1250: Der Regionalherrscher al-Azraq schreibt an die Königin von Aragón

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Verfasser/in: Eric Böhme

Quelle

Barcelona, Arxiu de la Corona d’Aragó, Cartas árabes, Nr. 154, ed. María del Carmen Barceló Torres, Documentos árabes de Al-Azrāq (1245–1250), in: Saitabi. Revista de la Facultat de Geografia i Història 32 (1982), S. 40–41 [nur recto], übers. Eric Böhme.
[recto]

بسم الله الرحمن الرحيم صلّى الله على محمد نبيه الكريم

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Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmers. Gott lobe seinen ehrenwerten Propheten Muḥammad.

مولاتِي السلطانة الكريمة المويدة المنصورة العميمة المباركة الرينة دنة مولانا السلطان المويد المنصور ملك الرومية وملك شرق الأندلس من عبدكم وخديمكم ومقبل يديكم المباركة الكريمة محمد بن هذيل الشاهر بالأزرق سلام كريمٌ برٌ طيبٌ مبارك على مقامكم الشريفة ورحمة الله تعلى وبركاته [An] Meine Herrin, die ehrenwerte, [durch Gott] unterstützte, siegreiche, allumfassende, gesegnete Herrscherin (sulṭāna), die reina Dona (al-rīna duna) unseres Herren, des [durch Gott] unterstützten, siegreichen Herrschers (sulṭān), Königs der Christenheit (malik al-rūmiyya) und Königs des Šarq al-Andalus. [Ein Brief] von Eurem Untergebenen und Diener (min ʿabdikum wa-ḫadīmikum), der Eure gesegneten und edlen Hände küsst, Muḥammad bin Huḏayl, bekannt als al-Azraq. Ein ehrenwerter, aufrichtiger, freundlicher und gesegneter Gruß an Eure verehrte Majestät. Die Gnade Gottes des Erhabenen und sein Segen [seien mit Euch].
اما بعد فالكتاب اليكم من حصن القلاعه حماه الله تع[لى] فالذين وجب به على العبد تعرفكم انه وصل الى عبدكم وخديمكم ثقتكم وخديمكم دون جوان ذي موره بـ[ـمـ]كتوبٍ من عندي مولانا السلطان ايده الله فقرئيناها وعلمنا ما فيها من البر والرعائة والحفظ والعناية وامر ارسالنا اليكم Dieses Schreiben [kommt] zu Euch aus der Festung al-Qalāʿa, möge Gott der Erhabene sie schützen. Zu jenem, über das der Untergebene (al-ʿabd) Euch unterrichten muss, zählt, dass zu Eurem Untergebenen und Diener (min ʿabdikum wa-ḫadīmikum) Euer Vertrauter und Diener Dūn Ǧuwān ḏī Mūrah mit einem Schreiben unseres Herrn, des Herrschers (al-sulṭān), möge Gott ihn unterstützen, gekommen ist. Wir haben es gelesen und verstanden, was in ihm an Aufrichtigkeit, Fürsorge, Schutz, Aufmerksamkeit sowie dem Befehl, [eine Gegengesandtschaft] zu Euch zu schicken, enthalten ist.
فاخذنا في الحركة والارسال اليكم فيما يكون فيه خيراً ان شا الله فوجهنا اليكم ثقتنا قريبنا وابن خالتنا ابي الحسن بن هذيل والقايد الاجل الاكرم الارفع الاكمل الأفضل ابي القاسم بن هلال والقايد ابي عمر عثم[ن] بن سهل اكرمهما الله فيرغب العبد منكم ان يكون مكرومين ملحوظين عندكم وفي بلادكم تحت كنفكم سائرين واردين حتى يقضي الله ما فيه الخير ان شا الله وقد وصيت ثقتِنا القايد ابي القاسم اليكم ان يأخذ يدكم عنا ويقبله وقد وصيناه ما يقول لكم من الكلام فاعتمد عليه فانا أقوله وما يخاطبكم به انا اخاطبوه فالله تعلى يقدم الخيارة ان شا الله فهذا ما وجب به تعرفكم Wir haben die Entsendung [von Botschaftern] an Euch ins Werk gesetzt, gemäß dem, was darin Gutes steckt, so Gott will. Wir senden unseren Vertrauten [und] Verwandten, den Sohn unserer Tante mütterlicherseits, Abū l-Ḥasan bin Huḏayl, den erhabensten, ehrenwertesten, höchsten, vollkommensten und tugendhaftesten Kommandeur (qāʾid) Abū l-Qāsim bin Hilāl und den Kommandeur Abū ʿAmr ʿUṯma[n] bin Sahl zu Euch, möge Gott sie ehren. Der Untergebene wünscht sich von Euch, dass sie bei Euch geehrt und angehört[1] werden und in Euren Ländern unter Eurem Schutz stehen, wenn sie kommen und zurückkehren, damit Gott das erfülle, was gut ist, so Gott will. Ich habe unseren Vertrauten, den Kommandeur Abū l-Qāsim, Euch gegenüber beauftragt, an unserer Statt Eure Hand zu nehmen und sie zu küssen. Wir haben ihn mit dem beauftragt, was er Euch mündlich mitteilt; verlasst Euch also auf ihn, denn ich spreche mit ihm, und was er Euch vorträgt, das trage ich vor. Gott der Erhabene möge Gutes geben, so Gott will. Das ist es, was Ihr wissen müsst.
والسلام على مقامكم العليَّ ورحمة الله وبركاته كتب في رابع لشهر ذي حجة عام سبع وأربعين وستمائة. Friede sei mit Eurer erhabenen Majestät, sowie die Gnade Gottes und sein Segen. Geschrieben am vierten [Tag] des Monats Ḏū [l-]Ḥiǧǧa im Jahr 647 [10. März 1250].
[verso]

مولاتِي السلطانة المويدة المنصورة الرينة دنة مولانا السلطان أراغون حامه الله(…)

[verso]

[An] Meine Herrin, die [durch Gott] unterstützte, siegreiche Königin, reina Dona unseres Herren, des Herrschers von Aragón (Arāġūn), Gott schütze ihn (…)

Autor/in & Werk

[§1] Bei der heute im Kronarchiv von Barcelona aufbewahrten Archivalie handelt es sich um einen Brief, der von einem unbekannten Schreiber in teilweise fehlerhaftem oder dialektal beeinflussten Arabisch auf Papier geschrieben wurde[2], wobei sich die optische Ausgestaltung der Schrift und des gesamten Dokuments vergleichsweise gleichförmig und schmucklos präsentiert. Die in der westarabischen diplomatischen Korrespondenz des 13./14. Jahrhunderts häufig verwendete Umkehr der Schreibrichtung am unteren Ende der Seite bildet das auffälligste Gestaltungsmerkmal, wobei im Fall des vorliegenden Dokuments die unglückliche Platzeinteilung eine schlechte Lesbarkeit der letzten Textzeilen bedingt.[3] Das Dokument war einst mehrfach gefaltet, wobei eine der äußeren Lagen (im Text oben als verso angegeben) eine heute nur noch schlecht lesbare Beschriftung aufweist.

[§2] Im Text wird das Schreiben auf den vierten Tag des Monats Ḏū l-Ḥiǧǧa im Jahr 647 der islamischen Zeitrechnung datiert, was nach der heute gebräuchlichen gregorianischen Zeitrechnung dem 10. März 1250 entspricht. Als Entstehungsort des Briefes wird die Festung (ḥiṣn) al-Qalāʿa (heute im Vall d’Alcalá, Marina Alta, Alicante) genannt. Als Absender figuriert der andalusische Regionalherrscher Muḥammad b. Huḏayl „al-Azraq“ (gest. 674/1276), der in den 1250er Jahren einer der Anführer des ersten großen Aufstandes der Muslime im Königreich València war. Der Inhalt des Schreibens wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihm vorgegeben und autorisiert, wohingegen für die wörtliche Ausformulierung des Textes wohl ein oder mehrere nicht bekannte Schreiber aus seiner Kanzlei (kitāba) verantwortlich zeichneten.[4] Die Adressatin des Briefes ist die Königin von Aragón, die – gleichwohl sie nicht namentlich angesprochen wird – mit Yolanda von Ungarn (regn. 1235–1251), der damaligen Gemahlin König Jakobs I. (regn. 1213–1276), zu identifizieren ist.

[§3] Das Schreiben ist für die Forschung von großer Bedeutung, weil es neben einem noch näher zu beschreibenden, im April 1245 beurkundeten, bilingualen Abkommen mit der Krone Aragón das einzige sicher zu identifizierende arabische Dokument darstellt, das Aufschluss über die politischen Aktivitäten al-Azraqs gibt.[5]

Inhalt & Quellenkontext

[§4] Eröffnet wird der Brief durch die im Islam üblichen Formeln zur Anrufung Gottes (basmala) und zum Lob des Propheten Muḥammad (taṣliya).[6] Es folgt dann eine längere, ehrerbietende Anrede der Adressatin sowie die Vorstellung al-Azraqs als Absender, der das Schreiben aus der Festung al-Qalāʿa an sie richtet. Er informiert die Königin darüber, dass ihn zuvor der königliche Gesandte Dūn Ǧuwān ḏī Mūrah (Don Joan de Mur/Mora/Muro) mit einem Schreiben Jakobs I. erreicht habe, dessen Inhalt er mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen habe. Der Aufforderung des Königs nach Aufstellung einer Gegengesandtschaft entspreche er nun, indem er seinen Cousin Abū l-Ḥasan b. Huḏayl sowie die Kommandeure (quwwād) Abū l-Qāsim b. Hilāl und Abū ʿAmr ʿUṯman b. Sahl entsende. Er bittet darum, dass diesen Gesandten auf ihrer Reise durch die Krone Aragón der Schutz der Krone gewährt werden möge. Mit Abū l-Qāsim autorisiert er ein Mitglied der Delegation zudem als Wortführer, der der Königin al-Azraqs Ehrerbietung erbringen und mit ihr über jene Angelegenheiten sprechen solle, die er dem Gesandten aufgetragen habe. Seinen Abschluss findet der Brief mit häufig verwendeten islamischen Segenswünschen sowie der Datierung.

[§5] Die Bedeutung des kurzen Schreibens erschließt sich erst, wenn man es im größeren Zusammenhang der häufig unter dem nicht unproblematischen Begriff „Reconquista“ zusammengefassten, politischen Entwicklungen auf der Iberischen Halbinsel betrachtet. Die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts war von intensiven Expansionsbestrebungen der beiden miteinander konkurrierenden christlichen Großmächte Kastilien und Aragón in den jahrhundertelang islamisch dominierten Süden von al-Andalus geprägt.[7] Im Osten (Šarq)[8] dieser Großregion hatten die Eroberungsfeldzüge Jakobs I.[9] die politische Situation schon seit ihrem Beginn in den späten 1220er Jahren massiv zu verändern begonnen. Kurz vor der Mitte des 13. Jahrhunderts bildeten schließlich ausgedehnte Landflächen zwischen Morella (Qalʿat Murīla) im Norden und Xixona (Šīšūna) im Süden zumindest formal das neu geschaffene, christlich beherrschte Königreich València, ein Teilreich der Krone Aragón.[10]

[§6] Muḥammad b. Huḏayl al-Azraq war ein muslimischer Regionalherrscher im Südosten der Iberischen Halbinsel. Angesichts der schlechten Quellengrundlage erfahren wir nichts Konkretes über seine frühen Lebensjahre. Erstmals greifbar wird er im April 1245 im bereits erwähnten Abkommen mit der Krone Aragón.[11] Das nur schwer zugängliche Bergland zwischen dem Flusstal des Serpis und der Küste von Dénia (Dāniya), wo al-Azraq die Oberherrschaft über mehrere Festungen beanspruchte, gehörte damals zu den letzten eigenständigen islamischen Herrschaftsbereichen im Šarq al-Andalus. Im Frühjahr 1245 sahen sich König Jakob I. und seine Berater aufgrund dringlicher außenpolitischer Angelegenheiten in Okzitanien und ihrer Kontakte zur päpstlichen Kurie in Zusammenhang mit der Vorbereitung des ersten Konzils von Lyon[12] zunächst nicht in der Lage, diese Region mit militärischen Mitteln unter ihre Oberherrschaft zu zwingen. Stattdessen einigte man sich mit al-Azraq darauf, dass ein Teil seiner Festungen unmittelbar, andere nach einem Moratorium von drei Jahren an die Krone ausgeliefert werden sollten, wohingegen Alcalá (al-Qalāʿa) und Perpunxent (Burbanǧān) dauerhaft im Besitz des Regionalherrschers bleiben sollten.[13]

[§7] Diese pragmatische Lösung zur raschen Vollendung des aragonesischen Vordringens befriedete die Situation im jüngsten Teilkönigreich der Krone allerdings nur kurz. Bereits Mitte 1247 schwang sich al-Azraq zum Anführer einer Widerstandsbewegung auf, die die christliche Oberherrschaft über den Šarq al-Andalus so rasch abzuschütteln versuchte, wie sie den muslimischen Gemeinden (Katalan.: aljama > Arab.: al-ǧamʿ) aufoktroyiert worden war. Durch das zwei Jahre zuvor geschlossene Abkommen hatte al-Azraq möglicherweise nur einen Zeitpuffer zur Fortsetzung des Kampfes gegen die Invasoren gewinnen wollen und von vorneherein nicht im Sinn gehabt, sein Herrschaftsgebiet kampflos aufzugeben. Unmittelbar nach dem Beginn des Aufstandes im Spätsommer 1247 bemächtigte er sich mehrerer Festungen im Süden des Königreiches.

[§8] Die von diesen Ereignissen völlig überraschte Krone reagierte eilig und mit harter Hand. König Jakob I. befahl nicht nur die gewaltsame Niederschlagung des Aufstandes, sondern auch die Vertreibung aller Muslime aus dem Königreich. Diese sogenannten Mudejaren (Katalan.: mudèjars, Span.: mudéjares > Arab.: mudaǧǧan) machten allerdings die überwältigende Bevölkerungsmehrheit im Königreich aus und waren als abgabenpflichtige Untertanen und Arbeitskräfte weder für die Krone noch für andere geistliche und weltliche Landesherren abkömmlich. Daher wäre eine Vertreibung kaum flächendeckend durchzusetzen gewesen. Dennoch erreichten die Flüchtlingsströme in südlichere, vermeintlich sichere Regionen wahrscheinlich immense Ausmaße.[14] Trotz ihrer außerordentlichen Härte vermochten es diese Maßnahmen keineswegs, die Aufständischen zur Kapitulation zu zwingen, sondern bildeten die Grundlage dafür, dass sich der Aufstand zu einem das gesamte Königreich ansteckenden Flächenbrand entwickelte: Die Rebellen eroberten etwa ein Dutzend weitere Festungen und provozierten einen entschiedenen militärischen Gegenschlag der Krone. Wohl schon Mitte 1248 sah sich al-Azraq gezwungen, sich nach Alcalá (al-Qalāʿa) zurückzuziehen. Im Verlauf der folgenden Monate und des gesamten Jahres 1249 gelang es dem König, die Erhebungen in zahlreichen Regionen niederzuschlagen. Befördert wurde dies wohl auch dadurch, dass Papst Innozenz IV. (sed. 1243–1254) auf Jakobs Bitten hin Rundschreiben und Bullen verbreiten ließ, die dem Unternehmen zumindest formal den Charakter eines Kreuzzuges geben sollten.[15]

[§9] Über den weiteren Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen in den nachfolgenden Jahren ist nahezu nichts bekannt, was wohl maßgeblich der Weigerung König Jakobs geschuldet ist, in seinem autobiographisch ausgerichteten Llibre dels feits über die für ihn ebenso erniedrigenden wie prägenden Ereignisse ausführlicher zu berichten.[16] Es erscheint wahrscheinlich, dass der harte Gegenschlag der Krone und der Rückzug der Rebellen einen Wendepunkt in der Entwicklung der militärischen Lage markierten. Weil al-Azraqs schwer zugängliche Kerngebiete nur unter größten Schwierigkeiten einzunehmen waren, mag sich die Konfrontationssituation nun festgefahren und in den folgenden Jahren beruhigt haben. Längerfristig überlebensfähig war das auf seinem Höhepunkt etwa zwanzig Festungen umfassende Rückzugsgebiet der Rebellen dank seiner Kontakte nach außen, vor allem zum Königreich Kastilien: im Juli 1254 wurde al-Azraq gar zu persönlichen Unterredungen mit Alfons X. (regn. 1252–1284), dem Schwiegersohn Jakobs I., geladen, wo er sich um den Abschluss eines gegen die Krone Aragón gerichteten Bündnisses bemühte. Gleichwohl Letzteres nie realisiert wurde, versetzten der indirekte Schutz und die Vermittlungstätigkeit des kastilischen Königs den Rebellenführer in die Lage, Jakob I. spätestens im Frühjahr 1257 einen offiziellen Waffenstillstand abzuringen.[17] Auch zum Herrscher Aragóns blieben die Kommunikationskanäle offen. Dies zeigt etwa das hier behandelte und nachfolgend noch genauer zu analysierende Gesandtschaftsschreiben, das 1250, also zwei Jahre nach Beginn der massiven aragonesischen Niederschlagung des Aufstandes verfasst wurde. Doch nutzte al-Azraq den Verhandlungsweg zu einem unbekannten späteren Zeitpunkt auch unter anderen Vorzeichen: im sogenannten fet de Rugat („Tat von Rugat“) lockte er Jakob I. und seine Eskorte unter dem Vorwand von Friedensverhandlungen in einen Hinterhalt, aus dem der Monarch nur knapp entkommen konnte.[18]

[§10] Eine erneute Wende in der festgefahrenen Situation besorgte nach der Schilderung im Llibre dels feits der Verrat eines Vertrauten im Umfeld al-Azraqs, der den König über eine von ihm selbst beförderte Nahrungsmittelknappheit im Rückzugsgebiet der Rebellen informierte. In der Folge verweigerte Jakob einen weiteren Waffenstillstand und setzte ab Februar 1258 einen großangelegten Feldzug zur Rückeroberung der Rebellengebiete ins Werk. Bereits Ende Mai war die christliche Übermacht groß genug, um die Belagerung von al-Azraqs Hauptsitz Alcalá (al-Qalāʿa) anzugehen. Wenig später sah sich der Rebellenführer angesichts seiner aussichtslosen Lage gezwungen, seinen Widerstand unter möglichst ehrenvollen Bedingungen aufzugeben. In den Kapitulationsverhandlungen verpflichtete er sich, dauerhaft ins Exil zu gehen. Im Gegenzug überließ ihm der König einen kleinen, militärstrategisch eher unbedeutenden Rest seines ehemaligen Herrschaftsgebietes, der zukünftig im Namen al-Azraqs von seinem Bruder Bassām und seinem Neffen Abū Ǧaʿfar b. Huḏayl gehalten werden sollte. Mit dieser Einigung fand der nahezu ein Jahrzehnt andauernde Widerstand der Rebellen um al-Azraq im Juni 1258 ein Ende.[19]

[§11] Als sich die Muslime des Königreiches València fast zwei Jahrzehnte später (1275–1277) erneut gegen die christliche Oberherrschaft erhoben, versuchte auch der einstige Rebellenführer, seinen alten Herrschaftsbereich zurückzuerobern. Ausweislich der Schilderung König Jakobs I. soll er im Frühjahr 1276 mit zweihundertfünfzig berittenen Elitekämpfern Alcoi belagert, dabei aber selbst den Tod gefunden haben.[20]

[§12] Im Kontext dieser kurz umrissenen, politischen Entwicklungen stellt das hier behandelte Schreiben al-Azraqs eine wichtige Quelle dar. Gerade für die um 1250 einsetzende Phase der „Pattsituation“ zwischen der Krone und der zurückgedrängten Rebellengruppe um al-Azraq, deren Verlauf im Llibre dels feits bewusst übergangen wird und daher nur schlecht nachzuvollziehen ist, wirft sie ein Schlaglicht auf die fortbestehende Kommunikation zwischen beiden Seiten. Dies ist umso bemerkenswerter, als das Schreiben als authentisches Originaldokument aus dem Umfeld des Rebellenführers ein Gegengewicht zu dem tendenziösen Tatenbericht des Königs bildet.

Kontextualisierung, Analyse & Interpretation

[§13] Nach Darstellung des historischen Kontextes soll nun eine Analyse und Problematisierung der aus dem Dokument zu extrahierenden Informationen erfolgen. Dabei soll es nacheinander um den Stil des Schreibens und die Implikationen der verwendeten Titulaturen, die Umstände der diplomatischen Verständigung, die Rolle der Königin als Adressatin, die Identität und den Auftrag der Gesandten sowie um die möglichen Nachwirkungen ihrer Gesandtschaftsreise gehen. Abschließend sollen die Ereignisse um die Rebellion al-Azraqs im größeren Kontext der politischen Entwicklungen auf der Iberischen Halbinsel und im westlichen Mittelmeerraum verortet werden.

[§14] Bei der inhaltlichen Betrachtung des Schreibens wird deutlich, dass sich al-Azraq – im Gegensatz zu den mit aller Härte geführten, militärischen Auseinandersetzungen der vergangenen und nachfolgenden Jahre – gegenüber seiner Adressatin als ebenso eloquenter wie selbstbewusster Gesprächspartner präsentierte, der mit den formalen Gepflogenheiten in der Korrespondenz mit einer christlichen Königin vollkommen vertraut war. Davon zeugt die im Text verwendete Anrede Yolandas, die als „meine Herrin“ (mawlātī) sowie „Herrscherin“ (sulṭāna) bezeichnet und mit mehreren, überaus ehrerbietenden Adjektiven bedacht wird. Auf ihren Status als Königin von Aragón wird ebenfalls Bezug genommen, indem sie als „Königin Herrin“ (Arab: al-rīna duna > Altkatalan.: reina Dona) „unseres Herren“ (mawlānā), dem „Herrscher“ (al-sulṭān) sowie „König der Christenheit und des Ostens von Andalus“ (malik al-rūmiyya wa-šarq al-Andalus) angesprochen wird. Ebenso wie seine Frau wird Jakob I. nicht namentlich genannt, allerdings mit gleichsam lobpreisenden Adjektiven versehen.[21] Die Anrede des Herrscherpaares auf der obersten Lage des einst gefalteten Schreibens wiederholt das Vokabular des Haupttextes in verkürzter Form und fügt die im Haupttext nicht genutzte, pragmatischere Formel „Herrscher von Aragon“ (sulṭān Arāġūn) hinzu.

[§15] Im deutlichen Gegensatz zu diesen Titulaturen präsentiert sich der Absender als Muḥammad b. Huḏayl, „Euer Untergebener und Diener (min ʿabdikum wa-ḫadīmikum), der Eure gesegneten und edlen Hände küsst“ und nimmt Bezug auf seinen Beinamen (laqab) al-Azraq, unter dem er bekannt sei.[22] Diese zurückhaltende Selbstbezeichnung steht weit hinter jener Titulatur zurück, die ihm im Abkommen von 1245 zuteilwird. Im arabischen Text ist er „der erhabenste, hochgeborene, höchste, eminenteste, herausragendste wazīr Abū ʿAbd Allāh bin Huḏayl, möge Gott ihn ehren“,[23] im romanischen Text immerhin „Abū ʿAbd Allāh bin Huḏayl, Wesir und Herr von Alcalá“.[24] Kaum verwundern kann es hingegen, dass der König ihn in seinen Urkunden lediglich als „unseren Verräter“ (traditor noster) und ohne jede Titulatur bezeichnen ließ.[25]

[§16] Die jeweils verwendeten Bezeichnungen spiegeln die politischen Verhältnisse zu beiden Gelegenheiten wider. Im Frühjahr 1245 verhandelte der Infant Alfonso als ältester Sohn des Königs mit einem unabhängigen und noch nicht militärisch zu bezwingenden Regionalherrscher auf nahezu gleichrangigem Niveau; fünf Jahre später wandte sich ein militärisch angeschlagener Rebellenführer an die amtierende Königin von Aragón. Trotz des fortgesetzten Widerstandes musste al-Azraq gegenüber der Monarchin zumindest formal die politischen Realitäten anerkennen, zumal er sich davon sicher eine bessere Position in den Verhandlungen mit der Krone erhoffte. Nur vor diesem Hintergrund scheint es verständlich, dass er sich selbst – gleich dem königlichen Gesandten Don Joan de Mur/Mora/Muro – als „Untergebener und Diener“ der Krone bezeichnete, während er Jakob I., gegen dessen Herrschaft sich die Rebellen ja erhoben hatten und der deswegen nun alle Muslime mit harter Hand bestrafte, nicht allein als „Herrscher von Aragon“ bezeichnete, sondern ihm sogar die (titularische) Herrschaft über den Šarq al-Andalus zugestand.[26]

[§17] Auch die weiteren Inhalte des Schreibens liefern wertvolle Informationen, die aus anderen Quellen nicht bekannt sind. So erfahren wir etwa, dass sich al-Azraq im Frühjahr 1250 in Alcalá (al-Qalāʿa) aufhielt. Offensichtlich besaß der Rebellenführer genügend Selbstbewusstsein, um diese empfindliche Information an die gegnerische Seite weiterzugeben, wohl wissend, dass die Festung nicht ohne Weiteres zu erobern sein würde. Zudem bezeugt das Dokument, dass es schon zuvor Kommunikationsversuche zwischen beiden Kriegsparteien gegeben hatte. Weder über den königlichen Gesandten Don Joan de Mur/Mora/Muro noch über den konkreten Inhalt des von ihm überbrachten königlichen Schreibens ist Näheres bekannt, doch erscheint es eher unwahrscheinlich, dass Jakob I. seinem Gegenspieler wirklich nur mit „Aufrichtigkeit, Fürsorge, Schutz, Aufmerksamkeit“ sowie der Aufforderung zu einer Gegengesandtschaft[27] begegnet war. Vielmehr mögen al-Azraq und seine Berater hier auf die üblichen Höflichkeitsfloskeln rekurriert haben, mit denen der Monarch auch gegenüber anderen Verhandlungspartnern militärische Drohungen zu verhüllen pflegte.[28] Dass der König neben dem Austausch von Gesandtschaften nach wie vor militärische Optionen erwog, zeigt der im Frühjahr 1250 intensivierte Austausch mit der päpstlichen Kurie. In dessen Folge rief Innozenz IV. den Klerus der Krone Aragón im März erneut zu verstärkten Predigten zur Anwerbung von Unterstützern für den königlichen Kampf gegen die aufständischen Muslime auf.[29]

[§18] Warum al-Azraq die gewünschte Gegengesandtschaft nicht an den König, sondern an dessen Gemahlin richtete, ist unbekannt. Es ist gut denkbar, dass Jakob I. ihn in dem erwähnten Schreiben selbst dazu aufgefordert hatte, war die selbstbewusst auftretende Yolanda doch in der Vergangenheit schon mehrfach in bedeutende politische und diplomatische Entscheidungsprozesse miteinbezogen worden.[30] Ob der Monarch ihr und ihren Beratern bestimmte Kapazitäten zu einer kampflosen Lösung der militärischen Pattsituation zuschrieb oder die Korrespondenz schlicht aufgrund etwaiger anderer Verpflichtungen an sie delegierte, bleibt unklar.[31]

[§19] Auch über die durch das Schreiben akkreditierten Gesandten können keine zusätzlichen Informationen aus anderen Quellen eingeholt werden. Sie erscheinen weder im erwähnten Abkommen von 1245 noch im Llibre dels feits. Die Entscheidung al-Azraqs, mit seinem Cousin mütterlicherseits, Abū l-Ḥasan b. Huḏayl, einen nahen Verwandten als Gesandten auszuwählen, entsprach jedenfalls einer gängigen Praxis. Ob er nach dem Ende des Widerstandes 1258 mit dem einstigen Rebellenführer ins Exil ging oder auf den vom König überlassenen Familiengütern blieb, ist nicht bekannt. In der vergleichsweise dichten urkundlichen Überlieferung taucht er nicht auf. Seine beiden Begleiter werden im Schreiben als Kommandeure (quwwād) ausgewiesen, doch wissen wir nicht, welche konkreten Rollen sie innerhalb des Herrschaftsbereiches al-Azraqs einnahmen. Während der qāʾid Abū ʿAmr ʿUṯman b. Sahl zuletzt und ohne weitere Titulatur genannt wird und daher möglicherweise weniger Ansehen als seine Gefährten genoss, fiel Abū l-Qāsim b. Hilāl ganz offensichtlich die Rolle des Anführers und Wortführers innerhalb der Gruppe zu. Was ihn vor dem Cousin al-Azraqs qualifizierte, wissen wir nicht, aber die ihn lobenden Adjektive weisen ihn als Mann hohen Ranges aus. Allen Gesandten war mit Sicherheit gemeinsam, dass sie das nahezu uneingeschränkte Vertrauen al-Azraqs besaßen. Andernfalls wären sie für eine derartige Gesandtschaft, von der man sich konkrete politische Vorteile in einer militärisch schwierigen Lage erhoffte, kaum geeignet gewesen. Vor diesem Hintergrund ist wohl auch die Bezeichnung Ibn Huḏayls als „unser Vertrauter“ (ṯiqatanā) zu bewerten. Ob die Gesandten aufgrund ihrer Sprachkenntnisse für die Aufgabe qualifiziert waren, ist gleichsam unbekannt. Denkbar ist in jedem Falle, dass sie die Sprache(n) ihrer Adressaten auf ausreichendem Niveau beherrschten, um sich auf ihrer Reise grundlegend eigenständig verständigen zu können. Doch mögen sie ebenso von im Text nicht gesondert genannten Sprachmittlern begleitet worden sein oder auf entsprechende Sachverständige am Hof der Königin zurückgegriffen haben. Die Herrscherin selbst musste mit Sicherheit auf Unterstützung zurückgreifen, um den Inhalt des an sie gerichteten Schreibens verstehen zu können.[32]

[§20] Bemerkenswert sind die Wendungen, mit denen der qāʾid Abū l-Qāsim als Wortführer akkreditiert wird. Zunächst einmal sollte er den Handkuss als Zeichen der Ehrerbietung al-Azraqs gegenüber seiner königlichen Ansprechpartnerin darbieten. Dieses in der lateinisch-christlichen Hofkultur übliche Ritual hatte im islamischen Kontext zumindest in Bezug auf weibliche Würdenträgerinnen keine Entsprechung. Es ist daher durchaus denkbar, dass es von christlicher oder gar von muslimischer Seite als symbolische Bestätigung eines nach wie vor bestehenden Abhängigkeitsverhältnisses zwischen al-Azraq und der Krone aufgefasst wurde.[33]

[§21] Bei den nachfolgenden Verhandlungen sollte Abū l-Qāsim zudem als direktes Sprachrohr des Rebellenführers fungieren, durch welches dieser selbst, quasi in einer Art Ferndialog, mit der Königin zu kommunizieren vermochte. Der Umstand, dass Abū l-Qāsim die Anliegen seines Herren nur mündlich übermitteln sollte, während das Schreiben selbst sie nicht einmal erwähnt, könnte eine Vorsichtsmaßnahme für den Fall gewesen sein, dass die Gesandtschaft ihr Ziel nicht erreichte und das Schreiben in falsche Hände geriet.[34]

[§22] Die zur Einleitung und Ausleitung des konkreten inhaltlichen Teils gebrauchten Wendungen „Zu jenem, über das der Untergebene Euch unterrichten muss, zählt, (…)“[35] sowie: „Das ist es, was Ihr wissen müsst“[36] verdeutlicht noch einmal das Maß an Pragmatik, durch die das kurze Schreiben abseits aller Höflichkeitsfloskeln und religiöser Formeln geprägt ist.

[§23] Hinsichtlich des unmittelbaren Fortgangs der mit dem Schreiben zusammenhängenden Ereignisse müssen viele Fragen offenbleiben. Dass es keine lettre morte blieb, die Gesandten tatsächlich aufbrachen und ihr Ziel auch erreichten, macht die Überlieferung im Archiv der Krone Aragón wahrscheinlich.[37] Worüber sie mündlich am Hof der Königin verhandeln sollten und auf welche Weise die Gespräche organisiert wurden, ist nur zu vermuten. Vor dem Hintergrund der oben umrissenen Rahmensituation erscheint es denkbar, dass sie nach diplomatischen Wegen aus dem festgefahrenen Konflikt zwischen der Krone und den Aufständischen suchen sollten. Der nur vage zu rekonstruierende Fortgang der Ereignisse in den darauffolgenden Jahren zeigt allerdings, dass dies den Vermittlern auf beiden Seiten – wenn überhaupt – nur kurzfristig gelang. Das Verhältnis zwischen den Konfliktparteien blieb so angespannt, dass al-Azraq und seine Berater sogar einen – wenn auch erfolglosen – Mordanschlag auf den „König des Šarq al-Andalus“ (malik šarq al-Andalus) ins Werk setzten, der sich zeitlebens an das als fet de Rugat bezeichnete Ereignis erinnern sollte. Obwohl sich das Verhältnis im Rahmen des Waffenstillstandes 1257 erneut entspannte, brachte das entschiedene militärische Vorgehen Jakobs I. im folgenden Jahr schließlich die Entscheidung und den Schlusspunkt des nahezu eine Dekade währenden Konfliktes.

[§24] Zusammenfassend ist nochmals zu betonen, dass das hier behandelte Schreiben des Rebellenführers al-Azraq an die Königin von Arágon in mehrerlei Hinsicht ein wichtiges Dokument darstellt. Zunächst ist es neben dem Abkommen von 1245 das einzige sicher zu identifizierende arabische Schriftstück, das Informationen aus erster Hand über das diplomatische Vorgehen al-Azraqs sowie sein personelles Umfeld liefert. Vor dem Hintergrund der generell spärlichen Überlieferungslage für das Jahrzehnt der ersten muslimischen Aufstände im Königreich València und insbesondere für die „Pattsituation“ 1250–1258 wirft es ein wichtiges und bisher singuläres Schlaglicht auf Ereignisse und daran beteiligte Personen, die im Llibre dels feits wohl bewusst unerwähnt blieben. Der Entstehungskontext des Dokuments im direkten Umfeld eines muslimischen Regionalherrschers ermöglicht uns zudem Rückschlüsse auf die – zumindest nach außen hin präsentierte – Sicht einer kleinen muslimischen Herrscherelite auf die christliche Königsherrschaft im Šarq al-Andalus, die sie einerseits mit ihrem eigenen Selbstverständnis, anderseits mit den politischen Realitäten ihrer Zeit abgleichen musste.

[§25] Im weiteren Kontext der politischen Entwicklungen im westlichen Mittelmeerraum kann der erste große Aufstand der Mudejaren im Königreich València unter Führung al-Azraqs als regionales Symptom für zeitgenössische Entwicklungen in zahlreichen Gebieten der südlichen Iberischen Halbinsel betrachtet werden. Während die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts durch die massiven Gebietsgewinne der nach Süden expandierenden Königreiche Kastilien und Aragón geprägt war, kam es in den Jahrzehnten danach immer wieder zu Aufständen der neu unter christliche Oberherrschaft geratenen muslimischen Bevölkerung. Diese erschütterten neben dem Königreich València (1247–1258, 1275–1277) auch das kastilisch beherrschte Königreich Múrcia (1263–1266) und waren aufgrund der nahezu allgegenwärtigen Konkurrenz zwischen Kastilien und Aragón außerordentlich brisant, zumal diese Brisanz – wie das Beispiel al-Azraqs deutlich zeigt – von den muslimischen Akteuren erkannt und zum eigenen Vorteil genutzt werden konnte.[38] Nach der gewaltsamen Niederschlagung der muslimischen Aufstände verstärkten die jeweiligen christlichen Landesherren ihre Bemühungen um Konsolidierung der Herrschaft über die unterworfenen Gebiete noch erheblich, sodass die Machtverhältnisse zum Ende des Jahrhunderts klar zugunsten der christlichen Oberherrschaft etabliert worden waren.

[§26] Für das Königreich València als jüngstes Teilreich der Krone Aragón konstituierte die Rebellion al-Azraqs zwar schon seit 1250 keine akute militärische Bedrohung mehr, barg jedoch ein mehr oder weniger dauerhaft präsentes Risikopotential. Zudem drohte der hartnäckige Widerstand des zwar militärisch eingekreisten, aber nicht ohne Weiteres zu besiegenden Rebellenführers, auch außenpolitisch zum Problem zu werden: König Jakob I., der sich in den Beziehungen zum Papsttum und den weltlichen Herrschern Lateineuropas allzu gern als erfolgreicher „Eroberer“ (Katalan./Aragon.: Conqueridor, Kastil.: Conquistador) und Vorkämpfer der lateinischen Christenheit präsentierte, riskierte den Verlust seiner Glaubwürdigkeit, wenn er seine Eroberungen nicht unter Kontrolle zu halten vermochte. In einer Zeit, in der die Mongolen als bis dato unbekannte und bedrohliche Macht an den östlichen Grenzen des Euromediterraneums in Erscheinung traten, und so einflussreiche Herrscher wie Friedrich II. (regn. 1198–1250) oder Ludwig IX. (regn. 1226–1270) ebenso intensive wie folgenreiche diplomatische und militärische Beziehungen zur islamischen Welt unterhielten, hatte das „internationale“ Prestige des aragonesischen Königs eine dezidiert politische Dimension, die es zu bewahren galt.[39]

[§27] Die Ereignisse um den muslimischen Aufstand unter Führung al-Azraqs, in deren Zusammenhang das hier behandelte Schreiben aus dem Jahr 647/1250 entstanden ist, fielen damit in eine Zeit, in der die christliche Herrschaft über weite Teile des iberischen Südens zwar schon grundlegend etabliert, aber noch nicht stabilisiert worden war. Auch in anderen Regionen des Euromediterraneums stellten sich den bisher sehr erfolgreich verlaufenen, lateinchristlichen Expansionsbestrebungen immer häufiger Akteure entgegen, die auf militärischer und diplomatischer Ebene durchaus ebenbürtige Kräfte darstellten.

Editionen & Übersetzungen

María del Carmen Barceló Torres (Hrsg.): Documentos árabes de Al-Azrāq (1245–1250), in: Saitabi. Revista de la Facultat de Geografia i Història 32 (1982), S. 40–41, URL: https://dialnet.unirioja.es/servlet/articulo?codigo=1034238 [nur recto].

Maximiliano Augustín Alarcon y Santón; Ramón García de Linares (Hrsg.): Los documentos árabes diplomáticos del Archivo de la corona de Aragón, Madrid: E. Maestre, 1940, Bd. 1, Nr. 154, S. 393–394 [nur recto].

Ministerio de Cultura de España (Hrsg.): El perfume de la amistad. Correspondencia diplomática árabe en archivos españoles (siglos XIII–XVII), Madrid: Ministerio de Cultura, 2009, Nr. 1, S. 98–99 [nur recto, nur Übersetzung].

Zitierte & weiterführende Literatur

[König Jakob I. von Aragón], Les quatre grans cròniques. I. Llibre dels feits del rei En Jaume, ed. Ferran Soldevila, unter Mitarbeit v. Jordi Bruguera u. María Teresa Ferrer i Mallol, Barcelona: Institut d’Estudis Catalans, 2008. Englische Übersetzung: The Book of Deeds of James I of Aragon. A Translation of the Medieval Catalan Llibre dels Fets, ed. Damian J. Smith und Helena Buffery, Farnham/Burlington: Ashgate, 2003.

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Al-ʿAllaoui, Hisham; Buresi, Pascal: La chancellerie almohade, in: Patrice Cressier, María Isabel Fierro Bello, Luis Molina (Hrsg.), Los Almohades. Problemas y Perspectivas, 2 Bde., Madrid: Consejo Superior de Investigaciones Científicas, 2005, Bd. 2, S. 477–503, URL: https://www.academia.edu/373755/La_chancellerie_almohade.

Baño Armiñana, Ricard: Contribució a l'estudi de les sublevacions d'Al-Azraq en les comarques de l'Alcoia i del Comtat, in: Revista de investigación y ensayos del Instituto de Estudios Alicantinos 33 (1981), S. 39–65.

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Burns, Robert Ignatius: La guerra de Al-Azraq de 1249, in: Sharq al-Andalus. Estudios mudéjares y moriscos 4 (1987), S. 253–256. Neudruck in: Robert Ignatius Burns, Mary Elizabeth Perry (Hrsg.): Warrior Neighbours. Crusader Valencia in its International Context. Collected Essays of Father Robert I. Burns, S. J., Turnhout: Brepols, 2013, S. 267–270, URL: https://dialnet.unirioja.es/servlet/articulo?codigo=747868 [Version von 1987].

Burns, Robert Ignatius: Muslims, Christians, and Jews in the Crusader Kingdom of Valencia. Societies in Symbiosis, Cambridge: Cambridge University Press, 1984.

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González Jiménez, Manuel: Jaime I el Conquistador y Alfonso X el Sabio. Una compleja relación de encuentros y desencuentros, in: María Teresa Ferrer i Mallol (Hrsg.): Jaume I. Commemoració de VIII centenari del naixement de Jaume I, 2 Bde., Barcelona: Institut d’Estudis Catalans, 2011–2013, Bd. 1, S. 437–454.

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Torró, Josep: El naixement d’una colònia. Dominació i resistència a la frontera valenciana (1238–1276), València: Universitat de València, 2. Aufl. 2006.

Torró, Josep: Expellere Sarracenos. Expulsions, reassentaments i emigració dels musulmans del regne de València després de la conquesta cristiana (1233–1348), in: Flocel Sabaté i Curull (Hrsg.): Poblacions rebutjades, poblacions desplaçades, Lleida: Pagès editors, 2019,S. 71–103, URL: https://www.academia.edu/41276985/Expellere_Sarracenos_Expulsions_reassentaments_i_emigraci%C3%B3_dels_musulmans_del_regne_de_Val%C3%A8ncia_despr%C3%A9s_de_la_conquesta_cristiana_1233_1348.

Torró, Josep: Guerra, repartiment i colonització al regne de València (1248–1249), in: Josep Torró, Enric Guinot (Hrsg.): Repartiments medievals a la Corona d'Aragó. Segles XII–XIII (Història 30), València: Universitat de València, 2007, S. 201–276, URL: https://www.academia.edu/3011196/Guerra_repartiment_i_colonitzaci%C3%B3_al_regne_de_Val%C3%A8ncia_1248_1249.

Vela Aulesa, Carles: Jaume I I el Magrib, una relació mes enllá del comerc, in: María Teresa Ferrer i Mallol (Hrsg.): Jaume I. Commemoració de VIII centenari del naixement de Jaume I, 2 Bde., Barcelona: Institut d’Estudis Catalans, 2011–2013, Bd. 1, S. 471–508.

Zaman, Muhammad Qasim; Bianquis, Thierry; Eddé, Anne-Marie; Carmona, A.; Lambton, Ann Katharine Swynford; İnalcik, Halil: Wazīr, in: Encyclopaedia of Islam 2, Bd. 11, Leiden: Brill, 2002, S. 185–197, URL: http://dx.doi.org/10.1163/1573-3912_islam_COM_1346.

Zitierempfehlung

Eric Böhme, "1250: Der Regionalherrscher al-Azraq schreibt an die Königin von Aragón", in: Transmediterrane Geschichte. Kommentierte Quellenanthologie, ed. Daniel G. König, Theresa Jäckh, Eric Böhme, URL: https://wiki.uni-konstanz.de/transmed-de/index.php/1250:_Der_Regionalherrscher_al-Azraq_schreibt_an_die_Königin_von_Aragón. Letzte Änderung: 28.06.2021, Zugriff: 16.10.2021.

Schlagworte

al-Andalus, Aufstand, Brief, Diplomatie, Dolmetscher, Gesandte, Gesandtschaft, Krieg, Mudejaren, mudéjares, Muslime unter christlicher Herrschaft, Protokoll, Rebellion, Verhandlungen


  1. Möglicherweise ist die Formulierung malḥūẓīn auch im Sinne der Anerkennung der Delegation als „offizielle“ Gesandte al-Azraqs zu verstehen, aber sicher ist das nicht. Ich danke Daniel König für diesen Hinweis.
  2. Auf diesen Umstand haben schon die früheren Editoren hingewiesen: Maximiliano Augustín Alarcon y Santón; Ramón García de Linares (Hrsg.): Los documentos árabes diplomáticos del Archivo de la corona de Aragón, Madrid: E. Maestre, 1940, Bd. 1, Nr. 154, S. 393–394. Die hier verwendete Transkription der Vorderseite (recto) basiert auf der Vorlage von Barceló-Torres, Documentos, wobei an einigen wenigen Stellen Druckfehler korrigiert und zusätzliche Ergänzungen in eckigen Klammern vorgenommen, die Markierungen der Zeilenumbrüche hingegen entfernt wurden. Die aus dieser Edition übernommene, weitgehend „normalisierte“ Schreibweise bildet zugunsten der Les- und Verständlichkeit nicht alle orthographischen Eigenheiten der Handschrift ab. So wurden etwa die bei einzelnen Buchstaben fehlenden oder nicht mehr lesbaren diakritischen Punkte zur Unterscheidung gleicher Grapheme ergänzt. Auf längere philologische Erklärungen zu diesem und anderen Phänomenen muss an dieser Stelle verzichtet werden, wobei weiterführend verwiesen sei auf: Institute of Islamic Studies of the University of Zaragoza, Grammar. Die inhaltliche Wiedergabe des Schreibens wird durch dieses Vorgehen nicht beeinflusst.
  3. Abbildungen zahlreicher weiterer Beispiele finden sich etwa in: Ministerio de Cultura de España (Hrsg.): El perfume de la amistad. Correspondencia diplomática árabe en archivos españoles (siglos XIII–XVII), Madrid: Ministerio de Cultura, 2009; eine ausführliche Analyse anhand von drei Beispielen in Potthast, Drei Fragmente.
  4. Zur kitāba einführend etwa Burns, Islam, S. 354–360, insb. 397–398 und Guichard, Al-Andalus, S. 422–431, 450; weiter gefasst Buresi, Al-ʿAllaoui, Chancellerie almohade.
  5. Potthast, Drei Fragmente, S. 409, schreibt zwei noch unedierte, nur schwer lesbare und daher nicht sicher einzuordnende Briefe (Barcelona, Arxiu de la Corona d’Aragó, Cartas árabes, Nr. 165–166) ebenfalls al-Azraq oder seinem Umfeld zu, doch wurden diese in der einschlägigen geschichtswissenschaftlichen Fachdiskussion (s. dazu die Literaturangaben unten) bisher nicht thematisiert. Aus Platzgründen wird auf dieses zukünftig von der Forschung zu lösende Problem im Folgenden nicht gesondert eingegangen.
  6. S. dazu in unserem Kontext weiterführend Potthast, Diplomatischer Austausch.
  7. Als Überblick zu diesen Entwicklungen s. klassisch Engels, Reconquista; aus jüngster Zeit etwa Jaspert, Reconquista.
  8. Die zeitgenössische arabische Bezeichnung Šarq al-Andalus bezog sich – vereinfacht ausgedrückt – auf den festländischen Osten der Iberischen Halbinsel mit den Siedlungszentren València (Balansiya), Xàtiva (Šāṭiba) und Múrcia (Mursiya), schloss aber auch die Balearen mit ein; grundlegend dazu Guichard, S̲h̲arḳ al-Andalus.
  9. Katalan.: Jaume I., Aragones.: Chaime I., Span.: Jaime I., Engl.: James I.
  10. S. hierzu etwa die Synthesen von Guichard, Al-Andalus, S. 175–202 und Torró, Naixement, S. 25–56.
  11. Burns, Islam, S. 323–324; Burns/Chevedden, Negotiating Cultures, S. 6–8.
  12. Auf diesem im Juni/Juli 1245 abgehaltenen Konzil, bei dem der aragonesische König eine wichtige Rolle spielte, wurden zahlreiche, letztendlich gegen den Islam gerichtete Maßnahmen thematisiert und beschlossen, so etwa die Absetzung Kaiser Friedrichs II. aufgrund seiner Beziehungen zu den „Sarazenen“, ein neuer Kreuzzug in den Nahen Osten unter Führung Ludwigs IX., die Einführung einer Sondersteuer zur finanziellen Unterstützung des Heiligen Landes und die Entsendung eines päpstlichen Gesandten zu den Mongolen; s. dazu einführend Roberg, Lyon, im weiteren Kontext zudem Smith, Jaime I.
  13. Eine ausführliche Analyse des Dokuments bieten Burns/Chevedden, Negotiating Cultures, S. 3–59, die maßgebliche Edition auf S. 35–37 (aragonesisch-kastilischer Text) und S. 39–50 (arabischer Text).
  14. Ausführlich dazu Torró, Guerra; zusammenfassend Torró, Expellere Sarracenos, S. 78–83.
  15. Zu diesen Ereignissen etwa Guichard, Al-Andalus, S. 574–581; Burns, Crusade, S. 80–101; Torró, Guerra, S. 201–224 und Torró, Naixement, S. 56–63; insb. zu den päpstlichen Schreiben, über deren konkrete Verbreitung und Rezeption nur wenig bekannt ist, Burns, Lost Crusade. Burns hat sich mehrfach dafür ausgesprochen, die Maßnahmen der Kurie zur Unterstützung der Feldzüge Jakobs I. gegen die Muslime im Šarq al-Andalus (sowohl in den Jahren bis 1245 als auch 1248–1250) als „Kreuzzugsunternehmen“ zu interpretieren. Diese Deutung ist allerdings bis heute umstritten, vgl. im Kontext hier etwa Torró, Expellere Sarracenos, S. 81, FN. 29.
  16. Während die militärischen Kampagnen der Jahre 1233–1245 in mehr als 200 Kapiteln ausführlich beschrieben werden, finden die Ereignisse der folgenden zwei Jahrzehnte bis zum Feldzug nach Múrcia (Mursiya) in kaum mehr als fünfzehn, chronologisch eher konfusen Kapiteln Behandlung: [König Jakob I. von Aragón], Les quatre grans cròniques. I. Llibre dels feits del rei En Jaume, ed. Ferran Soldevila unter Mitarbeit v. Jordi Bruguera u. María Teresa Ferrer i Mallol, Barcelona: Institut d’Estudis Catalans, 2008, cap. 361–377, S. 388–402; englische Übersetzung: The Book of Deeds of James I of Aragon. A Translation of the Medieval Catalan Llibre dels Fets, ed. Damian J. Smith u. Helena Buffery, Farnham/Burlington: Ashgate, 2003, cap. 361–377, S. 271–282. Vgl. zu diesem Problem in unserem Kontext Burns/Chevedden, Surrender Treaty, S. 525–527 und Guichard, Al-Andalus, S. 571–572, 581.
  17. Guichard, Al-Andalus, S. 581–584; Torró, Naixement, S. 59–61, 63–65; zu den aragonesisch-kastilischen Beziehungen im Kontext hier etwa Burns, Crusade, S. 102–105; im weiteren Kontext Burns, Warrior Neighbors und González Jiménez, Jaime I.
  18. [König Jakob I. von Aragón], Llibre dels feits, ed. Soldevila, cap. 375, S. 400; übers. Book of Deeds, ed. Smith/Buffery, cap. 375, S. 280.
  19. [König Jakob I. von Aragón], Llibre dels feits, ed. Soldevila, cap. 373–377, S. 398–402; übers. Book of Deeds, ed. Smith/Buffery, cap. 373–377, S. 279–282. Vgl. auch die Analysen bei Guichard, Al-Andalus, S. 584–586 und Torró, Naixement, S. 65–67.
  20. [König Jakob I. von Aragón], Llibre dels feits, ed. Soldevila, cap. 556, S. 520–521; übers. Book of Deeds, ed. Smith/Buffery, cap. 556, S. 376; dazu auch Guichard, Al-Andalus, S. 606–607.
  21. Vgl. den Quellentext oben: „(…) mawlātī al-sulṭāna al-karīma al-muʾayyada al-manṣūra al-ʿamīma al-mubāraka al-rīna duna mawlānā al-sulṭān al-muʾayyad al-manṣūr malik al-rūmiyya wa-malik šarq al-Andalus (…)“. Der Titel reina Dona war eine im damaligen katalanischen Sprachgebrauch verbreitete Anrede für Königinnen, die auch von Jakob I. selbst benutzt wurde, vgl. etwa [König Jakob I. von Aragón], Llibre dels feits, ed. Soldevila, cap. 3 f., 7, 17 f., S. 51 f., 55, 75; übers. Book of Deeds, ed. Smith/Buffery, cap. 3 f., 7, 17 f., S. 19, 21, 33.
  22. Quellentext oben: „(…) min ʿabdikum wa-ḫadīmikum wa-muqabbil yadaykum al-mubāraka al-karīma Muḥammad bin Huḏayl aš-šāhir bi-l-Azraq (…)“.
  23. Burns/Chevedden, Negotiating Cultures, S. 48: „(…) al-wazīr al-aǧall al-ḥasīb al-arfaʿ al-asmā al-asnā Abū ʿAbd Allāh bin Huḏayl akramahu Allāh (…)“. Hinsichtlich des Wesir-Titels (Arab.: wazīr, Roman.: alguazil) ist zu beachten, dass diese und andere Amtsbezeichnungen (u. a. qāʾid, raʾīs) im Šarq al-Andalus des 13. Jahrhunderts nicht mehr mit klar zu definierenden oder abgrenzbaren Kompetenzen verbunden waren, s. dazu schon Burns, Islam, S. 365–367; zu weiteren Definitionsmöglichkeiten des Terminus wazīr Zaman, Eddé, Carmona, Lambton, İnalcik, Wazīr.
  24. Burns/Chevedden, Negotiating Cultures, S. 35: „(…) Habuabdele Yvan Fudayl, alguazil et senor Dalcala (…)“. Über den Entstehungsprozess beider Textvarianten ist nichts Konkretes bekannt, doch haben die Editoren (S. 54–59) anhand verschiedener Anhaltspunkte vermutet, dass die endgültige Version des Vertrages wahrscheinlich in der Kanzlei des Infanten hergestellt wurde. Es ist aber dennoch gut denkbar, dass al-Azraq und seine Berater über Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die für die muslimische Seite verwendeten Titulaturen verfügt und dies in den Vorverhandlungen zur textlichen Ausgestaltung auch thematisiert haben könnten.
  25. Vgl. etwa Robert Ignatius Burns (Hrsg.), Diplomatarium of the Crusader Kingdom of Valencia. The Registered Charters of its Conqueror Jaume I., 1257–1276, 4 Bde., Princeton/Oxford: Princeton University Press, 1985–2007, Bd. 2, Nr. 79, 85, S. 70, 75: „(…) Aladrachum traditorem nostrum (…)“, Nr. 91, S. 80: „(…) Aladrach proditorem nostrum (…)“. Der Llibre dels feits hat meist nur al-Azraq in verschiedenen altkatalanischen Schreibvarianten.
  26. Zu einem ähnlichen Schluss kommen auch Burns, Crusade, S. 99 und Torró Abad, Naixement, 64–65.
  27. Vgl. den Quellentext oben: „(…) mā fīhā min al-barr wa-l-riʿāya wa-l-ḥifẓ wa-l-ʿināya wa-amr irsālinā ilaykum (…)“.
  28. So etwa gegenüber den quwwād von Bairén (Bayrān) im Jahr 1239 und Xàtiva (Šāṭiba) im Jahr 1243: [König Jakob I. von Aragón], Llibre dels feits, ed. Soldevila, cap. 308, 334–335, S. 354–355, 369–370; übers. Book of Deeds, ed. Smith/Buffery, cap. 308, 334–335, S. 244–245, 257–258. Für Barceló-Torres, Documentos, S. 36, war die vorausgegangene Gesandtschaft lediglich „(…) relacionada con un principio de conversaciones de paz, de las que nada sabemos, (…)“.
  29. Burns, Lost Crusade, Nr. VII–X, allerdings ohne jeden Bezug zur konkreten Situation im Königreich València oder gar zu al-Azraq; zur umstrittenen Deutung der Maßnahmen als „Kreuzzug“ s. bereits FN. 15.
  30. So etwa 1238 bei den Geheimverhandlungen über die Kapitulation von València (Balansiya): [König Jakob I. von Aragón], Llibre dels feits, ed. Soldevila, cap. 276–277, S. 335–336; übers. Book of Deeds, ed. Smith/Buffery, cap. 276–277, S. 227. Erst im Februar 1249 hatte sie zudem als schlichtende Instanz in einer Auseinandersetzung zwischen ihrem Mann und dem Infanten Peter von Portugal agiert, die sich im Wesentlichen um die Vertreibung muslimischer Bauern aus dessen Herrschaftsbereich im Norden des Königreiches drehte. S. dazu die Edition des beurkundeten Endergebnisses in Burns, Guerra, App. I und dessen neuere Interpretation in Torró, Expellere, S. 82–83.
  31. Weiterführend zum generellen Handlungsspielraum der Königin und ihres Hofes vgl. etwa Ponsich, Petite filie.
  32. Bzgl. weitergefasster Überlegungen zum Thema Sprachmittlung s. etwa Echevarría Arsuaga, Trujamanes.
  33. Vgl. zu den möglichen Implikationen der Formel „ʿabdikum wa-ḫadīmikum“ bereits Barceló-Torres, Documentos, S. 33, die vorgeschlagen hat, „ḫadīm“ mit „Vasall“ gleichzusetzen, diese Terminologie aber nicht in ihre eigene Übersetzung des vorliegenden Dokuments (S. 41) übernommen hat. Angesichts unserer mangelnden Kenntnis über das andalusisch-arabische Verständnis des lateineuropäischen Konzeptes der Vasallität sind auf diesem Themenfeld ohnehin nur vage Vermutungen möglich.
  34. Dieses Motiv war auch in der lateinisch-christlichen Briefkultur seit langem weit verbreitet, vgl. zu diesem Themenfeld einführend Deswarte, Herbers, Scherer (Hrsg.), Frühmittelalterliche Briefe.
  35. Quellentext oben: „(…) fa-allaḏīna waǧaba bihi ʿalā al-ʿabd taʿarrufukum annahu (…)“.
  36. Quellentext oben: „(…) fa-haḏā mā waǧaba bihi taʿarrufukum (…)“.
  37. Über die weitere Überlieferungs- und Rezeptionsgeschichte des Schreibens ist allerdings nichts bekannt. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen arabischen Dokumenten erfuhr es offenbar keine spätere Übersetzung, was die Überlieferung des Originals begünstigt haben könnte. Vgl. zu diesem Themenfeld weiterführend Potthast, Translations.
  38. Auch in Múrcia versuchten die Rebellenführer, die Könige Aragóns und Kastiliens gegeneinander auszuspielen und suchten sogar die diplomatische Verständigung mit der römischen Kurie. Letztendlich setzte Jakob I. aber einen Feldzug zugunsten seines Schwiegersohnes Alfons X. ins Werk, in dessen Rahmen die Aufstände militärisch niedergeschlagen wurden. Zu den Ereignissen s. die jüngere Studie von Maser, Convivencia.
  39. Zu den Außenbeziehungen der Krone Aragón unter Jakob I. s. schon die klassische Synthese von Engels, König Jakob I.; zudem Smith, Jaime I, Ferrer i Mallol, Panorama und Vela Aulesa, Jaume I.