674-685: Beobachtungen des fränkischen Pilgers Arculf in Jerusalem und Damaskus

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Verfasser/in: Vera Kreutzmann

Quelle

Adamnanus, De locis sanctis, ed. L. Bieler (CCL 175), Turnhout: Brepols, 1965, lib. I, cap. I,14, S. 186; ibid., lib. I, cap. IX, 2 und 11-16, S. 192-194; ibid. lib. II, cap. XXVIII, 1-2, S. 220; Übersetzung adaptiert von: Arculf, Eines Pilgers Reise nach dem heiligen Lande (um 670), übers. P. Mickley, Leipzig: J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, 1917, S. 19-20, 30-31, 34-35.
Ceterum in illo famoso loco [Hierosolimitanus] ubi quondam templum magnifice constructum fuerat in uicinia muri ab oriente locatum nunc Saracini quadrangulam orationis domum, quam subrectis tabulis et magnis trabibus super quasdam ruinarum reliquias construentes uili fabricati sunt opere, ipsi frequentant; quae utique domus tria hominum milia, ut fertur, capere potest. […] An jener berühmten Stätte, wo einst der Tempel nahe der Ostmauer großartig erbaut worden war, besuchen die Sarazenen jetzt übrigens ein viereckiges Bethaus, das sie auf irgendwelchen Trümmerresten aus aufgerichteten Brettern und großen Balken in grober Manier errichtet haben. Wie berichtet wird, kann dieses indes dreitausend Menschen auf einmal fassen. […]
Ante annos ferme ternos sacrosanctum linteolum, quod quidam satis idoneus credulus Iudaeus de sepulchre Domini statim post eius resurrectionem furatus multis diebus apud se occultauit, ipso donante Domino post multorum circulos annorum repertum in notitiam totius populi uenit. […] Vor etwa drei Jahren ist das hochheilige Leinen, welches irgendein sehr gläubiger Jude sogleich nach dessen Auferstehung aus dem Grabe des Herrn gestohlen hatte und viele Tage bei sich versteckt hielt, gewissermaßen als ein Geschenk des Herrn selbst nach Ablauf von vielen Jahren aufgefunden worden und zur Kenntnis des ganzen Volkes gekommen. […]
Vnde et Saracinorum rex nomine Mauias ab utrisque interpellatus partibus ad eos incredulos Iudaeos qui sudarium Domini pertinaciter retinebant coram praesentibus Iudaeis Christianis inter utrosque deiudicans dixit: ‚Sacrum quod habetis linteolum date in mea manu.’ Qui regis uerbo obtemperantes illus de scrinio proferentes regnatoris in sinum deponunt. Quod cum magna reuerentia suscipiens rex in platea coram omni populo rogum fieri iussit; quo nimia inflammatione ardente surgens ipse et ad ipsum accedens rogum eleuata uoce ad utrasque discordes dixit partes: ‚Nunc Christus mundi Saluator, passus pro humano genere qui hoc quod nunc in sinu conteneo sudarium in sepulchro suum super capud habuit positum, inter uos de hoc eodem linteo contendentes per flammam iudicet ignis, ut sciamus cui parti horum duum exercituum contentiosorum hoc tale donum condonare dignetur.’ Et haec dicens sacrum Domini sudarium proiecit in flammas. Quod nullo modo ignis tangere potuit, sed integrum et incolome de rogo surgens quasi auis expansis alis coepit in sublimae uolare et utrasque desidentes contra se populi partes et quasi in procinctu belli consertas sedentes acies de summis prospiciens duas in uacuo aere per aliquorum interuallum momentorum circumuolans proinde paulatim discendens Deo gubernante ad partem Christianorum interim Christum iudicem exorantium declinans in eorum consedit sinu; qui Deo gratias leuatis ad caelum manibus agentes cum ingenti laetatione ingeniculantes sudarium Domini magna cum honorificentia suscipiunt ad se de caelo uenerabile emisum donum ymnificasque laudes Christo eius donatori refferunt et in scrinio eclesiae in alio inuolutum linteamine condunt. Quod noster frater Arculfus alia die de scrinio eleuatum uidit et inter populi multitudinem illud osculantis et ipse osculatus est in eclesiae conuentu, mensuram longitudinis quasi octonos habens pedes. De quo haec dicta sufficiant.[1] […] Daher hat der König der Sarazenen namens Mauias, der von beiden Parteien um Entscheidung gebeten worden war, den ungläubigen Juden, welche das Schweißtuch des Herrn hartnäckig zurückhielten, in Gegenwart der Christen und Juden, als er zwischen beiden ein Urteil fällte, gesagt: „Das heilige Leinen, welches ihr habt, gebt mir in die Hand.“ Dem Worte des Königs gehorchend, holten sie es aus einem Schreine hervor und legten es in den Schoß des Herrschers. Das Tuch mit großer Ehrfurcht annehmend, ließ der König auf dem Platze vor allem Volk einen Scheiterhaufen herrichten. Als der ziemlich hoch brannte, stand jener auf, trat an den Scheiterhaufen heran und sagte mit erhobener Stimme zu den beiden Streitparteien: „Nun soll Christus, der Heiland der Welt, der für das Menschengeschlecht gelitten hat, der dies Schweißtuch, welches ich jetzt an der Brust halte, im Grabe auf seinem Haupte gehabt hat, zwischen euch, die ihr über eben dieses Leinen streitet, durch die Flamme des Feuers richten, damit wir wissen, welche Seite dieser beiden streitbaren Heere er durch ein solches Geschenk würdigen will.“ Mit diesen Worten warf er das heilige Schweißtuch des Herrn in die Flammen. Das Feuer konnte es auf keine Weise erfassen, sondern es begann, sich vollständig unversehrt vom Scheiterhaufen erhebend, wie ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln in die Höhe zu fliegen; und von oben auf die beiden wider einander gespaltenen Volksparteien, die wie zwei Schlachtreihen zum Kampf geordnet lagerten, herabschauend und einige Augenblicke umherfliegend, senkte es sich allmählich wieder und ließ sich durch göttliche Fügung inmitten der Gruppe der Christen nieder, welche inzwischen die Entscheidung Christi erfleht hatten. Gott mit zum Himmel erhobenen Händen Dank sagend, nahmen diese niederknieend in ungeheurer Freude das Schweißtuch des Herrn mit großer Ehrerbietung als ein ehrwürdiges vom Himmel herabgelassenes Geschenk in Empfang, brachten Christus als dem Geschenkgeber Lobgesänge dar und bargen es, in ein anderes Leinen gewickelt, im Schrein einer Kirche. Unser Bruder Arculf hat es gesehen, als es anderen Tags aus dem Schrein hervorgeholt wurde und hat es inmitten der Volksmenge, die es küsste, auch selber in einer Versammlung der Kirche geküsst. Es misst etwa acht Fuß in der Länge. Das Gesagte mag darüber genügen. […]
Damascus ciuitas regalis magna, ut Arculfus refert, qui in illa per aliquot hospitatus est dies, in campo posita lato, amplo murorum ambitu circumcincta, insuper etiam et crebris turribus communita, plurimam extra muros in circuitu habens oliueta, quem et magna quatuor flumina interfluentia gaudenter laetificant. In qua Saracinorum rex adeptus eius principatum regnat. Et in honore sancti Iohannis Baptistae ibidem grandis fundata eclesia est, et quaedam etiam Saracinorum eclesia incredulorum et ipsa in eadem ciuitate quam ipsi frequentant fabricata est.[2] Damaskus, eine große königliche Stadt, wie Arculf berichtet, der sich einige Tage darin aufgehalten hat, liegt in einer weiten Ebene, von einer großen Ringmauer umgeben und auch durch häufige Türme befestigt. Außerhalb der Mauern ringsum sind viele Olivenhaine. Vier große Flüsse, die durch die Stadt fließen, geben ihr ein entzückendes Aussehen. Dort herrscht der König der Sarazenen, der sich der Herrschaft über sie bemächtigt hat. Dort ist zu Ehren St. Johannes’ des Täufers eine große Kirche erbaut worden. Eine gewisse Kirche der ungläubigen Sarazenen ist gleichfalls in der Stadt errichtet worden, welche sie häufig besuchen.

Autor/in & Werk

[§1] Die Quellenstellen entstammen einer Beschreibung des Heiligen Landes, die auf dem Bericht eines fränkischen Pilgers namens Arculf basieren soll.[3] Dieser wird in der Einleitung zum Werk als gallischer Bischof (episcopus gente Gallus) bezeichnet, über dessen Herkunft, Leben und Bischofssitz allerdings sonst nichts weiter bekannt ist, was in der Forschung bisweilen zu Zweifeln an seiner Existenz geführt hat.[4] Er besuchte entweder um 674 oder 685 das Heilige Land und blieb dabei ungefähr neun Monate in Jerusalem.[5] Beda Venerabilis (gest. 735), Mönch im nordenglischen Kloster Jarrow und bedeutender frühmittelalterlicher Gelehrter, erzählt, es habe Arculf aufgrund eines Sturmes oder Schiffbruches während seiner Rückreise auf die Insel Icolmhill an der Westküste Schottlands verschlagen. Dort fand er Aufnahme bei Adamnanus, dem Abt des Klosters Iona.[6] Diesem soll er von seiner Reise berichtet und dabei auf Wachstäfelchen gemalte Grundrisse von einigen Kirchen, z. B. der Grabeskirche, gezeigt haben.[7]
[§2] Als eigentlicher Autor muss daher Adamnanus gelten: Adamnanus von Hy bzw. Iona wurde um das Jahr 624 in Tir-Aedha (Tirhugh) oder 628 in Drumhome (beides in der Grafschaft Donegal / Irland) geboren[8] und starb am 23.09.704.[9] Adamnanus erhielt seine Ausbildung vermutlich vollständig in seiner Heimat,[10] bevor er unter dem fünften Abt von Iona in das von seinem Vorfahren[11] Columba 563 gegründete Kloster eintrat, dessen neunter Abt er 679 wurde. Er gründete das Kloster Raphoe und unterhielt gute Verbindungen zum northumbrischen König Aldfrith (reg. 685-704), dessen Lehrer er möglicherweise war und den er mehrmals als politischer Gesandter besuchte, einmal, um irische Gefangene freizukaufen.[12] Im Zuge einer dieser Reisen, entweder 686 oder 688, überbrachte und widmete er Aldfrith das genannte Itinerar De locis sanctis libri tres.[13] Adamnanus reiste mehrmals durch Irland, auch, um im Streit um die Osterdatierung die Annahme der römischen Rechnung zu verbreiten, was bei den Mönchen in Iona selbst scheiterte.[14] Während der Synode von Birr 697 kam es wohl auf seine Initiative hin zur Verabschiedung des Cáin Adomnáin, eines Gesetzes, welches das Töten von Frauen, Kindern und Geistlichen während eines Krieges verbot.[15]
[§3] Besonders bekannt ist Adamnanus für die zwischen 692 und 697 verfasste Lebensbeschreibung seines Vorfahren, die Vita Columbae. Sie handelt vom Gründer des Klosters Iona und kann als „Meisterstück der hiberno-lateinischen Hagiographie von höchstem historischen Wert“ angesehen werden.[16] Außerdem gehören zu seinen Werken wahrscheinlich ein Kommentar zu Schriften Vergils[17], eine Sammlung ekklesiastischer Kanones, die auf seine Veranlassung zusammengestellt wurde,[18] ebenso wie das oben erwähnte Cáin Adomnáin. Mehrere, auch mittelirische Texte wurden ihm fälschlicherweise zugeschrieben.[19]

Inhalt & Quellenkontext

[§4] Die hier angegebenen Textstellen stammen aus De locis sanctis libri tres, dem ca. 680 oder 700 verfassten[20] Reisebericht des Arculf, der heute noch in mehreren Handschriften überliefert ist[21] und in einer Art Interviewstil geschrieben ist.[22] Er enthält Beschreibungen der heiligen Stätten in Palästina und Jerusalem, aber auch jenen Konstantinopels, mit dem Ziel, ein „treatise of sacred geography for use as an exegetical aid” zu sein.[23] Beda Venerabilis kannte, las, benutzte und kürzte den Bericht und verwendete ihn als Grundlage seiner Schrift De locis sanctis.[24] Alle drei hier zitierten Stellen werden von ihm gekürzt oder ergänzt wiedergegeben.[25]
[§5] Der in einem eigenen, gelehrten Stil verfasste[26] Reisebericht gliedert sich in drei Bücher. Das erste beschäftigt sich mit Jerusalem, seiner Lage sowie mit für Christen wichtigen Orten und Reliquien wie u. a. der Grabeskirche, der Golgotha-Kirche, dem Ölberg, der (heiligen) Lanze und dem Schweißtuch Christi. Das zweite Buch behandelt die wichtigen Orte, Landschaften und Kirchen in Palästina, Syrien und Ägypten, darunter Bethlehem, Damaskus, Tyrus und Alexandrien, den Berg Tabor, die Gräber König Davids und des Kirchenvaters Hieronymus sowie die Geburtskirche und Taufstelle Jesu. Das dritte Buch bietet eine Beschreibung Konstantinopels, eine Ausführung zu Georg dem Bekenner und Beobachtungen zum Vulkan auf der Insel Volcano vor Sizilien.[27] Entprechend der Intention des Werks, ein Itinerar und eine Übersicht über für Christen bibel- und heilsgeschichtlich wichtige Orte zu verfassen, sind überwiegend auch diese beschrieben. Interessant ist dabei aber, dass Arculf – im Gegensatz zu der von Elisabeth Ruchaud aufgestellten These eines ‘Scheuklappenblicks’ von frühmittelalterlichen Pilgern auf die nichtchristliche Umwelt dieser Orte, der sich erst mit der Zeit geweitet habe – an mehreren Stellen eben diese nichtchristliche Umwelt beobachtet und beschreibt, wie dies auch aus den hier ausgesuchten Stellen hervorgeht.[28] Vielmehr kann Arculf als „aufmerksamer, verständiger, nüchterner und auf seine Art nicht unkritischer Reisender“ verstanden werden,[29] der ein besonderes Auge für Architektur- und Landschaftsbeschreibungen hatte.[30]
[§6] Diese oben zitierten Quellenstellen sind “specific references to contemporary Arab rule in the Near East.”[31] Arculf beschreibt, was aufgrund mangelnder zeitgenössischer Parallelquellen sonst kaum nachvollzogen werden kann, nämlich Jerusalem zwischen der muslimischen Eroberung im Jahre 638 und dem Bau des Felsendoms 692.[32] In der ersten Textstelle ist von einem viereckigen Gebetshaus in Jerusalem die Rede, das an der Stätte des ehemaligen jüdischen Tempels, also auf dem Tempelberg, in der Nähe der Ostmauer errichtet wurde und von Muslimen (Saracini) häufig besucht wurde. Besonders interessant ist dabei Arculfs Beschreibung des Bauzustandes: Es sei auf Ruinen oder Trümmern (super quasdam ruinarum) errichtet und durch aufgerichtete Bretter und große Balken einfach aufgebaut (uili fabricati). Trotzdem habe es dreitausend Personen (tria hominum milia) fassen können. Für dieses Gebäude wurden in der Forschung verschiedene Identifikationen versucht. Tolan versteht die Stelle als “unique testimony to an earlier, temporary mosque”, die weder als Felsendom noch als al-Aqṣā-Moschee identifiziert werden kann.[33] Woods nennt die Möglichkeit, dass sich das Gebäude in der Nähe der heutigen al-Aqṣā-Moschee am Rand des Tempelberges befand und durch das Erdbeben 659 zerstört wurde.[34] Arculf habe somit ein sich in der Renovierungsphase befindliches Gebäude gesehen, von dem er möglicherweise fälschlich angenommen habe, es sei aus Holz gebaut.[35] Die genannten Ruinen seien in diesem Fall zerstörte Teile, die Holzbalken und –bretter Gerüstbauten. Dementsprechend besteht für Woods dann auch die Möglichkeit, dass das von Arculf gesehene Bethaus tatsächlich die al-Aqṣā-Moschee gewesen sein könnte.[36] Für Grafman und Rosen-Ayalon hingegen sind die Ruinen Überreste des Herodianischen Tempels und auch sie sprechen von einer “earliest al-Aqṣā” in Bezug auf das von Arculf beschriebene Bethaus.[37] Bereits im Jahr der Eroberung Jerusalems, also 17/ 638, soll der zweite Kalif, ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb (reg. 13-23/ 634-644), eine Moschee am Ort des Herodianischen Tempels gebaut haben. Vielleicht ist auch diese Moschee als das Gebäude anzusehen, das Arculf beschreibt, auch wenn es durch den Felsendom ersetzt worden sei.[38] Die Angabe, dass das Haus dreitausend Personen Platz geboten habe, zweifelt indes kaum jemand an, sie wird auch nicht nur als symbolische Zahl für eine größere Menge angesehen.[39] In der frühen innerislamischen Auseinandersetzung erhielt Jerusalem – und damit auch die al-Aqṣā-Moschee bzw. ihre Vorgängerbauten – eine besondere spirituelle Bedeutung.[40]
[§7] In der nächsten Textstelle wird eine Entscheidung über das Schweißtuch Christi in einer Art Gottesurteil gefällt. ‚Ungläubige Juden‘ (incredulos Iudaeos) und Christen sollen darüber gestritten haben, welcher Gruppe das Schweißtuch, das Christus im Grabe bedeckte, von Gott zugeeignet wurde. Dieser Streit wurde vor den König der Sarazenen, Mauias, getragen, der ihn dadurch löst, dass er das Tuch auf einen brennenden Scheiterhaufen wirft, von welchem es aufsteigt und dann zur Gruppe der Christen fliegt und dort niedersinkt. Diese verwahren es dann unter Lobgesängen im Schrein einer Kirche. Hier sind alle drei abrahamitischen Religionen anwesend: Die Christen und Juden als Streitende, der muslimische Herrscher als von beiden Seiten angerufener Schlichter. Bei diesem handelt es sich um den Kalifen Muʿāwiya b. Abī Sufyān (reg. 40-60/661-680). Dieser wurde um 602 oder im Jahr 610[41] als Sohn eines angesehenen Kaufmanns geboren, der in der zweiten Hälfte der 620er Jahre in Mekka die Opposition gegen den Propheten Muḥammad anführte. Muʿāwiya selbst wurde nach der Hochzeit seiner Schwester mit Muḥammad Muslim und von 630 bis zum Tod Muḥammads 632 dessen Sekretär. Unter dessen Nachfolger nahm er an der Eroberung Syriens und Jerusalems teil und wurde 639 zum Gouverneur Syriens[42] ernannt. Nach dem Tod des Kalifen ʿUtmān 656 konnte sich Muʿāwiya im anschließenden Bürgerkrieg[43] als Nachfolger durchsetzen, empfing in Jerusalem die Huldigung zum Kalifen und regierte dann von Damaskus aus. Seine Herrschaft wurde unterschiedlich bewertet.[44] Durch die Designation seines Sohnes zum Nachfolger begründete er die Umayyadendynastie.[45]
[§8] Muʿāwiya wird hier als unabhängiger Streitschlichter dargestellt[46], der keine Diskriminierung aufgrund seiner Religion erfährt. Im Gegenteil, er erscheint als “quasi-Christian who invokes Christ as savior”[47]; die negativere Rolle wird in der Episode eher den Juden zugeschrieben. Hier stellt sich also die Frage, ob Arculf bzw. Adamnanus Muʿāwiya als Christen eingeordnet haben, was sich aus der Textpassage ergeben würde, in der Muʿāwiya in wörtlicher Rede zitiert wird und angeblich Christus als „Erretter der Welt“ (mundi Saluator) bezeichnet, der „für das Menschengeschlecht gelitten“ (passus pro humano genere) habe. Dass Jesus von Muslimen eine eschatologische Funktion zugeschrieben wurde, bewegt sich dabei durchaus im Bereich des Realistischen, wird Jesus schon im Koran als Messias (al-masīḥ), in der islamischen Theologie gelegentlich als Erlöser (mahdī) gesehen, der am Ende der Zeiten das Jüngste Gericht einleitet. Die theologische Vorstellung, dass Christus durch sein Leiden die Welt gerettet habe, erscheint dagegen eher schwer mit islamischen Vorstellungen vereinbar, wird der Kreuzestod und die damit verbundene theologische Vorstellung der Opferung Jesu für die Menschheit von muslimischer Seite nicht unbedingt anerkannt.[48] Zumindest einige Forscher sehen Muʿāwiya als Repräsentanten eines frühen umayyadischen Islam, der im Sinne eines Reformmonotheismus gegenüber Christen und Juden noch offener war und noch keine so starken Abgrenzungen formulierte, wie das etwa ab der Herrschaft des Umayyadenkalifen ʿAbd al-Malik (reg. 65/685-86/705) der Fall war.[49]
[§9] Die letzte Quellentelle beschreibt die Stadt Damaskus, seit 661 Hauptstadt des Muʿāwiya, der zur Zeit des Besuchs Arculfs von dort aus regierte. Das Stadtbild sei geprägt von einer Ringmauer und vielen Türmen, die Gegend darum durch Olivenhaine und vier Flüsse. Außerdem nennt Arculf eine Kirche, die Johannes dem Täufer gewidmet sei und eine vielbesuchte Moschee (Saracinorum ecclesia incredulorum). Vielleicht ist diese Moschee ein Vorgängerbau der großen Umayyadenmoschee, die Grafman und Rosen-Ayalon untersuchen,[50] möglich ist aber auch, dass es sich um eine davon unabhängige Moschee handelt. Obwohl Arculf oder Adamnanus die Muslime hier zwar als „Ungläubige“ (increduli) bezeichnet, attestiert er ihnen durch den „häufigen Besuch“ der Moschee (ecclesia (…) quam ipsi frequentant) eine gewisse Frömmigkeit.
[§10] Über die Kirche zu Ehren Johannes des Täufers wird in weiteren Quellen auch Folgendes berichtet: al-Balāḏurī (gest. 278/ 892) zufolge[51] soll Muʿāwiya gegenüber den Christen von Damaskus den Wunsch geäußert haben, die Kirche zur angrenzenden Moschee hinzuzufügen. Als dieser Wunsch zurückgewiesen wurde, ließ Muʿāwiya von ihm ab. Unter seinem Nachfolger ʿAbd al-Malik wurde derselbe Wunsch mit einem finanziellen Angebot verbunden, aber wieder abgelehnt. Der Umayyadenkalif al-Walīd b. ʿAbd al-Malik (reg. 86-96/ 705-15) soll den Versuch unternommen haben, den Christen die Kirche für einen hohen Preis abzukaufen. Als sich diese weigerten, habe er die Kirche konfisziert und in eine Moschee umgewandelt. Unter seinem Nachfolger ʿUmar II. b. ʿAbd al-ʿAzīz (reg. 99-101/ 717-20) hätten die Christen dann Beschwerde eingelegt. Auf Ratschluss islamischer Rechtsgelehrter (fuqahāʾ) seien ihnen dann als Kompensation für die Johanneskirche alle von den Muslimen beschlagnahmten Kirchen im fruchtbaren Damaszener Umland (al-Ġūṭa) übergeben worden, eine Lösung, die die Christen zufriedengestellt haben soll.[52] Eine Gleichsetzung dieser Kirche mit der Moschee bzw. die geteilte Nutzung des Gebäudes, wie sie an manchen Stellen angegeben wird,[53] ist hier aus Arculfs Bericht nicht abzuleiten.

Kontextualisierung, Analyse & Interpretation

[§11] Der Pilgerbericht Arculfs, den Adamnanus aufgeschrieben oder verfasst hat, ist in vielerlei Hinsicht ein interessantes Zeugnis lateinisch-arabischer Begegnungen. Einerseits ist es ein recht früher Nachweis einer Pilgerreise eines lateinischen Christen ins Heilige Land unter muslimischer Herrschaft, andererseits aber auch ein Bericht über das Heilige Land, der in einer davon entfernten Gegend, nämlich vor der Westküste Schottlands, verfasst und durch dort bekannte Literatur angereichert wurde.[54] Insofern ist bemerkenswert, wie akkurat und detailliert die Berichterstattung im Vergleich zu ähnlichen Dokumenten wirkt.[55] Das zeigt sich besonders an den Berichten über Orte, Gebäude und Landschaften.
[§12] Besonders interessant ist dabei auch die Darstellung der Muslime. Sie ist einigermaßen neutral, Adamnanus verwendet häufig den Begriff Saraceni. Muʿāwiya wird – gerade im Vergleich zur “gegnerischen” Streitpartei der Juden – positiv und friedensstiftend dargestellt, ein negativer Kommentar zu seiner Religion fällt dabei in den hier aufgeführten Textstellen nicht. Auch die behandelten Beschreibungen der Kirchen werfen kein negatives Licht auf den Islam. Woods zeigt, dass die Diminuitivformen bei der Beschreibung der Moschee in Jerusalem nicht unbedingt negativ gemeint gewesen sein müssen, sondern stellt im Gegenzug die positive Bewertung heraus.[56] Und, wie bereits erwähnt, scheint Adamnanus den Muslimen eine gewisse Frömmigkeit positiv zuzueignen. So zeigt sich, dass in diesem frühen und recht genauen Pilgerbericht kein negatives Bild gegenüber den Muslimen und dem Islam allgemein evoziert wird, sondern diesen eine neutrale bis positive Wertung gegeben wird. Dies ist v. a. deshalb bemerkenswert, da in der hier beschriebenen Periode des späten 7. Jahrhunderts die muslimische Expansion noch in vollem Gange war. Die wahrscheinlich 658 bzw. 668 fertiggestellte Fredegar-Chronik berichtet über die Eroberung Ägyptens in den 640er Jahren, die erste Eroberung Karthagos 647 und das weitere Vordringen der Muslime nach Nordafrika.[57] Die sich in dieser Berichterstattung widerspiegelnde Sorge, die Anfang des 8. Jahrhunderts auch in mehreren Werken des Beda Venerabilis geäußert wird, der bald auch über die muslimische Invasion der Iberischen Halbinsel (711) berichten kann[58], klingt in Arculfs Pilgerbericht noch in keiner Weise an.

Editionen & Übersetzungen

Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Denis Meehan (Scriptores Latini Hiberniae 3), Dublin: The Dublin Institute for Advanced Studies, 1958.
Adamnanus, De locis sanctis libri tres, ed. Paul Geyer (Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum 39), Wien: Tempsky, 1899, S. 219-297.
Adamnanus, De locis sanctis, ed. Ludwig Bieler (CCL 175), Turnhout: Brepols, 1965, S. 175-234.
Arculf, Arculf: Eines Pilgers Reise nach dem heiligen Lande (um 670), übers. Paul Mickley, 2 Bde., Leipzig: J. C. Heinrichs, 1917.
Donner, Herbert: Pilgerfahrt ins Heilige Land. Die ältesten Berichte christlicher Palästinapilger (4.-7.Jh.), Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 22002, S. 312-394.
Wilkinson, John: Jerusalem Pilgrims before the Crusades, Warminster 1977, S. 93-116 und 191-197 (Zeichnungen).

Zitierte & weiterführende Literatur

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Woods, David: Arculf’s Luggage. The Sources for Adomnán’s De locis sanctis, in: Ériu 52 (2002), S. 25-52.

Zitierempfehlung

Vera Kreutzmann, "674-685: Beobachtungen des fränkischen Pilgers Arculf in Jerusalem und Damaskus", in: Transmediterrane Geschichte. Kommentierte Quellenanthologie, ed. Daniel G. König, Theresa Jäckh, Eric Böhme, URL: https://wiki.uni-konstanz.de/transmed-de/index.php/674-685:_Beobachtungen_des_fränkischen_Pilgers_Arculf_in_Jerusalem_und_Damaskus. Letzte Änderung: 16.07.2021, Zugriff: 16.10.2021.

Schlagworte

Pilgerreise, Heiliges Land, Juden, Toleranz, Gebäude, ḏimma, Christen unter Muslimen, Adomnan, Beda Venerabilis, Arculf, Muʿāwiya b. Abī Sufyān, Umayyaden, Jerusalem, Damaskus, al-Aqṣā-Moschee, Wahrnehmung.

  1. Cf. Beda Venerabilis, De locis sanctis, ed.I. Fraipoint (CCL 175), cap. IV, 2, S. 260: Hinc ad impios perueniens diuitias tantum auxit ut Iudaeis, et hoc multo tempore, donec post longa litigia, quibus christiani Iudaei se Christi, infideles uero se patrum suorum adfirmabant heredes, Mauuias Sarracenorum rex, qui nostra aetate fuit, iudex postulatur. Qui accensa grandi pyra Christum iudicem precatur, qui hoc pro suorum salute super caput habere dignaretur. Missum ergo in igne sudarium ueloci raptu aufugiens euolat et in summo aere diutissime quasi ludendo uolucritans, ad ultimum cunctis utrimque intuentibus se leuiter in cuiusdam de christianis sinu deposuit. Quod mane mox totus populus summa ueneratione salutabat et osculabatur; habebat autem longitudinis octo pedes.
  2. Cf. Beda Venerabilis, De locis sanctis, ed. I. Fraipoint (CCL 175), cap. XVII, S. 277: Damascus in campo sita lato et amplo murorum ambitu et crebris munita turribus, quam magna quattuor flumina interfluunt. Vbi dum christiani sancti baptistae Iohannis ecclesiam frequentant, Saracenorum rex cum sua sibi gente aliam instituit atque sacrauit. Plurima extra muros in gyro oliueta. A Thabor Damascum septem dierum iter.
  3. Zu den unterschiedlichen Erwähnungen und Bezeichnung des Pilgers: Donner, Pilgerfahrt, S. 301-302.
  4. Einziger weiterer zeitgenössischer Autor, der Arculf erwähnt, ist Beda Venerabilis. Vgl. Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 1, 6-9. Woods, Adomnán, Arculf and the Mosque, S. 180. Donner, Pilgerfahrt, bes. S. 297f. Woods, Arculf’s Luggage, passim, stellt zudem mehrere andere Vorlagen und Quellen der Informationen Adamnanus heraus.
  5. Binding, Arculf. Woods, Adomnán, Arculf and the Mosque, S. 189f. setzt die Pilgerreise bereits Ende der 650er an. Nach Scheiner, Eroberung von Damaskus, S. 443, soll Arculf um 670 unterwegs gewesen sein. Hoyland, Seeing Islam, S. 221, geht ebenfalls von einer Reise in den 670ern aus. Zum Reiseweg und der -dauer Donner, Pilgerfahrt, S. 305f., Adamnanus, Adamnan’s De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 9-11. Die unterschiedliche Datierung der Reise Arculfs in der Literatur ist problematisch für die Interpretation der Quellenstellen, z. B. bei der Frage nach der Deutung der beschriebenen Gebäude.
  6. Vgl. Adamnanus, Adamnan’s De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 6-7, Donner, Pilgerfahrt, S. 297-298.
  7. Binding, Arculf, Sp. 911-912.
  8. Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 3, ebenso Köpf, Adamnanus. Dagegen Donner, Pilgerfahrt, S. 299.
  9. Byrne, Adamnanus v. Hy, Sp. 117-118.
  10. Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 3.
  11. Rollason, Columba, Sp. 63.
  12. Donner, Pilgerfahrt, S. 299. Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 3. Byrne, Admananus v. Hy, Sp. 117-118.
  13. Byrne, Adamnanus v. Hy, Sp. 117-118. Scheiner, Eroberung von Damaskus, S. 442, Anm. 50.
  14. Z.B. Donner, Pilgerfahrt, S. 299. Köpf, Adamnanus.
  15. Byrne, Adamnanus v. Hy, Sp. 117-118. Donner, Pilgerfahrt, S. 299. Köpf, Adamnanus.
  16. Byrne, Adamnanus v. Hy, Sp. 117-118. Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 5.
  17. Byrne, Adamnanus v. Hy, Sp. 117-118. Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 3.
  18. Donner, Pilgerfahrt, S. 300.
  19. Donner, Pilgerfahrt, S. 300. Byrne, Adamnanus v. Hy, Sp. 117-118.
  20. Tolan, De locis sanctis. Woods, Adomnán, Arculf and the Mosque, S. 179.
  21. Donner, Pilgerfahrt, S. 304.
  22. Donner, Pilgerfahrt, S. 301.
  23. Tolan, De locis sanctis.
  24. Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 4. Dem etwas entgegen steht Aist, From Topography to Text, der zeigen will, dass Eucherius die Hauptquelle Bedas war. Zum Vergleich der Texte von Adamnan und Beda, siehe die Fußnoten 1 und 2.
  25. Zu Bedas Verständnis des Islam siehe Tolan, Saracens, S. 72f, sowie Scarfe Beckett, Anglo-Saxon Perceptions, v.a. S. 44-68.
  26. Donner, Pilgerfahrt, S. 308.
  27. Kapitelübersicht im Werk und Donner, Pilgerfahrt, S. 305.
  28. Vgl. Ruchaud, Le pèlerin chrétien, bes. S. 20f. Auch in der maximal 100 Jahre jüngeren Vita Willibaldi sind Beschreibungen der nichtchristlichen Umwelt enthalten, die Ruchauds These in Frage stellen.
  29. Donner, Pilgerfahrt, S. 302.
  30. Adamnanus, De locis sanctis, ed./übers. Meehan, S. 19-29. Donner, Pilgerfahrt, S. 303f.
  31. Woods, Adomnán, Arculf and the Mosque, S. 179.
  32. Tolan, De locis sanctis.
  33. Tolan, De locis sanctis.
  34. Woods, Adomnán, Arculf and the Mosque, S. 182f. Kallner-Amiran gibt sowohl ein Erdbeben 658 mit schweren Schäden als auch eines 659/660 an, wobei dort nur Schäden in Jericho und Khan el-Ahmar aufgezählt werden.
  35. Woods, Adomnán, Arculf and the Mosque, S. 183-185.
  36. Woods Adomnán, Arculf and the Mosque, S.184.
  37. Grafman, Rosen-Ayalon, Two Mosques, S. 2, 5.
  38. Pedersen, Masdjid I. Weitere archäologische Untersuchungen finden sich bei Kaplony, The Ḥaram of Jerusalem, bes. S. 207-12.
  39. Woods, Adomnán, Arculf and the Mosque, S. 189.
  40. Kupferschmidt, Al-Aqṣā.
  41. Für 602: Thorau, Muʿāwiya, Sp. 884-885. Hinds, Muʿāwiya I, mit Diskussion des Datums und der allgemeinen Festlegung auf 610.
  42. Hinds, Muʿāwiya I, nennt verschiedene Gegenden und Orte, über die er die Herrschaft erhielt.
  43. Genauer Ablauf bei Hinds, Muʿāwiya I.
  44. Hinds, Muʿāwiya I.
  45. Lebenslauf bei Thorau, Muʿāwiya, Sp. 884-885.
  46. Zu Muʿāwiyas Rolle als Schlichter in einer solchen Streitigkeit ist bisher wohl keine arabische Parallelüberlieferung bekannt. Eine zeitgenössische maronitische Chronik erwähnt allerdings bestimmte Handlungen Muʿāwiyas, die eine gewisse Affinität zum Christentum aufweisen könnten. Dazu gehören seine Herrschererhebung in Jerusalem (nicht in Damaskus) sowie die Tatsache, dass er nach seiner Erhebung zum Beten nach Golgatha, also zur Todesstätte Jesu, und nach Gethsemane, zum Grab Marias, ging. Vgl. Chronica Minora (Textus), ed. E. W. Brooks (Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium 3, Scriptores Syrii 3), Louvain 1955, S. 69-71; übers. in Andrew Palmer, The Seventh Century in the West-Syrian Chronicles, Liverpool: Liverpool University Press, 1993, S. 29-32. Vgl. Marsham, Architecture of Allegiance, S. 87-112.
  47. Tolan, De locis sanctis.
  48. Vgl. hierzu ausführlich: Anawati, ʿĪsā.
  49. Vgl. Whitcomb, Notes for an Archaeology of Muʿāwiya, passim. Zum frühen Islam als einer gegenüber den monotheistischen Schwesterreligionen offenen Reformbewegung vgl. Donner, Muḥammad and the Believers; Donner, From Believers to Muslims.
  50. Grafman, Rosen-Ayalon, Two Mosques, S. 7-11. Cahen, Damaskus, spricht allerdings davon, dass über der von Arculf auch genannten Johanneskirche um 700 die von den beiden untersuchte Große Moschee erbaut wurde. Weitere Untersuchungen zur Großen Moschee in Damaskus bei Flood, The Great Mosque of Damascus.
  51. Al-Balāḏurī, Kitāb Futūḥ al-buldān, ed. Michael de Goeje, Leiden: Brill, 1866, S. 125, übers. al-Balādhuri, The Origins of the Islamic State, übers. Philip Khūrī Hitti, New York: Columbia University, 1916, S. 191-193.
  52. Weitere Literatur und Quellen bei: Pedersen, Masdjid I.; Abdellatif, Pouvoir politique et élites civiles.
  53. Pedersen, Masdjid I.
  54. Donner, Pilgerfahrt, S. 300.
  55. Donner, Pilgerfahrt, S. 302-304.
  56. Woods, Adomnán, Arculf and the Mosque, S. 181.
  57. Über die frühe Ausbreitung berichten die Chronicarum quae dicuntur Fredegarii libri quatuor, ed. Krusch (MGH SS rer. Merov. 2), lib. IV, cap. 66, S. 153-154; der Vorstoß nach Nordafrika ist dann dokumentiert in cap. 81, S. 162.
  58. Vgl. König, Arabic-Islamic Views, S. 41-42; Tolan, Saracens, S. 72-76.