse der mütterlichen Seite erfährt der Rezipient nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die chronologische Familienabfolge &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Verwandtschaftstafel im Artikel [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; besagt, dass Feirefiz Gahmurets erst geborener Sohn ist, den er mit seiner damaligen Frau [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Belacane]] bekommt, die aus dem Orient stammt. Parzival wird von Gahmurets zweiter Frau [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] geboren. &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über die beiden Söhne von Gahmuret. [[ Parzival und Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Verwandtschaftstafel.png|500px|thumb|right|Verwandtschaftstafel]]&lt;br /&gt;
Wie bereits oben deutlich wird, ist Parzival über seinen Vater mit der Artusfamilie verwandt. Artus ist demnach sein Großonkel. Parzival erfährt aber erst (140,17) von seinem Vater und somit von der Verwandtschaft. &lt;br /&gt;
Die [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehungen]] mütterlicherseits werden zu einem späteren Zeitpunkt im Epos bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(333,29-30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Von im den Herzeloyde bar. || Er, den Herzeloyde gebar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ouch generbe dar.  || war ja auch der rechtmäßige Erbe dort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genauere Auflösung von Parzivals verwandtschaftlichem Verhältnis mit der Gralsfamilie ist im Vers (455,15) zu finden. Der Gralskönig Anfortas ist der Bruder von Herzylode. Sie stammen von [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frimutel]] ab, der den Gral an [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] weiterreichte. Frimutel erhielt den Gral von seinem Vater Tyturel.&lt;br /&gt;
Parzival vereint also die beiden Familienlinien der Artus- und der Gralsfamilie miteinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide sind die zweiten Söhne ihres Vaters. Wobei Gahmuret und sein Bruder von derselben Mutter stammen. Parzival und Feirefiz stammen von unterschiedlichen Müttern. Sowohl Gamuret, als auch Parzival stammen vom hochadeligem Geschlecht ab. Die Vermischung der arthurischen und titurelschen Geschlechtslinien prädestiniert Parzival für die Wahl zum [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralskönig]] und verschafft ihm einen genealogisch Vorteil gegenüber seinem Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei seinem [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Versagen]] auf der Gralsburg wird durch das Überreichen des Mantels von der Gralsträgerin (228,15) und dem Geschenk des Königs der Gralsburg, ein Schwert (239,22), seine Bestimmung Gralskönig zu werden angedeutet. [Mertens 2007: 123] Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Gralsgesellschaft der Abstammung Parzivals bewusst ist. Deshalb vermuten sie wohl, dass Parzival wegen seiner Abstammung der Ritter aus der Prophezeiung (483,20) ist. Parzival selbst erfährt erst bei [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] im IX. Buch von seiner Abstammung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret kennt seine Eltern und es ist ihm möglich, einen ziemlich exakten Stammbaum seiner Familie zu skizzieren. Parzival hingegangen erfährt erst im Verlauf der Geschichte Stück für Stück von seiner Abstammung und seiner Bestimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspositionen und weitere Parallelen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmurets Vater wird in einem Kampf getötet, wie bereits der Vater von Gadîn zuvor, und deshalb würde er zunächst alles verlieren, da der älteste Sohn nach französischen Recht alles erbt (Primogeniturrecht) [Noltze 1993: vgl. S.217]. Doch Gahmuret bittet seinen Bruder ihn ziehen zu lassen, um nach Ruhm und Ehre streben zu können. Sein Bruder und seiner Mutter beschenken ihn reichlich, so dass er gut gerüstet auf Aventüre gehen kann. [Mertens 2007: vgl S.107] So wird der Königssohn von sich selbst aus, zum &#039;chevalier errant&#039;[Hermann 2009: S.81]. Der Auszug aus Anschouwe wird später genauer analysiert, aus der Analyse wird deutlich, dass Gahmuret eine vorzügliche Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wächst zunächst abgeschottet von der Außenwelt bei seiner Mutter auf, die auch für seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] zuständig ist. Weil Herzeloyde schon einmal einen geliebten Menschen, nämlich ihren Mann Gahmuret, im Kampf verloren hat, befürchtet sie, dass ihrem Sohn das gleiche Schicksal ereilen könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail mit den Vater/Sohn Strukturen im Parzival: [[Vater und Sohn im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Parzival verlässt seine Mutter um Ritter zu werden und Aventüren zu bestreiten. Die Mutter die ihn nur schmerzlich gehen lassen möchte, lässt ihn als ein Narr bekleidet ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Parallele von Gahmuret und Parzival besteht bei ihren Müttern. Denn die Mutter von Gahmuret verstirbt, als ihr Sohn Galoes stribt und Gahmuret ihr fern ist. Auch Herzeloyde stirbt, nachdem Parzival sie verlassen hat. Das Verlassen der Mutter wird später bei Trevrizent, als eine seiner Sünden vorgeworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret und Parzival ähneln sich objektiv in ihrer Ausgangsposition. Denn beide sind die zweitgeborenen und ihnen wird dadurch ein Erbe versagt. Bei Parzival ist die Situation jedoch etwas verschärft, da er keine höfische Erziehung hat. Er verlässt seine Mutter als Narr und nicht besonders ausgestattet, wohin gegen Gahmuret alles gestellt wird. Gahmuret lässt seine Mutter nicht alleine zurück, um nach Ruhm und Ehre sterben zu können. Sie bleibt bei seinem Bruder und König von Anschouwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auffälligkeit ist wohl das Sterben der Vater im ritterlichen Kampf. Es scheint wohl typisch für sie ihr Leben im Kampf zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmurets als Rahmenfigur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits oben erwähnt wird die Auszug aus Anschouwe und die Wahl zum &#039;chevalier errant&#039; näher untersucht. Denn bei Gespräch mit Galoes kann eine ganz andere Seite von Gahmuret, als die kämpferische, die ihm die Forschung meist zu weist, gesehen werden. So heißt es bei Herrmanns, in einem Zitat nach Brunner: Die vor-arthurische Ritterwelt wird vor allem an Gahmuret deutlich: Sie erscheint als weite, bunte Welt des Abendteuers, des Kampfes un der Minne. [Herrmann 2009: S.80]&lt;br /&gt;
Zum Auszug nach Becker: Der Text von Becker fasst zunächst Meinung der Forschung auf, die Gahmuret als defizitären Typus analysieren, so dass Parzival ihm überlegen sein kann. In diesen Texten wird er als, unreflektiert, impulsiv, &#039;man of action&#039;, &#039;der Mann der von seinem Tatendrang bestimmt&#039; wird oder gar als, &#039;one dimensional&#039;, der nur auf seine Ritterschaft bedacht ist, bezeichnet. Die ältere Forschung sieht ihn als Ritter vom alten Schlag, als vorhöfischen Typus. Er stamme aus der Chaonson de geste-Tradition, bei der das Leitmotto &#039;der Stärkste bekommt die Schönste&#039; ist. Allerdings verweist sie auf Texte bei denen Gahmuret vom Erzähler als vorbildlicher Ritter dargestellt wird. Sie möchte das vorbildliche Verhalten Gahmurets, an der ersten Szene in der Gahmuret Erscheines, analysieren. Es ist sein Auszug aus Anschouwe. Gahmuret wird also nicht bei einem ritterlichen Kampf eingeführt, sondern bei einem Gespräch in der Öffentlichkeit des Hofes. Nach Herrmann verhält sich Gahmuret in diesem Gespräch äußerst geschickt und sehr höfisch. Es ist Gahmuret möglich mit seinem Bruder über das Erbrecht zu sprechen, die Forderungen der Fürsten zurückzuweisen und sein eigen gewähltes Ziel, fahrender Ritter zu werden, zu erlangen. Er erlangt sein Ziel, obwohl sein Bruder ihm eine andere Position anbietet. Er schafft all dies, ohne das die anwesenden Fürsten davon es mitbekommen. Er redet so gewandt, dass er die Sorgen seines Bruders, dem er die Erbschaft streitig machen könnte, nicht schadet. Denn nach dem Tod des Vaters kann ein Zwist zwischen den Erbenden für Unruhe sorgen und der Regenschaft des Nachfolgers schaden. Gahmuret umschifft all diese Probleme und es gelingt ihm sogar noch, dem höfischen Sprechen gerecht zu werden. Das bedeutet, er schweigt, wenn er nicht angesprochen wird und setzt sich dadurch nicht selbst in Szene. Wenn er dann selbst spricht setzt er sich selbst herab, um seine Position zu verdeutlichen. Wegen seiner Redegewandtheit und seinen vorzüglichen höfischen Manieren kann Gahmuret sein eigenes Ziel erreichen und dabei seinem Bruder helfen, indem er durch sein Sprechen seine Regenschaft stärkt.[Becker 2002: vgl.] Gahmuret ist also nicht nur ein Ritter, der nach Minne und Rittertum strebt, sondern er vereint diese Ziele mit höfisch vorbildlichen Verhalten und einem vorzüglichen Intellekt, der in seiner Redegewandtheit liegt. Es kann davon ausgegangen werden, dass er eine höfische Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch sein selbst gewähltes Wappen den Anker trägt Gahmuret weitere Aspekte in den Roman. Das Wappen wird vom Erzähler negativ gesehen, da er für das ständige Aufbrechen in neue Räume steht, für eine Ziellosigkeit und eine Bürde.  Während der Anker sein Schild ziert, kämpft er für den Baruc von Baldac, also unter einem Heiden.[Herrmann 2009: S.82] Als Ritter des Baruc gelangt Gahmuret zu großen Ruhm und kann sogar die Hand eine Königin für sich gewinnen. Während eines Kampfes den er für Belacane führt, erkennt er seine Verwandten bei den Gegner und es kommt zu Verhandlungen statt zum Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Fahrt in den Orient, in dem er nicht heimisch wurde, kann er Herzelyode für sich erkämpfen. Doch in er handelt für seine Ehe aus, dass er noch zum ritterlich Kampf fahren kann. Was ihm zum Verhängnis wird. Denn wie sein Vater stirbt auch er im Kampf, auch wenn er durch eine List getötet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Höhepunkt ihrer Karrieren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret wird der König von Anschouwe und von seiner Beziehung mit Belacane und seiner Hochzeit mit Herzeloyde wird er der Herrscher ihrer Länder. Er wird als ein großer Herrscher, der über viele Länder regiert. Er ist fast aus dem nichts gestartet und steigt sehr weit auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival begibt sich als Narr auf den Weg in die Welt, um Ritter zu werden. Sein Weg führt in als Ritter der Tafelrunde bis hin zum König der Gralsburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgeschichte des Vater steckt bereits einen großen Rahmen ab. In den ersten zwei Büchern wird bereits auf eine Ziellosigkeit angespielt, die Parzival ebenso erfährt, als er 5 Jahre umhereist und versucht den Gral durch Kämpfen zu erlangen. Das dies nicht gelingen wird, kann schon aus der väterlichen Vorgeschichte entnommen werden, der wie seine Väter, bei einem Kampf getötet wird. Es scheint als führe der Kampf unweigerlich in den Tod. Zwar wird Gahmuret getötet, als er wieder das Wappen seines Vater führt, dennoch zieht es ihn in die Ferne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret stellt durch seine Orientfahrt eine Verbindung zu den Heiden dar. Auf das Verhältnis von Farben wurde im [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] angespielt und in der Orientfahrt wird das erstmals im Text das umgesetzt. Gahmuret begegnet dort Schwarzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wohl bemerkenswerteste an Gahmuret ist seine höfisches Verhalten. Vorallem bei dem Bruderkampf zwischen Parzival und Feirefiz wird deutlich, dass Parzival nach seiner &#039;Bildungsfahrt&#039;, die Regeln des höfischen Sprechens so verinnerlicht hat, wie einst sein Vater. Die Ausgangssituation des Gespräches zwischen Feirefiz und Parzival ist ähnlich der von Galoes und Gahmuret, denn theoretisch hat Feirefiz das Anrecht auf Anschouwe. In Gahmuret lässt sich zumindest der Zielpunkt Parzival höfischer Sozialisation ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso erstaunlich ist der Werdegang der beiden. Gahmuret wird als &#039;chevalier errant&#039; zum Herrescher über Zazamanc, Waleis, Norgals und Anschouwe.[Sutter 2000: S.193]&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Werdegang ist erstaunlich. Er wird der Herrescher von Anschouwe, Brobarz, Waleis, Norgals und Munsalvaesche. [Sutter 2000: S.194]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lassen sich durchaus Parallelen zwischen Parzival und Gahmuret finden. Beide legen einen gewaltigen Aufstieg zurück, wobei Parzival von seiner mütterlichen Seite her, wohl für eine größere Aufgabe bestimmt ist.&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellennachweis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mertens 2007] Mertens, Volker (2007): Der deutsche Artusroman, Stuttgart: Reclam 2007.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Becker 2002] Becker, Anja (2002):Parzivals redegewandter Vater. Zur Einschätzung Gahmurets und der Auszugsszene (4,27-13,8). In: Focus on German Studies 9 (2002), S.155-174.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Sutter 2000] Sutter, Rolf (2000): mit saelde ich gerbet han den gral : Genealogische Strukturanalyse zu Wolfram&#039;s von Eschenbach Parzival. Universität Tübingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1993] Holger, Noltze (1993): Gahmurtes Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &amp;quot;Parzival&amp;quot; (4,27-58,26), Würzburg: Königshausen und Neumann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genealogie|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23448</id>
		<title>Parzival und Gahmuret im Vergleich</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23448"/>
		<updated>2015-07-14T19:30:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Zwischenfazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Um den Versepos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu verstehen wird in vielen Forschungstexten auf die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Genealogie Genealogie] verwiesen. Eine Beziehung, die in diesem Werk nicht konkretisiert wird, ist jene zwischen [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] und seinem Vater Gahmuret, der vor der Geburt von Parzival verstarb. Dennoch scheint ein Vergleich zwischen dem Vater und seinem Sohn sinnvoll, da die Bücher über Gahmuret eine Erfindung von Wolfram vom Eschenbach sind. Die Vorlage von Chrétiens &#039;Li Contes del Graal ou Le roman de Perceval&#039; enthält keine elterliche Vorgeschichte. Daher sollen in diesem Artikel die Unterschiede zwischen Parzival und Gahmuret aufgezeigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit den [[http://mediaewiki.org/wiki/Biografische_Parallelen_zwischen_Gahmuret_und_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|biografischen Parallelen zwischen Gahmuret und Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst werden ihre äußeren Erscheinungsbild und die Art ihrer eigenen Inszenierung thematisiert. Wie ist ihre Ausgangsposition im Epos? Wer sind ihre Verwandten? Wie wurden sie erzogen? Durch den Vergleich sollen die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Kann von Gahmuret auf Parzivals Werdegang geschlossen werden? Bestimmt die Vorgeschichte Gahmurets den Handlungsrahmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erscheinungsbilder ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Gahmuret selbst wird kaum etwas gesagt, außer, dass er groß und hellhäutig ist. Es wird viel mehr das beschreiben, was er an hat: so z.B. sein Schild, dass viele Zobelbälge trägt und das Bild eines Ankers hat.&lt;br /&gt;
Beim Einzug in Zazamanc wird das Aussehen von Gahmuret kaum beschrieben, sondern seine Gefolgschaft. Allerdings sieht Gahmuret so gut aus, dass man ihn lieben muss.&lt;br /&gt;
In Afrika wird vor allem seine Kleidung oder seine Kampfausrüstung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wird bereits nach der Geburt als männlich beschrieben mit starken Gliedern (112, 27). Ebenso wie sein Vater ist er hellhäutig. Auch sein Aussehen bewirkt eine positive Reaktion der Damenwelt, wie bereits sein Vater. Allerdings wird nicht Parzivals Kleidung oder pompöse Einzüge betont, es ist viel mehr Parzival selbst, der als hübsch bezeichnet wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Aussehen her gibt es nicht sonderlich viele Auffälligkeiten. Beide sind hellhäutig und scheinen den Frauen zu gefallen. Wobei Gahmuret sein Auftreten und seine Kleidung und bei Parzival das Aussehen selbst im Vordergrund stehen. Allerdings gibt es keine Vergleiche zwischen Vater und Sohn. Die äußerliche Ähnlichkeit der beiden wird nicht betont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwandschaft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der zweite Sohn des Königs von Anschouwe und der Bruder von Galoes. (4,28-5,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief von Belacane wird der Stammbaum vom Gahmuret deutlich. Aus dem Brief geht hervor, dass Gahmuret der Sohn des Gadîn, der Urenkel des Mazadan ist. Denn Gadîn Vater ist Addanz. Addanz Bruder heißt Brickus und dessen Vater ist Mazadan. Jener Mazadan ist aber nicht nur Gahmurets Urgroßvater, sondern auch der von Artus. Der Vater von Artus &#039;Utepandragun&#039; ist demnach der Großonkel von Gahmuret und Artus sein Großcousin (56,1-28).&lt;br /&gt;
Über die Verhältnisse der mütterlichen Seite erfährt der Rezipient nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die chronologische Familienabfolge &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Verwandtschaftstafel im Artikel [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; besagt, dass Feirefiz Gahmurets erst geborener Sohn ist, den er mit seiner damaligen Frau [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Belacane]] bekommt, die aus dem Orient stammt. Parzival wird von Gahmurets zweiter Frau [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] geboren. &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über die beiden Söhne von Gahmuret. [[ Parzival und Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Verwandtschaftstafel.png|500px|thumb|right|Verwandtschaftstafel]]&lt;br /&gt;
Wie bereits oben deutlich wird, ist Parzival über seinen Vater mit der Artusfamilie verwandt. Artus ist demnach sein Großonkel. Parzival erfährt aber erst (140,17) von seinem Vater und somit von der Verwandtschaft. &lt;br /&gt;
Die [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehungen]] mütterlicherseits werden zu einem späteren Zeitpunkt im Epos bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(333,29-30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Von im den Herzeloyde bar. || Er, den Herzeloyde gebar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ouch generbe dar.  || war ja auch der rechtmäßige Erbe dort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genauere Auflösung von Parzivals verwandtschaftlichem Verhältnis mit der Gralsfamilie ist im Vers (455,15) zu finden. Der Gralskönig Anfortas ist der Bruder von Herzylode. Sie stammen von [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frimutel]] ab, der den Gral an [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] weiterreichte. Frimutel erhielt den Gral von seinem Vater Tyturel.&lt;br /&gt;
Parzival vereint also die beiden Familienlinien der Artus- und der Gralsfamilie miteinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide sind die zweiten Söhne ihres Vaters. Wobei Gahmuret und sein Bruder von derselben Mutter stammen. Parzival und Feirefiz stammen von unterschiedlichen Müttern. Sowohl Gamuret, als auch Parzival stammen vom hochadeligem Geschlecht ab. Die Vermischung der arthurischen und titurelschen Geschlechtslinien prädestiniert Parzival für die Wahl zum [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralskönig]] und verschafft ihm einen genealogisch Vorteil gegenüber seinem Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei seinem [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Versagen]] auf der Gralsburg wird durch das Überreichen des Mantels von der Gralsträgerin (228,15) und dem Geschenk des Königs der Gralsburg, ein Schwert (239,22), seine Bestimmung Gralskönig zu werden angedeutet. [Mertens 2007: S.123] Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Gralsgesellschaft der Abstammung Parzivals bewusst ist. Deshalb vermuten sie wohl, dass Parzival wegen seiner Abstammung der Ritter aus der Prophezeiung (483,20) ist. Parzival selbst erfährt erst bei [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] im IX. Buch von seiner Abstammung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret kennt seine Eltern und es ist ihm möglich, einen ziemlich exakten Stammbaum seiner Familie zu skizzieren. Parzival hingegangen erfährt erst im Verlauf der Geschichte Stück für Stück von seiner Abstammung und seiner Bestimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspositionen und weitere Parallelen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmurets Vater wird in einem Kampf getötet, wie bereits der Vater von Gadîn zuvor, und deshalb würde er zunächst alles verlieren, da der älteste Sohn nach französischen Recht alles erbt (Primogeniturrecht) [Noltze 1993: vgl. S.217]. Doch Gahmuret bittet seinen Bruder ihn ziehen zu lassen, um nach Ruhm und Ehre streben zu können. Sein Bruder und seiner Mutter beschenken ihn reichlich, so dass er gut gerüstet auf Aventüre gehen kann. [Mertens 2007: vgl S.107] So wird der Königssohn von sich selbst aus, zum &#039;chevalier errant&#039;[Hermann 2009: S.81]. Der Auszug aus Anschouwe wird später genauer analysiert, aus der Analyse wird deutlich, dass Gahmuret eine vorzügliche Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wächst zunächst abgeschottet von der Außenwelt bei seiner Mutter auf, die auch für seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] zuständig ist. Weil Herzeloyde schon einmal einen geliebten Menschen, nämlich ihren Mann Gahmuret, im Kampf verloren hat, befürchtet sie, dass ihrem Sohn das gleiche Schicksal ereilen könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail mit den Vater/Sohn Strukturen im Parzival: [[Vater und Sohn im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Parzival verlässt seine Mutter um Ritter zu werden und Aventüren zu bestreiten. Die Mutter die ihn nur schmerzlich gehen lassen möchte, lässt ihn als ein Narr bekleidet ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Parallele von Gahmuret und Parzival besteht bei ihren Müttern. Denn die Mutter von Gahmuret verstirbt, als ihr Sohn Galoes stribt und Gahmuret ihr fern ist. Auch Herzeloyde stirbt, nachdem Parzival sie verlassen hat. Das Verlassen der Mutter wird später bei Trevrizent, als eine seiner Sünden vorgeworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret und Parzival ähneln sich objektiv in ihrer Ausgangsposition. Denn beide sind die zweitgeborenen und ihnen wird dadurch ein Erbe versagt. Bei Parzival ist die Situation jedoch etwas verschärft, da er keine höfische Erziehung hat. Er verlässt seine Mutter als Narr und nicht besonders ausgestattet, wohin gegen Gahmuret alles gestellt wird. Gahmuret lässt seine Mutter nicht alleine zurück, um nach Ruhm und Ehre sterben zu können. Sie bleibt bei seinem Bruder und König von Anschouwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auffälligkeit ist wohl das Sterben der Vater im ritterlichen Kampf. Es scheint wohl typisch für sie ihr Leben im Kampf zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmurets als Rahmenfigur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits oben erwähnt wird die Auszug aus Anschouwe und die Wahl zum &#039;chevalier errant&#039; näher untersucht. Denn bei Gespräch mit Galoes kann eine ganz andere Seite von Gahmuret, als die kämpferische, die ihm die Forschung meist zu weist, gesehen werden. So heißt es bei Herrmanns, in einem Zitat nach Brunner: Die vor-arthurische Ritterwelt wird vor allem an Gahmuret deutlich: Sie erscheint als weite, bunte Welt des Abendteuers, des Kampfes un der Minne. [Herrmann 2009: S.80]&lt;br /&gt;
Zum Auszug nach Becker: Der Text von Becker fasst zunächst Meinung der Forschung auf, die Gahmuret als defizitären Typus analysieren, so dass Parzival ihm überlegen sein kann. In diesen Texten wird er als, unreflektiert, impulsiv, &#039;man of action&#039;, &#039;der Mann der von seinem Tatendrang bestimmt&#039; wird oder gar als, &#039;one dimensional&#039;, der nur auf seine Ritterschaft bedacht ist, bezeichnet. Die ältere Forschung sieht ihn als Ritter vom alten Schlag, als vorhöfischen Typus. Er stamme aus der Chaonson de geste-Tradition, bei der das Leitmotto &#039;der Stärkste bekommt die Schönste&#039; ist. Allerdings verweist sie auf Texte bei denen Gahmuret vom Erzähler als vorbildlicher Ritter dargestellt wird. Sie möchte das vorbildliche Verhalten Gahmurets, an der ersten Szene in der Gahmuret Erscheines, analysieren. Es ist sein Auszug aus Anschouwe. Gahmuret wird also nicht bei einem ritterlichen Kampf eingeführt, sondern bei einem Gespräch in der Öffentlichkeit des Hofes. Nach Herrmann verhält sich Gahmuret in diesem Gespräch äußerst geschickt und sehr höfisch. Es ist Gahmuret möglich mit seinem Bruder über das Erbrecht zu sprechen, die Forderungen der Fürsten zurückzuweisen und sein eigen gewähltes Ziel, fahrender Ritter zu werden, zu erlangen. Er erlangt sein Ziel, obwohl sein Bruder ihm eine andere Position anbietet. Er schafft all dies, ohne das die anwesenden Fürsten davon es mitbekommen. Er redet so gewandt, dass er die Sorgen seines Bruders, dem er die Erbschaft streitig machen könnte, nicht schadet. Denn nach dem Tod des Vaters kann ein Zwist zwischen den Erbenden für Unruhe sorgen und der Regenschaft des Nachfolgers schaden. Gahmuret umschifft all diese Probleme und es gelingt ihm sogar noch, dem höfischen Sprechen gerecht zu werden. Das bedeutet, er schweigt, wenn er nicht angesprochen wird und setzt sich dadurch nicht selbst in Szene. Wenn er dann selbst spricht setzt er sich selbst herab, um seine Position zu verdeutlichen. Wegen seiner Redegewandtheit und seinen vorzüglichen höfischen Manieren kann Gahmuret sein eigenes Ziel erreichen und dabei seinem Bruder helfen, indem er durch sein Sprechen seine Regenschaft stärkt.[Becker 2002: vgl.] Gahmuret ist also nicht nur ein Ritter, der nach Minne und Rittertum strebt, sondern er vereint diese Ziele mit höfisch vorbildlichen Verhalten und einem vorzüglichen Intellekt, der in seiner Redegewandtheit liegt. Es kann davon ausgegangen werden, dass er eine höfische Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch sein selbst gewähltes Wappen den Anker trägt Gahmuret weitere Aspekte in den Roman. Das Wappen wird vom Erzähler negativ gesehen, da er für das ständige Aufbrechen in neue Räume steht, für eine Ziellosigkeit und eine Bürde.  Während der Anker sein Schild ziert, kämpft er für den Baruc von Baldac, also unter einem Heiden.[Herrmann 2009: S.82] Als Ritter des Baruc gelangt Gahmuret zu großen Ruhm und kann sogar die Hand eine Königin für sich gewinnen. Während eines Kampfes den er für Belacane führt, erkennt er seine Verwandten bei den Gegner und es kommt zu Verhandlungen statt zum Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Fahrt in den Orient, in dem er nicht heimisch wurde, kann er Herzelyode für sich erkämpfen. Doch in er handelt für seine Ehe aus, dass er noch zum ritterlich Kampf fahren kann. Was ihm zum Verhängnis wird. Denn wie sein Vater stirbt auch er im Kampf, auch wenn er durch eine List getötet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Höhepunkt ihrer Karrieren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret wird der König von Anschouwe und von seiner Beziehung mit Belacane und seiner Hochzeit mit Herzeloyde wird er der Herrscher ihrer Länder. Er wird als ein großer Herrscher, der über viele Länder regiert. Er ist fast aus dem nichts gestartet und steigt sehr weit auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival begibt sich als Narr auf den Weg in die Welt, um Ritter zu werden. Sein Weg führt in als Ritter der Tafelrunde bis hin zum König der Gralsburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgeschichte des Vater steckt bereits einen großen Rahmen ab. In den ersten zwei Büchern wird bereits auf eine Ziellosigkeit angespielt, die Parzival ebenso erfährt, als er 5 Jahre umhereist und versucht den Gral durch Kämpfen zu erlangen. Das dies nicht gelingen wird, kann schon aus der väterlichen Vorgeschichte entnommen werden, der wie seine Väter, bei einem Kampf getötet wird. Es scheint als führe der Kampf unweigerlich in den Tod. Zwar wird Gahmuret getötet, als er wieder das Wappen seines Vater führt, dennoch zieht es ihn in die Ferne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret stellt durch seine Orientfahrt eine Verbindung zu den Heiden dar. Auf das Verhältnis von Farben wurde im [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] angespielt und in der Orientfahrt wird das erstmals im Text das umgesetzt. Gahmuret begegnet dort Schwarzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wohl bemerkenswerteste an Gahmuret ist seine höfisches Verhalten. Vorallem bei dem Bruderkampf zwischen Parzival und Feirefiz wird deutlich, dass Parzival nach seiner &#039;Bildungsfahrt&#039;, die Regeln des höfischen Sprechens so verinnerlicht hat, wie einst sein Vater. Die Ausgangssituation des Gespräches zwischen Feirefiz und Parzival ist ähnlich der von Galoes und Gahmuret, denn theoretisch hat Feirefiz das Anrecht auf Anschouwe. In Gahmuret lässt sich zumindest der Zielpunkt Parzival höfischer Sozialisation ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso erstaunlich ist der Werdegang der beiden. Gahmuret wird als &#039;chevalier errant&#039; zum Herrescher über Zazamanc, Waleis, Norgals und Anschouwe.[Sutter 2000: S.193]&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Werdegang ist erstaunlich. Er wird der Herrescher von Anschouwe, Brobarz, Waleis, Norgals und Munsalvaesche. [Sutter 2000: S.194]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lassen sich durchaus Parallelen zwischen Parzival und Gahmuret finden. Beide legen einen gewaltigen Aufstieg zurück, wobei Parzival von seiner mütterlichen Seite her, wohl für eine größere Aufgabe bestimmt ist.&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellennachweis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mertens 2007] Mertens, Volker (2007): Der deutsche Artusroman, Stuttgart: Reclam 2007.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Becker 2002] Becker, Anja (2002):Parzivals redegewandter Vater. Zur Einschätzung Gahmurets und der Auszugsszene (4,27-13,8). In: Focus on German Studies 9 (2002), S.155-174.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Sutter 2000] Sutter, Rolf (2000): mit saelde ich gerbet han den gral : Genealogische Strukturanalyse zu Wolfram&#039;s von Eschenbach Parzival. Universität Tübingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1993] Holger, Noltze (1993): Gahmurtes Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &amp;quot;Parzival&amp;quot; (4,27-58,26), Würzburg: Königshausen und Neumann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genealogie|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23358</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23358"/>
		<updated>2015-07-14T17:53:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Ort des Kampfes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Armin Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl.47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23355</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23355"/>
		<updated>2015-07-14T17:52:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Kampfarten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Peter Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl.47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23353</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23353"/>
		<updated>2015-07-14T17:51:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Ort des Kampfes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7 f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl.47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23352</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23352"/>
		<updated>2015-07-14T17:51:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004: 51] Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl.47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23351</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23351"/>
		<updated>2015-07-14T17:49:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: S. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004]:S. 51 Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004: vgl.47]&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004: 51]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23348</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23348"/>
		<updated>2015-07-14T17:46:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Gnorisma */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: S. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004]:S. 51 Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen, durch das sich lang Getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl.  214]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorismas kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“&#039;&#039; [Harms 1963: 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977: 444] Parzival hat in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbart ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soltane und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf von Gawans Namen durch die hinzukommenden Kinder das Gnorisma des Verwandtschaftskampfes. [Harms 1963: vgl. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan ihr Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien: Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004]:vgl. S. 47&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004]:S. 51&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23337</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23337"/>
		<updated>2015-07-14T17:37:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Ort des Kampfes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: S. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004]:S. 51 Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von den Boten Artus unterbrochen wird (688, 7f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen durch das sich lang getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl. S. 214]&lt;br /&gt;
„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorisma kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“  [Harms 1963: S. 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner tumpheit&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977:444] Parzival hatte in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbarte ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche tumpheit des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;Tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soldaten zurück und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. S. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf, der hinzukommenden Kinder, von Gawans Namen das Gnorisma in diesem Verwandtschaftskampf. [Harms 1963: vgl. S. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan deren Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien: Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004]:vgl. S. 47&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004]:S. 51&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23335</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23335"/>
		<updated>2015-07-14T17:36:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: /* Kampfarten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: S. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004]:S. 51 Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkten mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989: 135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989: 136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. 89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, bei dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfarten hat diese eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die beiden anderen. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der sich auf dem Weg oder der Reise eines Ritters ergibt. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtkampf ist auch, dass er von keinem der Beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der Suche nach seinem Vater. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: S. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von Artus seinen Boten unterbrochen wird (688, 7f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen durch das sich lang getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl. S. 214]&lt;br /&gt;
„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorisma kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“  [Harms 1963: S. 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner tumpheit&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977:444] Parzival hatte in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbarte ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche tumpheit des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;Tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soldaten zurück und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. S. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf, der hinzukommenden Kinder, von Gawans Namen das Gnorisma in diesem Verwandtschaftskampf. [Harms 1963: vgl. S. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan deren Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien: Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004]:vgl. S. 47&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004]:S. 51&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23322</id>
		<title>Vergleich allgemeiner Formen von Verwandtschaftskämpfen in der höfischen Dichtung und im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vergleich_allgemeiner_Formen_von_Verwandtschaftsk%C3%A4mpfen_in_der_h%C3%B6fischen_Dichtung_und_im_Parzival&amp;diff=23322"/>
		<updated>2015-07-14T17:27:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Sarah4: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel beschäftigt sich mit dem Vergleich von allgemeinen Formen der Verwandtschaftskämpfe in der höfischen Dichtung und explizit in [[ Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Wolfram von Eschenbachs]] [[ Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Genauer gesagt werden das Sujet des Handlungsschemas, [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] und dessen Zweikämpfen genauer untersucht. [Schulz 2012: S. 244] Dabei stellt sich die Frage, ob bei höfischen Erzählungen gewisse Muster existieren, die typisch für den Verwandtschaftskampf sind. „In der germanisch-deutschen [[ Gattungsmerkmale der Heldenepik | Heldenepik]] gehört Ridder zu Folge der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden.&amp;quot; [Ridder 2004]:S. 51 Bestehen beispielsweise [http://www.duden.de/rechtschreibung/Affinitaet Affinitäten], typische Elemente oder kann möglicherweise von einem [http://www.duden.de/rechtschreibung/Topos Topos] in diesem &amp;quot;körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden&amp;quot; gesprochen werden?&lt;br /&gt;
Im Folgenden werden eine Vielfalt von möglichen Kategorien, wie beispielsweise die Kampfarten, der Ort, die Zeit des Kampfs und das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnorisma Gnorisma] im Verwandtschaftskampf auf pauschale Überschneidungen untersucht. &amp;lt;ref&amp;gt; Um einen groben Gesamtüberblick zu erhalten, eignet sich folgender Artikel: [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formen der Verwandtschaftskämpfe ==&lt;br /&gt;
=== Kampfarten ===&lt;br /&gt;
Czerwinsky schreibt von den zwei existierenden Dynastien im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und deren Verknüpfungspunkte mit dem Heroe.&amp;lt;ref&amp;gt;  Czerwinsky spricht dem Werk Wolframs den Status eines Sippenromans zu. Als Indizien dafür sieht er den Aufbau, der die Hauptfigur mit nur ca. 50% der Erzählungen auf einen zumindest gleichberechtigten Platz neben die Sozietät verweist. Vor allem die Gawan-Bücher und die Erweiterung des âventuire-Schemas, durch Parzivals größere Defizite in Mindestausstattung adeliger Konstituenten, Ausbildung im Kampf und höfischem Ritual als andere Heroen der Zeit, wie Eric oder Iwein, machen die epische Erzählung &amp;quot;[…] zur reinen Verkörperung genealogischer Wahrnehmung, einer Wahrnehmung, die vollständig von Denkfiguren einer Identität im dynastischen Verband geprägt ist.&amp;quot;[Czerwinski 1989:135] Damit geht Czerwinski nicht von einem individuellen personellen Subjekt als Zentrum der Handlung aus, sondern episches Subjekt ist demnach die Dynastie, repräsentiert durch ihre temporär auftretenden Mitglieder: Pazival, Gawan und Gahmuret. Damit konstituiert sich die Einheit des epischen Romas über den Körper der Sippe und nicht über spezielle Themen- und Problemkomplexe, wodurch der parataktische Aufbau des epischen Geschehens erklärt ist.[Czerwinski 1989:136 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der einen Dynastie meint der Autor die Begegnungen mit [[ Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Sigune]], [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] und [[ Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Anfortas]] mit denen Parzival immer Gespräche führt. Mit der zweiten Dynastie sind [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]], [[ Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gawan]] und [[ Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Feirefiz]] gemeint mit denen Parzival kämpft. [Czerwinski 1989: vgl. S.85] Im folgenden Abschnitt sollen die Kämpfe der zweiten Dynastie bzw. der väterlich-ritterlichen Linie genauer untersucht und kategorisiert werden. [Czerwinski 1989: vgl. S.89]&lt;br /&gt;
Bei den Kämpfen unter Verwandten handelt es sich überwiegend um Zweikämpfe, die Schulz mit dem Einhergehen ritterlicher Taten beschreibt. Hierbei übt der Artusritter Gewalt aus, begegnet jener und sieht sich dem Tod gegenüber. [Schulz 2012: vgl. S. 250] &lt;br /&gt;
Die Zweikämpfe zwischen den Verwandten &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den Verwandtschaftskämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gibt es in folgendem Artikel: [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?]] &amp;lt;/ref&amp;gt; werden in unterschiedliche Kampfformen unterteilt. Jedoch sollte erwähnt werden, dass die verschiedenen Kampfformen nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. &lt;br /&gt;
Die erste Kampfart ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtskampf Gerichtskampf], indem es darum geht, sein Recht oder das von demjenigen, den man vertritt zu verteidigen. Diese Kampfart kommt jedoch äußerst selten als Verwandtenkampf vor. Ebenso wenig wird in diesem Kreis der Feldkampf ausgetragen, denn jener wird eigentlich von zwei Heeren und nicht von zwei einzelnen Personen ausgetragen. Die dritte Kampfform ist der Schlachtkampf, während dem ein Zweikampf in einer Massenschlacht entstehen kann. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Kampfsorten hat dieser eine weniger enge Verbindung zu Recht und Ritus, wie die anderen beiden. Die vierte Kampfart ist der Fahrtkampf, der einen spontanen Kampf darstellt, der auf dem Weg oder der Reise eines Ritters erforderlich ist. Fahrtkämpfe sind immer eng verbunden mit dem Wahlkampf, der meistens aus einer Suche resultiert. Kämpfe, die eine Suche abschließen differenzieren sich, da das Aufeinandertreffen oder der Kampf selbst von einer beteiligten Person geplant oder erwünscht ist. Duellkämpfe hingegen sind vereinbarte Zweikämpfe, die meistens vor den Augen der Öffentlichkeit und zur Erprobung stattfinden. &lt;br /&gt;
Die vorletzte Kampfform ist der Spielkampf, bei dem von Beginn an ein Kampf um Leben und Tod ausgeschlossen wird. Oftmals ist dieser unverbindlich und dient in Freundes- und Verwandtenkreisen zur Unterhaltung. Zuletzt ist nun auch noch der Scherzkampf aufzulisten, bei dem auch ein dramatisches Ende ausgeschlossen ist. Denn einer der beiden Kämpfer durchschaut von Beginn an den Kampfablauf. Bei jener Kampfart werden im Verwandtenkreis &amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse befindet sich hier: [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; die Kämpfenden oftmals erzogen oder geprüft. [Harms 1963: vgl. 208] Nun stellt sich jedoch die Frage, welche spezielle Zweikampfform typisch für die Ritterdichtung ist, insbesondere für den Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
Parzivals Kampf mit Feirefiz ist ein typisches Beispiel für einen Fahrtkampf. Im XV. Buch treffen die beiden Männer aufeinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (735, 5-8)  &amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&amp;lt;/ref&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl reit balde || Parzival ritt kühn auf einen großen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime grôzen walde || Wald zu über eine Lichtung in der Wildnis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ûf einer liehten waste || Da vor ihm stand ein Fremder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gein eime rîchen gaste.  || ein gewaltiger Herr.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie es bereits in der Textstelle zu lesen ist, sind beide Männer unabhängig voneinander unterwegs und Treffen in der Wildnis auf einer Lichtung aufeinander. Ein weiteres Merkmal für den Fahrtenkampf ist auch, dass er von keinem der beteiligten geplant ist, was auf Parzival und Feirefiz ebenfalls zutrifft. Dieser Kampf findet ohne fremde Zeugen statt, was ein weiteres Indiz für den Fahrtkampf darstellt. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Kampf zwischen zwei Verwandten, denn Parzival und Feirefiz sind Halbbrüder, was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen. Harms schreibt auch, dass es bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Höfischer_Roman höfischen Romanen] und speziell bei Fahrtenkämpfen oftmals das Motiv der Suche mit reinspielt. Auch das trifft bei den Halbbrüdern zu. Parzival ist noch immer auf der verbitterten Suche nach dem Gral und Feirefiz auf der seines Vaters. [[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|250px|Parzival im Zweikampf mit Gawan. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, fol. 499r.]]&lt;br /&gt;
Der Kampf zwischen Gawan und Parzival ist ebenso als Fahrtkampf zu kategorisieren, denn auch dieser Kampf entstand spontan. Jedoch hält Gawan Parzival wegen dessen Rüstung für [[ Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gramoflanz]] (679, 18-22). Aufgrund von Parzivals Zeichenlosigkeit kann man Gawan nicht einmal einen Vorwurf machen, dass er gegen den eigenen Sippenkörper kämpft. &lt;br /&gt;
Von einem Duellkampf spricht man zwischen Äther &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. [[ Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival, welcher allerdings in der Ritterdichtung normalerweise zwischen Verwandten weniger vorkommt. Der Kampf zwischen den beiden Männern findet in der Öffentlichkeit statt und ist geplant (154, 27 f.). Der Duellkampf entpuppt sich ebenso als Kampf unter Verwandten, denn Ithers Ehefrau ist Parzivals Tante väterlicherseits, desweiteren ist er über den Ahnherren Mazadan sogar entfernt blutsverwandt mit ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ort des Kampfes===&lt;br /&gt;
Zu den allgemeinen Formen bei Kämpfen unter Verwandten in der höfischen Dichtung verbindet sich nach Schulz ein strukturell fassbares Handlungsmuster. Jenes hat eine konkrete inhaltliche Besetzung, die in Personen, Handlungsorte und Handlungszeiten unterteilt werden. [Schulz 2012: S. 122] In diesem Unterpunkt liegt der Fokus deutlich auf dem Typus des Handlungsortes. &lt;br /&gt;
Die geografischen Orte der Kampfszenen zwischen Verwandten werden in den Heldendichtungen vom Dichter ab und zu präzise genannt und in anderen Szenen wiederum verschwiegen. Mögliche Kampfstätten in den höfischen Romanen sind oftmals der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz), der &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen), eine Lichtung im Wald oder der &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freie Platz) als &#039;&#039;rinc&#039;&#039; (Ring) abgesteckt. Meistens dienen diese Orte zur geografischen Bezeichnung in den Verwandtenkämpfen. Die Dichter schreiben hauptsächlich von diesen allgemeinen Plätzen anstatt von einem bestimmten Dorf oder einer Stadt. Aufgrund dieser allgemeinen Feststellung kann gesagt werden, dass die Angabe des Handlungsorts nicht sonderlich bedeutsam sind. &lt;br /&gt;
Gawan kämpft zum Beispiel gegen Parzival auf einem vorbereiteten jedoch publikumslosen Kampfplatz. Der Kampf zwischen den beiden Männern dauert bereits eine ganze Weile an, bis er durch das Eintreffen von Artus seinen Boten unterbrochen wird (688, 7f.).&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Kampf gegen Ither findet ohne Zuschauer fern ab vom [[ Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(153, 23-24) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Des reise al eine wart getân || Ganz alleine, trat er seinen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hin ûz gein Ithêr ûf den plân. || Kriegszug an, hinaus zu Ither auf das Feld.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Kampf ist der zwischen den Halbbrüdern, der auf einer Lichtung im Wald stattfindet. Die Lichtung ist eine Örtlichkeit, die in der höfischen Dichtung gerne benutzt wird (737, 9).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit des Kampfs ===&lt;br /&gt;
Analog wie der Ort des Kampfes wird auch die Zeit der Verwandtenkämpfe in der höfischen Dichtungen meistens vernachlässigt. Der Rezipient erfährt selten etwas über einen festen zeitlichen Ablauf des Kampfs. Kaum wird von einer bestimmten Minuten- oder Stundenanzahl geschrieben. Selbst die Angaben von größeren Zeitfenstern, wie zum Beispiel die der Tages- oder Jahreszeit, findet der Leser nicht allzu oft. [Harms 1963: vgl. 213] Bei den Zweikämpfen zwischen Gawan und Parzival &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Gawan: [[Gawan und Parzival im Vergleich (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und Parzival und Feirefiz &amp;lt;ref&amp;gt; Weitere Informationen zu den beiden Rittern gibt es in einem detaillierten Vergleich zwischen den Akteuren Parzival und Feirefiz [[ Parzival und Feirefiz | Parzival - Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; erfährt der Rezipient lediglich, dass jene Kämpfe am frühen Morgen beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gnorisma ===&lt;br /&gt;
In einem Großteil der Verwandtschaftskämpfe in höfischen Dichtungen kommt es zu einem [[ Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | Nicht-Erkennen]] des Gegners. Das Nicht-Erkennen des Gegners legt somit den Grundstein für die Entfachung eines Zweikampfs. Um letztendlich die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Peripetie Peripetie] vom Punkt des Nicht-Erkennens zur sachlichen Situation des Erkennens zu geleiten, benötigt es verschiedene Darstellungen. Ein Erkennungszeichen durch das sich lang getrennte wieder erkennen werden, nennt man Gnorisma. [Harms 1963: vgl. S. 214]&lt;br /&gt;
„Es wird auch tertium cognitions, das Mittel, das zum Erkennen verhelfen kann, weil sich in ihm das Wissen des Erkennenden und das noch Verborgenen, zu Erkennende treffen. Die Aufgabe eines solchen Gnorisma kann ein Ding, ein Name, ein Ausruf unter anderem erfüllen.“  [Harms 1963: S. 214]&lt;br /&gt;
Im Kampf zwischen Parzival und Feirefiz hat das Gnorisma &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über das Gnorisma in Verwandten- und Freundeskämpfen [Harms 1963: 214] &amp;lt;/ref&amp;gt; des Kampfrufes nicht zur Erkennung des Gegenübers beigetragen. Allerdings hat Parzival eine Vorahnung als sich Feirefiz als Anschevîn vorstellt, denn daraufhin sagt Parzival, dass man ihm von einem Bruder aus dem Heidenland bereits berichtet hat (746, 12-18). Voraussetzung des namentlichen Gnorisma ist es, ein gewisses Maß an Wissen zu haben, um den Gegenüber erkennen zu können. Die Problematik gerade dieses Unwissens spiegelt sich im Kampf Parzivals mit Ither wieder. Ither nennt seinen Namen und Parzival verkennt ihn trotzdem. Jedoch ist das Verkennen Parzivals seinem Verwandten gegenüber auch zu großen Teilen seiner tumpheit&amp;lt;ref&amp;gt;Der Ursprung dieser Dysfunktion liegt in seiner Kindheit in Soltane, die durch ihrer Abgeschiedenheit Parzivals Adoleszenz stark beeinflusst hat. &#039;&#039;[…] Erkennen als Interpretation verstehbarer Zeichen [ist] im sozialen Umfeld einerseits erlernbar und erfolgt doch andererseits gleichsam apriorisch aufgrund der Bedingungen des eigenen Sein. [Hahn 1977:444] Parzival hatte in seiner Jugend aber nur Zugang, zu einem begrenzten Zeichensystem, seine Mutter offenbarte ihm nur die für sie wichtigen Zusammenhänge. Alles was mit Genealogie, Verwandtschaft, Dynastie verbunden ist, verbannt sie aus Soltane. So verhindert sie ein grundlegendes Lernen des Zeichensystems.&amp;lt;/ref&amp;gt;verschuldet. Um keine Missverständnisse bezüglich der mittelhochdeutschen Begrifflichkeit aufkommen zu lassen, beschreibt Czerwinski die mögliche tumpheit des epischen Heroe folgendermaßen: „ &#039;&#039;Tumpheit&#039;&#039; heißt lediglich, dass er soziale Zusammenhänge, die seine Identität festlegen, und zwar von seinem eigenen Handeln trotz dessen ständiger Bewegtheit scheinbar gänzlich unbeeinflussbar festlegen, noch nicht wahrnimmt und zu realisieren vermag.&amp;quot; [Czerwinski 1989: 83] Ridder führt Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zu großen Teilen auch auf seine isolierte Kindheit in Soldaten zurück und die dadurch entstandene kommunikative Unfähigkeit. [Ridder 2004: vgl. S. 48]&lt;br /&gt;
Im Zweikampf zwischen Parzival und Gawan führt das Rufen von Gawans Namen dazu, dass Parzival bemerkt, dass er gerade mit seinen Cousin kämpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(688, 14-21) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des kraft was über in sô grôz, || Es war schon fast soweit gekommen, dass der, der dort mit Gâwân kämpfte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Gâwân der werde degen || den Sieg an sich genommen hätte. Dessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siges hete nâch verpflegen; || Kraft war so übermächtig, dass Gâwân,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan daz in klagende nanten || der doch ein tüchtiger Streiter war, beinah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kint diu in bekannten. || schon den Sieg verspielt hatte, als die Kinder&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ê des was sîns strîtes wer, || ihn erkannten und in ihrem Schrecken mit Namen anriefen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Dem anderen, der ihm bis jetzt so reichlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verbar dô gin im strîtes ger. || Kampf gegeben hatte, verging da alle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verre  ûz der hant er warf daz swert: || Kampfeslust. Weit fort war seine Hand das Schwert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fall ist der Ausruf, der hinzukommenden Kinder, von Gawans Namen das Gnorisma in diesem Verwandtschaftskampf. [Harms 1963: vgl. S. 217] Erst durch diesen Ausruf bemerkt Parzival, dass er mit seinem Cousin kämpft, und wirft sofort das Schwert fort. Daraufhin erklärt Parzival dem verdutzten Gawan deren Verwandtschaftsverhältnis (689, 23-25).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Ein ergänzender bzw. erweiternder Artikel zu der Thematik &amp;quot;Kampf&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist: [[Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen allgemeinen Formen von Verwandtschaftskämpfen im Epos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach, kann folgendes Fazit gezogen werden.&lt;br /&gt;
Die Untersuchung der Verwandtschaftskämpfe im Parzival mit Formen aus der höfischen Dichtung haben gezeigt, dass in den Kategorien: Kampfart, Ort und Zeit der Handlung sowie dem Gnorisma Affinitäten existieren. Der erste Unterpunkt „Kampfarten“ zeigt, dass es bei den Zweikämpfen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; klare Kampfarten aufgrund gewisser Motive gibt. Beispielhaft ist das Motiv des ungeplanten Aufeinandertreffens und des daraus resultierenden Fahrtkampfs. &lt;br /&gt;
Das epische Konstrukt Eschenbachs zeigt auf, dass Parzival eine durchgehende Gewaltbereitschaft in Form seiner Zweikämpfe besitzt und man diese zu seinem Naturell zählen kann. [Ridder 2004]:vgl. S. 47&lt;br /&gt;
Die Örtlichkeiten und die Zeit in den Zweikämpfen haben in den höfischen Dichtungen keinen allzu großen Stellenwert erhalten. Wenn überhaupt erhält der Rezipient allgemeine und wenige informative Auskünfte über den Ort. Oftmals wird lediglich geschrieben, dass der Kampf auf einem &#039;&#039;plân&#039;&#039; (freier Platz) oder einem &#039;&#039;grüene plân&#039;&#039; (freier Platz im Grünen) stattfindet. Der letzte Unterpunkt das „Gnorisma“ bzw. Erkennungszeichen weist von den zuvor allgemeinen Formen in der höfischen Dichtung auch einige im Parzival selbst auf. So erkennt Parzival seinen Cousin Gawan durch das berühmte Gnorisma des Ausrufs. &lt;br /&gt;
Reichen allerdings die geschilderten Affinitäten bzw. typischen Elemente aus, um von einem Topos in den Szenen sprechen zu können?&lt;br /&gt;
Diese Antwort lässt sich mit einem Nein beantworten. Ridder hat recht, wenn er behauptet, dass in der germanisch-deutschen Heldenepik der Kampf zum körperorientierten Verhaltensrepertoire des Helden gehört. Die dargelegten Motive weisen zum einen einige Affinitäten und für den Rezipienten auch eine gewisse Struktur auf jedoch sind diese bei Weitem nicht ausreichend genug und von einer zu geringen Regelmäßigkeit bestimmt, dass von einem klassischen Topos gesprochen werden könnte. [Ridder 2004]:S. 51&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1989]&lt;br /&gt;
Czerwinski, Peter: Der Glanz der Abstraktion. Frühe Formen von Reflexivität im Mittelalter, Frankfurt/ New York: Campus 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1977] &lt;br /&gt;
Hahn, Ingrid: Zur Theorie der Personenerkenntis in der deutschen Literatur des 12. bis 14. Jahrhunderts, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, Bd. 99 (1977), S. 395-444.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Harms 1963]&lt;br /&gt;
Harms, Wolfgang: Der Kampf mit dem Freund oder dem Verwandten in der deutschen Literatur um 1300, München: Edios 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2004] &lt;br /&gt;
Rinder, Klaus: Kampfzorn: Affektivität und Gewalt in mittelalterlicher Epik, in: Wahrnehmen und Handeln, hrsg. von Wolfgang Braungart (u.a.), Bielefeld 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012]&lt;br /&gt;
Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediavistischer Perspektive, Berlin: Walter de Gruyter 2012.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sarah4</name></author>
	</entry>
</feed>